Mai 162013
 

Wir haben hier den Weg Japans schon frühzeitig aufgezeigt und als treue Leser dürften Sie die radikalen Schritte der japanischen Notenbank nicht überrascht haben. Lesen Sie dazu nochmal den Beitrag vom 23.08.2011: „Verliert die Bank of Japan die Nerven“.

Wichtig zu verstehen ist jedoch, dass eine Schuldenkrise wie in Griechenland derzeit nicht wahrscheinlich ist, einfach weil die japanische Zentralbank „alles aufkaufen“ kann. Dazu sei nochmals auf diesen Artikel vom 17.03.2011 verwiesen: Japan vor Schuldenkrise?

Japan ist demnach nicht von externen Gläubigern abhängig, denen es eine ständig höhere Rendite bieten muss. ABER: die derzeitigen Halter von japanischen Anleihen, vorrangig eigene Banken und vor allem die eigenen Bürger, könnten in Panik geraten. Und eben da liegt die Gefahr, denn es könnte zu einer Art Kapitalflucht kommen, wenn größere Teile der japanischen Bevölkerung das Vertrauen in die Aktionen der Notenbank verlieren.

Der jüngste sprunghafte Anstieg bei den japanischen Renditen hat dazu einen „Vorgeschmack“ gegeben, sodass sich die Banc of Japan schon gezwungen sieht, den Anleihen-Sektor zu stützen. Das hat auch einen handfesten Grund, denn die japanischen Banken und Versicherungen haben in etwa das Neunfache ihrer Eigenkapitalbestände in japanische Staatsanleihen investiert. Bei einem Kursrückgang der Staatsanleihen um nur 10% (das würde einem Zinsanstieg auf 2,0% für 10-jährige Anleihen entsprechen) wären japanische Banken und Versicherungen faktisch allesamt konkurs.

Wenn wir das mal weiterdenken ergibt sich eine ganz simple Erkenntnis: es gibt keinen Weg zurück. Die japanische Notenbank hat – ähnliche wie die US-Notenbank – mit ihrer Inflationspolitik immense Anreize geschaffen, aus japanischen Staatsanleihen auszusteigen. Denn entweder interveniert die Notenbank mit der Folge niedrigster Renditen, die im Falle des „Erfolgs“ hinsichtlich des Inflationsziels von 2% real deutlich negativ wären. Oder aber sie tut dies nicht und die Zinsen steigen sogleich deutlich an, was also Kursverluste für die bestehenden Investoren bedeutet und den Schuldendienst verteuert.

Es ist demnach aus meiner Sicht zu erwarten, dass sich die Bilanz der japanischen Notenbank sehr stark weiter aufblähen wird. Und ich vermute, dass dies zu einer nachhaltigen Schwäche des Yen führen wird. Zum Einen, weil immer mehr Japaner ihr Kapital ins Ausland schaffen werden. Zum Anderen, weil Yen-Carry Trades weiter zunehmen dürften und Spekulanten gezielt den Yen ins Visier nehmen werden.

Ein weiter fallender Yen wiederum wird den USA, Europa und China missfallen, zumal der effektive reale Wechselkurs ohnehin schon auf niedrigstem Niveau liegt. Die USA haben Japan daher bereits gemahnt. Sollte sich der Yen in den nächsten Jahren weiter abschwächen – was meiner Ansicht nach wie beschrieben sehr wahrscheinlich ist – dann werden aus verbalen Attacken Handlungen werden und protektionistische Maßnahmen ergriffen werden. Dies entspricht genau dem skizzierten Fahrplan des deflationären Zyklus.

Der Weg Japans ist meiner Einschätzung nach der Weg in den Ruin, denn selbst mit den extremsten Maßnahmen wird es Japan nicht gelingen können, die Wirtschaft nachhaltig zu befeuern, auch wenn auf Basis des niedrigen Niveaus anfängliche „Erfolge“ zu erwarten sind. Ein wesentlicher Grund der wirtschaftlichen Schwäche Japans ist die Demografie. Und zumindest diese können die Notenbanken nicht steuern.

Zudem – und das scheint einfach generell übersehen zu werden – ist das Nachfragepotenzial global sehr bescheiden. Der einzige Kontinent mit markantem Konsum(nachhol)potenzial ist Afrika, doch hier fehlt in den meisten Ländern noch die wirtschaftliche Basis, um sich relativ teure Güter und Dienstleistungen aus dem Ausland leisten zu können.

Persönlich erachte ich den Weg Japans noch aus anderen Gründen als sehr gefährlich. Das Land wird z.B. regelmäßig von Erdbeben heimgesucht und ein neues starkes Erdbeben mit katastrophalen Folgen würde Japan nun noch mehr treffen, da Staat und Notenbank bereits „aus allen Rohren schießen“.

Zudem begünstigt das japanische QE eine überzogene Asset Inflation (lokal wie auch international) und wie die Erfahrung gezeigt hat, führt dies regelmäßig zu neuen Problemen. Ich vermute daher, dass „Abenomics“ und „Quantitative Easing“ den Weg zu einer unkontrollierbaren Krise ebnen, die das Vertrauen in den Yen und in Notenbanken und Staaten generell global erschüttern wird. Bis dahin ist es aber wohl noch etwas Zeit.

Kurzfristig rechne ich wie hier beschrieben mit einer Erholung des Yen und damit einhergehend rückläufigen Börsen. Mittelfristig dürfte sich die Nikkei-Hausse fortsetzen, der Yen weiter nachgeben und die Inflation in Japan nun langsam beginnen zu steigen. Die Ironie wird demnach sein, dass anfänglich das von Premierminister Shinzo Abe gestartete Vorgehen wie ein Erfolg aussehen, sich in zwei bis drei Jahren jedoch als ruinös herausstellen wird.

Mrz 122013
 

In seinem jüngsten Blog-Beitrag hat David Pieper eine Makro-Analyse von Charles Hugh Smith eingebunden – ein absolut sehenswertes Video. Es beschreibt das „globale Endspiel in 14 Punkten“, eine Makro-Analyse zu Kredit- und Wirtschaftszyklen. Besonders hervorgehoben wird der deflationäre Zyklus:

deflation-zyklus

Wir befinden uns demnach gerade in der Phase, in der Staaten über Strafzölle und Währungseingriffe versuchen, Vorteile gegenüber anderen Staaten zu gewinnen. Wie ich hier beschrieben habe ist ein Währungskrieg jedoch nicht zu „gewinnen“, wenn so viele Länder daran teilnehmen. Japan hat eher deshalb „Erfolg“ damit, da es einfach an der Zeit war/ist.

Folgt man dem Zyklus der Deflation, so werden wir spätestens im kommenden Jahr wieder verstärkt über Werksschließungen und Pleiten in der Presse lesen. Die Reflation über Quantitative Easing der Notenbanken wird scheitern, da sie nicht die strukturellen Aspekte (Überkapazitäten, zu hohe Verschuldung) löst, sondern diese nur verschleiert und zu finanzieller Spekulation führt, welche wiederum die Kluft zwischen Arm und Reich erweitert.

Ich rechne fest damit, dass noch im laufenden Jahr – von mir charakterisiert als Wendejahr – der nächste große wirtschaftliche Abschwung beginnen und womöglich um 2015 in einer Art Depression enden wird.

2015/2016 sind für mich generell weiterhin die heißesten Kandidaten für das „Finale“, da immer mehr „Baby- Boomer“ dann zeitgleich Liquidität aufbauen werden. Womöglich wird dann irgendein Auslöser dazu führen, dass die „Schein-Sicherheiten“ (Derivate) und aufgeblasenen „Finanzwerte“ (Anleihen, Aktien) plötzlich – binnen weniger Wochen – eine dramatische Neubewertung erfahren. Bis dahin könnte indes die „Reise nach Jerusalem“ an den Finanzmärkten noch eine Weile anhalten, sprich: Anleihekurse hoch und somit die Zinsen niedrig bleiben, eine neue Blase bei japanischen Aktien entstehen.

Feb 072013
 

Bei Spiegel Online lesen wir heute, dass der Euro zu stark sei und europäische Regierungschefs ähnlich wie in Japan und den USA die Währung abwerten wollen. Zitat „Der Befehl zum Euro-Drucken wird die Inflationsgefahr verschärfen.“

Wie jetzt? Gerade eben hatten wir noch die „Euro-Krise“ und der Euro schien mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu zerbrechen und jetzt ist er schon wieder zu stark?! Wie das?

„Der Euro steigt – weil andere Länder noch mehr Geld drucken“, so der Autor. Aha.

Die Formulierung des „Geldruckens“ kann ich inzwischen nicht mehr hören! Wo ist dann das ganze Geld, das gedruckt wird? Es dürften ja schon bald keine Bäume mehr da sein, wegen der Menge an Papier, die hierzu doch sicher gebraucht wird…

Nein, das ist Quatsch! Richtig ist, dass immer mehr Notenbanken den Staat finanzieren, in dem sie immer mehr Staatsanleihen in ihre Bücher nehmen. Doch das ist per se zunächst nur ein Buchungsvorgang. Real führt er natürlich dazu, dass wir sehr niedrige Zinsen haben, was im aktuellen Kontext einer ernsten Deflationsgefahr vermutlich richtig ist.

Doch einen echten Währungskrieg gibt es nicht! Es ist ein Mythos! Wie soll dieser auch aussehen? Wenn der Euro abwerten soll, der Yen abwerten soll, der US-Dollar abwerten soll, der brasilianische Real abwerten soll, ja sogar der Schweizer Franken abwerten soll, was bleibt denn dann noch übrig?! Wogegen soll dann noch abgewertet werden? Womöglich gegen Sachwerte, aber sicher nicht gegen die jeweils anderen Währungen. Insofern sollte man die Rhetorik der Politiker, die regelmäßig nicht gerade wirtschaftliche Experten sind, besser ignorieren.

Geht man zum Beisiel nach einem sehr simplen Indikator für Über- oder Unterbewertungen von Währungen wie dem „Big Mac Index“, kommt man zu ganz anderen Schlüssen. Demnach sind der Südafrikanische Rand und die Indische Rupie stark unterbewertet. Euro, Yen und US-Dollar geben und nehmen sich jedoch nicht viel. Insofern sind hier keine weiteren dramatischen Bewegungen zu erwarten.

Und dass eine Notenbank einfach auf Knopfdruck Inflation erzeugen kann ist ebenso ein Mythos. Wieso ist Japan sonst nicht schon viel früher auf die Idee gekommen? Wieso herrscht in dem Land schon seit fast 20 Jahren Deflation vor?

Alles hat seine Zeit. Und nun war die Zeit gekommen, wo der japanische Yen massiv abwertet. Dies haben wir hier im Blog mehrfach angekündigt, es fehlte nur ein Auslöser. Die Bank of Japan hat die Nerven verloren und einen Schwenk zu extremeren Maßnahmen vollzogen. Doch ob diese „erfolgreich“ sein werden bleibt abzuwarten.

Wie schon einmal geschrieben gilt hier das Sprichwort: „Sei vorsichtig mit dem was du dir wünschst, es könnte in Erfüllung gehen.“ Noch ist nichts wesentliches passiert und der Medienrummel um den „Währungskrieg“ nichts als irrelevantes „Rauschen“.

Und auch die Inflation wird so schnell noch nicht kommen. Alles hat seine Zeit.