
Derzeit scheint es, dass die USA auf der “Gewinner-Straße” fahren, während Euroland, Japan und die BRIC-Staaten schwächeln oder gar mit einer richtigen Depression (Spanien, Griechenland, Portugal) konfrontiert sind. Daher strömt wieder viel Kapital gen USA, der US-Dollar gilt als relativ krisensicher. Dies umso mehr, nachdem die Edelmetalle im April einen Crash erfahren haben. Und auch fundamental scheinen die USA auf bestem Wege. Der Immobilien-Markt hat sich erholt, dank Fracking scheint sogar Energie-Autarkie möglich, das Konsumentenvertrauen steigt und selbst am Arbeitsmarkt scheint es wieder besser zu laufen. Also “alles in Butter”. Oder nicht?
Auf die fragwürdige Arbeitsmarktstatistik möchte ich ebenso wenig eingehen wie auf die längerfristig hohen Risiken des Fracking. Stattdessen möchte ich Ihren Blick auf etwas lenken, was in den Medien im Gesamtbild noch nicht so recht wahrgenommen wurde, jedoch den USA sicherlich einige Sorgen bereitet. Dazu eine kleine Auflistung:
- Juni 2011: Russland und China unterzeichnen Abkommen über gegenseitige Zahlungen in Rubel und Yuan
- Dezember 2011: Japan und China umgehen den Dollar im bilateralen Handel
- März 2012: BRICS unterzeichnen Abkommen zur gegenseitigen Kreditvergabe in ihrer jeweiligen Landeswährung
- Februar 2013: Notenbanken Großbritanniens und Chinas steuern auf Währungsabkommen zu
- April 2013: Australische Unternehmen können ihre Geschäfte mit China nun direkt in der chinesischen Währung Yuan abwickeln
- April 2013: Chinesische ICBC wird Clearing-Bank für den Yuan-Handel in Singapur
Lassen Sie das einfach mal auf sich wirken.
Interessant zu erfahren ist dann, dass der Yuan zuletzt auf ein 19-Jahres-Hoch zum US-Dollar gestiegen ist und dass China eine weitere Flexibilisierung schon in diesem Sommer plant.
Doch auch andere Länder lösen sich im Handel vom US-Dollar. So haben auch Japan und Indien ein Währungsabkommen unterzeichnet, ebenso Iran und Russland, Indien und Iran, etc. Ebenso bemerkenswert ist der ständige Aufkauf von Gold durch Russland, was mit einer “höheren Souveränität im Falle einer Katastrophe bei Dollar, Euro, Pfund oder anderen Reservewährungen” begründet wird.
Sieht man das große Bild, so wird klar, dass China nachhaltig daran arbeitet, den Yuan als bedeutende globale Währung zu etablieren – primär zulasten des US-Dollar. Da die chinesische Wirtschaft schwächelt und es daher im Sinne des Exports eigentlich besser wäre, der Yuan würde nicht aufwerten, stellt sich die Frage, woher die “Eile” der Chinesen kommt.
Mein Verdacht ist, dass die chinesische Notenbank sehr genau verstanden hat, dass Quantitative Easing künstlich hohe Anleihenkurse bzw. niedrige Zinsen erzeugt und dass damit jeder große Halter von US-Anleihen bei niedrigster Rendite immense Risiken trägt, wenn die US-Notenbank einst ernsthaft versuchen sollte, QE zu beenden. Es ist daher schlichtweg nun ein guter Zeitpunkt um auszusteigen und ich bin mir recht sicher, dass wir in den nächsten Monaten immer öfter lesen werden, dass die chinesische Notenbank ihre Bestände an US-Anleihen weiter reduziert hat.
Die Folge davon ist, dass die reale Nachfrage – also jene abseits der Fed – nach US-Anleihen sinken und damit die Fed noch größere Schwierigkeiten bekommen wird, QE ohne sofortigen deutlichen Anstieg der Zinsen zu beenden. Gleiches gilt übrigens in etwas anderer Weise (dort sind es die eigenen Banken, die aussteigen werden) für Japan. Dies bzw. diese Erkenntnis wird den US-Dollar markant belasten, insbesondere wenn sich die US-Wirtschaft erneut in einer Rezession befindet. Aus meiner Sicht wird dies in 2014 der Fall sein.
Für die nächsten Monate erwarte ich jedoch zunächst noch durchaus stärkere Gewinne beim US-Dollar gegen nahezu alle anderen Währungen, insbesondere jedoch gegen den Australischen Dollar (AUD) und den Kanadischen Dollar (CAD). Die Illusion, dass sich die USA dem globalen Trend zur Ausgabendrosselung entziehen und die Wirtschaft durch QE auf einen selbsttragenden Aufschwung geführt werden kann, wird meiner Einschätzung nach erst im kommenden Jahr jäh platzen.
Da Gold und US-Dollar tendenziell negativ korrelieren, sollte sich demnach die Baisse bei den Edelmetallen weiter hinziehen, auch wenn mit dem Crash-Tief im April sicherlich ein erster Extrempunkt erreicht wurde. 2014 und 2015 erwarte ich dann ein “Umkippen” (wie mehrfach erwähnt erachte ich 2013 als “Wendejahr”), da derzeit vieles auf eine Eskalation hin zu einem großen Krieg in Nahost hindeutet. Dies wird der Auftakt sein für eine inflationäre Depression, die bis zum Ende der Dekade anhalten könnte.




