Mrz 132015
 

Einer der besten Sektoren in den letzten Jahren ist der Biotech-Sektor. Insbesondere in den USA sind Biotech-Aktien extrem gut gelaufen. So gut, dass selbst die Fed schon im vergangenen Sommer von „überhöhten Bewertungen“ sprach. Ich habe selbst in den letzten Monaten mit einigen Werten aus dem Bereich gute Gewinne erzielt und meine Recherchen haben mir klar gemacht, dass sich hier eine Blase entwickelt, die dazu verdammt ist, sich selbst zu zerstören. Was meine ich damit?

Nun, fast in jeder Investorenpräsentation sehe ich Wirkstoffe in einer bestimmten Entwicklungsphase, wo dann auch das Marktpotenzial angegeben wird. Nun ist es nur so, dass inzwischen etliche Unternehmen an Präparaten gegen dieselben Krankheiten arbeiten. Der Markt wird daher in den nächsten fünf bis zehn Jahren permanent ein wachsendes Angebot an Medikamenten sehen. Diese müssen sich dann einen Markt teilen, d.h. das oft genannte Marktpotenzial mag zwar in der Summe korrekt sein, es wird jedoch womöglich nie auch nur annähernd für ein Medikament erreicht.

Denkbar wäre auch das Phänomen des „the winner takes it all“, d.h. ein Medikament ist derart überlegen, dass es tatsächlich den größten Part des Marktes einnimmt – und alle anderen Wirkstoffe kaum noch Verwendung finden. Für letztere hätte sich dann die langjährige kostenintensive Entwicklung kaum gelohnt. Und auch der Patentschutz wäre dann relativ wertlos.

Was das Marktpotenzial betrifft, so denke ich, dass hier oftmals auch viel zu optimistische Annahmen über die durchsetzbaren Preise getroffen werden. Dass die Gesundheitssysteme in weiten Teilen der Welt nicht nachhaltig ökonomisch tragfähig sind, ist allgemein bekannt. Daher muss auch immer öfter mit der Einmischung der Politik gerechnet werden. In Zeiten der Fixierung von Preisen für Treibstoffe, „Mietpreisbremsen“ und anderen staatlichen Eingriffen in Märkte sollte klar sein, dass auch der Bereche Gesundheit zunehmend „reguliert“ werden dürfte. Und wie oben beschrieben werden immer mehr Medikamente gegeneinander konkurrieren. Das dürfte auch die Preise drücken.

Was mir auch in den vielen Stunden der Recherche klar wurde: die Entwicklung neuer Wirkstoffe wird immer besser. Neue Ansätze wie z.B. die RNA-Interferenz könnten die Heilung von Krankheiten durch eine einzige Behandlung ermöglichen. Was das für Pharmaunternehmen bedeuten könnte, dürfte klar sein. Einige Unternehmen arbeiten mit einer Art „Künstliche Intelligenz“ an der Wirkstoffforschung, zunehmende Automatisierung beschleunigt Prozesse und senkt die Kosten der Entwicklung. Auch gibt es zunehmend Ansätze, die auf individuell designte Medikamente hinarbeiten. Insofern sehe ich ein nicht unwahrscheinliches Szenario, in dem auch im Biotech-Sektor Technologie letztlich deflationär wirken wird und viele frühere Forschungen und Entwicklungen obsolet werden lässt.

Neben diesen eher fundamentalen Überlegungen gibt es weitere Anzeichen dafür, dass sich im Biotech-Sektor nun eine Blase entwickelt. So gab es in den USA im vergangenen Jahr einen sprunghaften Anstieg der Biotech-Börsengänge und die meisten dieser Unternehmen befinden sich noch in einem sehr frühen Stadium der Entwicklung und werden vermutlich niemals Geld verdienen.

biotech-ipos
Die durchschnittlichen Zeichnungsgewinne lagen bei 13% am ersten Tag und 21% bis Jahresende – weitaus mehr, als in jedem anderen Segment. Doch ist es schon an der Zeit zum shorten, wie dies zuletzt immer mehr Investoren tun?

Blasenbildungen brauchen Zeit. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich die Biotech-Blase noch zwei bis drei Jahre weiter aufbläht. Das hängt sicher auch von der Entwicklung des Gesamtmarktes und der Zinsentwicklung ab. Die Kunst liegt indes dann darin, rechtzeitig den Ausstieg zu finden und den Sektor dann konsequent zu meiden. Noch ist es nicht so weit. Noch winken schnelle Gewinne. Aber bleiben Sie vorsichtig. In Blasenbildungen kann man in kurzer Zeit ein Vermögen erzielen und nicht selten werden Skeptiker, die bereits wegen überzogener Bewertung shorten, brachial wieder aus dem Markt gedrängt. Gerade die letzte Phase einer Blasenbildung ist durch extreme Preissteigerungen in kurzer Zeit geprägt. Aus meiner Sicht sind wir dort noch nicht angekommen. Doch stellen Sie sich auf hohe Volatilität ein. Und denken Sie an das alte Bonmot: Nicht alle Eier in einen Korb legen…

  2 Responses to “Warum auch die Biotech-Blase platzen wird”

  1. […] kaufkraftschutz.de: Warum auch die Biotech-Blase platzen wird […]

  2. Are We In A Biotech Bubble? You Decide

    „Ok so to summarize, the space has outperformed the broad market by a count of 3.5:1 over the past four years, is up four fold over a decade that included the worst financial crisis since the Depression, is riding a 5-year reign as the top performing sector, and the number of public companies in the sector with $2B market caps has tripled in four years. That all looks a bit bubblish to us.“

    http://www.zerohedge.com/news/2015-03-27/are-we-biotech-bubble-you-decide

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