Jul 302014
 

Seit geraumer Zeit beschäftigt mich ein Gedanke. Ich verfolge sehr intensiv verschiedene Technologien und habe den Eindruck, dass in sehr vielen Bereichen „Durchbrüche“ stattfinden, die seit Jahrzehnten stabile Branchen völlig „durchrütteln“ werden. Schumpeter würde hier womöglich von „kreativer Zerstörung“ sprechen.

Per se ist das eine positive und notwendige Entwicklung. Doch wie mir scheint gehen viele dieser Entwicklungen zu schnell. Zu schnell für unsere Sozialsysteme. Zu schnell für unsere Arbeitsmärkte. Zu schnell für weite Teile der Bevölkerung, die „nicht mehr mithalten“ können. Zu schnell, dass sich vorherige Investitionen noch amortisieren könnten. Und das wird nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung einen „starken Dämpfer“, eine Gegenbewegung  hervorrufen. Es wird zu erheblich steigender Arbeitslosigkeit führen und viele Investitionen unrentabel werden lassen.

Strukturwandel hat es immer gegeben, Jobs verloren auch früher schon ihre Relevanz. Doch dies ging noch nie so schnell wie heute vor sich. Jobs werden wesentlich schneller vernichtet, als neue entstehen, es gibt Schätzungen wonach rund die Hälfte aller Jobs vor dem Aus stehen. Welche Folgen dies auf die Sozialsysteme, Staatsfinanzen und insbesondere auf die Stabilität unserer Gesellschaft hat, kann man sich leicht vorstellen. Die Folgen einer weiter steigenden Kluft zwischen Arm und Reich habe ich hier beschrieben.

Diese Erkenntnis ist in der globalen Politik leider immer noch nicht angekommen, denn überall versuchen die Regierungen eher, über Währungsabwertungen und Handelsbeschränkungen Vorteile zulasten anderer Staaten zu gewinnen um damit den eigenen Arbeitsmarkt und die eigene Wirtschaft zu stärken. Dies funktioniert jedoch nicht, da das Problem nicht primär in niedrigeren Human-Kosten, sondern in sinkenden Produktionskosten und gesättigten Märkten liegt. Und ich habe den Verdacht, dass die zunehmende Durchdringung energieeffizienter Technologien bei gleichzeitiger Erhöhung der Energieproduktion durch Solaranlagen u.a. auch die Energiekosten dauerhaft senken wird (das könnte jedoch durch einen neuerlichen „Weltkrieg“ anders kommen), womit die Produktionskosten noch weiter sinken würden. Die Ironie ist dabei, dass dadurch noch weniger Menschen zur Arbeit gebraucht werden und damit – schon rein technisch bedingt – die Arbeitslosigkeit noch weiter steigt.

Beschleunigt wird dieser Trend durch die globale Nullzinspolitik. Sie treibt Technologie voran und wertet menschliche Arbeit ab. Sie ist wie Adrenalin. Und wie wir wissen, führt zu viel Adrenalin zu Herzrasen und womöglich sogar zum Infarkt. Die Nullzinspolitik leitet Kapital aus einem „Anlagenotstand“ heraus in immer riskantere Anlagen. Die Börsen werden womöglich bald ihre Aufwärtstrend noch weiter verschärfen, wobei ich denke, dass sich das eher in den USA und Asien vollziehen und Kapital aus Europa ein wesentlicher Treiber sein wird.

Dies ist ein „Cocktail“, der binnen weniger Jahre zu dramatischen und sehr schnellen Umbrüchen führen wird. Vielleicht ist Ihnen das Phänomen der Interferenz bekannt. Aus meiner Sicht erzeugt die globale Nullzinspolitik eine gefährliche Synchronisation von wirtschaftlichen Entwicklungen. Durch die Globalisierung erscheinen alle Märkte (womöglich abgesehen von kleinen afrikanischen Märkten) immer stärker positiv korrelierend und wir sind mehr denn je anfällig für systemische Krisen. Daher wird die nächste Krise vermutlich wesentlich heftiger als jene in 2008, deren psychologische Basis meines Erachtens ohnehin nie ausreichend untersucht wurde. Die Reaktionen von Notenbanken und Politik werden dann womöglich noch extremer ausfallen. Und „mehr Adrenalin“ könnte dann den Patienten „umbringen“…

In diesem Kontext möchte ich Ihnen nochmals meinen Beitrag „Kaufkraftschutz in Zeiten von Anlagenotstand und Finanzrepression“ zur Lektüre empfehlen. Es ist Zeit für ein neues Denken. Und Handeln!

Jan 162014
 

Die letzten Monate habe ich sehr viel – noch mehr als sonst – gelesen und mich bewusst mit dem Schreiben zurückgehalten. Ich musste erst mal einiges genauer recherchieren und „wirken lassen“. Nun möchte ich Sie an einigen Reflexionen dazu teilhaben lassen.

Stichworte: Technologischer Fortschritt / Weltwirtschaftssystem. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass sich der technologische Fortschritt beschleunigt und damit immense „Sprengkraft“ auf ganze Wirtschaftszweige ausübt. Mehr noch: ich sehe einen Trend zu strukturell steigender Arbeitslosigkeit, da immer mehr menschliche Arbeit – auch geistige – von Software und Maschinen übernommen wird. Dies ist wahrlich kein neuer Trend. Neu ist aber die Geschwindigkeit, in der das passiert. Dieser Trend wird aus meiner Sicht bis ca. 2020 zu einer „Welt-Depression“ führen und eine völlige Neuorientierung hinsichtlich unserer Wirtschafts- und Sozialsysteme erzwingen. Effektivität wird dann wieder mehr im Fokus stehen als Effizienz.

Stichworte: Überwachung / „Bürgerkrieg“. Es wird global zu immer größeren sozialen Unruhen und Aufbegehren gegen Staaten und Großunternehmen kommen. Daher wird immer mehr Hightech zur Kontrolle der Bevölkerung eingesetzt werden. Auch das ist kein neuer Trend, wenn man an Nackt-Scanner, Video-Überwachung, Vorratsdatenspeicherung und Waffen wie den Taser denkt. Auch die Enthüllungen zu den Aktivitäten der NSA zeigen nun ganz eindeutig und offen den Trend. Daher werden Gruppierungen wie Anonymous oder WikiLeaks wachsen, immer mehr Menschen beginnen, sich anders zu organisieren und aktiv zu werden. Überwachung wird ein Massen-Phänomen sein. Jeder wird jeden in nie gekannter Dimension überwachen (Trojaner, Mini-Kameras in „Smart Devices“ und Drohnen, etc.), Technologie immer mehr manipulativ eingesetzt werden. Wir werden in vielen Ländern „Bürgerkriege“ eines neuen Typs erleben.

Stichworte: Social Media / World Wide WebIm kommenden Umbruch wird die bisherige Skepsis gegenüber Großunternehmen in Ablehnung ihrer Produkte und Dienstleistungen übergehen. Dies wird allmählich geschehen und erst in einigen Jahren wird man die heutige Zeit als Zenit der offenen Vernetzung und der global agierenden Großunternehmen erkennen. Das World Wide Web wie wir es kennen (Browser, HTML-Seiten) wird erheblich an Bedeutung verlieren und durch Apps, Darknets und Freenet abgelöst werden. Insofern könnte 2014 ein hervorragendes Jahr sein, um Facebook & Co. zu shorten. 

Stichwort: Bitcoin. Alternative Zahlungsmittel schießen gerade wie Pilze aus dem Boden, wobei Bitcoin als „First Mover“ der unabhängigen Digitalwährungen besonderes Interesse generiert. Ich gehe davon aus, dass Bitcoin als Muster für eine neue Ordnung steht – eine Ordnung, in der das staatliche Geldmonopol und damit ein Eckpfeiler staatlicher Macht zerfällt. Das bedeutet nicht, dass Sie ihr Vermögen in Bitcoin transferieren sollen! Aus meiner Sicht hatte der Anstieg alle Charakteristika einer Blase. Doch die Idee hinter Bitcoin wird bleiben und den Zusammenbruch der derzeitigen Währungsordnung abmildern.

Stichwort: Energie. Die Zeit des Erdöls geht zu Ende. Peak Oil kommt, aber nicht angebotsinduziert, sondern nachfrageinduziert! Folglich rechne ich damit, dass der Ölpreis begonnen hat, langfristig und dauerhaft zu fallen. Dies bedeutet indes nicht, dass der Ölpreis abstürzt – es ist eher ein Prozess über viele Jahre. Die Auswirkungen werden jedoch immens sein. Damit meine ich weniger die Automobilindustrie, die gerade von Tesla „aufgemischt“ wird. Nein, ich denke an den Nahen und Mittleren Osten. Ein fallender Ölpreis wird mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit die gesamte Region in eine wirtschaftliche Depression stürzen und damit den politischen Umwälzungsprozess noch verstärken. Saudi Arabien könnte dann schnell „Geschichte“ sein. Ergo: Öl-Aktien würde ich dauerhaft meiden.

Stichwort: China. Ich habe hier bereits einige Beiträge zur kommenden Wirtschaftskrise Chinas verfasst. Nach meiner Einschätzung wird diese Krise spätestens 2016 offen ausbrechen, was weltweit zu Verwerfungen führen und sogar eine neuerliche Euro-Krise bewirken wird. Generell sehe ich eine neue Asien-Krise am Horizont, welche aber mehr politischer Natur sein wird. Erste Ausläufer davon sehen wir bereits im Konflikt zwischen China und Japan sowie den Unruhen in vielen asiatischen Ländern.

Weitere Gedanken in Kürze – Ihr Feedback ist sehr willkommen!

Mrz 112013
 

Ein Manager soll maximal 20-mal so viel verdienen wie sein am schlechtesten bezahlter Angestellter, forderte gestern Sahra Wagenknecht in der ARD-Sendung „Günther Jauch“. Per se war das für eine „Linke“ keine überraschende Forderung. Interessant war jedoch, dass sich auch das Publikum bei der Abstimmung zu dieser Forderung mehrheitlich (58%) für die Begrenzung von Manager-Gehältern aussprach. Und wenn man dem „Deutschlandtrend“ des Meinungsforschungsinstituts Dimap glauben darf, sind sogar 89% der Befragten für eine solche Regelung.

Was wir hier erleben, ist ein nicht zu unterschätzender Trend, wie auch die sehr erfolgreiche Schweizer Volksabstimmung über die „Initiative gegen die Abzockerei“ zeigt. Auch in den Vereinigten Staaten von Amerika ist die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich inzwischen ein großes Thema. Schauen Sie sich zum Beispiel die Reaktionen zu diesem YouTube-Video über Vermögensungleichheit in den USA an:

Ich bin davon überzeugt, dass – wenn sich die Politik dieses Themas nicht ernsthaft und glaubwürdig annimmt – der Weg geebnet wird für extreme Positionen bis hin zu Entwicklungen abseits des politischen Prozesses. In anderen Worten: Zunehmende soziale Spannungen, Ausschreitungen, Unruhen.

Diesen Trend verfolge ich hier schon seit 2009 und denke, dass die Kombination aus Sparzwängen überschuldeter Staaten und erheblicher Job-Verluste durch eine zunehmende nie dagewesene Automatisierung unsere Gesellschaften erheblichen Zerreiß-Tests aussetzen werden. Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker sieht gar eine Kriegsgefahr in Europa.

Ob es so weit kommt weiß ich nicht. Aber schon vor zehn Jahren schrieb ich in meiner Recherche „Die absehbare Krise des Fiat Money“:

„Unser heutiges Geldsystem ist langfristig nicht tragfähig. Der japanische Weg der völligen Überschuldung in der Hoffnung, eine globale strukturelle Veränderung aufzuhalten, wird auch in den USA und in Europa nicht funktionieren. Die „neue Weltordnung“, wie es auf jedem 1 US-Dollar-Schein heißt, hat ihren Zenit überschritten. Ich glaube, dass diese strukturelle Krise (die sie ja lediglich aus unserer Sicht ist), noch viele Jahre andauern kann. Alles Bestreben das System zu erhalten wird letztlich nichts nützen. Der Turmbau zu Babel, die gigantische Schuldenpyramide welche dieses System geschaffen hat, wird früher oder später in sich zusammen fallen. Dem Geldvermögen, das wir angehäuft haben, steht eine entsprechende Summe an Schulden gegenüber. Es ist daher durchaus denkbar, dass sich unser Wohlstand in „Luft“ auflöst. Dabei liegt es an der Ein- und Weitsicht der Politik wie auch der Wirtschaft, welche sozialen und politischen Entwicklungen mit der Krise des Fiat Money einhergehen werden. Die Basis für eine Systemkrise ist jedenfalls gelegt.“

Seit dem hat die Krise nie wirklich geendet, sondern immer „nur“ neue Etappen eröffnet. Und womöglich ist der nächste Dominostein der Staat selbst, wie Markus Gaertner es hier skizziert. Keine erfreuliche Perspektive, doch letztlich – historisch betrachtet – nichts ungewöhnliches.

Was Sie indes sehen und in proaktive Handlungen umsetzen müssen ist, dass Kaufkraftschutz nicht nur ein Anlageaspekt ist und dass wir auf eine Neuordnung zusteuern, die weitaus umfassender sein wird als „nur“ eine Währungsreform. Ich rechne fest damit, dass aus einer Phase nahe des Chaos heraus in den kommenden zehn Jahren ein neues Weltwirtschaftssystem entstehen wird, das sich insbesondere durch mehr Lokalität, Teilen und weniger Effizienz bzw. mehr Lagerhaltung und Redundanz auszeichnen wird.

Bleibt zu hoffen, dass es nicht zuvor zu einem „Untergang“ kommt, wie er hier beschrieben wird…

Okt 192011
 

Warnung: Dieses Video sollten Sie sich nur anschauen, wenn Sie über ein starkes Herz und eine starke Seele/Psyche verfügen, denn es erschüttert und wirft ein sehr zwiespältiges Bild auf China:

Das Video hat sicher keine allgemeine Aussagekraft für China bzw. die Chinesen. Aber es sorgt weltweit für Aufruhr und sollte in seiner Wirkung nicht unterschätzt werden. In China wird die soziale Kluft immer größer. Das Land nähert sich unweigerlich dem Punkt, an dem mehr Menschen am wirtschaftlichen Wachstum partizipieren wollen und sozialen Fortschritt einfordern werden.

Wir erwarten für die chinesische Wirtschaft ohnehin eine markante Abschwächung im kommenden Jahr. Soziale Unruhen dürften dann eher noch zunehmen. Damit dürfte China als wichtiger Stützpfeiler der Weltwirtschaft ins Wanken geraten. Die Exzesse der vergangenen Jahre fordern ihren Preis. China steht womöglich vor einem gewaltigen Umbruch. Und Videos wie das obige erzeugen die Kraft (Wut), die dies antreiben wird.