Jan 212014
 

Häufig findet sich im Moment das Argument, die Hausse an den Aktienmärkten wird weitergehen, denn die breite Masse sei ja noch gar nicht eingestiegen. Daher würde die typische Euphorie fehlen, die sich bei Markthochs zeigt. Dazu möchte ich auf zwei Dinge hinweisen:

1. 2011, als die Edelmetalle immer stärker nach oben liefen und es erste Warnungen vor einer Blase gab, wurde genau das gleiche Argument dafür aufgeführt, dass Gold auf 5.000 USD und Silber über 100 USD steigen würden. Auch hier wiesen zahlreiche Strategen darauf hin, dass die Mehrheit in ihrem persönlichem Umfeld noch gar nicht investiert sei. Wie es weiter ging wissen Sie – ich hatte mehrfach gewarnt.

2. Könnte es sein, dass die „breite Masse“ gar nicht die Mittel hat, um an den Märten „mitzuspielen“? Wird nicht die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer? Ist nicht Quantitative Easing eine Einladung an die Vermögenden zur Spekulation, während der „kleine Mann“ schauen muss, wie er seinen Lebensunterhalt finanziert? 

Zu letzterem Argument ein markanter Kommentar zu einem Artikel von Cliff Droke, in dem dieser einen Vergleich der heutigen Situation mit 1929 ablehnt, da eben genau die Masse nicht bei der Hausse dabei ist:

Kommentar_2014-01-21

Ergo: Ein Aktienmarkthoch ohne die breite Masse ist durchaus vorstellbar! Indes denke ich, dass es noch nicht so weit ist.

Apr 302013
 

Kaum ein Ökonom hat durch die Finanzkrise 2008 mehr Aufmerksamkeit erlangt als Nouriel Roubini. Das zeigt auch eine Auswertung der Such-Anfragen nach „Roubini“ bei Google:

roubini-indicator-google-trends
Interessant ist, dass jede Korrektur an den Börsen seit 2009 mit einem Erstarken der Google-Suchen nach Roubini einher ging, wobei sich der Trend abgeschwächt hat. Dies ist auch nicht weiter erstaunlich, denn die Börsen befinden sich seit Anfang 2009 in einer Erholungsbewegung und haben teils sogar neue Allzeit-Hochs erreicht. Und generell scheint die Finanzkrise ebenso weitestgehend bewältigt wie die Euro-Krise.

Ob dies zutrifft wollen wir an anderer Stelle prüfen. Erfahrene Investoren können jedenfalls im Verlauf der Such-Anfragen nach Nouriel Roubini auch das typische Blasenmuster erkennen. Demnach hatten wir einen „Roubini-Hype“, welcher nun fast völlig beendet ist, da wir uns weitestgehend auf „Vor-Blasen-Niveau“ befinden.

Die Analyse von Google-Trends-Daten für Wirtschaftsvorhersagen erfreut sich generell immer größerer Beliebtheit. Hiermit rufe ich entsprechend den „Roubini-Indikator“ ins Leben, ein neuer Sentiment-Indikator, der derzeit eher auf Sorglosigkeit hindeutet. Dies trifft im Übrigen auch auf Roubini selbst zu, der erst in 3 bis 4 Jahren wieder eine mögliche Blasenbildung erwartet.

Apr 262013
 
bearish

So lautet eine „alte Börsenregel“, die auf einem durchaus überzeugenden Fundament ruht: der Saisonalität. Und gleich noch einer: „If the VIX is low it’s time to go.“ Der Volatilitätsindex VIX misst die Angst im Markt, welche derzeit nicht mehr vorhanden ist. Insofern mahnt auch diese Regel zum Ausstieg aus den Aktienmärkten.

Ich habe mir in den vergangenen Tagen gründliche Gedanken dazu gemacht, ob man bereits short gehen sollte. Ja, Sie haben richtig gelesen. Während ich bisher lediglich zu Gewinnmitnahmen riet, bin ich drauf und dran das mittelfristige Lager zu wechseln. Wenn ich Blog-Beiträge wie diesen lese denke ich, dass inzwischen nicht wenige Anleger im Markt agieren, die „nur noch“ wegen der vermeintlichen Alternativlosigkeit von Aktien investiert sind, jedoch allmählich ein flaues Gefühl in der Magengegend haben. Das ist eine gute Basis für schnelle und heftige Verkäufe, wenn der Markt mal dreht und bestimmte Chart-Marken reißt.

Generell haben wir fast alle Zutaten für ein längerfristiges Markt-Hoch: ein statistisch mit vier Jahren erschöpfter Bullenmarkt, verstärkte Insider-Verkäufe, schwächere Konjunkturdaten, Unternehmen die schwächere Ausblicke geben, eine ans „Anziehen der Zügel“ denkende US-Notenbank, heftigere Einbrüche bei Einzelwerten, relativ hohen Anleger-Optimismus, sehr bullishe Titel bei Börsenmagazinen, erste technische Warnsignale (z.B. Hindenburg-Omen),… Lediglich die US-Blogger sind derzeit sehr bearish (63% Bären, 19% Bullen), was nicht so ganz ins Bild passt. Vielleicht brauchen wir nochmals ein neues Hoch in den USA, damit auch noch die letzten Bären kippen.

Wie dem auch sei sehe ich derzeit immenses Enttäuschungs- und negatives Überraschungspotenzial, nicht nur hinsichtlich eines Krieges gegen den Iran. Japan hat z.B. die schwächsten Inflationsdaten seit 2010 gemeldet, was doch Zweifel daran aufkommen lässt, ob die Notenbanken selbst mit extremsten Mitteln unmittelbar Inflation erzeugen können.

Insofern liege ich nun für ein Short-Engagement auf der Lauer. Und selbstverständlich habe ich vor diesem Hintergrund nicht vor, irgendein neues Aktienengagement zu eröffnen. Selbst bei den japanischen Aktien, die ich mehrfach und frühzeitig angeraten habe, würde ich nun eher Gewinne sichern und abwarten.

Ergo: Sell in may and go away!

Mrz 152013
 

Hatte ich kürzlich noch auf das sehr optimistische Sentiment und die euphorischen Titelblätter hingewiesen und daher zum sukzessiven Absichern von Gewinnen an den Börsen geraten, scheint der Markt doch weiter laufen zu wollen. Vielerseits findet sich das Argument, Aktien seien alternativlos, woran angesichts niedrigster Renditen in Folge einer globalen Liquiditätsblase durchaus etwas dran ist. Auch finden sich plausible Beiträge, wonach wir von echter Euphorie noch entfernt sind und wir die „Mauer der Angst“ einfach weiter steigen werden, weil derzeit jeder mit einem Rückschlag an den historischen Höchstmarken rechne.

Per se ist das schlüssig. Und doch tendiere ich zur Vorsicht. Der Volatilitätsindex VIX hat gestern ein Niveau erreicht (11,3 Punkte), wie wir es zuletzt 2007-2008 und zuvor Mitte der 1990er Jahre gesehen haben. Mit anderen Worten: es gibt gewissermaßen keine Angst mehr im Markt. Daraus lässt sich NICHT ableiten, dass wir unmittelbar vor einem Einbruch stehen. Was ich jedoch als nicht unwahrscheinlich erachte ist, dass wir uns nicht mehr fern von einer Topp-Bildung in der seit 2009 laufenden Hausse befinden.

In einem solchen Umfeld ist eine Frage, die man sich durchaus stellen kann: Was könnte schief gehen? Denn dem Angstindikator zufolge gibt es keine nennenswerten Risiken einzupreisen.

Euro-Krise? Alter Hut. Sparzwänge in den USA? Eingepreist. Wirtschaftliche Schwächesignale in China? Längst bekannt. Und wenn doch was passiert, stehen ja die Notenbanken bereit. Aus dem Greenspan-Put wurde ein Bernanke-Put, dann ein Draghi-Put und nun ein genereller Zentralbank-Put. Und es scheint ja auch zu klappen, wie die Explosion des Nikkei zeigt. Dass es in Großbritannien nicht funktioniert kann man da gerne mal übersehen.

Zurück zur Frage, was schiefen gehen könnte. Ein Krieg zum Beispiel. Ja, auch das Thema „Iran“ interessiert kaum noch jemanden, doch eingepreist ist eine Eskalation mitnichten. Und wenn Obama nun sagt „Wir sind der Auffassung, dass Iran etwa ein Jahr brauchen würde, um eine nukleare Waffe zu entwickeln“, dann sollte die präzise zeitliche Eingrenzung doch aufhorschen lassen. Auch die in unseren Medien weitestgehend totgeschwiegenen Angriffe israelischer Siedler auf die al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem sind nicht dazu angetan, Frieden in Nahost zu befördern. Und dann haben wir noch Frankreich, das aus wirtschaftlicher Schwächer heraus außenpolitische Abteuer sucht und nun einseitig die Rebellen in Syrien – allesamt Muster-Demokraten – mit Waffen versorgen will.

Ein Krieg ist sicher nicht wahrscheinlich, aber möglich. Und eingepreist ist ein solches Szenario mitnichten. Andere mögliche „Störfaktoren“ wie die zunehmenden Unstimmigkeiten zwischen der Türkei und dem Irak, Japan und China oder auch wirtschaftliche Schwächesignale allerorten scheinen mir auch zu wenig berücksichtigt.

Aber egal. Die Notenbanken werden es schon richten. Oder die Staaten. Oder der neue Papst. Amen.

Mrz 012013
 

Bereits am 24. Januar 2013 habe ich Sie an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die Titelblätter von Börsenmagazinen und Zeitungen ausnahmslos stark positiv für Aktien sind und man dies als „Sentiment-Warnung“ deuten muss. Heute weist nun auch die Wirtschaftswoche in einem Beitrag darauf hin und schreibt „Verkaufen, wenn der Börsenjubel am größten ist“.

Tatsächlich ist das Sentiment extrem positiv. Der „Hulbert Nasdaq Sentiment Index“ zeigt eine der höchsten bullishen Positionierungen seit dem März 2000! Und auch das von Jeff Seymour entwickelte „Greedometer“ (wörtlich übersetzt „Giermaß“) zeigt Extremwerte an:

sentiment1
 
greed
Quelle: marketwatch.com / triwealth.com

Insofern ist weiterhin Vorsicht geboten. Und sollte es im Fiskalstreit in den USA zu einer Einigung und somit womöglich einer Erleichterungsrallye kommen, so würde ich in diese Rally rein verkaufen. Im März dürfte es etwas „ruckeliger“ werden…

Feb 212013
 

Es fällt auf, dass immer öfter ein eher skeptischer – wenn nicht gar negativer – Ausblick auf Gold gegeben wird:

Auch bei den Marktstrategen in Deutschland zeigt sich immer mehr Skepsis:

Also „Kaufen wenn die Kanonen donnern“?!

Ende 2012 – also vor rund drei Monaten –  konnten wir noch in der renommierten „Bild“ lesen: „Gold glänzt auch 2013“. Das hatte mich schon recht bedenklich gestimmt. Und es war nicht nur die „Bild“, für die weiter steigende Goldpreise völlig klar waren. Wie schnell sich das Blatt wendet… Insofern sollte man vorsichtig sein. Stimmungen sind durchaus wechselhaft und nicht immer ein gutes Signal für Investitionsentscheidungen.

Am vernünftigsten erscheint mir noch die Einschätzung von Felix Zulauf: „Gold ist dann interessant, wenn das System kriselt. Es ist eine Versicherung gegen den Zerfall der Papierwährungen. Dass der Goldpreis in den vergangenen anderthalb Jahren gefallen ist, ist ganz normal. Der Anstieg auf fast 2000 Dollar im Sommer 2011 war eine temporäre Übertreibung. Ich habe damals meinen Kunden gesagt, dass wir uns auf eine längere Korrektur einstellen müssen. Momentan laufen Zwangsliquidation einiger Goldfonds ab, was schnelle Kursabschläge, aber auch jeweils das Ende einer Bewegung bedeutet. Wie weit es noch runter geht, weiß ich nicht. Ich denke, dass die Korrektur im Laufe dieses Frühjahres auslaufen wird, wenn die Weltwirtschaft enttäuscht. Langfristig ist der Aufwärtstrend intakt.“

Als langfristig agierender Halter von physischen Edelmetallen sollte man also die täglichen News ignorieren und eher dem Beispiel Marc Fabers folgen:

„Ich habe auf meiner Toilette ein Bild von Ben Bernanke hängen. Jedes Mal, wenn ich an einen Goldverkauf denke, schaue ich es mir an und weiß es danach besser!“

Gold ist eine Versicherung und kein originäres Investment. Wenn man das verinnerlicht hat, betrachtet man das ganze anders. Es macht aus diesem Blickwinkel nämlich wenig Sinn, den Kurs in Euro, US-Dollar o.ä. zu verfolgen oder Charts auszuwerten. Es geht ja gerade darum, ein von Währungen gelöstes „Geld“ zu halten für den Fall, dass Währungen diese Funktion nur noch eingeschränkt erfüllen können. Daher muss die eigentliche Frage sein: Warum haben Sie Gold gekauft bzw. möchten dies tun? Je nachdem welche Antwort Sie darauf geben kommen Sie zu einem anderen Schluss.

Die Argumente der Bären sind jedenfalls teils durchaus überzeugend. Persönlich glaube ich, dass Gold in Kürze ein Tief ausbilden, dann wieder steigen und letztlich wieder nachgeben wird. Zitat aus meinem Jahresausblick: „Die Edelmetalle werden auch in 2013 enttäuschen, jedoch wird sich dies rückblickend aus 2014/2015 als gute Investitionsgelegenheit erweisen.“ An dieser Meinung halte ich weiterhin fest.

Jan 242013
 

Ich erspare mir hier lange Reden – die Cover bzw. Titelblätter aktueller Börsen-Magazine und -Zeitungen sprechen für sich. DAX 10.000 scheint ausgemachte Sache zu sein:

titelblattindikator_01_2013 

 

 

 

 

 

Das Sentiment für Aktien ist demnach recht positiv.

Ein weiteres Indiz dafür, dass man sukzessive Gewinne sichern sollte.

Jan 172013
 

Zumindest jenen Investoren, die Aktien nicht auf Sicht von 20 Jahren kaufen und Kostolanys Rat folgen, sich „schlafen zu legen“, sei hiermit angeraten, Gewinne zu sichern – je nach Strategie über einen Stopp-Loss oder (Teil-)Gewinnmitnahmen.

Am 22.09.2011 schrieben wir „Jetzt Aktien kaufen!“. Damals, bei einem DAX-Stand von 5.150 Punkten, herrschte Panik vor und wir rechneten mit einer schnellen Erholung auf über 6.000 Punkte, welche kurz darauf auch eintrat.

Aktuell notiert der DAX bei 7.760 Punkten, also rund 50% höher seit unserem Beitrag. Inzwischen hat sich die Stimmung markant gewandelt, die meisten Prognosen für 2013 sind auffallend bullish. Dass wir im Dezember europaweit einen dramatischen Einbruch der Absatzzahlen bei Neuwagen erlitten haben und in den USA der Zugverkehr klar auf eine nachlassende Konjunktur hindeutet, wird geflissentlich übersehen.

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Quelle: pragcap.com

Auch die sehr positive Stimmungslage unter Fondsmanagern und Kleinanlegern mahnt zur Vorsicht.

Es muss nun nicht gleich zu einem Einbruch kommen. Denkbar ist auch der Beginn einer Seitwärtsphase. Doch es erscheint durchaus sinnvoll, sukzessive Cash aufzubauen. Die Aktienmärkte haben die Entspannung bei der Euro-Krise, die lockere Geldpolitik der japanischen Notenbank sowie die Stabilisierung in China schon zu einem großen Teil eingepreist.

Bald wird Apple Zahlen melden. Die Aktie hat jüngst stark nachgegeben, sodass jederzeit eine Gegenbewegung dieses Index-Schwergewichtes starten kann. Auch die BIP-Daten aus China, die heute Nacht kommen werden, könnten neue Impulse für die Märkte bringen. Möglich ist ein letzter Buying Climax in den nächsten Wochen. Dennoch denke ich, dass es an der Zeit ist, Gewinne zu sichern.

Dez 222011
 

„Gold und Schweizer Franken bieten den Anlegern nach Ansicht der UBS keine Zuflucht mehr vor der Euro-Schuldenkrise und den Turbulenzen an den Finanzmärkten“ lesen wir bei der Wirtschaftswoche.

Aha. Gut, dass die UBS darauf hinweist. Schöner wäre es indes gewesen, wenn sie dies vor den jeweiligen Einbrüchen getan hätte. So wie wir zum Beispiel:

09.08.2011 Vorsicht vor den “sicheren Häfen” (Gold, CHF, JPY)!

10.08.2011 Gold vor Crash, Dollar vor Rallye – Update

16.09.2011 Gold bildet obere Umkehr aus

19.09.2011 Silber vor weiterem Absturz

Derzeit warnen wir insbesondere vor dem Yen, denn in Japan deutet sich eine „Zeitenwende“ in den kommenden Monaten an. An anderer Stelle schrieben wir bereits:

Weniger „zuversichtlich“ sind wir da für Japan. Japan wird voraussichtlich das Jahr 2011 mit einem Handelsbilanzdefizit abschließen. Sollte sich die globale Wirtschaft in 2012 weiter eintrüben, wird sich diese Situation eher noch verschlechtern. Und damit könnte sich in Japan die nächste Schuldenkrise auftun. Der Yen bleibt somit ein strategischer Short. Die ersten Hedge Fonds haben bereits Blut geleckt.

Bei Gold und Schweizer Franken sehen wir im übrigen auch vorerst keine neuen Anstiege mehr gegen den Euro. Relativ betrachtet hat noch am ehesten der US-Dollar weiteres Aufwertungspotenzial, allerdings sprechen das Sentiment sowie die Positionierung der Commercials klar dagegen.

Einen sicheren Hafen gibt es nicht und hat es auch noch nie gegeben. Was zählt sind relative Werte.