Jan 272015
 

Das würde Hamlet womöglich heute fragen, wenn er aufmerksamer Börsenbeobachter wäre und den südkoreanischen Aktienindex KOSPI vor Augen hätte:

kospi

Chart-Quelle: Yahoo

Wie man sieht, erweist sich Südkorea schon seit geraumer Zeit als Underperformer. Dies überrascht, wenn man an bekannte Marken wie Daewoo, Hyundai oder Samsung denkt, die allesamt immer „präsenter“ erscheinen. Was also ist „faul“ in der viertgrößten Volkswirtschaft Asiens?

Seit 2009 hat der südkoreanische Won signifikant gegen Euro, Yen und US-Dollar aufgewertet. Abenomics in Japan dürfte insbesondere Südkorea belasten, da die beiden Länder in vielen Bereichen konkurrieren. Doch auch der zunehmende Wettbewerb aus China ist nicht zu unterschätzen. China mausert sich immer mehr auch zu einem starken Hightech-Konkurrenten, der nicht selten preislich deutlich überlegen ist, z.B. bei Smartphones, Tablets etc. Und die Länder in Südostasien (Thailand, Vietnam, Indien) streben ebenfalls nach ihrem Anteil am Weltmarkt, etwa in der Autoindustrie. Zudem dürfte Südkorea die Konjunkturflaute in Europa spüren. Die EU ist für Südkorea nach China der zweitwichtigste Abnehmer von Waren.

Der KOSPI läuft Gefahr, eine große Top-Formation auszubilden. Es ist zwar denkbar, dass auch die südkoreanische Notenbank stärker in den „Währungskrieg“ einsteigt, doch Japan und nun Europa sind bereits wesentlich exzessiver unterwegs. Es ist für Südkorea – ähnlich wie für die Schweiz – überhaupt nicht möglich, dieses „Spiel“ zu gewinnen. Die Chancen für einen Ausbruch des KOSPI nach oben erscheinen daher aus meiner Sicht wesentlich geringer als ein Ausbruch nach unten. Sollte der südkoreanische Aktienmarkt unter 1.800 Punkte fallen, könnte sogar eine sehr dynamische Abwärtsbewegung einsetzen.

Vermutlich wird darüber die weitere Entwicklung des Yen entscheiden. Sollte die japanische Währung weiter abwerten, was aus meiner Sicht sehr wahrscheinlich ist, dürfte die südkoreanische Wirtschaft noch mehr unter Druck geraten. In diesem Fall könnte sich eine „Long Nikkei-Short Kospi-Strategie“ als sehr lukrativ erweisen.

Feb 212014
 

In meinem Beitrag „Katalysatoren einer Hausse bei Uran-Aktien“ habe ich drei Auslöser einer neuerlichen Hausse bei Uran bzw. Uran-Aktien beschrieben. Einer davon bezog sich auf Japan:

„Japan, vor Fukushima der weltweit drittgrößte Nutzer von Kernenergie, wird seine Atomkraftwerke wieder anschalten, präziser: anschalten müssen. Denn mit der jüngsten Abwertung des Yen werden Rohstoffe für die Japaner markant teurer, was die ohnehin schon negative Handelsbilanz belastet. Die Kosten für Energieimporte haben sich gegenüber 2011 bereits verdoppelt.“

Gestern war nun folgendes zu lesen: „Japan verbucht Rekord-Handelsbilanzdefizit – Schuld waren vor allem die durch den schwachen Yen verteuerten Energieimporte“. Es ist also genau das eingetroffen, was ich vermutet habe. Schauen wir uns das grafisch an, bekommen wir einen noch klareren Blick dafür, wie erheblich diese Entwicklung ist:

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Japan reagiert nun auch genau so, wie antizipiert, denn Japan beschleunigt den Neustart seiner Reaktoren. Es bleibt den Japanern faktisch auch gar keine andere Wahl, wenn sie ihre Wirtschafts- und Geldpolitik (extremes Quantitative Easing) fortsetzen wollen, ohne dass der Yen unmittelbar in den freien Fall übergeht.

Uran-Aktien sind in den letzten Monaten schon teils recht stark gestiegen, was jedoch primär auf die Konsolidierung in der Branche zurückzuführen ist. Doch der eigentliche Uran-Bulle steht noch bevor und es ist mitnichten zu spät, sich in dem Sektor zu positionieren. Einige konkrete Anlage-Ideen hatte ich Ihnen hier bereits vorgestellt.

An meinem Basis-Szenario für Japan ändert dies alles jedoch nichts. Japan wird im Ruin enden. Diese These vertreten inzwischen nicht wenige bekannte Strategen. Die Erfahrungen der letzten 20 Jahre haben mich jedoch gelehrt, dass solche Entwicklungen Zeit brauchen. Wirklich dramatisch dürfte es für Japan daher wohl erst in etwa fünf Jahren werden. Es ist also noch zu früh, sich hier zu positionieren. Bis dahin können wir jedoch im Uran-Sektor einiges an Geld verdienen…

Jun 072013
 

Am 15. Mai 2013 schrieb ich im Beitrag „DAX: Zeit zu shorten“: „Und denken Sie daran, dass gerade “die ganze Welt” mit weiterer Yen-Schwäche rechnet. Ein derart hoher Konsens führt regelmäßig zum genauen Gegenteil, wie hier beschrieben. Ich bin jedenfalls nun auch short EUR/JPY (aktuell 132,15).“

Gestern konnte der Yen gegen nahezu alle Währungen erheblich zugewinnen und hat damit  – kurzfristig – eine Wende eingeleitet. Ich rechne nun wie bereits via Twitter kommuniziert mit einer recht schnellen Aufwertung des Yen, da nun wie hier beschrieben in durchaus beträchtlichem Maße Carry Trades geschlossen werden dürften.

Für einen schnellen „Konter“ von ca. 5-10% gegen Euro und US-Dollar spricht auch die Divergenz, die sich zum Nikkei aufgebaut hat. Diese hat Robert Schröder von elliott-waves.com hier schön dargestellt.

Es zeigt sich mal wieder, dass die Notenbanken die Märkte nicht wirklich kontrollieren, sondern sie eher psychologisch beeinflussen. Dass der Yen dennoch längerfristig weiter abwerten dürfte, liegt weniger an der Notenbankpolitik (Auslöser) und mehr an den strukturellen Ungleichgewichten Japans (Ursache).

Was die niedrigen Zinsen indes bewirken ist, wie auch in meinem Beitrag „Kaufkraftschutz in Zeiten von Anlagenotstand und Finanzrepression“ dargestellt, dass immer mehr Investoren (zu) hohe Risiken eingehen und kreditbasierte Spekulationen zunehmen. Dies verdeutlicht im Falle Japans auch die folgende Grafik, die das Marging Trading im Verhältnis zum TOPIX zeigt.

topix-margin_debt

Von 2001 bis 2006 hatte Japan es schon einmal mit Quantitative Easing versucht, was jedoch letztlich wieder in einem Absturz endete. Daraus dürfte auch die derzeitige Angst vor einem Ende des QE in den USA herrühren. Früher, also bevor sich „kapitalistische Länder“ der Planwirtschaft verschrieben, waren die Treiber der Börsenkurse noch Unternehmensgewinne. Nun ja, die Zeiten ändern sich…

Interessant ist, dass japanische Staatsanleihen von den – hier frühzeitig angekündigten – Nikkei-Turbulenzen zuletzt überhaupt nicht profitieren konnten. Demnach scheint der Druck dort auszusteigen immens groß zu sein, was zwar per se auch dem Willen der japanischen Notenbank entspricht, sicherlich jedoch nicht zu schnell und zu stark geschehen darf. Denn sonst könnte die Banc of Japan sehr schnell in eine Situation geraten, wo sie nicht nur alle neu ausgegebenen sondern auch die bereits bestehenden Staatsanleihen in ihre Bücher nehmen muss. Mit anderen Worten: sie müsste den gesamten Markt für japanische Staatsanleihen aufkaufen. Es bedarf nicht viel Fantasie um zu verstehen, dass damit das Vertrauen in den Yen völlig erodieren und eine „Katastrophenhausse“ mit immenser Kapitalflucht aus Japan einsetzen würde.

Kurzfristig erwarte ich dennoch einen schnellen und relativ starken Anstieg des Yen. Und womöglich wird genau dieser dazu führen, dass die Banc of Japan dann noch radikaler agieren wird. Entsprechend muss man jederzeit mit Interventionen rechnen und damit möglicherweise recht abrupten Trendwechseln. Daher werde ich den Gewinn aus dem „Yen-Konter-Trade“ auch eher früher als später absichern bzw. realisieren.

Mai 162013
 
japan-flagge

Wir haben hier den Weg Japans schon frühzeitig aufgezeigt und als treue Leser dürften Sie die radikalen Schritte der japanischen Notenbank nicht überrascht haben. Lesen Sie dazu nochmal den Beitrag vom 23.08.2011: „Verliert die Bank of Japan die Nerven“.

Wichtig zu verstehen ist jedoch, dass eine Schuldenkrise wie in Griechenland derzeit nicht wahrscheinlich ist, einfach weil die japanische Zentralbank „alles aufkaufen“ kann. Dazu sei nochmals auf diesen Artikel vom 17.03.2011 verwiesen: Japan vor Schuldenkrise?

Japan ist demnach nicht von externen Gläubigern abhängig, denen es eine ständig höhere Rendite bieten muss. ABER: die derzeitigen Halter von japanischen Anleihen, vorrangig eigene Banken und vor allem die eigenen Bürger, könnten in Panik geraten. Und eben da liegt die Gefahr, denn es könnte zu einer Art Kapitalflucht kommen, wenn größere Teile der japanischen Bevölkerung das Vertrauen in die Aktionen der Notenbank verlieren.

Der jüngste sprunghafte Anstieg bei den japanischen Renditen hat dazu einen „Vorgeschmack“ gegeben, sodass sich die Banc of Japan schon gezwungen sieht, den Anleihen-Sektor zu stützen. Das hat auch einen handfesten Grund, denn die japanischen Banken und Versicherungen haben in etwa das Neunfache ihrer Eigenkapitalbestände in japanische Staatsanleihen investiert. Bei einem Kursrückgang der Staatsanleihen um nur 10% (das würde einem Zinsanstieg auf 2,0% für 10-jährige Anleihen entsprechen) wären japanische Banken und Versicherungen faktisch allesamt konkurs.

Wenn wir das mal weiterdenken ergibt sich eine ganz simple Erkenntnis: es gibt keinen Weg zurück. Die japanische Notenbank hat – ähnliche wie die US-Notenbank – mit ihrer Inflationspolitik immense Anreize geschaffen, aus japanischen Staatsanleihen auszusteigen. Denn entweder interveniert die Notenbank mit der Folge niedrigster Renditen, die im Falle des „Erfolgs“ hinsichtlich des Inflationsziels von 2% real deutlich negativ wären. Oder aber sie tut dies nicht und die Zinsen steigen sogleich deutlich an, was also Kursverluste für die bestehenden Investoren bedeutet und den Schuldendienst verteuert.

Es ist demnach aus meiner Sicht zu erwarten, dass sich die Bilanz der japanischen Notenbank sehr stark weiter aufblähen wird. Und ich vermute, dass dies zu einer nachhaltigen Schwäche des Yen führen wird. Zum Einen, weil immer mehr Japaner ihr Kapital ins Ausland schaffen werden. Zum Anderen, weil Yen-Carry Trades weiter zunehmen dürften und Spekulanten gezielt den Yen ins Visier nehmen werden.

Ein weiter fallender Yen wiederum wird den USA, Europa und China missfallen, zumal der effektive reale Wechselkurs ohnehin schon auf niedrigstem Niveau liegt. Die USA haben Japan daher bereits gemahnt. Sollte sich der Yen in den nächsten Jahren weiter abschwächen – was meiner Ansicht nach wie beschrieben sehr wahrscheinlich ist – dann werden aus verbalen Attacken Handlungen werden und protektionistische Maßnahmen ergriffen werden. Dies entspricht genau dem skizzierten Fahrplan des deflationären Zyklus.

Der Weg Japans ist meiner Einschätzung nach der Weg in den Ruin, denn selbst mit den extremsten Maßnahmen wird es Japan nicht gelingen können, die Wirtschaft nachhaltig zu befeuern, auch wenn auf Basis des niedrigen Niveaus anfängliche „Erfolge“ zu erwarten sind. Ein wesentlicher Grund der wirtschaftlichen Schwäche Japans ist die Demografie. Und zumindest diese können die Notenbanken nicht steuern.

Zudem – und das scheint einfach generell übersehen zu werden – ist das Nachfragepotenzial global sehr bescheiden. Der einzige Kontinent mit markantem Konsum(nachhol)potenzial ist Afrika, doch hier fehlt in den meisten Ländern noch die wirtschaftliche Basis, um sich relativ teure Güter und Dienstleistungen aus dem Ausland leisten zu können.

Persönlich erachte ich den Weg Japans noch aus anderen Gründen als sehr gefährlich. Das Land wird z.B. regelmäßig von Erdbeben heimgesucht und ein neues starkes Erdbeben mit katastrophalen Folgen würde Japan nun noch mehr treffen, da Staat und Notenbank bereits „aus allen Rohren schießen“.

Zudem begünstigt das japanische QE eine überzogene Asset Inflation (lokal wie auch international) und wie die Erfahrung gezeigt hat, führt dies regelmäßig zu neuen Problemen. Ich vermute daher, dass „Abenomics“ und „Quantitative Easing“ den Weg zu einer unkontrollierbaren Krise ebnen, die das Vertrauen in den Yen und in Notenbanken und Staaten generell global erschüttern wird. Bis dahin ist es aber wohl noch etwas Zeit.

Kurzfristig rechne ich wie hier beschrieben mit einer Erholung des Yen und damit einhergehend rückläufigen Börsen. Mittelfristig dürfte sich die Nikkei-Hausse fortsetzen, der Yen weiter nachgeben und die Inflation in Japan nun langsam beginnen zu steigen. Die Ironie wird demnach sein, dass anfänglich das von Premierminister Shinzo Abe gestartete Vorgehen wie ein Erfolg aussehen, sich in zwei bis drei Jahren jedoch als ruinös herausstellen wird.

Mai 152013
 

Nach gründlicher Analyse sehe ich die Zeit für Shorts auf die Aktienindizes nun gekommen. Ob es DIE Wende wird, kann ich noch nicht sicher sagen, doch binnen der kommenden drei Monate sehe ich den DAX (aktuell 8.363) bis auf ca. 7.300 Punkte zurückfallen, was immerhin einem Minus von rund 13% entspricht.

Ich weiß, Ihr Anlageberater, die Medien, die Fed und alle anderen sagen Ihnen etwas anderes, insbesondere dass Aktien gar nicht mehr fallen können, weil ja die Notenbanken die Märkte mit Liquidität fluten und damit die goldene Ära risikofreier Gewinne bei Aktien eingeleitet wurde. Das ist indes inzwischen wohl selbst dem absoluten Börsenneuling bekannt und damit keine relevante Information mehr.

Neu ist vielleicht eher, dass sich einige Divergenzen gebildet haben. So wurden z.B. die neuen Hochs nicht mehr durch den VIX und das Volumen unterstützt. Schaut man sich Einzelwerte an, so zeigen manche bereits abgeschlossene Wendeformationen, während andere gerade den „Buying Climax“ erleben, also die finale Trendbeschleunigungsphase.

Zu oft schon habe ich diese Phase erlebt um sie nicht zu kennen. Die letzten Bären werden brutal geschlachtet, Skeptiker mitleidig belächelt. Die einzige wichtige Frage für den „gewöhnlichen Fondsmanager“ lautet: Wie komme ich noch in den Aktienmarkt rein? Zur gleichen Zeit verkaufen die Insider massiv ihre Bestände, denn sie wissen letztlich am besten, wie ihr Geschäft relativ zu den Aktienkursen läuft.

Ja, genau in dieser Phase sind wir nun und es ist natürlich ein geradezu aussichtsloses Unterfangen, DAS Hoch zu erwischen. Ich habe mir angewöhnt, in solchen Phasen gestaffelte Put-Käufe durchzuführen und dann zu warten. Die Kunst liegt darin, gegen Ihre Panik zu handeln – so wie Sie es 2009 hätten tun sollen, als das „Ende der Welt“ nahe schien.

Und denken Sie daran, dass gerade „die ganze Welt“ mit weiterer Yen-Schwäche rechnet. Ein derart hoher Konsens führt regelmäßig zum genauen Gegenteil , wie hier beschrieben. Ich bin jedenfalls nun auch short EUR/JPY (aktuell 132,15).

Mai 022013
 

Ein wesentlicher Treiber der Börsenkurse weltweit ist das künstliche Niedrighalten der Zinsen durch die Käufe von Staatsanleihen durch Notenbanken. Dies erhöht den Anreiz, zu vermeintlich niedrigen Kreditkosten hohe Risiken einzugehen. Der Fachbegriff für das Vorgehen der Notenbanken ist bekanntlich „Quantitative Easing“ und in den zurückliegenden Monaten hat sich hier vor allem die Bank of Japan „einen Namen gemacht“, wie wir es seinerzeit auch erwartet hatten.

Nun hat der Yen schon markant abgewertet und es gibt inzwischen nicht wenige Investoren, die sogar mit einem Yen-Crash rechnen. Ich sehe das – kurzfristig – anders und glaube, dass es sogar eine überraschende Yen-Rally geben könnte, was wiederum zu Auflösungen zahlreicher Carry Trades und damit womöglich einer recht scharfen Kursreaktion an den Börsen führen könnte.

Schauen Sie sich dazu auch diesen Beitrag an, der auf eine Divergenz hinsichtlich des Yen/US-Dollar zur Zinsdifferenz bei 10-jährigen Staatsanleihen USA/Japan hinweist. Ich vermute, dass diese Lücke durch einen recht schnellen Anstieg des Yen gefüllt werden wird. Warum? Versetzen Sie sich einfach in die Situation der Portfoliomanager, die via Yen Carry Trade die Märkte „spielen“. Diese haben immense Buchgewinne zu verzeichnen, denn zu den steigenden Börsenkursen kamen noch der Yen-Absturz UND fallende Zinsen dazu. Im Prinzip kann es damit – kurzfristig – fast nicht mehr besser werden und die Verlockung muss immens groß sein, Gewinne zu realisieren.

Wenn man sich dann klar macht, dass wir inzwischen statistisch gesehen eine bemerkenswerte Kaufpanik gesehen haben und die Märke nun auch saisonal anfällig sind für Kursverluste, so glaube ich, dass sich hier Potenzial für einen neuerlichen „Flash Crash“ ergibt, da eine Wende bei einigen dieser Indikatoren dazu führen wird, dass – wieder einmal – alle Handelssysteme recht gleichzeitig zum Ausstieg blasen.

Und schaut man sich den Nikkei rein charttechnisch an, so sind wir nun bei einem Widerstandsbereich angekommen, der geradezu zu einer ersten Konsolidierung einlädt. Diese könnte den Nikkei m.E. durchaus bis auf ca. 11.000 Punkte zurückführen (aktuell 13.700), was immerhin einem Rückschlag von 20% entsprechen würde. Eine solche Entwicklung dürfte von Kursrückgängen an nahezu allen anderen Märkten begleitet sein. Persönlich habe ich daher nun meine ersten Puts (auf den DAX) erworben, welche angesichts der niedrigen Volatilität noch „günstig“ sind.

Abschließend jedoch ein mahnender Hinweis: technische Indikatoren und insbesondere Divergenzen verlieren durch den zunehmend staatsplanerischen Charakter der Märkte markant an Aussagekraft. Und ein „Flash Crash“ ist statistisch gesehen extrem unwahrscheinlich, darauf zu setzen also ein „Zock“. Den Put habe ich primär gekauft, weil auch andere Aspekte für eine nahende Wende an den Börsen sprechen. Wichtig ist jedoch zu sehen, dass sich aus den Yen Carry Trades – auch längerfristig – nicht unwesentliche Risiken ergeben, welche m.E. früher oder später zu unerwarteten, schnellen und unkontrollierbaren Entwicklungen führen können.

Feb 082013
 

So sieht es zumindest Harvard-Ökonom Martin Feldstein in einem Gastbeitrag in der „Wirtschaftswoche“. Nach seiner Ansicht führt das Ansteuern einer Inflationsrate von zwei bis drei Prozent unweigerlich zu höheren Kreditzinsen, was den Staatshaushalt enorm belasten würde.

In der Tat hat sich Japan auf einen gefährlichen Pfad begeben. “Die japanischen Banken und Versicherungen haben in etwa das Neunfache ihrer Eigenkapitalbestände in japanische Staatsanleihen investiert. Bei einem Kursrückgang der Staatsanleihen um nur 10% (das würde einem Zinsanstieg auf 2,0% für 10-jährige Anleihen entsprechen) wären japanische Banken und Versicherungen quasi konkurs.” schrieb Jens Erhardt in der jüngsten Ausgabe der „Finanzwoche“.

Insofern können wir durchaus erneut fragen: Steht Japan vor einer Schuldenkrise? Genau darauf wettet zum Beispiel in großem Stil Hedgefondsmanager Kyle Bass, der den Yen weiter stark fallen sieht. Es gibt zwar durchaus auch gute Argumente dafür, dass Japan nicht vor einem Staatsbankrott steht, doch eine Währungskrise und Kapriolen an den Anlagemärkten sind nicht auszuschließen. Dies haben wir in diesem Beitrag frühzeitig antizipiert: Verliert die Bank of Japan die Nerven?

Vieles spricht dafür, dass sich der Krisen-Fokus nun nachhaltig von Europa nach Japan verschiebt. Kurzfristig ist das Thema aber schon medial recht präsent, sodass zunächst eine „Gegenbewegung“ zu erwarten ist.

Dez 222011
 

„Gold und Schweizer Franken bieten den Anlegern nach Ansicht der UBS keine Zuflucht mehr vor der Euro-Schuldenkrise und den Turbulenzen an den Finanzmärkten“ lesen wir bei der Wirtschaftswoche.

Aha. Gut, dass die UBS darauf hinweist. Schöner wäre es indes gewesen, wenn sie dies vor den jeweiligen Einbrüchen getan hätte. So wie wir zum Beispiel:

09.08.2011 Vorsicht vor den “sicheren Häfen” (Gold, CHF, JPY)!

10.08.2011 Gold vor Crash, Dollar vor Rallye – Update

16.09.2011 Gold bildet obere Umkehr aus

19.09.2011 Silber vor weiterem Absturz

Derzeit warnen wir insbesondere vor dem Yen, denn in Japan deutet sich eine „Zeitenwende“ in den kommenden Monaten an. An anderer Stelle schrieben wir bereits:

Weniger „zuversichtlich“ sind wir da für Japan. Japan wird voraussichtlich das Jahr 2011 mit einem Handelsbilanzdefizit abschließen. Sollte sich die globale Wirtschaft in 2012 weiter eintrüben, wird sich diese Situation eher noch verschlechtern. Und damit könnte sich in Japan die nächste Schuldenkrise auftun. Der Yen bleibt somit ein strategischer Short. Die ersten Hedge Fonds haben bereits Blut geleckt.

Bei Gold und Schweizer Franken sehen wir im übrigen auch vorerst keine neuen Anstiege mehr gegen den Euro. Relativ betrachtet hat noch am ehesten der US-Dollar weiteres Aufwertungspotenzial, allerdings sprechen das Sentiment sowie die Positionierung der Commercials klar dagegen.

Einen sicheren Hafen gibt es nicht und hat es auch noch nie gegeben. Was zählt sind relative Werte.

Dez 212011
 

Zuletzt gab es eine deutliche Entspannung hinsichtlich der Zinsentwicklung europäischer Staatsanleihen. So konnte sich Spanien erheblich günstiger finanzieren als noch vor wenigen Wochen. Der Grund: die EZB hat die Liquiditätssituation der Banken durch extrem günstige Kredite massiv entschärft und damit Anreize gesetzt, dass diese mit diesen Mitteln u.a. hoch verzinsliche europäische Staatsanleihen kaufen, welche sie dann wiederum bei der EZB als „Sicherheiten“ hinterlegen.

Das klingt fast wie die Geschichte des Baron Münchhausen, der sich bekanntlich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf gezogen haben soll. Tatsächlich ist dies nichts anderes als eine verstecke Form von Quantitative Easing. Die Börsen feierten dies und auch der Euro konnte stärker zulegen. Ist die Euro-Krise nun also vorbei?

Wohl kaum, denn weiterhin fehlt ein innereuropäischer Länderfinanzausgleich. Dass sich die Situation an der Zinsfront entspannt darf nicht darüber hinweg täuschen, dass zum einen nach wie vor keine Lösung für die strukturell schwachen Länder vorliegt. Und zum anderen liegt nun noch mehr „Ramsch“ in den Büchern der EZB. Irgendwann kommt der Tag der Offenbarung. Doch bis dahin kann noch einiges an Zeit vergehen.

Wenn man die jüngsten Äußerungen von Angela Merkel ernst nehmen kann, wonach der Weg zur Fiskalunion unwiderruflich ist, so deutet sich auch hier Bewegung an. Dass diese womöglich zunächst nur von einem Teil der Euro-Länder getragen wird ist kurzfristig zweitrangig. Immerhin tut sich etwas. Längerfristig birgt dies indes immenses Konfliktpotenzial. Aber hier gilt wohl Keynes berühmte Aussage „In the long run we are all dead.“ Mit anderen Worten: Da können sich dann andere drum kümmern.

Kurzfristig stehen die Zeichen nun jedoch auf Entspannung. Wie von uns erwartet kam es zur Eskalation der Euro-Krise. Diese ist nicht vorbei, aber es wurde Zeit eingekauft und vermutlich wird sich der „Krisen-Fokus“ in den kommenden Monaten in Richtung Asien verschieben.

Auf die Probleme Chinas und Japans haben wir bereits mehrfach hingewiesen. In China ist eine Immobilienblase geplatzt und es gibt eine gewaltige Schieflage im Schattenbankensystem. Wir rechnen hier jedoch damit, dass die eigentliche China-Krise erst in zwei bis drei Jahren einsetzt. Bis dahin kann die chinesische Staatsplanung noch einiges mit ihren immensen Devisenreserven verschleiern. Interessant: Jüngst musste die chinesische Notenbank erstmals den Yuan stützen! Soweit zum sicheren Aufwertungs-Trade…

Weniger „zuversichtlich“ sind wir da für Japan. Japan wird voraussichtlich das Jahr 2011 mit einem Handelsbilanzdefizit abschließen. Sollte sich die globale Wirtschaft in 2012 weiter eintrüben, wird sich diese Situation eher noch verschlechtern. Und damit könnte sich in Japan die nächste Schuldenkrise auftun. Der Yen bleibt somit ein strategischer Short. Die ersten Hedge Fonds haben bereits Blut geleckt.

Sep 272011
 

Heute hat ein Mitglied der japanischen Notenbank (Bank of Japan – BoJ) erklärt, dass sie ggf. einen ähnlichen Schritt wie die Schweizer durchführen werden, sollte der Yen sich nicht bald abschwächen.

Die Schweizer haben jüngst den Schweizer Franken faktisch an den Euro gekoppelt und damit die Flucht in die Währung beendet. Wir hatten frühzeitig vor dem vermeintlich sicheren Hafen Schweizer Franken gewarnt, weil eine solche Entwicklung absehbar war.

Und wir haben auch das Thema Yen-Abwertung bereits an anderer Stelle thematisiert („Verliert die Bank of Japan die Nerven?“).

Es gibt eine auffällige Korrelation zwischen dem Währungspaar USD/JPY und den US-Bonds. Mit dem nun möglicherweise erfolgten Tief an den US-Anleihenmärkten (für 2011 – die dauerhafte Zinswende erwarten wir erst später) könnte demnach auch eine Wende des Yen unmittelbar bevorstehen.

Für strategisch agierende Investoren erscheint ein Long auf USD/JPY (aktuell 76,57) und womöglich ein längerfristiges Übergewichten japanischer Aktien zunehmend interessant.