Aug 052011
 

Sind Sie bereit für den schwarzen Freitag? (heute)

Verehrte Leser,

die Aktienbörsen sind weiter im rapiden Sinkflug. Der Dow Jones-Index gab heute Nacht weitere 500 (!) Punkte ab, die Börsen in Fernost legten entsprechend nach.  8 bzw. 9 Tage fallende Kurse, „ordentlich“ fallende Kurse hatten wir zuletzt in der Zeit nach dem Lehman-Kollaps gesehen. Das demonstriert die große Verunsicherung. Zu groß sind die Sorgen um die US-Wirtschaft sowie die Schuldenkrise in Europa und auch in den USA.

Gleichzeitig eilt der Goldpreis derzeit von Rekord zu Rekord und die Rendite der 10-jährigen deutschen Staatsanleihe fällt auf 2,32% und kommt damit ihrem historischen, deflationären Tief von knapp über 2% schon sehr nahe. Auch der Schweizer Franken befindet sich auf Rekordhoch!

Dennoch: wir beobachten die Märkte und Marktakteure sehr aktiv. Von einer Panik kann noch keinesfalls die Rede sein. Viele Fondsmanager, Banken und Vermögensverwalter lösen nur sukzessive ihre Positionen auf. Hier mal Gewinne mitnehmen, dort einen Stop-Loss ziehen. Aber eben kein großes untergewichten im Sinne von: raus aus Aktien. Eher würden wir die aktuelle Lage als einen „disziplinierten Abverkauf mit etwas hektischen Zügen“ bezeichnen. Aber keine Panik! Panik war es, als nach Lehman die Kurse gleich mehrfach zweistellige Prozente an einem Tag abgaben. Das ist Panik! Ein solcher wirklicher Sell-Off fehlt unseres Erachtens dem Markt noch, um diese Konsolidierung abzuschließen oder zumindest einer Zwischenerholung Platz zu geben.

Nun kommen aber heute Nachmittag die US-Arbeitsmarktdaten. Heute ist Freitag. An sich nichts Besonderes, aber: wer möchte in dieser Situation Positionen über das Wochenende halten?? Sollten die Zahlen heute schlechter als erwartet ausfallen, könnte das einen Sell-Off auslösen, der die letzten Tage in den Schatten stellt. Egal welche Besprechung heute in den Banktürmen in London, Frankfurt oder New York ist – das werden alle mit verfolgen, denn diese Zahl ist die wichtigste der letzten Tage. Und alle sitzen mit dem Finger am Knopf, bereit, sofort zu verkaufen. Sollten die Zahlen wirklich schwach sein und die rezessiven Tendenzen der US-Wirtschaft bestätigen, könnte es kurzfristig kein halten mehr geben. Ein weiterer schwarzen Freitag.

Banken hatten fast durchweg Kursziele für den DAX im oberen Bereich der 7.000 – und damit wie die meisten Akteure erneut die Dynamik der Finanzmärkte unterschätzt. Das reflektiert sich auch in spanischen oder italienischen Staatsanleihen, die unlängst ihr Renditehoch erreichten, also deutliche Kursverluste verbuchten. Jetzt beginnen Banken, z.B. die Société Générale vor zwei Tagen, erst langsam ihre Positionen in diesen Anleihen abzuschreiben.

Indes, bei aller gerechtfertigten Kritik an Banken und all denen die glaubten, die Börsen würden all das, was wir derzeit erleben, konsequent ignorieren. In einem Punkt haben sie recht: Auch wenn Aktien massive Kursschwanken haben können und künftig weiter haben werden (wie sagte jungst ein befreundeter Banquier zu uns: „langfristiges Investieren in Aktien ist kurz – bis mittelfristig vorbei!“), es sind Sachwerte! Sachwerte sind das Gebot der Stunde (des Jahrzehnts) und wenn Investoren auch zu dieser Erkenntnis gelangen, sollten sie, sofern sie es noch nicht getan haben, den heutigen Tag zum Kauf von Aktien nutzen.

 

Feb 082011
 

In letzter Zeit waren zahlreiche Beiträge in der Mainstream-Presse, die sich mit Anlagen zum Inflationsschutz befassten (siehe z.B. Wirtschaftswoche oder Manager-Magazin). Regelmäßig werden Aktien, Immobilien und Edelmetalle genannt. Dies ist auch richtig und die Finanzmärkte haben dies auch längst erkannt. Aktien eilen von Rekord zu Rekord, die Edelmetalle haben neue Hausse-Höchstmarken erlangt und selbst in Deutschland belebt sich der Immobilienmarkt, weil nicht wenige Anleger geneigt sind, das niedrige Zinsniveau zu nutzen und sich mit „Beton-Gold“ abzusichern.

Aber es gibt auch noch andere Anlageformen, die einen soliden Schutz bieten und weniger im Fokus der breiten Masse stehen. Dazu gehören Kunst-Objekte, Antiquitäten, Oldtimer, Land (Agrarflächen) oder Holz-Investments. Salopp gesprochen sind es „Sachen“ bzw. „Sach-Werte“, welche in einer inflationären Phase Stabilität versprechen. Warum ist das so?

Sach-Werte bieten einen über eine Rendite hinaus gehenden Nutzen für den Investor. Eine Anleihe ist eine Anleihe. Sie bringt Ihnen im Normalfall Zinsen und ihr Geld wieder zurück. In einer Immobilie können Sie jedoch auch wohnen, Edelmetalle als Schmuck tragen, mit Holz Ihren Boden belegen und sich an den Gemälden an Ihren Wänden erfreuen. Dieser Nutzen überdauert Währungskrisen, weil er davon unabhängig ist.

Es wird oft das Argument vorgebracht, dass man „Gold nicht essen kann“. In einer wirklichen Krise, bei der dauerhafte Versorgungsengpässe auftreten oder zum Beispiel Ihr leibliches Wohl durch Plünderer gefährdet ist, verlieren auch Sach-Werte tendenziell an Wert, da ihr Nutzen zweitrangig wird. Allerdings: in einem solchen Fall gibt es überhaupt kein Investment, das dann noch bedeutsam ist. Insofern ist dieses Argument kein sinnvolles, zumal irgendwann wieder eine Ordnung hergestellt ist, und dann die „Sachen“ wieder schnell ihren Nutzwert reflektieren.

Voltaire sagte einst: „Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem inneren Wert zurück – Null.“ Genau so ist es. Papier- bzw. Finanz-Werte (Geldscheine, Anleihen, Sparbücher, etc.) haben keinen Wert in sich selbst. Der Wert liegt einzig und allein im Vertrauen auf das „Geld-System“. Geld hat eine Werterhaltungsfunktion, deren Maß an Wirksamkeit die Kaufkraft ausdrückt. Diese kann es jedoch nur erhalten, wenn es nicht beliebig und vor allem über das Wachstum der Wirtschaft hinausgehend vermehrt wird (Inflation) und die staatliche Ordnung inklusive dem staatlichen Geld-Monopol erhalten bleibt.

Derzeit ist letzteres massiv in Frage gestellt. Der strukturelle Trend in den USA sowie Europa und Japan ist deflationär. Wir haben ein hohes Maß an Sättigung erreicht und ächzen unter einer enormen Kredit- bzw. Schuldenlast (was übrigens gleichzeitig auch eine „Vermögenslast“ ist!). Die Privathaushalte entschulden daher freiwillig oder gezwungenermaßen. Da über Jahre hinweg das Wachstumsparadigma verfestigt wurde, möchte kein Politiker das Japan-Szenario einer jahrelangen Stagnation bzw. Deflation wiederholen. Ergo: die Entschuldung der privaten wird durch beschleunigte Verschuldung der Staaten „ausgeglichen“ – so zumindest der aktuelle Versuch.

Die US-Notenbank will, dass alle Menschen von Inflation sprechen. Sie will, dass die Menschen genauso reagieren wie sie es gerade tun und ihr Geld eben nicht bunkern, sondern in den Kreislauf geben. Sie will den Crack-Up-Boom! Nur hat die Notenbank nicht unter Kontrolle, wohin das Geld gegeben wird. Und es ist fraglich, ob sie später den „Inflations-Geist“ wieder in die Flasche zurück bekommt, den sie nun entlassen hat – ein Spiel mit dem Feuer.

Und die Notenbank kann auch nichts dagegen tun, dass immer mehr Menschen gar nicht mehr in der Lage sind, zu konsumieren oder zu investieren, also gewissermaßen längst „aus dem Spiel“ draußen sind. Sie kann auch nichts dagegen tun, dass die entfachte Inflation zu einer weiteren Verschärfung der sozialen Spaltung führt und Unruhen zunehmen werden, was wiederum die Risikoprämien an den Finanzmärkten steigen lassen wird. Willkommen im Bullenmarkt für Volatilität!

Es wird keinen leichten Weg geben. Inflation oder Pleite sind die beiden Optionen und die Notenbanken versuchen letzteres hinauszuzögern, in der Annahme, künftiges „Wachstum“ würde alles wieder in Ordnung bringen. Es ist leider anzunehmen, dass damit der größte schwarze Schwan erzeugt wird, den es je gegeben hat. Wie an anderer Stelle beschrieben, rechnen wir binnen vier Jahren mit einer globalen Währungsreform. Je länger das System künstlich am Leben gehalten wird, desto schwerwiegender wird der unvermeidliche Umbruch sein. Oder in den Worten des österreichischen Ökonom Ludwig von Mises:

„Es gibt keinen Weg, den finalen Zusammenbruch eines Booms zu vermeiden, der durch Kreditexpansion erzeugt worden ist.“
Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel – Ludwig von Mises, 1912

Das Thema soll an dieser Stelle nicht weiter vertieft werden. Wir möchten zur Eingangsfrage mitteilen, dass wir selbst uns über Jahre intensiv mit Land- und Forst-Investments befasst haben (siehe z.B. hier: „Investieren in Edelhölzer“) und dort gute Lösungen sehen, Kaufkraft zu erhalten bzw. sich vor Inflation zu schützen. In Bälde werden wir hierzu konkrete Lösungen vorstellen.

In jedem Fall ist es ratsam, eine gute Mischung an eher sachwertorientierten Investments zu halten, diese jedoch nicht über zu bewerten. Wenn der von uns erwartete Umbruch kommt, wird niemand verschont bleiben. Mit der Neuordnung des Geldsystems wird z.B. zwingend auch eine Neuordnung der staatlichen Alters- und Krankenversicherungssysteme einher gehen. Renten werden Vermögendere nicht mehr bekommen und für die weniger betuchten wird es sich auf eine Grundabsicherung reduzieren.

Ihre Anlagen sollten daher so gewählt sein, dass sie im Idealfall ein passives Einkommen (Mieterträge, Dividenden, Ernten, etc.) generieren und sich dem staatlichen Zugriff bestmöglich entziehen. Dass hierbei Zielkonflikte entstehen (Vermögen im Ausland, geringe Liquidität, höhere Intransparenz), dürfte klar sein. Aber Sie sollten relative Vorteile anstreben. Absolute Vorteile sind kaum zu erwarten, wenn das System neu gestartet werden muss. Wichtig ist, sich eine gute Ausgangssituation für den nächsten Zyklus zu verschaffen.

Zuletzt: Am meisten vor Inflation schützen Sie sich, wenn Sie in sich selbst investieren. Zusätzliche Qualifikationen erhöhen Ihren eignen Nutzwert für die Gesellschaft, was wiederum Ihren Cash Flow, also Ihr Einkommen tendenziell sichert. Und denken Sie dabei auch mal um die Ecke. Es ist keineswegs sicher, dass Ihr jetziger Beruf in 10 Jahren noch in heutigem Maße gebraucht wird. Daher könnte es Sinn machen, Ihr Wissen und Können in Gebieten zu vertiefen, die für Sie eigentlich „themenfremd“ sind.

Jan 242011
 

Heute vor exakt 299 Jahren wurde Friedrich der II., genannt „der Große“, geboren. Vom „alten Fritz“ stammt das Bonmot: „Die große Kunst besteht nur darin, die Steuern zu erheben, ohne die Staatsbürger zu bedrücken.“ Ein Schelm, wer dabei an staatliche Entschuldung durch Inflation denkt?

Im Moment ist das Thema Staatsverschuldung ein sehr stark beachtetes Thema an den Finanzmärkten. Die aktuelle Verschuldung ist allerdings unter dem Strich „nur“ so hoch wie nach den beiden Weltkriegen. Nur:  dieses Mal gab es keinen teuren, zerstörerischen Krieg. Wir erleben rückläufige Steuereinnahmen bei weiter massiv steigenden Staatsausgaben, was durch die  immer stärker werdende Krise des Sozialstaates aufgrund einer mehr und mehr überalternden Bevölkerung noch verstärkt wird. Also Inflation als einziger Ausweg?

Mitte der 1990er Jahre hat der Schuldenstand Kanadas mit fast 100% des BIP seinen Höchststand erreicht – und das bei einer Inflation von nur knapp über 0%. Auch danach stieg die Inflation nicht deutlich an und trotzdem gelang es Kanada, seine Staatsschulden erheblich zu senken, weit unter 70% des BIP. Von Staaten gewünschte Inflation muss also keinesfalls das generelle Erfolgsrezept zur Entschuldung sein. Zumal steigende Inflationserwartungen die Zinsen tendenziell in die Höhe treiben und damit auch die Refinanzierungskosten steigen.  Allerdings mussten in der Vergangenheit nie so viele bedeutende Industrienationen gleichzeitig konsolidieren. So haben sich etwa in den USA in den letzten 9 Jahren die Schulden zum BIP verdoppelt! Provokativ formuliert: Die USA und ihre Staatsanleihen als „sicherer Hafen“ erscheinen derzeit so sicher, wie der letzte historisch sichere Hafen der USA: Pearl Habour.

Steigende Zinsausgaben können schlichtweg künftiges Wirtschaftswachstum bremsen; insofern liegt Keynes in dem Punkt falsch, dass steigende Verschuldung zwangsläufig die Wirtsschaft ankurbelt. Bereits 1997 stellte die Bundesbank (!) fest: „Damit nährt sich die Verschuldung aus sich selbst heraus.“ Prominentes Beispiel: Japan, das eine Staatsverschuldungsquote von 226%  des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aufweist und damit selbst Griechenland mit 123% und Italien mit 112% deutlich in den Schatten stellt (an 4. Stelle folgen dann schon die USA). 1960 lag der Anteil der Staatsausgaben am BIP in Europa noch in einem kleinen, überschaubaren Korridor von 20% (damals Spanien…) bis 36% (Österreich). Wie die Zeiten sich ändern, nicht nur auf Spanien bezogen, sondern vor allem darauf, dass heute keines (!) der 27 EU-Länder mehr unter 40% liegt! Die Schuldenkrise verschärft sich von selbst. Ausufernde Ausgaben müssen durch eine immer höhere Kreditaufnahme gedeckt werden.

Eine weitere Möglichkeit von Staaten, sich – vordergründig – zu entschulden ist, dass sie ihr Tafelsilber verkaufen, so wie z.B. Mexiko oder Russland an die USA im 19 Jahrhundert.  Oder die französische Kolonie Louisiana im Jahr 1803, die für auch damals recht bescheidene 80 Mio. Franc (15 Mio. US-Dollar) an die USA ging. Indes:  Auch in Deutschland werden derzeit beispielsweise Seen an Privatinvestoren verkauft, Immobilien veräußert usw. Verbessert sich damit die staatliche Bilanz? Mitnichten. Schließlich gehen die Vermögenswerte ja auch dauerhaft verloren und damit, ganz nebenbei, auch noch mögliche künftige Pacht- und Mieterträge.

Es wird demnach nicht ohne Einschnitte für alle gehen. Es gibt kein Entrinnen. Zentraler als die Frage welche „Lösung“ für die Staatsverschuldung kommen wird ist eher, wie erreicht wird, dass dieser Prozess möglichst „fair“ gestaltet wird – und zwar sowohl innerhalb als auch zwischen den Staaten. Keynes bietet dafür jedenfalls keine Lösung.