Jul 152015
 
goldbarren

Der Goldpreis notiert gerade bei 1.156 USD. Angesichts der Krisen (Ukraine, China, Griechenland, Puerto Rico) hätte man intuitiv annehmen können, dass der Goldpreis signifikant zulegt. Doch nichts. Nienete. Nada. Rien. Der Goldpreis hat sogar noch leicht abgegeben in den vergangenen Wochen. Spekuliert wurde bereits, ob womöglich Griechenland sein Gold verkauft.

Wie dem auch sei, nun da sich überall Anzeichen für Entspannung zeigen (Iran, Griechenland, Ukraine, China), könnte das genaue Gegenteil der ursprünglichen Annahme eintreten: ein stärkerer Sturz. Denn dafür lassen sich einige weitere Argumente anführen. So hat z.B. Fed-Chefin Yellen vergangene Woche recht klar gesagt, dass es einen Zinsschritt geben wird. Das entspricht auch klar meiner Meinung: Die US-Zinserhöhung kommt!

Nicht unterschätzen sollte man aber auch den Deal mit Iran sowie die jüngsten Verwerfungen in China. Der Iran hat für große Transaktionen in den letzten Jahren Gold genutzt und könnte nun als Verkäufer auftreten. Ebenso chinesische Privatinvestoren, die Liquidität benötigen wegen margin calls.

Hinzu kommt die brisante charttechnische Lage. Unter 1.140 USD sieht der Goldpreis immens kritisch aus.

Gegen einen Fall des Goldpreises sprechen recht klar die CoT-Daten, welche eher sogar eine unmittelbar bevorstehende Wende nach oben andeuten.

Was recht eindeutig ist: die Volatilität des Goldpreises steht auf sehr tiefem Niveau. In den letzten Jahren kam es ausgehend von diesem Niveau in der Folge zu stärkeren Bewegungen. Und da ich wie oben beschrieben eher mit einem Einbruch reche, könnte Gold bald schnell 150 USD und mehr verlieren. Ich sehe jedenfalls derzeit kein überzeugendes Pro-Gold-Argument.

Was denken Sie? Ich freue mich auf Ihren Kommentar!

Jul 022015
 

Die heutigen US-Konjunkturdaten waren nicht besonders überzeugend und es finden sich bereits wieder zahlreiche Einschätzungen, wonach die Fed in diesem Jahr keine Zinserhöhung mehr durchführen wird. Ich bin hier explizit anderer Ansicht und wiederhole:

Die Fed MUSS JETZT die Zinsen anheben. Denn wenn sie jetzt die Zinsen anhebt, wird das den Konsum sogar beflügeln, weil viele sozusagen noch „schnell die niedrigen Zinsen nutzen“ werden wollen. Außerdem muss die Fed anheben, um auch wieder Möglichkeiten zu haben, wenn die nächste Rezession kommt (was vermutlich um 2017 der Fall sein wird). Und sie muss es tun, um ihre Glaubwürdigkeit zu erhalten. Zudem glaube ich, dass die Fed „Luft aus den Märkten nehmen“ will und tatsächlich auch möglichen Inflationsrisiken begegnen möchte.

Ich erwarte daher den ersten kleinen Zinsschritt im September.

Und jetzt kommt das, was Sie womöglich überraschen wird: Die US-Börsen werden trotzdem haussieren. Denn die US-Märkte haben die Zinserhöhung längst eingepreist. Nicht richtig eingepreist sind jedoch eine Friedensdividende (Iran) und ein Ende des Griechenland-Spektakels (egal welches es auch sein mag).

Was denken Sie?

Jun 122015
 

Die jüngsten Beiträge auf kaufkraftschutz.de trafen allesamt ins Schwarze. Wir haben einen ersten starken Anstieg der Zinsen gesehen und der Euro konnte sich deutlich von seinen Tiefs erholen. Aus meiner Sicht könnte das zweite Halbjahr durch einen sehr starken Anstieg der Börsen gekennzeichnet sein, begleitet oder vorangehend durch einen Kursrutsch bei Euro, Öl und Gold.

Die Mehrheit der Marktbeobachter geht inzwischen davon aus, dass die Fed die Zinsen erst im kommenden Jahr anheben wird – wenn überhaupt. Ich teile diese Ansicht nicht und erwarte sogar schon recht bald den ersten kleinen Zinsschritt nach oben und wie hier beschrieben eine sich verstärkende Zinswende in den kommenden beiden Jahren. Denn aus meiner Sicht muss die Fed das jetzt tun: Wenn sie jetzt die Zinsen anhebt, wird das den Konsum sogar beflügeln, weil viele sozusagen noch „schnell die niedrigen Zinsen nutzen“ werden wollen. Außerdem muss die Fed anheben, um auch wieder Möglichkeiten zu haben, wenn die nächste Rezession kommt (was vermutlich um 2017 der Fall sein wird). Und sie muss es tun, um ihre Glaubwürdigkeit zu erhalten.

Insofern glaube ich, dass sowohl der Euro als auch Gold vor einem neuerlichen Kursrutsch stehen. Bei EUR/USD könnte die Parität ins Ziel rücken, bei Gold die 1.000 USD. Und der Ölpreis wird vermutlich ebenfalls stärker fallen, weil es weiterhin ein deutliches Überangebot gibt und alle Zeichen weiterhin auf eine Einigung mit Iran und die Ablösung ölangetriebener Fahrzeuge hindeuten.

Generell denke ich, dass man Öl- und Gas-Aktien in den nächsten Jahren (!) strikt meiden sollte und empfehle dazu den Artikel von Clemens Schmale „Die CarbonBubble: Öl am Ende?“. Die Aktie von Exxon Mobil hat kürzliches ein sehr klares Chartsignal geliefert, dass eine Zeitenwende ankündigt.

Ein fallender Euro und ein fallender Ölpreis sind wiederum starke Antreiber der Börsen – genauso wie eine Entspannung an der „außenpolitischen Front“.

Ich favorisiere weiterhin Technologie-Werte und denke, dass die Themen E-Cars, Augmented Reality (z.B. Datenbrillen, 3D-Projektionen), Cyber-Security und Biotech weiter laufen werden. Euro, Öl und Gold sind hingegen für mich nun Short-Kandidaten.

Feb 282015
 
blase

Im Mai 2011 schrieb ich im Beitrag „Wann kommt die Zinswende?“, dass ich für 2012 mit einem Tief rechne und die Zinsen „tendenziell ab Ende 2012 ihren Anstieg beginnen, die Anleihenmärkte dann in einen nachhaltigen Bärenmarkt übergehen“ werden. Bezogen war der Beitrag primär auf die 30-jährigen US-Bonds. Mit der Einschätzung lag ich bis Anfang dieses Jahres richtig, dann wurden sogar kurzfristig neue Tiefs erreicht. Ich sehe dies jedoch als finale Übertreibung an, die durch das Quantitative Easing (QE) der Notenbanken befeuert wurde.

Wenn Sie mich fragen, wo gerade die größte Blase schlummert, dann würde ich sagen: im Glauben an dauerhaft niedrige Zinsen und die Allmacht der Notenbanken. Beides wird noch in diesem Jahr seinen „Peak“ sehen. Ich rechne fest damit, dass wir im dritten Quartal ein „plötzliches Erwachen“ erleben werden. Irgendein Auslöser wird dazu führen, dass DIE Zinswende ihren Anfang nimmt (die Bodenbildung läuft wie beschrieben seit 2012), d.h. eine nachhaltige Wende an den globalen Bondsmärkten, die 2016 und 2017 deutlich an Momentum aufnehmen wird.

Global? Ja! Ich denke nicht, dass Europa den japanischen Weg gehen wird. Es mag sein, dass einzelne Länder hinsichtlich der demografischen Entwicklung ähnlich wie Japan in einer strukturellen Deflation stecken. Indes bedeutet das keineswegs, dass auch die Zinsen in Europa über eine Dekade lang tief bleiben müssen. Denn während Japan nur ein einzelnes Land ist, ist die Euro-Zone eine politisch motivierte Schicksalsgemeinschaft, der man immer weniger vertrauen wird. Heißt: die aktuellen Anleihenrenditen sind absurd und spiegeln in keinster Weise die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der einzelnen Länder wider. Griechenland ist nur ein Vorbeben. Das eigentliche Beben wird in Frankreich beginnen und damit einen der Grundpfeiler des Euro treffen. Die Parität zum US-Dollar könnte also noch in diesem Jahr erreicht werden, was 2013 bereits hier beschrieben wurde.

Ab 2016 rechne ich also mit global deutlich steigenden Zinsen. Da ich dann auch ein Wiedererwachen der Inflation erwarte, werden Investoren immer stärker in Aktien fliehen und dort die nächste gigantische Blase aufpumpen. Ich halte es für durchaus denkbar, dass der DAX Ende des Jahrzehnts über 20.000 Punkten notieren wird, der Dow Jones womöglich bei 35.000 Punkten.

Es ist also JETZT an der Zeit, sich auf die Zinswende vorzubereiten. Was heißt das konkret? Nun:

  1. Wenn Sie einen Kredit oder Darlehen aufnehmen wollen, dann zeitnah. Bedenken Sie jedoch: ein Kredit ist kein Selbstzweck. Überprüfen Sie sehr genau, ob Sie wirklich auf Kreditbasis etwas erwerben bzw. investieren möchten.
  2. Kaufen Sie keine Immobilien als Anlage! Dazu als Anregung auch nochmal der Beitrag: Was gegen die Immobilie als Inflationsschutz spricht
  3. Meiden Sie jegliche Anleihen, insbesondere Risikoanleihen!
  4. Shorten Sie keine Aktienindizes (auch wenn es sicher auch starke Rückschläge wie im Herbst 2014 geben könnte).
  5. Meiden Sie Aktien von Unternehmen mit hohen Schulden und niedrigem Cashflow.
  6. Legen Sie sich bei Edelmetallen auf die Lauer. Hier sollte es – nach einem weiteren starken Rutsch auf <1.000 US-Dollar – wieder nachhaltig aufwärts gehen.
  7. Suchen Sie sich einen guten Steuerberater. Wenn die Zinswende kommt, werden die Staaten noch stärker die Steuern erhöhen (müssen), weil die Finanzierung über Anleihen teurer werden wird.
  8. Überprüfen Sie Ihre privaten Finanzen langfristig im Hinblick auf die Frage: Inwiefern könnten sich stark steigende Zinsen negativ auf mich bzw. meinen Haushalt auswirken?
  9. Vertrauen Sie keinen Aussagen von Regierungen und Notenbanken! Deren Möglichkeiten sind begrenzt und häufig mehr psychologischer Natur.
  10. Vergessen Sie nicht, dass auch Bargeld eine Anlageklasse ist und Liquidität in den kommenden Jahren immer wichtiger werden wird. Zur Erinnerung: Bargeld lacht! Cash is king!

Ihr Feedback ist jederzeit willkommen.

Jun 032011
 

Aufgrund des derzeit niedrigen Zinsniveaus ist ein Investment in eine Immobilie äußerst verlockend. Fast ist man geneigt, mit hohem Fremdkapitalanteil zu finanzieren, denn „die Inflation wird ja die Schulden entwerten“. Und Immobilien überdauern als klassischer Sachwert jede Währungskrise. Offensichtlich denken nicht wenige Anleger so, denn die Immobilienpreise in Deutschland haben bereits stark angezogen.

Beim Immobilienkauf gibt es bekanntlich drei wichtige Kriterien: Lage, Lage, Lage. Dass an diesem Bonmot etwas dran ist, zeigt sich daran, dass sich in manchen Teilen Deutschlands aufgrund des demografischen und strukturellen Wandels für Immobilien überhaupt keine Käufer mehr finden. Allerdings muss auch konstatiert werden, dass Immobilien in guten Lagen inzwischen pauschal als überteuert bezeichnet werden dürfen. Wer zu diesen Preisen kauft, geht ein nicht unwesentliches Preis-Risiko ein. Doch es schlummern noch weitere Gefahren für Immobilien-Investoren.

Simon Betschinger schreibt heute in seinem Blog: „Bei 126.000€ Jahreseinkommen werden nach dem Abgabenrechner des Bundesfinanzministeriums Steuern in Höhe 47.209,14 Euro fällig. Es verbleiben monatlich 6.566 Euro Nettoeinkommen. Die FAZ hat letzte Woche vorgerechnet, dass nur 1% aller Deutschen monatlich über ein solches oder höheres Einkommen verfügt. Das ist eine Menge Geld, aber nicht genug, um in guter Gegend ein schönes Haus auf großem Grundstück bauen zu können. Wenn dieser ursprünglichste aller Familienträume selbst den einkommensstärksten Deutschen verwehrt ist, dann spiegelt sich darin eine tiefe Generationen- und Klassenungerechtigkeit wider. Wer bei Null anfängt, hat selbst in exponierten Berufen nur schwer die Möglichkeit in noch jungen Jahren zu einem klassischen Wohlstandsbild zu gelangen.“

Auf einen ähnlichen Vorgang weist Markus Gärtner in seinem Blog hin. Er schreibt, dass in Vancouver (Kanada) Chinesen in ganzen Gruppen aus den Fliegern aussteigen, „die mit Säcken voller Bargeld […] nur eines im Sinn haben: Buy, as fast as you can, on all terms.“ Weiter: „Die himmelstürmenden Preise fangen an, für die Einheimischen ein Problem zu werden: Denn junge Menschen können sich Häuser zu einem Durchschnittspreis von 820.000 Kanada-Dollar […] nicht mehr leisten, ganz zu schweigen von den astronomischen Immobiliensteuern, die der Besitz nach sich zieht. In Hong Kong hat dies bereits zu größeren Demonstrationen geführt. In Vancouver geht das auch bald los.“

Dies sollte zu denken geben. Wenn wir global immer offensichtlicher eine wachsende Wohlstands-Schere sehen, wird es früher oder später dazu kommen, dass die Wohlhabenden verstärkt zur Kasse gebeten werden. Und dies dürfte insbesondere Immobilien-Eigentümer treffen. Hierzulande wird bereits darüber diskutiert, ob der aktuell stattfindende Zensus nicht in Wirklichkeit dazu dient, die Einführung einer Sonder-Abgabe in Form einer Zwangshypothek vorzubereiten. Zur Erinnerung: Bereits 1923 und 1948 gab es staatliche Zwangshypotheken in Deutschland. Dabei wird eine Grundschuld zugunsten des Staates in die Grundbücher eingetragen, Immobilienbesitzer somit zwangsweise verschuldet und ihnen die Rückführung aufgezwungen.

Ausschließen sollte man einen solchen Vorgang sicher nicht. Und sollten die Diskussionen um Staatspleiten etc. zu einer nachhaltigen Zinswende führen, so dürfte auch dies negativ auf Immobilien-Investoren rückwirken. Wer variabel finanziert hat, sieht sich dann womöglich gezwungen, wieder zu verkaufen, was die Preise allgemein drücken könnte – siehe die anhaltend negativen Entwicklungen am US-Immobilienmarkt. Und auch wer einen festen Darlehenszins vereinbart hat, wird womöglich in der Zukunft eine Anschlussfinanzierung zu ungünstigeren Konditionen vornehmen müssen. Zudem erhöhen sich mit steigenden Zinsen die Opportunitätskosten: Warum eine Immobilie halten mit 3% Mietrendite (aktuelles Durchschnittsniveau), wenn man auf dem Sparbuch dann womöglich 5% bei signifikant höherer Liquidität bekommen kann? In einer Phase hoher Inflation wird zudem die Teuerung die Möglichkeit, die Mieten anzuheben, deutlich übersteigen. Real sinkt demnach der Mietertrag. Neben dem haben nicht selbst genutzte Immobilien weitere Risiken (Leerstand, Mietnomaden, unerkannte Baumängel, etc.).

Zuletzt: Wer Immobilien allein als Inflationsschutz kauft, ist im weitesten Sinne ein Spekulant. Es ist keineswegs sicher, dass wir eine nachhaltige Phase hoher Inflation erleben werden. Und selbst wenn, so dürfte eine solche die Gesamtwirtschaft massiv belasten. Es wäre daher durchaus vorstellbar, dass Preise für Güter und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs stark steigen, Immobilienpreise aber fallen, da eben immer größeren Bevölkerungsanteilen Kaufkraft entzogen wird. Genau das beschreibt Gonzalo Lira in seinem Beitrag ‚Inflation, Hyperinflation and Real Estate‘.

Wie sicher wären Ihre Einnahmen im Falle einer nachhaltig hohen Inflation? Könnten Sie womöglich selbst unter finanziellen Druck bzw. in eine Zwangssituation geraten?

FAZIT: Immobilien primär als Inflationsschutz zu erwerben, ist keine sinnvolle Strategie.

Mai 062011
 

Für Aufsehen sorgte Anfang April die Nachricht, dass der „Anleihenguru“ der Allianz-Tochter Pimco Bill Gross short in US-Bonds sei. Wie so oft wenn große Player ihre vermeindliche Positionierung publik machen, kam es seit dem genau zur gegenteiligen Entwicklung: die US-Bonds stiegen. Doch wie ist das möglich? Wie kann es sein, dass US-Anleihen trotz der ausufernden Verschuldung und der Diskussionen über das Ende des US-Dollar zulegen?

Wichtig zu sehen ist, dass weltweit genau wegen der exporbitanten Verschuldung auch entsprechende Vermögen vorhanden sind, die Anlage suchen. Und es gilt nach wie vor, dass der US-Anleihenmarkt der größte und liquideste Anlagemarkt der Welt ist. Zudem waren die Börsen und Rohstoffe jüngst exzellent gelaufen. Es hatte sich eine Blase bei den Inflationserwartungen gebildet, welche jüngst durch schwache Wirtschaftsdaten aus den USA und der EU zumindest einen Knacks bekommen hat. Wir haben in unserem kaufkraftschutz-Twitter-Feed mehrmals insbesondere auf die Risiken bei Silber hingewiesen, das dieser Blase Ausdruck verlieh.

Vieles spricht dafür, dass die kommenden Monate eher wieder deflationär geprägt sein werden, weshalb Anleihen noch gesucht sein dürften. Doch wenn man einen Blick auf die langfristige Entwicklung der US-Zinsen wirft, deutet sich eine Bodenbildung an. Die Zinsen dürften tendenziell ab Ende 2012 ihren Anstieg beginnen, die Anleihenmärkte dann in einen nachhaltigen Bärenmarkt übergehen. Für Sachwerte wird dies generell eher negative Implikationen begründen, was jedoch durch die zu erwartende Reaktion der Politiker und „Wirtschaftslenker“ kompensiert werden dürfte.