Jul 072015
 

Ob Griechenland austritt oder nicht wird sich zeigen. Persönlich denke ich, dass es nur zwei Lösungen der Euro-Krise gibt: Entweder eine vollständige Union mit EU-Finanzministerium, EU-Steuern und -Transfers analog dem Länderfinanzausgleich der Bundesländer. Oder aber Griechenland sowie alle anderen Länder, deren ökonomische Basis nicht rausreichend ist im Vergleich zu den anderen Länder der Euro-Zone, treten aus. Ich habe die Vermutung, dass die Euro-Zone längerfristig wieder deutlich kleiner werden wird… Das dürfte insbesondere Deutschland treffen. Doch noch ist es nicht so weit.

Kurzfristig denke ich, dass das Thema Griechenland bzw. „Grexit“ ausgereizt ist und fast schon „Blasen-Charakter“ annimmt. Das wird schnell deutlich bei einer Auswertung mit Google Trends:

grexit_bubble

Aus meiner Sicht sind wir gerade am Peak und ich erwarte bis spätestens Ende des Monats (wenn nicht gar bis Ende der laufenden Woche) eine „Lösung“. Ob diese die strukturellen Probleme lösen wird darf freilich bezweifelt werden, doch für ein Aufatmen an den Börsen dürfte es reichen.

Daher: Kaufen Sie die Angst (DAX bei 10.800 Punkten). Ich rechne fest damit, dass der Euro in den nächsten Monaten Richtung Parität zum US-Dollar fallen wird, was entsprechend den DAX „befeuern“ sollte. Zu meinen Favoriten gehören Bank-Aktien, denn die Banken haben längst ihren „Müll“ an die EZB entsorgt und sollten sich nun nachhaltig besser entwickeln als der allgemeine Markt. Dazu eine „nette Grafik“ von zerohedge:

bank exposure to greek

Jan 242013
 

In einem Interview mit Handelsblatt Online prognostiziert Hans Redeker, Chefstratege bei Morgan Stanley, dass der Euro binnen der kommenden zwei Jahre auf 1,05 US-Dollar fallen wird. Er begründet dies mit dem Wiedererstarken der USA und damit, dass die EZB der Währungspolitik Japans folgen wird, um „die Gefahr einer Kreditimplosion zu verhindern“.

Aber die Euro-Krise ist doch vorbei, oder nicht?

Nein, ist sie nicht. Es wurde lediglich Zeit gekauft, aber keines der strukturellen Probleme wirklich gelöst. Das sieht auch Felix Zulauf so, der beim Barron’s Round Table eine ähnlich pessimistische Prognose wie Redeker äußerte und längerfristig weiterhin mit einem Austritt zahlreicher Länder aus dem Euro rechnet.

Also US-Dollar kaufen?!

Mit einer kleinen Gewichtung womöglich sinnvoll, wenngleich auch der US-Dollar inhärent keineswegs stabil ist. Auch wenn den USA keine Schuldenkrise a la Griechenland droht, so ist der US-Dollar letztlich auch nur ein Zahlungsversprechen, das vom Glauben seiner „Anwender“ lebt. Doch dieser Glaube könnte eben markant länger halten als jener an den Euro.

Wer einen Schutz seiner Kaufkraft sucht, kommt auch an Edelmetallen wie Gold und Silber kaum vorbei. Doch Edelmetallpreise sind sehr volatil. Und in einer ernsten Krise könnte doch ironischer Weise gelten, „Bargeld lacht!“. Denn die meisten Strategen, die eine ausufernde Inflation proklamieren, verkennen die Tatsache, dass wir heute in einem Kreditgeldsystem leben und Buchgeld quasi „über Nacht“ verschwinden kann. Fiat Money hat also prinzipiell „zwei Richtungen“. Insofern können Edelmetalle ebenfalls nur eine Ergänzung sein.

Ich kann an dieser Stelle nur wiederholen: was zählt sind relative Werte! Wie viel Öl kann ich mit einer Unze Gold kaufen? Wie viel „DAX“ erhalte ich für eine Tonne Weizen? Wie viele Jahresgehälter kostet ein Haus im Vergleich zum historischen Durchschnitt?

Damit kommen Sie zu einer strategischen Vermögensaufstellung. Relativ betrachtet sind zum Beispiel – trotz der imposanten und frühzeitig richtig von mir angekündigten Rallye – japanische Aktien sehr günstig. Und auch die Agrarrohstoffe (Kaffee, Weizen) sind strategisch ein Long. Auf der Währungsseite dürften ausgewählte Währungen einiger südasiatischer Länder weiter aufwerten. Und taktisch dürften Aktien aus den Bereichen Medizintechnik und Biotechnologie weiter outperformen.

Wenn Sie sich hier richtig aufstellen, wird es relativ „egal“ sein, ob der Euro auf 1,05 US-Dollar fällt oder nicht. Zur Erinnerung: 2003 standen wir schon mal auf diesem Niveau. Und wirklich gestört hat sich zumindest meiner Erinnerung nach niemand daran…