Dez 222011
 

„Gold und Schweizer Franken bieten den Anlegern nach Ansicht der UBS keine Zuflucht mehr vor der Euro-Schuldenkrise und den Turbulenzen an den Finanzmärkten“ lesen wir bei der Wirtschaftswoche.

Aha. Gut, dass die UBS darauf hinweist. Schöner wäre es indes gewesen, wenn sie dies vor den jeweiligen Einbrüchen getan hätte. So wie wir zum Beispiel:

09.08.2011 Vorsicht vor den “sicheren Häfen” (Gold, CHF, JPY)!

10.08.2011 Gold vor Crash, Dollar vor Rallye – Update

16.09.2011 Gold bildet obere Umkehr aus

19.09.2011 Silber vor weiterem Absturz

Derzeit warnen wir insbesondere vor dem Yen, denn in Japan deutet sich eine „Zeitenwende“ in den kommenden Monaten an. An anderer Stelle schrieben wir bereits:

Weniger „zuversichtlich“ sind wir da für Japan. Japan wird voraussichtlich das Jahr 2011 mit einem Handelsbilanzdefizit abschließen. Sollte sich die globale Wirtschaft in 2012 weiter eintrüben, wird sich diese Situation eher noch verschlechtern. Und damit könnte sich in Japan die nächste Schuldenkrise auftun. Der Yen bleibt somit ein strategischer Short. Die ersten Hedge Fonds haben bereits Blut geleckt.

Bei Gold und Schweizer Franken sehen wir im übrigen auch vorerst keine neuen Anstiege mehr gegen den Euro. Relativ betrachtet hat noch am ehesten der US-Dollar weiteres Aufwertungspotenzial, allerdings sprechen das Sentiment sowie die Positionierung der Commercials klar dagegen.

Einen sicheren Hafen gibt es nicht und hat es auch noch nie gegeben. Was zählt sind relative Werte.

Aug 302011
 

Zumindest für den Fall einer Naturkatastrophe. Er twitterte am 26.08.2011:Das ist genau das, was wir an anderer Stelle schrieben: Bargeld lacht! Cash is king!

Nouriel Roubini, Professor für Ökonomie an der renommierten Stern Business School, ist offensichtlich kein „Gold Bug“. In vielen seiner Tweets schreibt er, Gold sei kein Geld, was jüngst auch Ben Bernanke in einer Anhörung gegenüber Ron Paul äußerte.

Roubini widerspricht auch der steten These, Gold sei eine stabile Währung, weil es nicht wie Fiat Money aufgebläht werden könne. Zitat: „Kings debased gold coins for 1000s of years“. Ferner: „Many episodes of high inflation in gold regimes thru history due to debasement of gold coins &/or shocks to gold supply via discoveries“.

Er zeigt sich in seinen Tweets überzeugt, dass Gold in einer Blase ist, wofür er erwartungsgemäß reichlich Kritik erntet. Wir haben jüngst die gleiche Erfahrung gemacht, als wir vor den vermeintlich sicheren Häfen warnten. Nachdem der Schweizer Franken inzwischen um über 15% gegen den Euro verloren hat und auch das Gold erste Anzeichen von Schwäche zeigte und binnen zwei Tagen um 10% nachgab, sind die kritischen Stimmen ruhiger geworden.

Gold ist unfraglich ein hervorragendes Instrument zum Kaufkraftschutz. Aber dennoch muss man offen bleiben für kritische Stimmen. Schließlich dachten auch die Gold-Käufer im Jahr 1980, sie würden eine „todsichere Anlage“ kaufen. Sicher war sie auch. Aber Gold wurde 20 Jahre lang relativ und absolut betrachtet „günstiger“.

Werte sind relativ. In einer echten Krise, wie sie einige Gold Bugs geradezu herbeizusehnen scheinen, könnte Gold ein hochgradig „suboptimaler Schutz“ sein. Nicht mehr und nicht weniger hat Roubini mit seinem Tweet zum Ausdruck gebracht. Recht hat er!

Aug 172011
 

Wie erwartet kam es nun zu einem markanten Einbruch des Schweizer Franken. Dieser wurde durch die Schweizer Notenbank bewusst herbeigeführt. Der „Spiegel“ mahnt bereits vor einem „weltweiten Währungskrieg“. Tatsächlich mussten die Schweizer handeln, denn die Aufwertung der eigenen Währung hatte dramatische Züge angenommen.

Wer erst vor wenigen Tagen in den „sicheren Hafen“ Schweizer Franken geflohen ist, sitzt nun – zumindest temporär – auf einem Buchverlust von 12%. Genau davor hatten wir Sie an dieser Stelle gewarnt.

Ähnliche Rückgänge sind jederzeit auch beim Japanischen Yen oder bei Gold möglich. Bei letzterem gab es zuletzt weitere mahnende Stimmen. So hat z.B. das Volumen einen Spike gebildet und der Chart zeigt einen bevorstehenden Widerstand.

Gold kann in den kommenden Monaten ohne weiteres auf 1.200 USD zurückfallen, ohne dass der langfristige Aufwärtstrend gebrochen würde. Wer nun bei 1.800 USD noch einsteigt kann hoffen, dass JP Morgan mit seiner Prognose von 2.500 USD bis Jahresende richtig liegt. Aber wenn nicht, könnte auch hier ein Buchverlust im zweistelligen Prozentbereich entstehen.

Was die Entwicklung beim Schweizer Franken zeigt ist, dass ein echter „Zusammenbruch“ des US-Dollar oder des Euro gegen andere Währungen nicht zu erwarten ist, da eine solche Entwicklung die Exportwirtschaft dieser Länder und damit letztlich auch deren Währungen schwächen würde.

Das ist eben das positive an flexiblen Wechselkursen: sie führen „automatisch“ zu einem Gleichgewicht bzw. fairen Niveau. Über- und Unterbewertungen sind nur vorübergehend. Dauerhafte Wechselkurs-Interventionen wie z.B. in China schaffen Ungleichgewichte, die letztlich das Land selbst treffen.

Kurzfristig könnte der Schweizer Franken wieder etwas zugewinnen, doch der mittelfristige Trend scheint gebrochen.

Aug 092011
 

Wenn Sie mit jemandem einen heftigen Streit ausfechten, ist es stets ratsam, einen Moment inne zu halten, Emotionen „ausklingen“ zu lassen und sich dann mit etwas Abstand wieder der „Sache“ zu widmen. Ähnlich ist es an der Börse, wenn die Emotionen regieren. Immer wenn die Tagesmeldungen und Börsenbewegungen „dramatisch“ erscheinen, empfiehlt es sich, Charts über lange Zeitebenen anzuschauen. Das eröffnet den Blick dafür, dass es auch früher schon Krisen gab und die Welt – vermutlich – nicht genau heute untergehen wird.

Außerdem ist es sinnvoll, sich Ratios anzuschauen, also relative Bewertungen, z.B. den Dow Jones in Gold, weil Sie damit einen Blick für die relativen Bewertungen von Anlageklassen untereinander erhalten.

Per heute erreichen wir eine Dow/Gold-Ratio von 6,2. Zur Erinnerung: Im Jahr 2000 konnte man für „einen Dow Jones“ noch über 40 Goldunzen erhalten. Demnach war Gold bewertet in US-Dollar seit dem Jahr 2000 eine gegenüber US-Aktien bessere Anlageklasse. Ein Blick auf die langfristige Dow/Gold-Ratio zeigt, dass wir theoretisch auch auf einen Wert von 1 zusteuern können. Demnach wäre Gold relativ zu Aktien gesehen noch immer „billig“. Was der Chart indes auch zeigt ist, dass bei etwa 5 eine Widerstandszone beginnt und dass – wie in den 1970ern geschehen – auch durchaus starke Konter-Bewegungen möglich sind.Quelle: markt-daten.de

Wenn wir uns die aktuelle Stimmungslage anschauen, kann man sicher von einer „Extrem-Situation“ sprechen. Demnach dürfte der neuerliche Angst-Spike bald enden. Daher ist es durchaus möglich, dass sich die Outperformance des Goldes relativ zu Aktien abschwächt oder gar in ihr Gegenteil verkehrt. Auch ist zu bedenken, dass sich die Ratio grundsätzlich auch in Richtung 1 bewegen kann, in dem sowohl Aktien als auch Gold in US-Dollar fallen – nur dass eben dann das Gold weniger schnell fällt. Zudem hat sich Gold weit von seinen Trend-Linien entfernt. Kurzfristig erscheint es daher vernünftig, nicht mehr auf den steigenden Gold-Zug aufzuspringen, sondern bessere Gelegenheiten abzuwarten. Langfristig könnte Gold weiter steigen, wobei die Dow/Gold-Ratio auch zeigt, dass das „Filetstück“ vermutlich schon hinter uns liegt.

Weitere „sichere Häfen“ sind seit Monaten der Schweizer Franken (CHF) sowie der Japanische Yen (JPY). Angesichts eines möglichen Auseinanderbrechens der Euro-Zone ist es schwer zu sagen, was „fair“ gegenüber dem Euro (EUR) ist. Allerdings ist sowohl ein Auseinanderbrechen als auch eine Solvenz-Krise wie in Griechenland hinsichtlich den USA sehr unwahrscheinlich. Ein klassisches Bewertungsmodell ist die Kaufkraftparität. Danach ist der Schweizer Franken inzwischen ebenso deutlich überwertet wie der Japanische Yen.

Beide Währungen haben gemeinsam, dass sie aufgrund eines niedrigen Zinsniveaus bei dauerhaft niedriger Inflation zu Carry Trades genutzt werden. Die Idee dahinter ist, dass ein Investor z.B. in Schweizer Franken einen niedrig verzinsten Kredit aufnimmt und das Geld woanders (also in Fremdwährung) rentabler anlegt. Kommt es zu Auflösungen von Carry Trades, etwa weil die Renditeerwartungen gesunken sind oder die Währungsschwankungen zugenommen haben, wird demnach die Carry-Währung, z.B. der Schweizer Franken, (zurück) gekauft, was die Aufwertung verstärkt.

Ursächlich für die Anstiege von CHF und JPY sind demnach primär Ängste vor einem Zusammenbruch des Euros bzw. einer Krise des US-Dollars sowie Auflösungen von Carry Trades. Während wir einen Zerfall der Euro-Zone nicht ausschließen wollen, ist es doch unwahrscheinlich, dass dies schon in der nahen Zukunft geschieht. Auch ein „Dollar-Crash“ ist abwegig, da der Dollar-Raum weiterhin den größten, liquidesten und rechtlich stabilsten Markt darstellt. Zudem ist ein Bankrott der USA technisch gesehen unmöglich.

Wir kommen daher hinsichtlich Schweizer Franken und Japansichen Yen zu einem ähnlichen Schluss wie beim Gold: Kurzfristig ist es ratsam, hier nicht mehr auf den steigenden Trend aufzuspringen. Es kann jederzeit eine massive Konter-Bewegung starten. Und fundamental betrachtet sind beide Währungen nach der Kaufkraftparitäten-Theorie überwertet, was eine langfristige weitergehende massive Aufwertung sehr in Frage stellt. Auch langfristige Charts, z.B. USD/CHF mahnen zur Vorsicht:Quelle: prorealtime.com

Unser Fazit hat demnach eine gewisse Ironie: Wir warnen vor den „sicheren Häfen“ Gold, Schweizer Franken und Japanischer Yen. Bleiben Sie rational. Was zählt sind relative Werte.