Okt 062017
 

Mit meiner Einschätzung „Ein Sell-Off steht an den Börsen bevor“ lag ich bisher gründlich daneben. Weltweit feiern die Börsen neue Hochs und es deutet so gut wie nichts darauf hin, dass diesen Bullen irgendetwas aufhalten könnte. Und dennoch rate ich weiter zu höchster Wachsamkeit und Vorsicht, denn nach meiner Einschätzung kann der Markt „von heute auf morgen“ in sich zusammenfallen. Was die Bewertung (siehe z.B. hier und hier) und das psychologische Umfeld (siehe z.B. hier und hier) angeht, haben wir ein geradezu perfektes Setup für ein Ende des Bullenmarktes und ein plötzliches Erwachen aus der Sorglosigkeit. Und Anlässe dafür wird es in den nächsten Tagen zahlreiche geben:

1. Absetzung oder Angriff auf Donald Trump
Die Stimmung um Donald Trump scheint sich aufgehellt zu haben, doch das sollte nicht davon ablenken, dass in vielerlei Hinsicht an seinem Sturz gearbeitet wird. Insbesondere sollte man die unerbittlichen Nachforschungen von Sonderermittler Robert Mueller im Auge behalten. Ich denke, dass Donald Trumps Präsidentschaft in größerer Gefahr steht, als das allgemein wahrgenommen wird.

2. Mögliche militärische Intervention in Nordkorea
Am 10.10. feiert Nordkorea den Gründungstag der Kommunistischen Regierungspartei, am 22.10. finden in Japan Neuwahlen statt. In diesem Zeitfenster könnte Nordkorea seine Drohung eines weiteren gewaltigen Atomtests im Pazifik oder eines neuerlichen Tests einer Interkontinentalrakete wahr machen. Und nachdem die Kriegsvorbereitungen auf allen Seiten weitestgehend abgeschlossen sind, ist ein militärischer Schlagabtausch jederzeit möglich. Möglicherweise hat Donald Trump gerade genau das angedeutet.

3. Aufkündigung des Iran-Deals und unerwarteter Militärschlag durch US/Israel
Schon seit Monaten drängt Israel die USA dazu, den Iran in Syrien zurückzudrängen. Israel hat offen damit gedroht, den Präsidentenpalast Assads zu bombardieren, weil Assad kurz davor steht, den Krieg zu gewinnen – dank russischer und iranischer Hilfe. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass Trump kommende Woche einseitig den Iran-Deal aufkündigen wird, was den Weg für militärische Interventionen öffnen würde. Wer meint, das sei angesichts der zahlreichen Stimmen (selbst aus dem eigenen Lager) zum Erhalt des Iran-Deals unwahrscheinlich, der sollte sich an den Austritt aus dem Klimaabkommen erinnern.

4. Massive Yuan-Abwertung nach Parteitag in China
China hat eine immense Schieflage im Finanzsektor. Aus meiner Sicht könnte China daher auf dem am 18.10. anstehenden Parteitag Maßnahmen entscheiden, die zu einer massiven Abwertung des Yuan führen. Einen „Vorgeschmack“ dafür haben wir kürzlich schon gesehen. Bei den letzten deutlichen Yuan-Abwertungen kamen die Kurse an der Wall Street jeweils erheblich ins Rutschen.

5. Eskalierende Auseinandersetzung USA und Russland – möglicherweise in Venezuela
Russland hat die USA in den vergangenen Monaten an zahlreichen Fronten geschlagen – nicht nur militärisch in Syrien, sondern auch durch neue Kooperationen und insbesondere erhebliche Waffen-Deals mit der Türkei und Saudi-Arabien. Auch Venezuela sucht nun den militärischen Schulterschluss mit Russland. Und auch in Nordkorea ist es Russland, das dem Land einen neuen Internetzugang geschaffen hat und es vor US-Cyber-Angriffen schützt, nachdem die Chinesen sich zurückgezogen haben. In Europa bröckelt die Front gegen die Russland-Sanktionen – Russland gewinnt zunehmend den „Deutungskrieg“. Und nicht zuletzt hat Russland eine Alternative zum SWIFT-System geschaffen und massiv seine Goldreserven ausgebaut – und sich damit vollkommen unabhängig von den USA gemacht. All das wird dem „US Deep State“ nicht gefallen und somit erwarte ich einen „Gegenschlag“ – womöglich in Venezuela, wo Russland noch nicht stark genug präsent ist. Die Zeichen stehen hier nach meiner Einschätzung auf Eskalation.

Das sind die wesentlichen Punkte, die man für die kommenden Wochen im Blick behalten sollte. Darüber hinaus sehe ich auch Risiken hinsichtlich weiterer zerstörerischer Naturkatastrophen – irgendwie ist die Erde in „Wallung“ geraten und es mehren sich Anzeichen für weitere massive Erdbeben in Südostasien, den USA und Südamerika. Am 12.10. wird zudem ein Asteroid der Erde sehr nahe kommen und zu einer Bedrohung für Satelliten werden. Das mag weit her geholt sein, aber wie eingangs dargestellt ist die Sorglosigkeit an den Börsen derart hoch, dass aus meiner Sicht jedes unerwartete Ereignis zu einem Auslöser einer „Verkaufslawine“ werden kann.

Jun 142013
 

„Achten Sie auf den Öl-Preis!“ schrieb ich am 17.05.2013, „Israel greift Iran an“ schrieb ich am 25.04.2013. Während letzteres noch nicht eingetreten und aufgrund der Unruhen in der Türkei sowie der jüngsten Erfolge der syrischen Armee gegen die „Rebellen“ auch zunächst etwas unwahrscheinlicher geworden ist, dürfte der Öl-Preis nun unmittelbar vor dem Ausbruch nach oben stehen. Der Auslöser könnte die Meldung sein, die heute Morgen über die Ticker läuft: „Syrien hat Giftgas eingesetzt – Obama greift ein“.

Es ist nicht so, dass wir einen globalen Öl-Mangel haben, doch die Möglichkeit eines neuen Nahost-Krieges wächst nun erheblich an. Die Nachricht wurde indes genau vor den Wahlen im Iran verbreitet, sodass diese auch eher strategischer Natur sein könnte. Obama ist nun allerdings zum Handeln gezwungen, da die USA sonst an (militärischer) Glaubwürdigkeit verlieren würden.

Es ist fraglich, wie Assad reagieren wird, denn er scheint keine Person zu sein, die ohne Kampf aufgibt und das Land verlässt, was er auch mehrmals betont hat. Da inzwischen auch der Libanon zum Kriegs-Gebiet gehört, hat ein neuer Nahost-Krieg längst begonnen und die Wahrscheinlichkeit für einen neuerlichen Tonkin-Zwischenfall ist immens gestiegen. So könnte ich mir zum Beispiel vorstellen, dass die syrische Armee verstärkt an der Grenze zur Türkei und Jordanien agiert, da Waffenlieferungen von dort aus am wahrscheinlichsten sind. Schnell greift so ein Krieg auf ein weiteres Land über und die Lage eskaliert.

Zudem könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass Assad künftig im Falle einer absehbaren Niederlage einen Schlag gegen Israel führt, um den Charakter des Krieges zu verändern. Hier dürfte dann inbesondere die Reaktion Ägyptens entscheidend sein.

Wie dem auch sei, ich rechne mit einer kontinuierlichen Zuspitzung der Situation im Nahen Osten und damit einer dauerhaften Unsicherheitsquelle, welche dem Öl-Preis Auftrieb geben könnte. Dies ist bedauerlicherweise auch im Interesse zahlreicher Öl-produzierender Länder und belastet voraussichtlich am meisten China, Indien, Japan sowie Europa.

Wie hier beschrieben könnte einer der stärksten Profiteure Russland sein. Der RTS steht aktuell bei 1.272 Punkten. Steigende Öl-Preise würden im Übrigen auch die Wahrscheinlichkeit einer Wende beim Uran markant erhöhen, da der Druck auf Japan steigen würde, die Reaktoren wieder in Betrieb zu nehmen.

Noch ist der Ausbruch nach oben nicht sicher, sodass man noch die Wahlen im Iran und weitere Entwicklungen in Syrien abwarten kann. Doch die Wahrscheinlichkeit für steigende Öl-Preise ist nun markant gestiegen. Vielleicht sollten Sie – sowie ich es getan habe – mal vorsorglich die Heizöltanks füllen…

Mai 222013
 

Am 01.02.2013 habe ich Sie auf eine mögliche bevorstehende Hausse bei Uran-Aktien hingewiesen. Seit dem scheint nicht viel geschehen zu sein, denn der Spot-Preis für Uran „dümpelt vor sich hin“ (aktuell 40,75 USD pro Pfund). Doch es gibt gleich drei Katalysatoren, welche schon bald eine neue Hausse begründen können:

  1. China hat sein Atom-Programm wieder aufgenommen. 30 Reaktoren befinden sich dort derzeit im Bau, 49 weitere sind in Planung. Jährlich werden derzeit 22 Mio. Pfund Uran verbraucht, jedoch nur 3 Mio. Pfund produziert. Und der Verbrauch Chinas soll bis 2030 auf 73 Mio. Pfund ansteigen. China wird daher jede Gelegenheit nutzen (müssen), seine Reserven und Ressourcen an Uran zu erhöhen.
  2. Japan, vor Fukushima der weltweit drittgrößte Nutzer von Kernenergie, wird seine Atomkraftwerke wieder anschalten, präziser: anschalten müssen. Denn mit der jüngsten Abwertung des Yen werden Rohstoffe für die Japaner markant teurer, was die ohnehin schon negative Handelsbilanz belastet. Die Kosten für Energieimporte haben sich gegenüber 2011 bereits verdoppelt. Folglich werden die Japaner mit großer Wahrscheinlichkeit wieder mehr auf Eigenproduktion setzen, was kurzfristig nur via Atomenergie möglich ist. Da derzeit nur zwei der 50 Reaktoren in Betrieb sind, wird die Uran-Nachfrage aus Japan tendenziell wieder stark zunehmen.
  3. Wie bereits berichtet läuft zum Jahresende ein vor 20 Jahren geschlossener Vertrag aus, wonach waffenfähiges Uran aus Russland verarbeitet und an die USA geliefert wird. Dies machte immerhin 15% des globalen Uran-Gesamtangebotes aus. Die USA verbrauchen jährlich 55 Mio. Pfund Uran, produzieren derzeit aber nur 4 Mio. Pfund. Zwar dürften die Russen weiter die USA beliefern, jedoch sicherlich nicht mehr zu den derzeitigen Preisen. Zudem dürften die USA generell daran interessiert sein, sich nicht zu sehr von Uran-Importen aus Russland und dem unter russischen Einfluss stehenden Kasachstan abhängig zu machen. Doug Casey skizziert bereits einen russischen Corner des Uran-Marktes. Das erscheint mir zwar überzogen, aber Russland hat in der Tat nicht nur in den Bereichen Gas und Öl eine globale Vormachtstellung.

Nun bin ich bei Prognosen die mehr als 5 Jahre in die Zukunft gehen regelmäßig skeptisch, doch das Szenario eines Angebotsdefizits zu derzeitigen Preisen ist durchaus überzeugend. So hatten z.B. BHP Billiton, Cameco und Areva im vergangenen Jahr diverse Projekte aus wirtschaftlichen Gründen gestoppt. Der Uran-Preis müsste auf über 70 US-Dollar pro Pfund steigen, damit sich diese Projekte wieder lohnen. Und sollte es so kommen, würde doch einige Zeit vergehen, bis sich die Lage entspannen dürfte.

Dies ist also durchaus ein Szenario, aus dem man eine bullishe Prognose ableiten kann. Und ich denke, dass „saubere“ Alternativen wie Solar- und Windenergie selbst bei größten Anstrengungen die Kernenergie nicht in einem überschaubaren Zeitfenster ersetzen können. Demnach wird voraussichtlich schon bald einer neuer Bullenmarkt bei Uran einsetzen, wovon insbesondere die Uran-Produzenten profitieren sollten.

Ich wurde bereits nach meinem ersten Beitrag gebeten, doch einige konkrete Werte zu nennen, die ich als interessant erachte. Dem komme ich hiermit nach, möchte jedoch betonen, dass dies keine Anlageberatung ist und Sie für Ihre Investmententscheidungen selbst verantwortlich sind:

  • Uranium Participation (ISIN: CA9170171057, 3,78 EUR): Mit dieser Aktie können Sie mehr oder weniger direkt auf den Uran-Preis setzen, da das Unternehmen nichts anderes tut, als seine Vermögenswerte in Uran zu investieren.
  • Cameco (ISIN: CA13321L1085, 17,14 EUR): Das kanadische Unternehmen ist einer der weltweit größten Uran-Förderer. Damit ist die Aktie geradezu ein Muss für Institutionelle Anleger, die das Thema abdecken möchten.
  • Paladin Energy (ISIN: AU000000PDN8, 0,71 EUR): Einer der größten Uran-Förderer Australiens (wobei die Produktionsstätten in Afrika liegen) und ebenfalls ein „Blue Chip“ innerhalb des Uran-Sektors.
  • Uranium Energy (ISIN: US9168961038, 1,48 EUR): Produktion in Texas und Explorationsziele in Paraguay. Das Unternehmen ist schuldenfrei, das Management hält 20% der Aktien.
  • Energy Fuels (ISN: CA2926711045, 0,11 EUR): Analytisch gesehen einer der günstigsten Uran-Produzenten (USA) und damit ein interessantes Übernahmeziel.
  • Uranerz Energy (ISIN: US91688T1043, 1,08 EUR): Angehender Uran-Produzent in den USA mit voraussichtlich sehr geringen Förderkosten und bereits abgeschlossenen Verträgen u.a. mit Exelon, dem größten Kernkraftwerksbetreiber in den USA.
  • Ur-Energy (ISIN: CA91688R1082, 0,68 EUR): Ebenfalls ein angehender Produzent (USA), der sehr niedrige Produktionskosten haben wird und bereits Abnahme-Verträge geschlossen hat.
  • Strathmore Minerals (ISIN: CA8630771035, 0,12 EUR): Der spekulativste Wert, da noch keine finalen Genehmigungen vorliegen, jedoch mit starken Partnern (Sumitomo, Kepco) und gleich zwei „Company Maker“-Projekten in den USA, für welche noch im laufenden Jahr mit Entscheidungen der Behörden zu rechnen ist.

Jetzt mögen Sie sich vielleicht fragen: „Welchen Wert soll ich denn nun kaufen?“. Nun, per se kann ich Ihnen das nicht beantworten. Jeder dieser Werte hat (s)eine „Story“ und jeweils ein anderes Chance/Risiko-Profil. Zudem empfiehlt sich bei Einzelwerten generell eine breitere Streuung. Anhand der Auswahl können Sie indes erkennen, dass ich generell den Fokus eher auf Werte mit US-Produktion legen würde, da dies das größte Abnehmerland ist und politische Risiken noch am überschaubarsten erscheinen. Alternativ zu Einzeltiteln gibt es auch einige Zertifikate und Fonds, wobei ich mir da kein Urteil erlaube und Ihnen eine eigene Recherche nahe lege.

Ein überaus spannender Wert, der jedoch nichts mit der Uran-Förderung sondern mit der Uran-Anreicherung zu tun hat, ist das australische Unternehmen Silex Systems (ISIN: AU000000SLX4, 1,96 EUR). Das Unternehmen hat eine Technologie entwickelt, mittels derer Uran mit Lasern angereichert werden kann. Die Technologie steht kurz vor dem Durchbruch, eine Test-Phase wurde gerade erfolgreich beendet. Setzt sich die Technologie nachhaltig durch, wird Silex durch Lizenz-Einnahmen eine wahre „Cashcow“ werden. Aber natürlich sind auch hier die Risiken beträchtlich (das Unternehmen wird ohne relevante Umsätze bereits mit 450 Mio. CAD bewertet) und Investoren sollten neben der Risikofreude auch entsprechende Geduld mitbringen.

Abschließend ein wichtiger Hinweis:
Es gibt eine durchaus hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass sich die 4-jährige „allgemeine“ Aktien-Hausse ihrem Ende nähert. Sollte im Sommer eine neue Baisse beginnen, müsste das oben beschriebene Szenario ungeachtet der bullishen fundamentalen Basis überprüft werden, da man bereits 2008/2009 sehen konnte, dass Märkte auch extreme Unterbewertungen erreichen können und einige der oben genannten Unternehmen dann womöglich existenziell bedroht wären.