Mai 162013
 
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Wir haben hier den Weg Japans schon frühzeitig aufgezeigt und als treue Leser dürften Sie die radikalen Schritte der japanischen Notenbank nicht überrascht haben. Lesen Sie dazu nochmal den Beitrag vom 23.08.2011: „Verliert die Bank of Japan die Nerven“.

Wichtig zu verstehen ist jedoch, dass eine Schuldenkrise wie in Griechenland derzeit nicht wahrscheinlich ist, einfach weil die japanische Zentralbank „alles aufkaufen“ kann. Dazu sei nochmals auf diesen Artikel vom 17.03.2011 verwiesen: Japan vor Schuldenkrise?

Japan ist demnach nicht von externen Gläubigern abhängig, denen es eine ständig höhere Rendite bieten muss. ABER: die derzeitigen Halter von japanischen Anleihen, vorrangig eigene Banken und vor allem die eigenen Bürger, könnten in Panik geraten. Und eben da liegt die Gefahr, denn es könnte zu einer Art Kapitalflucht kommen, wenn größere Teile der japanischen Bevölkerung das Vertrauen in die Aktionen der Notenbank verlieren.

Der jüngste sprunghafte Anstieg bei den japanischen Renditen hat dazu einen „Vorgeschmack“ gegeben, sodass sich die Banc of Japan schon gezwungen sieht, den Anleihen-Sektor zu stützen. Das hat auch einen handfesten Grund, denn die japanischen Banken und Versicherungen haben in etwa das Neunfache ihrer Eigenkapitalbestände in japanische Staatsanleihen investiert. Bei einem Kursrückgang der Staatsanleihen um nur 10% (das würde einem Zinsanstieg auf 2,0% für 10-jährige Anleihen entsprechen) wären japanische Banken und Versicherungen faktisch allesamt konkurs.

Wenn wir das mal weiterdenken ergibt sich eine ganz simple Erkenntnis: es gibt keinen Weg zurück. Die japanische Notenbank hat – ähnliche wie die US-Notenbank – mit ihrer Inflationspolitik immense Anreize geschaffen, aus japanischen Staatsanleihen auszusteigen. Denn entweder interveniert die Notenbank mit der Folge niedrigster Renditen, die im Falle des „Erfolgs“ hinsichtlich des Inflationsziels von 2% real deutlich negativ wären. Oder aber sie tut dies nicht und die Zinsen steigen sogleich deutlich an, was also Kursverluste für die bestehenden Investoren bedeutet und den Schuldendienst verteuert.

Es ist demnach aus meiner Sicht zu erwarten, dass sich die Bilanz der japanischen Notenbank sehr stark weiter aufblähen wird. Und ich vermute, dass dies zu einer nachhaltigen Schwäche des Yen führen wird. Zum Einen, weil immer mehr Japaner ihr Kapital ins Ausland schaffen werden. Zum Anderen, weil Yen-Carry Trades weiter zunehmen dürften und Spekulanten gezielt den Yen ins Visier nehmen werden.

Ein weiter fallender Yen wiederum wird den USA, Europa und China missfallen, zumal der effektive reale Wechselkurs ohnehin schon auf niedrigstem Niveau liegt. Die USA haben Japan daher bereits gemahnt. Sollte sich der Yen in den nächsten Jahren weiter abschwächen – was meiner Ansicht nach wie beschrieben sehr wahrscheinlich ist – dann werden aus verbalen Attacken Handlungen werden und protektionistische Maßnahmen ergriffen werden. Dies entspricht genau dem skizzierten Fahrplan des deflationären Zyklus.

Der Weg Japans ist meiner Einschätzung nach der Weg in den Ruin, denn selbst mit den extremsten Maßnahmen wird es Japan nicht gelingen können, die Wirtschaft nachhaltig zu befeuern, auch wenn auf Basis des niedrigen Niveaus anfängliche „Erfolge“ zu erwarten sind. Ein wesentlicher Grund der wirtschaftlichen Schwäche Japans ist die Demografie. Und zumindest diese können die Notenbanken nicht steuern.

Zudem – und das scheint einfach generell übersehen zu werden – ist das Nachfragepotenzial global sehr bescheiden. Der einzige Kontinent mit markantem Konsum(nachhol)potenzial ist Afrika, doch hier fehlt in den meisten Ländern noch die wirtschaftliche Basis, um sich relativ teure Güter und Dienstleistungen aus dem Ausland leisten zu können.

Persönlich erachte ich den Weg Japans noch aus anderen Gründen als sehr gefährlich. Das Land wird z.B. regelmäßig von Erdbeben heimgesucht und ein neues starkes Erdbeben mit katastrophalen Folgen würde Japan nun noch mehr treffen, da Staat und Notenbank bereits „aus allen Rohren schießen“.

Zudem begünstigt das japanische QE eine überzogene Asset Inflation (lokal wie auch international) und wie die Erfahrung gezeigt hat, führt dies regelmäßig zu neuen Problemen. Ich vermute daher, dass „Abenomics“ und „Quantitative Easing“ den Weg zu einer unkontrollierbaren Krise ebnen, die das Vertrauen in den Yen und in Notenbanken und Staaten generell global erschüttern wird. Bis dahin ist es aber wohl noch etwas Zeit.

Kurzfristig rechne ich wie hier beschrieben mit einer Erholung des Yen und damit einhergehend rückläufigen Börsen. Mittelfristig dürfte sich die Nikkei-Hausse fortsetzen, der Yen weiter nachgeben und die Inflation in Japan nun langsam beginnen zu steigen. Die Ironie wird demnach sein, dass anfänglich das von Premierminister Shinzo Abe gestartete Vorgehen wie ein Erfolg aussehen, sich in zwei bis drei Jahren jedoch als ruinös herausstellen wird.

Feb 122013
 

Der Yen hat kürzlich binnen weniger Wochen dramatisch gegenüber nahezu allen anderen Währungen verloren. Eine ähnliche Entwicklung dürfte bald beim britischen Pfund beginnen.

Kaum ein anderer Staat steht global dermaßen schlecht da wie Großbritannien. Die Industrieproduktion befindet sich auf dem Niveau Ende der 1980er Jahre.

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Zwei Millionen Menschen im Alter zwischen 25 und 44 haben die Insel in den letzten zehn Jahren verlassen um woanders zu arbeiten und zu leben – ein echter Braindrain. Und offensichtlich wollen die Briten auch keine Immigranten, die dies womöglich etwas ausgleichen könnten.

Eine nicht unwesentliche Bedeutung hat diese demografische Entwicklung auch für den Schuldendienst. Die Verschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt liegt im Vereinigten Königreich sogar noch höher als in Japan.

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Dabei wird sich dies wohl noch weiter zuspitzen. Nach einer Studie der US-Investmentbank Morgan Stanley wird die Neuverschuldung im laufenden Jahr auf knapp acht Prozent des BIP steigen. Das ist höher als in Griechenland oder Spanien. Ich rechne daher fest damit, dass die Briten ihr AAA-Rating noch im laufenden Jahr verlieren werden.

Hohe Schulden sind auch für große Teile der Bevölkerung ein ernstes Problem. Ein Fünftel der Briten, die sich in den Ruhestand begeben, sind verschuldet, 27.000 an Krebs erkrankte Menschen können ihre Rechnungen nicht zahlen. Das Vereinigte Königreich steuert auf eine wirtschaftliche und soziale Katastrophe zu.

Auch dass Großbritannien erwägt aus der EU auszutreten hat ernste Konsequenzen, denn allein die Möglichkeit wird viele Unternehmen dazu anhalten, sehr sorgfältig zu prüfen, ob und ggf. welche Investitionen auf der Insel dann noch Sinn machen. Da wundert es nicht, dass man sich nicht allzu offensiv gegen die Banken in der Londoner City stellen möchte – immerhin ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der noch halbwegs läuft. Doch dieser allein wird das Vereinigte Königreich nicht retten, zumal auch hier abgebaut wird. Eine Schuldenkrise „anderen Typs“ deutet sich hier an: nicht eine mögliche Pleite wie in Griechenland, sondern eine erhebliche Abwertung der Währung bei markant steigender Inflation.

Das britische Pfund ist demnach für die nächsten Jahre ein klarer Short. Ich rechne mit einer Abwertung von bis zu 30% gegen den US-Dollar in den nächsten zwei Jahren. Dann würde ein Pfund nur noch ca. 1,10 US-Dollar kosten (akt. GBP/USD 1,565).

Dazu passt auch, dass im Januar 2015 die Zusammensetzung der Sonderziehungsrechte (SZR) des IWF neu bestimmt werden. Das britische Pfund ist heute in diesem Währungskorb mit 11% gewichtet, die Währung hat aber nur drei Prozent Gewicht im Welthandel. Ich nehme an, dass bei einer künftigen globalen Währungsreform das SZR eine bedeutende Rolle einnehmen wird. Doch bis dahin ist noch etwas Zeit. Kurzfristig heißt es: Auf zur nächsten Währungskrise!

Feb 082013
 

So sieht es zumindest Harvard-Ökonom Martin Feldstein in einem Gastbeitrag in der „Wirtschaftswoche“. Nach seiner Ansicht führt das Ansteuern einer Inflationsrate von zwei bis drei Prozent unweigerlich zu höheren Kreditzinsen, was den Staatshaushalt enorm belasten würde.

In der Tat hat sich Japan auf einen gefährlichen Pfad begeben. “Die japanischen Banken und Versicherungen haben in etwa das Neunfache ihrer Eigenkapitalbestände in japanische Staatsanleihen investiert. Bei einem Kursrückgang der Staatsanleihen um nur 10% (das würde einem Zinsanstieg auf 2,0% für 10-jährige Anleihen entsprechen) wären japanische Banken und Versicherungen quasi konkurs.” schrieb Jens Erhardt in der jüngsten Ausgabe der „Finanzwoche“.

Insofern können wir durchaus erneut fragen: Steht Japan vor einer Schuldenkrise? Genau darauf wettet zum Beispiel in großem Stil Hedgefondsmanager Kyle Bass, der den Yen weiter stark fallen sieht. Es gibt zwar durchaus auch gute Argumente dafür, dass Japan nicht vor einem Staatsbankrott steht, doch eine Währungskrise und Kapriolen an den Anlagemärkten sind nicht auszuschließen. Dies haben wir in diesem Beitrag frühzeitig antizipiert: Verliert die Bank of Japan die Nerven?

Vieles spricht dafür, dass sich der Krisen-Fokus nun nachhaltig von Europa nach Japan verschiebt. Kurzfristig ist das Thema aber schon medial recht präsent, sodass zunächst eine „Gegenbewegung“ zu erwarten ist.

Sep 192011
 

Ähnlich wie Gold, bei dem wir eine obere Umkehr erwarten, scheint auch Silber vor einem markanten Absturz zu stehen. Zumindest kommen zu diesem Ergebnis einige Vertreter der Elliott-Wellen-Analyse (siehe hier und hier).

Tatsächlich steht Silber nun exakt am Support. Da der US-Dollar wie von uns erwartet bereits massiv aufwertet, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Bereich um 39 US-Dollar bald nach unten verlassen wird.

Ein Kursziel könnte im Bereich um die 30 US-Dollar liegen, was demnach einem Rückgang von rund 25% entspräche:

Quelle: clivemaund.com

Allerdings sollte bedacht sein, dass die US-Fed morgen und am Mittwoch tagt. Sollte Bernanke weitere „Unterstützungsmaßnahmen“ bekannt geben, könnte dies die Edelmetalle abermals befeuern. Auf der anderen Seite ist das Enttäuschungspotenzial auch nicht zu verkennen, wenn es nicht – oder noch nicht – zu einem „Quantitative Easing 3.0“ kommt.

Der Anstieg des US-Dollar spricht jedenfalls derzeit eher dafür, dass sich die deflationären Tendenzen durchsetzen. Und Einsparungen von 3 Billionen US-Dollar in den USA und zunehmende Diskussionen über ein Hard Landing in China (siehe auch „So sehen Blasen aus! China vor einer Krise„) oder eine womöglich unmittelbar bevorstehende Pleite Griechenlands deuten auch nicht gerade auf Inflation hin…

Die Edelmetalle wirken angeschlagen. Auch „Dr. Kupfer“ signalisiert eine Wende. Noch haben die Bullen die Chance auf ein Fehlsignal. Aber wehe wenn Ben sie enttäuscht…

Jul 282011
 

 

Weltmacht USA: kein Nachruf – zur Schuldengrenze in den USA 

Was ist das für ein Wahnsinn, den die US-Politiker-Elite sich leistet? Seit Wochen diskutieren die Damen und Herren und suchen nach einer „Lösung“. Was für eine Show! Diese Politiker sind wie es scheint schuld , dass die USA derzeit auf eine Zahlungsunfähigkeit zusteuern, wie auch der Economist konstatiert http://www.economist.com/node/18988614. Oder nicht? Die Nervosität wird jedenfalls größer, was sich in den Ausfallwahrscheinlichkeiten für US-Staatsanleihen zeigt, die im 1-Jahresbereich erstmals höher sind als im 5-Jahresbereich http://pragcap.com/politics-vs-economics , sowie in nervösen Aktien- und Rentenmärkten und einem selbst gegen den arg gebeutelten Euro schwachen USD zuletzt zeigt. Leichtfertig wird ein weiterer Einbruch an den Finanzmärkten wie nach Lehman im Jahr 2008 riskiert! Freilich würde erst die Nicht-Bedienung einer US-Staatsanleihe ein Erdbeben auslösen. Die Auswirkungen wären weitaus verheerender, als nach dem Lehman-Kollaps. 

Und es gibt einige Gründe, die immer wieder an der US-Bonität zweifeln lassen. Zuerst haben sich die Unternehmen verschuldet, dann die Bürger, nun der Staat. Das ist kein neues Phänomen, auch wenn die Auseinandersetzung aktuell sehr akut ist.  Denn eigentlich war die Grenze von 14.294 Mrd. USD schon im Mai erreicht und wurde nur „Bilanztricks“ bis zum 02. August gerettet. Auch wenn einige Bundesstaaten, z.B. Kalifornien, von den Ratingagenturen schon längst als kreditunwürdig bezeichnet werden. Anders als z.B. in Deutschland der Staat für das Bundesland Bremen (nur daher ist ein Triple-AAA haltbar), haften die USA nicht für ihre Bundesstaaten. 

Lange standen die USA für Vorzeige-Kapitalismus, wenn auch mit „Extremen“: Liberale Strukturen, nach denen sich Unternehmer andernorts sehnen und eine gigantische Kaufkraft durch eine konsumfreudige Bevölkerung. Die Achillesferse des Konzeptes: die Finanzierung auf Pump. Und nun verlieren vor allem die US-Bürger ihr größtes Kapital – das Vertrauen in die eigene Unantastbarkeit, die unbedingte Überzeugung, dass alles geht. Rückschläge, wie das Platzen der Internetblase, wurden schnell in „Chancen“ umgewandelt. Nicht ohne Grund stand von John F. Kennedy der prägnante Satz:   „The Chinese word for crisis, Wei Ji, is a compound of the characters for Danger (Wei), and Opportunity (Ji)“ – Das Wort Krise setzt sich im Chinesischen aus zwei Schriftzeichen zusammen, das eine bedeutet Gefahr und das andere Gelegenheit. 

Entsprechend sieht die Mehrheit der US-Bürger auch nicht mehr die USA, sondern China als die führende Wirtschaftsmacht. Indes: Rein nach der volkswirtschaftlichen Zahlenlehre dauert es noch ein wenig, bis dahin. Auch Innovationen, ein weiterer zentraler Faktor für den Aufstieg des US-Imperiums, Innovationen alleine reichen nicht mehr. Denn die US-Unternehmen verlieren in weiten Teilen den Anschluss:   http://www.wiwo.de/politik-weltwirtschaft/amerika-verliert-den-anschluss-474429/ 

Aber wer ist eigentlich schuld daran, dass die USA weiterhin das Schulden-Modell fortfahren, um einen nicht vorhandenen Sozialstaat zu subventionieren? Vor allem ist das Ausgabenproblem in Wirklichkeit – und das ist bedenklicher –  mehr ein Einnahmenproblem http://www.businessinsider.com/chart-of-the-day-washingtons-revenue-problem-2011-7?utm_source=Triggermail&utm_medium=email&utm_term=Money%20Game%20Chart%20Of%20The%20Day&utm_campaign=Moneygame_COTD_072511 

Und dennoch gilt auch hier Kennedys Satz und die aktuelle Gefahr für US-Anleihen ist, zumindest kurzfristig, auch eine Chance, die kurzfristig agierende Investoren nutzen können! In Anlehnung an den Bestseller von Emmanuel Todd http://de.wikipedia.org/wiki/Emmanuel_Todd#.E2.80.9EWeltmacht_USA_-_Ein_Nachruf.E2.80.9C  gilt also zunächst erstmal: Weltmacht USA: kein Nachruf.

Was denken Sie? Welche Aspekte gibt es, die im Hinblick auf die USA zuversichtlich stimmen?

 

 

 

Jul 222011
 

DB Research hat eine sehr interessante Präsentation zur Staatsverschuldung veröffentlicht. Die Abhängigkeit von ausländischen Gläubigern war schon immer Auslöser von Schuldenkrisen. Dies ist auch ein wesentlicher Grund, warum es in Japan bisher eben nicht zu einer solchen kam. Dies veranschaulicht sehr schön diese Übersicht:

Quelle: DB Research

Die „Risiko-Matrix für die Staatsverschuldung“ auf Seite 10 zeigt, warum der Schweizer Franken als Fluchtwährung weiterhin erste Wahl ist. Auch lässt die Übersicht den Schluss zu, dass in Europa Belgien negativ in den Fokus rücken könnte, zumal das Land seit über einem Jahr in einer politischen Krise steckt und somit nahezu handlungsunfähig ist.

Auch die Prognose eines sehr langsam aber steigenden Realzinses in den Industrieländern (Seite 14) bis 2020 lässt aufhorchen, denn sollte dies so kommen, dürften die Edelmetalle nicht mehr viel Preissteigerungspotenzial haben. Dies steht in krassem Gegensatz zum aktuellen Sentiment.
Quelle: DB Research

Unbedingt anzuschauen ist auch Seite 18, auf der ein „Schock-Szenario“ dargestellt ist: Wohin gehen die Schuldenquoten, wenn die Zinsen stärker als erwartet steigen? Es würde primär die bereits bekannten „Verdächtigen“ treffen: Griechenland, Portugal, Irland und Italien. Aber auch für die USA würde dies eine markante Sonderbelastung darstellen.

Ein wichtiges Ergebnis der Analyse: „Ein Schuldenabbau auf ein dauerhaft tragfähigeres Niveau ist derzeit (noch) in weiter Ferne“.

Die kommenden Jahre werden demnach in allen westlichen Ländern gekennzeichnet sein durch harte Sparmaßnahmen („Deleveraging“) und steigende Steuern und Abgaben, was klar deflationär wirkt. Wie Griechenland jedoch gezeigt hat, lassen sich derartige Anstrengungen nur bedingt in Demokratien umsetzen. Das Thema Staatspleite wird uns daher vermutlich dauerhaft erhalten bleiben. Und auch der Unmut in den Bevölkerungen wird weiter zunehmen. Das große Risiko ist, dass aus dieser Kombination etwas erwächst, was sich historisch in ähnlichen Phasen immer wieder gezeigt hat: eine Tendenz zu externen und internen Kriegen.

Jul 212011
 

Offensichtlich wird es eine Art Eurobonds geben, so zumindest der Chef der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker beim heutigen Sondergipfel der Eurozone zur Schuldenkrise.

Der Euro legt aktuell gegen den US-Dollar um über 1% zu, gegenüber dem Schweizer Franken immerhin 0,85% und gegenüber dem japanischen Yen 0,58%. Wie es scheint ist der Euro „gerettet“.

Noch sind die Details unklar, doch der Markt spricht ein klares Urteil:Quelle: pigbonds.info

Während die Renditen der „PIIGS“ deutlich sinken, steigen jene der „solideren“ Staaten erheblich an. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass heute der eigentliche Untergang des Euro-Systems besiegelt wurde, weil nun die tragenden Säulen angeschlagen wurden. Wöglich werden die langfristigen Folgen der heutigen Beschlüsse noch viel dramatischer sein als eine echte Pleite Griechenlands es je hätte sein können.

Wenn sich die chinesische Wirtschaft weiter abkühlt, wird darunter vor allem das nun so stark wirkende Deutschland leiden. Da nun auch die USA auf einen „Sparkurs“ zusteuern, werden wir uns spätestens in 2012 wieder in einer Rezession befinden. Sinkende Steuereinnahmen werden dann plötzlich die Bonität Deutschlands in ein anderes Licht stellen. Doch so weit sind wir noch nicht.

Kurz- bis mittelfristig  könnte der Euro „stärker“ tendieren. Das Sentiment war jüngst sehr negativ. Nahezu alle Wirtschaftsmagazine und Zeitungen hatten Todesanzeigen und Horror-Zeichnungen auf ihren Titelbildern, z.B. „Focus Money“, „Der Spiegel“ oder die „Wirtschaftswoche“. Auch weit über Deutschland hinaus war die Stimmung zum Euro sehr negativ.

Längerfristig sind keine Probleme gelöst sondern nur weiter in die Zukunft geschoben worden. Es könnte jedoch sein, dass sich nun der „Sorgen-Fokus“ nach Asien und Australien verschieben wird. Womöglich kommt das Thema Schuldenkrise in Japan zu neuer Blüte. Oder aber China mit seinem Schatten-Banken-System und seiner immensen Fehl-Allokation im Bau-Sektor rückt näher in den Fokus. Eng mit der Entwicklung Chinas verknüpft ist auch das Schicksal Australiens, wo sich ebenfalls eine gewaltige Immobilien-Blase gebildet hat:
Quelle: Broyhill Asset Management

Griechenland ist „gerettet“, der Euro ist „gerettet“ – auf zur nächsten Krise!

Jun 282011
 

Mitte März stellten wir hier die Frage, ob Japan eine Schuldenkrise drohe. Die Societe Generale ist nicht nur der Ansicht, dass die japanische Wirtschaft vor einer V-förmigen Erholung steht, sondern auch, dass Japan „zu reich für einen Bankrott“ ist:

Quelle: Societe Generale

Tatsächlich steht der immensen japanischen Staatsverschuldung (218,6% des Bruttoinlandsprodukts) ein gewaltiges Vermögen der Haushalte entgegen. Schon im Jahr 2000 warnte DB Research vor einer Schuldenfalle in Japan. Bislang ist es nicht dazu gekommen, weil Japan – wie die USA – primär in der eigenen Währung verschuldet ist, diese weiterhin autonom begibt (wichtiger Gegensatz zur Eurozone) und die Gläubiger vorrangig die eigenen Bürger sind. Eine echte Schuldenkrise droht Japan demnach erst dann, wenn die eigenen Bürger das Vertrauen in den Staat und die Währung verlieren.

Mai 302011
 

Es ist heute Konsens, dass alle Währungen in einem inflationären Finale untergehen werden. Ebenso ist es Konsens, dass es keine schlechtere Anlage zu geben scheint, als Bargeld zu halten – also nicht einmal Erträge durch „sichere Anlagen“ wie Geldmarktfonds, Tagesgeld oder ähnlichem zu generieren, um die Inflation wenigstens etwas auszugleichen. Und doch gibt es einen sehr überzeugenden Grund, Cash zu halten – physisch, „unter dem Kopfkissen“.

Schon seit Jahren verwende ich als Bild für unser heutiges Kreditgeldsystem den Turmbau zu Babel, denn der gewaltige Turm an Schulden und Vermögen wird früher oder später ebenso enden wie sein historisches Pendant: in einer Phase großer Desorientierung, in der sich Staaten und Bürger und Staaten untereinander „nicht mehr verstehen“, Leistungen einstellen und damit das Ende des Systems bewirken. Es muss immer wieder betont werden: die Schulden des einen, sind die Vermögen von anderen. Wann immer Sie von einer Schuldenkrise hören, müssen Sie mental auch die „Vermögenskrise“ mitdenken. Die eigentliche Krise besteht darin, dass wir in Anspielung an „Des Kaisers neue Kleider“ mehrheitlich „keine Kleider anhaben“.

In früheren Zeiten wurde dies offensichtlich durch zu viel gedrucktes Papier im Verhältnis zu einer begrenzten Menge an Gütern und Dienstleitungen. Es kam zu einem sich beschleunigenden Kaufkraftverlust des Geldes. Heute sind es NICHT die vielen Geldscheine, die umher schwirren, sondern die hohen rechtlich begründeten Forderungen und Verbindlichkeiten. Es ist die Summe an Buchvermögen, die so immens groß geworden ist. Es sind die Versprechungen (an Kranke, Rentner, Sparer) bzw. Forderungen, die künftig abzuleisten gar nicht möglich ist. Es sind die vermeintlichen „Sicherheiten“, die durch die gigantische Summe an Derivaten geschaffen wurden.

Wenn Sie aufmerksam waren, haben Sie jüngst etwas sehr Interessantes in den Medien erfahren, etwas, das mehr über die wahrscheinliche nahe Zukunft verrät als alle Spekulationen und Diskussionen über Inflation und Deflation zusammen: Ägypter und auch Griechen stürmten ihre Banken und hoben Bargeld ab.

DAS ist es, worin die eigentliche Gefahr liegt: Der globale Bank Run. Denn in Wirklichkeit ist Bargeld extrem knapp und die ständige Wiederholung der „heiß laufenden Drucker-Presse“ ist schlichtweg falsch. Es wird eben nichts gedruckt, sondern es wird per Knopfdruck Liquidität erzeugt, die jedoch nicht über Kredite der Banken in die Wirtschaft gelangt. Kommt es zu einer wirklichen Krise, dann wird es insbesondere an einem mangeln: Bargeld! DAS gesetzliche Zahlungsmittel.

Wir denken nicht in Goldmengen relativ zu etwas anderem. Oder wissen Sie, wie viel Gold oder Silber ein Brot kosten sollte? Wir denken in Euro, in US-Dollar, in Yen. Der erste Impuls geht daher immer dahin, das Vermögen ausgedrückt in der Währung zu schützen. In einer echten Krise wollen wir unser Geld mitnehmen, es physisch sichern, aus dem Bankensystem lösen. Doch dies wird dann womöglich nicht funktionieren. Sei es, weil es das Bargeld gar nicht in einer derart großen Menge gibt. Oder sei es, weil die Banken einfach geschlossen sind. In einer solchen Phase wird Bargeld plötzlich sprunghaft an Kaufkraft gewinnen. Es gilt eben nach wie vor: Bargeld lacht. Cash is king. Daher könnte eben dieses eine nicht ganz unsinnige „Anlage“ sein. Um im Bild zu bleiben: Wenn der Tag kommt, an dem die Mehrheit merkt dass sie „nackt ist“, wird der Wert von Kleidung sprunghaft steigen…

Und da Diversifizierung auch hier sinnvoll erscheint, sollten Sie sich auch ein paar US-Dollar zulegen – physisch. Womöglich ist dies gerade der contrarian trade überhaupt.

Mai 232011
 

„USA: Staatsbankrott im August?“ schreibt mmnews.de. Im Artikel heißt es: „Was ist der Unterschied zwischen Griechenland und den USA? Eigentlich kein großer – nur über die USA spricht niemand.“

Beides ist vollkommen falsch. Es wird sehr viel über einen Staatsbankrott der USA „gesprochen“, was eine kurze entsprechende Suchanfrage bei Google zeigt. Und es gibt einen sehr großen und entscheidenden Unterschied zwischen den USA und Griechenland. Die Quintessenz können wir schon vorweg nehmen: die USA können nicht bankrott gehen!

Warren Buffet hat richtig erkannt: „Die USA werden keine Schuldenkrise erfahren, solange wir Schulden in unserer eigenen Währung begeben. Das einzige über das wir besorgt sein müssen ist die Druckerpresse und Inflation.“

Genau das ist der zentrale Unterschied zu Griechenland: die USA sind souveräner Herausgeber ihrer Währung. Ein US-Bankrott ist technisch vollkommen unmöglich, solange der US-Kongress diesen nicht beschließt.

Sicher werden Sie sich denken: „Das ist doch Quatsch! Irgendwann ist die Verschuldung so groß, dass niemand mehr US-Anleihen kauft und dann sind die USA sehr wohl bankrott.“

Nun, dem ist nicht so. Zumindest nicht nach der Argumentation der „Modern Monetary Theory“ (MMT), welche in den USA immer mehr Anhänger findet und deren Ansichten auch wir teilen. Was verbirgt sich dahinter?

MMT ist eine Beschreibung, keine Theorie. Sie bezieht sich ausschließlich auf eine Regierung, deren Währung flexibel handelbar und wo sie allein Herausgeber der Währung ist. Daher finanziert sich eine solche Regierung nicht über Steuer-Einnahmen oder Ausgabe von Schuldtiteln. Es ist genau anders herum: die Regierung muss selbst erst die Währung herausgeben, bevor sie Steuern erheben oder Anleihen begeben kann.

In einem solchen Fiat Money System finanzieren Staatsanleihen nichts – sie dienen lediglich als monetäres Instrument, mit dem die Notenbank die Zinssätze von Übernachtkrediten steuert. Auch die Aussage, China oder Japan finanzieren die USA, ist falsch.

Wir werden die MMT in den nächsten Tagen ausführlich vorstellen, denn der Sturm der Entrüstung dürfte groß sein. Auch wir haben lange gebraucht, um die Theorie und deren Implikationen zu begreifen. Daher auch unser jüngster Hinweis auf Twitter, Dollar zu kaufen.

Abschließend: Wichtig ist die Erkenntnis, dass es in einem Fiat Money System wie oben beschrieben technisch keinen Staatsbankrott der USA geben kann – es sei denn, dieser wird von den Staatsvertretern selbst „beschlossen“. Die einzige Gefahr ist, dass die Regierung mehr Währungseinheiten herausgibt als entsprechend der Produktionskapazität der Wirtschaft erforderlich ist. Dann ist die Folge dieses Inflationsprozesses der Kaufkraftverlust der Währung.

Die USA sind nicht Griechenland. Das Geldsystem der USA ist völlig anders als jenes der EU.