Mrz 052015
 

Am 24. März 2014 schrieb ich im Beitrag „Steht ein Einbruch des Euro gegen den US-Dollar bevor?“:

„In der Summe ist das ein Cocktail, der aus meiner Sicht dazu geeignet ist, einen scharfen Abwärtstrend im Euro zu initiieren. Das Kapital, das in den letzten zwei Jahren in den Euroraum floss, könnte schneller wieder abgezogen werden als viele ahnen. Sollte die Fed dann zudem noch ihre Ankündigung wahr machen und das Tapering beibehalten, dürften sich die USA als DER Zielhafen für großes Kapital herausstellen. Aus meiner Sicht ist EUR/USD ein strategischer Short. Eine Zielzone könnte zunächst bei 1,25 USD liegen – ein Abwärtspotenzial von 10%.“

Zwischenzeitlich hatte ich den Zielbereich noch deutlich nach unten korrigiert und seit Ankündigung hat der Euro gegenüber dem US-Dollar um über 20% auf aktuell 1,10 US-Dollar verloren. Doch nun ist es aus meiner Sicht an der Zeit, die Short-Gewinne zu realisieren. Das Sentiment ist meiner Beobachtung nach extrem pro US-Dollar bzw. sehr negativ hinsichtlich des Euro. Dabei ist das Thema Griechenland vorläufig vom Tisch, das große Anleihenkaufprogramm der EZB bekannt, die Ukraine-Krise „gelaufen“. Und ich sehe auch sonst keine neuen Nachrichten, die den Euro weiter belasten könnten.

Ich erwarte daher für die nächsten Monate eine Stabilisierung, wenn nicht gar eine Erholung des Euro in Richtung 1,20 USD. Die Wirtschaftsdaten lassen dies durchaus zu. Echte Probleme für den Euro erwarte ich erst wieder ab dem kommenden Jahr, wenn die avisierte Zinswende an Fahrt gewinnt und die Schuldenkrise mit voller Wucht zurückkehrt.

In den nächsten Wochen wird jedoch eher der Yen wieder Aufmerksamkeit erregen, wenn er seinen Absturz gegen nahezu alle Währungen fortsetzt. Denn Japan bleibt „Vorreiter“ auf dem Weg in den Ruin.

Jan 152015
 

Die Schweizer Nationalbank (SNB) hat überraschend ihren Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro aufgehoben und die Zinsen gesenkt. Das Währungspaar EUR/CHF bricht dramatisch ein – zwischenzeitlich um über 25%! Dieser Schritt wird zahlreiche Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt haben und dürfte – wie so häufig in den letzten Jahren – diverse Schieflagen erzeugen.

Damit hat die SNB meiner Einschätzung nach die Büchse der Pandora geöffnet. Wie im Beitrag „Die Schweiz steuert auf eine Finanzkrise zu“ dargestellt, ist sie ein unglaublich hohes Fremdwährungsrisiko eingegangen, das jetzt voll zum tragen kommt.

Für heute ist mit Stützungskäufen zu rechnen. Doch wie viele Marktteilnehmer dürften noch immer im Schweizer Franken Schulden halten, die im Euro-Raum investiert sind? Das gilt insbesondere auch für die SNB selbst.

Ich denke, dass die SNB den Schweizer Franken mit dem exorbitanten Quantitative Easing nachhaltig geschwächt und in geradezu unverantwortlicher Weise das Schweizer Finanzsystem einem systemischen Risiko ausgesetzt hat. Die Folgen wird man meines Erachtens in zwei bis drei Jahren erst wirklich erkennen.

Das ist das Ende des Finanzplatz Schweiz wie wir ihn über Dekaden kannten. Ich wiederhole aus meinem letzten Blog-Beitrag:

„Insofern warne ich hiermit eindringlich und meiner Kenntnis nach bisher als einziger Marktstratege explizit vor Investments jeglicher Art in der Schweiz.“

Heute fällt der Schweizer Aktienmarkt um fast 10%. Sie waren und sind gewarnt. Die Schweiz ist kein sicherer Hafen mehr – im Gegenteil.

Jul 302014
 

Seit geraumer Zeit beschäftigt mich ein Gedanke. Ich verfolge sehr intensiv verschiedene Technologien und habe den Eindruck, dass in sehr vielen Bereichen „Durchbrüche“ stattfinden, die seit Jahrzehnten stabile Branchen völlig „durchrütteln“ werden. Schumpeter würde hier womöglich von „kreativer Zerstörung“ sprechen.

Per se ist das eine positive und notwendige Entwicklung. Doch wie mir scheint gehen viele dieser Entwicklungen zu schnell. Zu schnell für unsere Sozialsysteme. Zu schnell für unsere Arbeitsmärkte. Zu schnell für weite Teile der Bevölkerung, die „nicht mehr mithalten“ können. Zu schnell, dass sich vorherige Investitionen noch amortisieren könnten. Und das wird nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung einen „starken Dämpfer“, eine Gegenbewegung  hervorrufen. Es wird zu erheblich steigender Arbeitslosigkeit führen und viele Investitionen unrentabel werden lassen.

Strukturwandel hat es immer gegeben, Jobs verloren auch früher schon ihre Relevanz. Doch dies ging noch nie so schnell wie heute vor sich. Jobs werden wesentlich schneller vernichtet, als neue entstehen, es gibt Schätzungen wonach rund die Hälfte aller Jobs vor dem Aus stehen. Welche Folgen dies auf die Sozialsysteme, Staatsfinanzen und insbesondere auf die Stabilität unserer Gesellschaft hat, kann man sich leicht vorstellen. Die Folgen einer weiter steigenden Kluft zwischen Arm und Reich habe ich hier beschrieben.

Diese Erkenntnis ist in der globalen Politik leider immer noch nicht angekommen, denn überall versuchen die Regierungen eher, über Währungsabwertungen und Handelsbeschränkungen Vorteile zulasten anderer Staaten zu gewinnen um damit den eigenen Arbeitsmarkt und die eigene Wirtschaft zu stärken. Dies funktioniert jedoch nicht, da das Problem nicht primär in niedrigeren Human-Kosten, sondern in sinkenden Produktionskosten und gesättigten Märkten liegt. Und ich habe den Verdacht, dass die zunehmende Durchdringung energieeffizienter Technologien bei gleichzeitiger Erhöhung der Energieproduktion durch Solaranlagen u.a. auch die Energiekosten dauerhaft senken wird (das könnte jedoch durch einen neuerlichen „Weltkrieg“ anders kommen), womit die Produktionskosten noch weiter sinken würden. Die Ironie ist dabei, dass dadurch noch weniger Menschen zur Arbeit gebraucht werden und damit – schon rein technisch bedingt – die Arbeitslosigkeit noch weiter steigt.

Beschleunigt wird dieser Trend durch die globale Nullzinspolitik. Sie treibt Technologie voran und wertet menschliche Arbeit ab. Sie ist wie Adrenalin. Und wie wir wissen, führt zu viel Adrenalin zu Herzrasen und womöglich sogar zum Infarkt. Die Nullzinspolitik leitet Kapital aus einem „Anlagenotstand“ heraus in immer riskantere Anlagen. Die Börsen werden womöglich bald ihre Aufwärtstrend noch weiter verschärfen, wobei ich denke, dass sich das eher in den USA und Asien vollziehen und Kapital aus Europa ein wesentlicher Treiber sein wird.

Dies ist ein „Cocktail“, der binnen weniger Jahre zu dramatischen und sehr schnellen Umbrüchen führen wird. Vielleicht ist Ihnen das Phänomen der Interferenz bekannt. Aus meiner Sicht erzeugt die globale Nullzinspolitik eine gefährliche Synchronisation von wirtschaftlichen Entwicklungen. Durch die Globalisierung erscheinen alle Märkte (womöglich abgesehen von kleinen afrikanischen Märkten) immer stärker positiv korrelierend und wir sind mehr denn je anfällig für systemische Krisen. Daher wird die nächste Krise vermutlich wesentlich heftiger als jene in 2008, deren psychologische Basis meines Erachtens ohnehin nie ausreichend untersucht wurde. Die Reaktionen von Notenbanken und Politik werden dann womöglich noch extremer ausfallen. Und „mehr Adrenalin“ könnte dann den Patienten „umbringen“…

In diesem Kontext möchte ich Ihnen nochmals meinen Beitrag „Kaufkraftschutz in Zeiten von Anlagenotstand und Finanzrepression“ zur Lektüre empfehlen. Es ist Zeit für ein neues Denken. Und Handeln!

Feb 252014
 

Auf fuw.ch war kürzlich der folgende Chart zu finden:

Japan_Demografie_Deflation

Wichtig ist demnach die Erkenntnis, dass es eine sehr enge Korrelation zwischen Deflation und Bevölkerungsentwicklung gibt.

Die japanische Notenbank bzw. die Regierung haben es sich zum Ziel gesetzt, die Inflation auf etwa zwei Prozent anzuheben um damit neues Wachstum zu erreichen. Die Idee ist also, die Konsumenten aus Angst vor Geldentwertung zu Ausgaben zu animieren.

Nun, wenn wir uns die Grafik ansehen, sollte klar werden, dass dies kein leichtes Unterfangen ist. Bei wikipedia erfahren wir zudem zur Demografie Japans:

„Die Bevölkerung begann 2005 zu schrumpfen, als 1,067 Mio. Geburten 1,077 Mio. Todesfälle gegenüberstanden. Unter Annahme der derzeitigen Geburts- und Todesraten wird die Bevölkerung von 127 Millionen im Jahre 2005 auf 100 Millionen im Jahr 2050 und gar auf nur 64 Millionen im Jahr 2100 gefallen sein.“

Wenn man sich mal den typischen Ausgabenzyklus eines Menschen vorstellt, so leuchtet es ein, dass die größte „Konsumfreude“ vorherrscht, wenn eine Familie gegründet wird – also im Alter zwischen 30 und 40 Jahren. Ich kann das aus persönlicher Erfahrung (3 Kinder) voll bestätigen… :-) Konsum hat doch weniger mit „Spaß“ oder „Präferenzen“ denn mit „Notwendigkeiten“ zu tun.

Und genau hier liegt das Problem: die japanische Geld- und Fiskalpolitik kann daran nichts wesentlich ändern. Im Gegenteil: Jeder Konsum in höherem Alter belastet künftigen Konsum, ohne dass „Ersatz“ nachkäme. Die Demografie-Kurve Japans weist unerbitterlich und klar in eine einzige Richtung: abwärts.

Ich bin daher davon überzeugt, dass Quantitative Easing in Japan scheitern wird. Mehr noch: der anhaltende Versuch, Japans Wirtschaft wieder in Gang zu setzen („Abenomics“), wird einen „Infarkt“ bzw. Kollaps auslösen. Man stelle sich mal vor, man würde einem betagten 65-Jährigen ständig Anabolika spritzen, damit er wieder so schnell läuft und so stark wird wie ein 20-Jähriger. Das mag eine Zeit lang scheinbar klappen. Doch es braucht nicht viel Verstand um einzusehen, dass man damit eher ein Risiko verstärkt denn eine Chance schafft.

Wie mehrfach hier auf kaufkraftschutz.de beschrieben wird Japan im Ruin enden. Und ich glaube, es wird eine Art von Ruin sein, die wir lange Zeit nicht vergessen werden. Konkret erwarte ich, dass sich Japans Staatsverschuldung so lange weiter aufblähen wird, bis der Glaube an den Yen und die Macht von Regierung und Zentralbank vollkommen erodiert ist – insbesondere bei der eigenen Bevölkerung. Sobald dieser psychologische Wendepunkt erreicht ist, wird irgendein Auslöser – z.B. ein stärkeres Erdbeben, ein Crash in China, ein lokaler Krieg – zu einer Panik führen, den keine Notenbank und kein Staat der Welt mehr aufhalten können wird. Kapital wird aus Japan abrupt fliehen und die Wirtschaftsleistung in einer Schockstarre geradezu zum Erliegen kommen – ähnlich wie 2008, nur noch wesentlich dramatischer.

Ein Extrem-Szenario? Vielleicht. Doch genau damit rechne ich. Und zwar um das Jahr 2020. Erinnern Sie sich an mich und diese Seite, wenn es so weit ist. Niemand soll sagen, es wäre nicht vorhersehbar gewesen! Die größte Blase heute ist nicht das QE oder die Bewertungen von Wertpapieren oder Immobilien, sondern der blinde Glaube an staatliche Institutionen, staatliche Versprechen und die „Steuerbarkeit“ von Wirtschaft abseits von fundamentalen Entwicklungen wie der Demografie.

Feb 212014
 

In meinem Beitrag „Katalysatoren einer Hausse bei Uran-Aktien“ habe ich drei Auslöser einer neuerlichen Hausse bei Uran bzw. Uran-Aktien beschrieben. Einer davon bezog sich auf Japan:

„Japan, vor Fukushima der weltweit drittgrößte Nutzer von Kernenergie, wird seine Atomkraftwerke wieder anschalten, präziser: anschalten müssen. Denn mit der jüngsten Abwertung des Yen werden Rohstoffe für die Japaner markant teurer, was die ohnehin schon negative Handelsbilanz belastet. Die Kosten für Energieimporte haben sich gegenüber 2011 bereits verdoppelt.“

Gestern war nun folgendes zu lesen: „Japan verbucht Rekord-Handelsbilanzdefizit – Schuld waren vor allem die durch den schwachen Yen verteuerten Energieimporte“. Es ist also genau das eingetroffen, was ich vermutet habe. Schauen wir uns das grafisch an, bekommen wir einen noch klareren Blick dafür, wie erheblich diese Entwicklung ist:

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Japan reagiert nun auch genau so, wie antizipiert, denn Japan beschleunigt den Neustart seiner Reaktoren. Es bleibt den Japanern faktisch auch gar keine andere Wahl, wenn sie ihre Wirtschafts- und Geldpolitik (extremes Quantitative Easing) fortsetzen wollen, ohne dass der Yen unmittelbar in den freien Fall übergeht.

Uran-Aktien sind in den letzten Monaten schon teils recht stark gestiegen, was jedoch primär auf die Konsolidierung in der Branche zurückzuführen ist. Doch der eigentliche Uran-Bulle steht noch bevor und es ist mitnichten zu spät, sich in dem Sektor zu positionieren. Einige konkrete Anlage-Ideen hatte ich Ihnen hier bereits vorgestellt.

An meinem Basis-Szenario für Japan ändert dies alles jedoch nichts. Japan wird im Ruin enden. Diese These vertreten inzwischen nicht wenige bekannte Strategen. Die Erfahrungen der letzten 20 Jahre haben mich jedoch gelehrt, dass solche Entwicklungen Zeit brauchen. Wirklich dramatisch dürfte es für Japan daher wohl erst in etwa fünf Jahren werden. Es ist also noch zu früh, sich hier zu positionieren. Bis dahin können wir jedoch im Uran-Sektor einiges an Geld verdienen…

Jun 132013
 

Damit es nicht untergeht, nochmals der explizite Hinweis, dass ich die hier beschriebenen Shorts auf DAX und EUR/JPY mit ansehnlichen Gewinnen veräußert habe. Ich denke, kurzfristig besteht eine gewisse Chance auf Stabilisierung/Gegenbewegung. Zudem steigen für die Shorties die Risiken, dass die Fed bei ihrer Sitzung kommende Woche zurückrudert hinsichtlich der Reduzierung des Quantitative Easing. Ich sehe sogar die Möglichkeit, dass die US-Indizes nochmals auf neue Hochs gepusht werden, wenn die US-Notenbank ein Festhalten an QE signalisiert.

Indes glaube ich, dass der Grund der Kursrückgänge NICHT primär die Angst vor einem Ende der expansiven Notenbankpolitik ist, sondern eine Antizipation einer nahenden globalen Rezession. Auch das habe ich hier schon frühzeitig angedeutet und nun hat auch die Weltbank ihre Prognose gekürzt.

In jedem Fall zeigen die jüngsten Tage, wie fragil die „Hausse“ ist und wie schnell der Wind drehen kann. Ich nehme an, die nächste „Überraschung“ wird ein neuerliches Abtauchen des Euro gegen den US-Dollar (aktuell 1,33) in den nächsten Wochen sein, denn der Euro profitierte am stärksten durch Carry Trades. Durch die global nun anziehenden Zinsen und schwächer werdende Weltwirtschaft werden die Schuldenstaaten in Euroland wieder mehr unter Druck geraten. Kommt es zudem zu der von mir erwarteten Rezession in Deutschland, werden die Märkte berechtigerweise fragen, wer die „schwachen Euro-Länder“ noch stützen soll. Der Euro wird entsprechend nachgeben.

Insofern könnte man in Erwägung ziehen, jetzt US-Anleihen zu kaufen. Ich sehe mich nach einem adäquaten Investment um und werde ggf. informieren, was ich gekauft habe.

Jun 072013
 

Am 15. Mai 2013 schrieb ich im Beitrag „DAX: Zeit zu shorten“: „Und denken Sie daran, dass gerade “die ganze Welt” mit weiterer Yen-Schwäche rechnet. Ein derart hoher Konsens führt regelmäßig zum genauen Gegenteil, wie hier beschrieben. Ich bin jedenfalls nun auch short EUR/JPY (aktuell 132,15).“

Gestern konnte der Yen gegen nahezu alle Währungen erheblich zugewinnen und hat damit  – kurzfristig – eine Wende eingeleitet. Ich rechne nun wie bereits via Twitter kommuniziert mit einer recht schnellen Aufwertung des Yen, da nun wie hier beschrieben in durchaus beträchtlichem Maße Carry Trades geschlossen werden dürften.

Für einen schnellen „Konter“ von ca. 5-10% gegen Euro und US-Dollar spricht auch die Divergenz, die sich zum Nikkei aufgebaut hat. Diese hat Robert Schröder von elliott-waves.com hier schön dargestellt.

Es zeigt sich mal wieder, dass die Notenbanken die Märkte nicht wirklich kontrollieren, sondern sie eher psychologisch beeinflussen. Dass der Yen dennoch längerfristig weiter abwerten dürfte, liegt weniger an der Notenbankpolitik (Auslöser) und mehr an den strukturellen Ungleichgewichten Japans (Ursache).

Was die niedrigen Zinsen indes bewirken ist, wie auch in meinem Beitrag „Kaufkraftschutz in Zeiten von Anlagenotstand und Finanzrepression“ dargestellt, dass immer mehr Investoren (zu) hohe Risiken eingehen und kreditbasierte Spekulationen zunehmen. Dies verdeutlicht im Falle Japans auch die folgende Grafik, die das Marging Trading im Verhältnis zum TOPIX zeigt.

topix-margin_debt

Von 2001 bis 2006 hatte Japan es schon einmal mit Quantitative Easing versucht, was jedoch letztlich wieder in einem Absturz endete. Daraus dürfte auch die derzeitige Angst vor einem Ende des QE in den USA herrühren. Früher, also bevor sich „kapitalistische Länder“ der Planwirtschaft verschrieben, waren die Treiber der Börsenkurse noch Unternehmensgewinne. Nun ja, die Zeiten ändern sich…

Interessant ist, dass japanische Staatsanleihen von den – hier frühzeitig angekündigten – Nikkei-Turbulenzen zuletzt überhaupt nicht profitieren konnten. Demnach scheint der Druck dort auszusteigen immens groß zu sein, was zwar per se auch dem Willen der japanischen Notenbank entspricht, sicherlich jedoch nicht zu schnell und zu stark geschehen darf. Denn sonst könnte die Banc of Japan sehr schnell in eine Situation geraten, wo sie nicht nur alle neu ausgegebenen sondern auch die bereits bestehenden Staatsanleihen in ihre Bücher nehmen muss. Mit anderen Worten: sie müsste den gesamten Markt für japanische Staatsanleihen aufkaufen. Es bedarf nicht viel Fantasie um zu verstehen, dass damit das Vertrauen in den Yen völlig erodieren und eine „Katastrophenhausse“ mit immenser Kapitalflucht aus Japan einsetzen würde.

Kurzfristig erwarte ich dennoch einen schnellen und relativ starken Anstieg des Yen. Und womöglich wird genau dieser dazu führen, dass die Banc of Japan dann noch radikaler agieren wird. Entsprechend muss man jederzeit mit Interventionen rechnen und damit möglicherweise recht abrupten Trendwechseln. Daher werde ich den Gewinn aus dem „Yen-Konter-Trade“ auch eher früher als später absichern bzw. realisieren.

Jun 032013
 

„Ein ehemaliger deutscher Bundesverfassungsrichter und Europarechtler kommen in einem Gutachten zu dem Schluss, dass Deutschland bei einer Verletzung des Verbots der Staatsfinanzierung durch die EZB zum Austritt aus der Euro-Zone verpflichtet sei“ finden wir heute bei fondsprofessionell.de.

Nun mag das nicht wahrscheinlich sein, aber Juristen halten sich in der Regel sehr genau an das geltende Recht und wenn eben jenes zu einem solchen Urteil führt, könnte schon allein eine solche Andeutung einen immensen Rutsch des Euro bewirken – insbesondere wenn man bedenkt, dass der Euro inzwischen primär durch Deutschland getragen wird. Die Verhandlungen finden übernächste Woche statt und ich denke es macht Sinn, sich das in den Börsen-Kalender einzutragen.

Generell fällt auf, dass der US-Dollar seit Wochen Stärke gegen fast alle Währungen entwickelt, was ganz klar deflationär wirkt und sich zunehmend negativ auf die Gewinne der US-Unternehmen auswirken wird. Für eine neuerliche Deflationsgefahr spricht auch, dass sich inflationsgeschützte Anleihen zuletzt miserabel entwickelt haben und die Rohstoffpreise „schwächeln“. Und ich bin weiterhin der Ansicht, dass der Yen für eine sprunghafte Erholung gut ist, was wiederum entsprechende Folgen (Carry-Trade-Auflösungen) mit sich bringen würde. So ist zum Beispiel die Erholung der PIIGS-Anleihen (hier rate ich zu Gewinnmitnahmen, nachdem wir in 2011 den Einstieg nahe gelegt hatten) in nicht unwesentlichem Maße auf Carry Trades zurückzuführen.

Insofern stehen gerade alle Zeichen auf Deflation und der große Gewinner hierbei ist der US-Dollar. Und sollte das Bundesverfassungsgericht nur andeutungsweise das Agieren der EZB kritisieren, könnte es schon bald einen mächtigen Euro-Rutsch geben, sodass der US-Dollar-Index geradezu nach oben springen würde. Und das trotz Quantitative Easing. Womöglich ist genau das die nächste große Blase die platzen wird: die völlig überschätzte Allmacht der Notenbanken. Doch wer soll die Welt dann noch vor einem deflationären Endspiel bewahren?

Warten wir es ab. Die nächsten Wochen werden spannend und ich fühle mich weiterhin recht wohl mit meinen Puts auf DAX und EUR/JPY. Und im Übrigen liege ich auf der Lauer bei den Edelmetallminenaktien und Edelmetallen. Noch ist es jedoch etwas zu früh, denn sollte es zum avisierten Rutsch an den Märkten kommen, dürften auch die Edelmetalle und Minenaktien nochmals belastet sein. Dann jedoch könnte ein wahrlicher Anstieg wie Phönix aus der Asche anstehen. Wenn es so weit ist, werde ich hier informieren.

Mai 232013
 

Intraday verlor der Nikkei heute Nacht von seinem Hoch aus rund 10%, sodass ich mit meiner Annahme eines neuerlichen Flash Crashs richtig lag. Natürlich ist der Nikkei per heute nüchtern betrachtet noch immer in 2013 hervorragend gelaufen (wie im Jahresausblick angekündigt), doch nicht wenige werden nun schon eine innere Panik spüren und ich denke, dass es nun – wieder einmal – zu einer Welle an Carry Trade Auflösungen kommen wird.

Auslöser des Einbruchs war, dass der chinesische Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC auf 49,6 Punkte gefallen ist und damit eine Kontraktion der Wirtschaft anzeigt. Zudem dürften die Unstimmigkeiten innerhalb der Fed (sowie im Übrigen auch innerhalb der englischen Zentralbank) hinsichtlich Reduzierung oder gar Ausdehnung des Quantitative Easing beigetragen haben.

Persönlich denke ich, dass die Notenbanken schon bald wieder unmissverständlich klar machen werden, dass sie weiter mit QE fortfahren. Bis dahin dürfte es jedoch nun erst mal eine markante Konsolidierung an den Aktienmärkten geben, welche meinen Puts auf den DAX und EUR/JYP zugute kommen wird.

Bemerkenswert ist, dass der Einbruch des Nikkei von weiteren Verlusten bei japanischen 10-jährigen Staatsanleihen begleitet wird. Sollte sich das fortsetzen, könnte es überraschend schnell zu einer Krise in Japan kommen.

Eines hat diese Nacht jedenfalls gezeigt: QE ist kein Garant für „sicher steigende Kurse“ und wie zuletzt mehrfach betont haben viele Anleger inzwischen jegliche Risiken gänzlich ausgeblendet. Nun gilt es genau zu beobachten, ob und ggf. wie schnell der Markt durch „starke Hände“ aufgefangen wird und welche Sektoren relative Stärke und Schwäche zeigen.

Mai 162013
 

Wir haben hier den Weg Japans schon frühzeitig aufgezeigt und als treue Leser dürften Sie die radikalen Schritte der japanischen Notenbank nicht überrascht haben. Lesen Sie dazu nochmal den Beitrag vom 23.08.2011: „Verliert die Bank of Japan die Nerven“.

Wichtig zu verstehen ist jedoch, dass eine Schuldenkrise wie in Griechenland derzeit nicht wahrscheinlich ist, einfach weil die japanische Zentralbank „alles aufkaufen“ kann. Dazu sei nochmals auf diesen Artikel vom 17.03.2011 verwiesen: Japan vor Schuldenkrise?

Japan ist demnach nicht von externen Gläubigern abhängig, denen es eine ständig höhere Rendite bieten muss. ABER: die derzeitigen Halter von japanischen Anleihen, vorrangig eigene Banken und vor allem die eigenen Bürger, könnten in Panik geraten. Und eben da liegt die Gefahr, denn es könnte zu einer Art Kapitalflucht kommen, wenn größere Teile der japanischen Bevölkerung das Vertrauen in die Aktionen der Notenbank verlieren.

Der jüngste sprunghafte Anstieg bei den japanischen Renditen hat dazu einen „Vorgeschmack“ gegeben, sodass sich die Banc of Japan schon gezwungen sieht, den Anleihen-Sektor zu stützen. Das hat auch einen handfesten Grund, denn die japanischen Banken und Versicherungen haben in etwa das Neunfache ihrer Eigenkapitalbestände in japanische Staatsanleihen investiert. Bei einem Kursrückgang der Staatsanleihen um nur 10% (das würde einem Zinsanstieg auf 2,0% für 10-jährige Anleihen entsprechen) wären japanische Banken und Versicherungen faktisch allesamt konkurs.

Wenn wir das mal weiterdenken ergibt sich eine ganz simple Erkenntnis: es gibt keinen Weg zurück. Die japanische Notenbank hat – ähnliche wie die US-Notenbank – mit ihrer Inflationspolitik immense Anreize geschaffen, aus japanischen Staatsanleihen auszusteigen. Denn entweder interveniert die Notenbank mit der Folge niedrigster Renditen, die im Falle des „Erfolgs“ hinsichtlich des Inflationsziels von 2% real deutlich negativ wären. Oder aber sie tut dies nicht und die Zinsen steigen sogleich deutlich an, was also Kursverluste für die bestehenden Investoren bedeutet und den Schuldendienst verteuert.

Es ist demnach aus meiner Sicht zu erwarten, dass sich die Bilanz der japanischen Notenbank sehr stark weiter aufblähen wird. Und ich vermute, dass dies zu einer nachhaltigen Schwäche des Yen führen wird. Zum Einen, weil immer mehr Japaner ihr Kapital ins Ausland schaffen werden. Zum Anderen, weil Yen-Carry Trades weiter zunehmen dürften und Spekulanten gezielt den Yen ins Visier nehmen werden.

Ein weiter fallender Yen wiederum wird den USA, Europa und China missfallen, zumal der effektive reale Wechselkurs ohnehin schon auf niedrigstem Niveau liegt. Die USA haben Japan daher bereits gemahnt. Sollte sich der Yen in den nächsten Jahren weiter abschwächen – was meiner Ansicht nach wie beschrieben sehr wahrscheinlich ist – dann werden aus verbalen Attacken Handlungen werden und protektionistische Maßnahmen ergriffen werden. Dies entspricht genau dem skizzierten Fahrplan des deflationären Zyklus.

Der Weg Japans ist meiner Einschätzung nach der Weg in den Ruin, denn selbst mit den extremsten Maßnahmen wird es Japan nicht gelingen können, die Wirtschaft nachhaltig zu befeuern, auch wenn auf Basis des niedrigen Niveaus anfängliche „Erfolge“ zu erwarten sind. Ein wesentlicher Grund der wirtschaftlichen Schwäche Japans ist die Demografie. Und zumindest diese können die Notenbanken nicht steuern.

Zudem – und das scheint einfach generell übersehen zu werden – ist das Nachfragepotenzial global sehr bescheiden. Der einzige Kontinent mit markantem Konsum(nachhol)potenzial ist Afrika, doch hier fehlt in den meisten Ländern noch die wirtschaftliche Basis, um sich relativ teure Güter und Dienstleistungen aus dem Ausland leisten zu können.

Persönlich erachte ich den Weg Japans noch aus anderen Gründen als sehr gefährlich. Das Land wird z.B. regelmäßig von Erdbeben heimgesucht und ein neues starkes Erdbeben mit katastrophalen Folgen würde Japan nun noch mehr treffen, da Staat und Notenbank bereits „aus allen Rohren schießen“.

Zudem begünstigt das japanische QE eine überzogene Asset Inflation (lokal wie auch international) und wie die Erfahrung gezeigt hat, führt dies regelmäßig zu neuen Problemen. Ich vermute daher, dass „Abenomics“ und „Quantitative Easing“ den Weg zu einer unkontrollierbaren Krise ebnen, die das Vertrauen in den Yen und in Notenbanken und Staaten generell global erschüttern wird. Bis dahin ist es aber wohl noch etwas Zeit.

Kurzfristig rechne ich wie hier beschrieben mit einer Erholung des Yen und damit einhergehend rückläufigen Börsen. Mittelfristig dürfte sich die Nikkei-Hausse fortsetzen, der Yen weiter nachgeben und die Inflation in Japan nun langsam beginnen zu steigen. Die Ironie wird demnach sein, dass anfänglich das von Premierminister Shinzo Abe gestartete Vorgehen wie ein Erfolg aussehen, sich in zwei bis drei Jahren jedoch als ruinös herausstellen wird.