Feb 282015
 

Im Mai 2011 schrieb ich im Beitrag „Wann kommt die Zinswende?“, dass ich für 2012 mit einem Tief rechne und die Zinsen „tendenziell ab Ende 2012 ihren Anstieg beginnen, die Anleihenmärkte dann in einen nachhaltigen Bärenmarkt übergehen“ werden. Bezogen war der Beitrag primär auf die 30-jährigen US-Bonds. Mit der Einschätzung lag ich bis Anfang dieses Jahres richtig, dann wurden sogar kurzfristig neue Tiefs erreicht. Ich sehe dies jedoch als finale Übertreibung an, die durch das Quantitative Easing (QE) der Notenbanken befeuert wurde.

Wenn Sie mich fragen, wo gerade die größte Blase schlummert, dann würde ich sagen: im Glauben an dauerhaft niedrige Zinsen und die Allmacht der Notenbanken. Beides wird noch in diesem Jahr seinen „Peak“ sehen. Ich rechne fest damit, dass wir im dritten Quartal ein „plötzliches Erwachen“ erleben werden. Irgendein Auslöser wird dazu führen, dass DIE Zinswende ihren Anfang nimmt (die Bodenbildung läuft wie beschrieben seit 2012), d.h. eine nachhaltige Wende an den globalen Bondsmärkten, die 2016 und 2017 deutlich an Momentum aufnehmen wird.

Global? Ja! Ich denke nicht, dass Europa den japanischen Weg gehen wird. Es mag sein, dass einzelne Länder hinsichtlich der demografischen Entwicklung ähnlich wie Japan in einer strukturellen Deflation stecken. Indes bedeutet das keineswegs, dass auch die Zinsen in Europa über eine Dekade lang tief bleiben müssen. Denn während Japan nur ein einzelnes Land ist, ist die Euro-Zone eine politisch motivierte Schicksalsgemeinschaft, der man immer weniger vertrauen wird. Heißt: die aktuellen Anleihenrenditen sind absurd und spiegeln in keinster Weise die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der einzelnen Länder wider. Griechenland ist nur ein Vorbeben. Das eigentliche Beben wird in Frankreich beginnen und damit einen der Grundpfeiler des Euro treffen. Die Parität zum US-Dollar könnte also noch in diesem Jahr erreicht werden, was 2013 bereits hier beschrieben wurde.

Ab 2016 rechne ich also mit global deutlich steigenden Zinsen. Da ich dann auch ein Wiedererwachen der Inflation erwarte, werden Investoren immer stärker in Aktien fliehen und dort die nächste gigantische Blase aufpumpen. Ich halte es für durchaus denkbar, dass der DAX Ende des Jahrzehnts über 20.000 Punkten notieren wird, der Dow Jones womöglich bei 35.000 Punkten.

Es ist also JETZT an der Zeit, sich auf die Zinswende vorzubereiten. Was heißt das konkret? Nun:

  1. Wenn Sie einen Kredit oder Darlehen aufnehmen wollen, dann zeitnah. Bedenken Sie jedoch: ein Kredit ist kein Selbstzweck. Überprüfen Sie sehr genau, ob Sie wirklich auf Kreditbasis etwas erwerben bzw. investieren möchten.
  2. Kaufen Sie keine Immobilien als Anlage! Dazu als Anregung auch nochmal der Beitrag: Was gegen die Immobilie als Inflationsschutz spricht
  3. Meiden Sie jegliche Anleihen, insbesondere Risikoanleihen!
  4. Shorten Sie keine Aktienindizes (auch wenn es sicher auch starke Rückschläge wie im Herbst 2014 geben könnte).
  5. Meiden Sie Aktien von Unternehmen mit hohen Schulden und niedrigem Cashflow.
  6. Legen Sie sich bei Edelmetallen auf die Lauer. Hier sollte es – nach einem weiteren starken Rutsch auf <1.000 US-Dollar – wieder nachhaltig aufwärts gehen.
  7. Suchen Sie sich einen guten Steuerberater. Wenn die Zinswende kommt, werden die Staaten noch stärker die Steuern erhöhen (müssen), weil die Finanzierung über Anleihen teurer werden wird.
  8. Überprüfen Sie Ihre privaten Finanzen langfristig im Hinblick auf die Frage: Inwiefern könnten sich stark steigende Zinsen negativ auf mich bzw. meinen Haushalt auswirken?
  9. Vertrauen Sie keinen Aussagen von Regierungen und Notenbanken! Deren Möglichkeiten sind begrenzt und häufig mehr psychologischer Natur.
  10. Vergessen Sie nicht, dass auch Bargeld eine Anlageklasse ist und Liquidität in den kommenden Jahren immer wichtiger werden wird. Zur Erinnerung: Bargeld lacht! Cash is king!

Ihr Feedback ist jederzeit willkommen.

Jun 242011
 

Schuldenkrise in Griechenland, Spanien und Italien als nächste Domino-Steine. Diskussionen über Ausgabenkürzungen in den USA, wirtschaftliche Abkühlung in China, Prognosekürzungen der US-Notenbank. Wo liegt der gemeinsame Nenner dieser Meldungen und Vorgänge? Die einfache Antwort: Deflation. Und mit dem Auslaufen des Quantitative Easing in den USA fällt zudem ein psychologischer Treiber des „Inflations-Trades“ weg.

Wir hatten schon vor Wochen gewarnt, dass sich eine Blase bei den Inflationserwartungen (http://www.kaufkraftschutz.de/blase-bei-den-inflationserwartungen/114) gebildet haben könnte. Nun platzt diese Blase mit zunehmender Dynamik und wir dürften abermals in das Gegenteil kippen: Angst vor Deflation. Dabei dürfte China eine nicht unwesentliche Rolle einnehmen, wo sich insbesondere im Bau-Sektor eine unnachhaltige Entwicklung zeigt. Markantes Beispiel: die „Geister-Stadt“ Kangbashi:

Ein Baustein, der dies noch nicht reflektiert ist Gold (1 Unze kostet aktuell 1.521 US-Dollar). Was uns „zuversichtlich“ stimmt, dass das Gold ein Topp ausgebildet hat ist, dass zuletzt zunehmend  Notenbanken als Käufer auftraten, die sich historisch als prozyklische Akteure gezeigt haben. Ferner, dass Gold angesichts der zahlreichen „dramatischen Meldungen“ in der Presse auffällig schwach war und nicht – wie zu erwarten gewesen wäre – dynamisch neue Hochs erzielen konnte. Und zuletzt, dass die Minenaktien schon länger eine Schwächephase antizipieren (negative Divergenz).

Wir erwarten bei Gold in Kürze einen ersten markanten Einbruch auf etwa 1.400 US-Dollar, dem ein weiterer schneller Rutsch auf ca. 1.200 US-Dollar folgen wird. Danach dürfte eine längere Seitswärtsbewegung folgen.

„Gewinner“ der nächsten Monate dürfte der US-Dollar sein, denn es wird ins allgemeine Bewusstsein rücken, dass das Quantitative Easing de facto „nur“ eine psychologische, aber keine direkt inflationäre Wirkung hat. Zudem gibt es kaum eine Anlage-Alternative. Euro und Yen weisen strukturelle Schwächen auf, Schweizer Franken und andere „gesundere Währungen“ sind inzwischen schlichtweg überbewertet. Der US-Dollar-Index scheint einen Boden gebildet zu haben. Ein Kaufsignal wird aktiviert, sobald er über 76 Punkte steigt. Eine Aufwertung deutet sich insbesondere gegen den Australischen Dollar an, doch auch andere Währungen dürften gegen den US-Dollar verlieren.

Ergo: Ja, Gold steht vor einem Einbruch, der US-Dollar vor einer Rallye.

Jun 222011
 

„Der dümmste Grund eine Aktie zu kaufen, ist, weil sie steigt!“ So sieht es jedenfalls Warren Buffett, einer der reichsten Menschen und erfolgreichsten Investoren der Welt. Er erwarb der Legende nach bereits mit 11 Jahren seine ersten Aktien. Ebenso früh gründete er seine zwei ersten „Unternehmen“: das eine widmete sich dem Verkauf von alten Golfbällen, das andere der Vermietung von Flipperautomaten.

Also Aktien nicht kaufen, weil sie steigen. Gut. Wann  ist aber dann ein geeigneter Moment, Aktien zu kaufen? Jetzt? Führen wir uns die Aspekte, die derzeit für oder gegen Aktieninvestments sprechen, vor Augen:

Die geopolitische Unsicherheit ist nach wie vor sehr hoch. Unruhen in China, der Mongolei, Griechenland, weiten Teilen Nordafrikas und des Nahen Ostens sowie Demonstrationen selbst in Spanien zeigen, dass die „Generation Empört Euch“ (in Anlehnung an den Essay des Franzosen Stéphane Hessel) gerade erst erwacht. Mit Auswirkungen, die noch niemand absehen kann.

Gleichzeitig sind die Arbeitsmärkte in den meisten Industrienationen schwach (Ausnahme: Sonderkonjunktur Deutschland), speziell in den USA ist die Gefahr einer neuen Rezession nicht mehr von der Hand zu weisen und verstärkt wird sogar über Japan 2.0 diskutiert.

Nach wie vor halten viele Investoren enorme Liquidität. Laut einer Studie von Merrill Lynch haben viele Profis sogar unlängst weiter Liquidität aufgebaut, die im Vergleich sogar über den historischen Durchschnittswerten liegt. Gleichzeitig gilt die Liquidität aus den gigantischen staatlichen und notenbanklichen Interventionen in Folge der Finanzkrise nach wie vor als enorm. Insofern bleibt offen, ob es in den USA überhaupt zu Quantitative Easing 3.0 kommt (eine schöne Erkärung, was QE bedeutet, finden Sie hier) und selbst wenn sich die US-Notenbank dazu hinreißen lässt, stellt sich die Frage, ob nicht der Nutzen weiterer Programme nach und nach abnimmt (ähnlich einem Drogenabhängigen, der immer höhere Dosen braucht).

Die nach wie vor niedrigen Zinsen (kurz bis mittelfristig sogar negative Realzinsen, worauf wir bereits hingewiesen hatten: http://www.kaufkraftschutz.de/gold-versus-immobilie/165) lassen Aktien theoretisch attraktiv erscheinen. Aktien gelten derzeit nicht als „teuer“. So warten die Versorger-Aktien derzeit sogar mit Dividendenrenditen von 7-10% auf. Attraktiv?

Die  Frage ist, warum diese Unternehmen solche hohe Dividenden an ihre Aktionäre ausschütten müssen. Nach klassischen Bewertungsparametern sehen diese Aktien attraktiv aus. Dabei wird allerdings unterschlagen, dass die mittel- bis langfristigen Geschäftsmodelle dieser Unternehmen überholt sind. Und das ist auch das eigentliche Herz-Stück eines Investments in Aktien:

Sie investieren in ein Unternehmen und werden Miteigentümer! Genau dies ist der entscheidende Grund, Aktien zu kaufen! Sie investieren in eine sachwertorientierte unternehmerische Beteiligung. Und das erklärt auch, warum Warren Buffett eine Aktie nicht kauft, nur weil sie steigt. Denn steigende Aktienkurse reflektieren, wie wir durch diverse Manien (z.B. die Hightech-Bubble), wissen, nicht notwendigerweise auch gute Zukunftssaussichten für die Unternehmen.

Insofern sollten Sie die Entscheidung, ob Sie Ihren Kaufkraftschutz auch via Aktien erreichen wollen, NICHT von aktuellen Markt-Nachrichten abhängig machen, sondern sich überlegen, ob das Unternehmen Ihrer Ansicht nach auch mögliche größere Krisen und Verwerfungen überdauern wird. Vergessen Sie Markt-Timing und andere „Spielereien“!