Jun 122015
 

Die jüngsten Beiträge auf kaufkraftschutz.de trafen allesamt ins Schwarze. Wir haben einen ersten starken Anstieg der Zinsen gesehen und der Euro konnte sich deutlich von seinen Tiefs erholen. Aus meiner Sicht könnte das zweite Halbjahr durch einen sehr starken Anstieg der Börsen gekennzeichnet sein, begleitet oder vorangehend durch einen Kursrutsch bei Euro, Öl und Gold.

Die Mehrheit der Marktbeobachter geht inzwischen davon aus, dass die Fed die Zinsen erst im kommenden Jahr anheben wird – wenn überhaupt. Ich teile diese Ansicht nicht und erwarte sogar schon recht bald den ersten kleinen Zinsschritt nach oben und wie hier beschrieben eine sich verstärkende Zinswende in den kommenden beiden Jahren. Denn aus meiner Sicht muss die Fed das jetzt tun: Wenn sie jetzt die Zinsen anhebt, wird das den Konsum sogar beflügeln, weil viele sozusagen noch „schnell die niedrigen Zinsen nutzen“ werden wollen. Außerdem muss die Fed anheben, um auch wieder Möglichkeiten zu haben, wenn die nächste Rezession kommt (was vermutlich um 2017 der Fall sein wird). Und sie muss es tun, um ihre Glaubwürdigkeit zu erhalten.

Insofern glaube ich, dass sowohl der Euro als auch Gold vor einem neuerlichen Kursrutsch stehen. Bei EUR/USD könnte die Parität ins Ziel rücken, bei Gold die 1.000 USD. Und der Ölpreis wird vermutlich ebenfalls stärker fallen, weil es weiterhin ein deutliches Überangebot gibt und alle Zeichen weiterhin auf eine Einigung mit Iran und die Ablösung ölangetriebener Fahrzeuge hindeuten.

Generell denke ich, dass man Öl- und Gas-Aktien in den nächsten Jahren (!) strikt meiden sollte und empfehle dazu den Artikel von Clemens Schmale „Die CarbonBubble: Öl am Ende?“. Die Aktie von Exxon Mobil hat kürzliches ein sehr klares Chartsignal geliefert, dass eine Zeitenwende ankündigt.

Ein fallender Euro und ein fallender Ölpreis sind wiederum starke Antreiber der Börsen – genauso wie eine Entspannung an der „außenpolitischen Front“.

Ich favorisiere weiterhin Technologie-Werte und denke, dass die Themen E-Cars, Augmented Reality (z.B. Datenbrillen, 3D-Projektionen), Cyber-Security und Biotech weiter laufen werden. Euro, Öl und Gold sind hingegen für mich nun Short-Kandidaten.

Jul 172013
 

Joe Petrowski, CEO von Gulf Oil, erwartet bis Jahresende einen Rutsch des Öl-Preises auf 50 US-Dollar, was somit einer Halbierung gleich käme. Er begründet dies primär nicht etwa mit der wirtschaftlichen Schwäche Chinas oder einer Abkühlung der US-Wirtschaft, sondern mit einer massiv steigenden Produktion an Öl und Gas bei relativ schwacher Nachfrage.

Sollte es nicht zu einem Iran-Krieg kommen – und danach sieht es nach der „progressiven“ Wahl im Iran nun aus – kann ich der Prognose einiges abgewinnen. Denn derzeit liest man geradezu ausschließlich Kommentare, die den Ausbruch des Öl-Preises nach oben kommentieren und Kursziele von 120 US-Dollar und mehr prognostizieren.

Ich hatte hier einen ähnlichen Long-Trade auf Öl dargestellt, bin jedoch weiterhin noch skeptisch, insbesondere da die Commercials derzeit in erheblichem Maße short aufgestellt sind:

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Insofern möchte ich das Szenario weiter offen lassen. Interessant ist hingegen die Überlegung, was eine Halbierung des Öl-Preises bewirken würde.

Ein fallender Öl-Preis würde Konsumenten (Haushalte und Unternehmen) weltweit erheblich entlasten und könnte somit dazu führen, dass das „eingesparte Geld“ für andere Dinge ausgegeben wird. Folglich könnte sich die Wirtschaft positiver entwickeln. Gerade für China und Europa wäre dies wichtig, aber auch für die USA, deren Handelsbilanzdefizit dann deutlich geringer werden dürfte. Dies wiederum könnte den US-Dollar weiter stärken.

Den Notenbanken würde größere Freiheit entstehen, da die Inflationsraten erheblich zurückgehen sollten. Quantitative Easing könnte demnach ohne größere Diskussionen über die vermeintliche Inflationsgefahr fortgeführt werden, insbesondere auch in Japan.

Indes dürften die Erdöl-produzierenden Staaten erheblich leiden, allen voran die Staaten aus dem Nahen und Mittleren Osten. Eine sich zuspitzende wirtschaftliche Entwicklung dort könnte wiederum extremeren politischen Entwicklungen zuspielen. Zudem könnte sich Israel dazu verleitet fühlen, den Iran doch zu attackieren, da ein steigender Öl-Preis keine so große Sorge mehr darstellen würde.

Insofern bleibt das Thema Erdöl sehr spannend. Ich werde jedoch Anlagen in diesem Themenfeld zurückstellen, solange die weitere Entwicklung unklar bleibt.

Derzeit empfiehlt sich meines Erachtens ein höherer Cash-Bestand. Persönlich favorisiere ich ein Szenario, wonach es ab August bis in den späten Herbst zu stärkeren Abgaben an den Börsen und Zugewinnen bei den Anleihen kommen wird.

Jun 142013
 

„Achten Sie auf den Öl-Preis!“ schrieb ich am 17.05.2013, „Israel greift Iran an“ schrieb ich am 25.04.2013. Während letzteres noch nicht eingetreten und aufgrund der Unruhen in der Türkei sowie der jüngsten Erfolge der syrischen Armee gegen die „Rebellen“ auch zunächst etwas unwahrscheinlicher geworden ist, dürfte der Öl-Preis nun unmittelbar vor dem Ausbruch nach oben stehen. Der Auslöser könnte die Meldung sein, die heute Morgen über die Ticker läuft: „Syrien hat Giftgas eingesetzt – Obama greift ein“.

Es ist nicht so, dass wir einen globalen Öl-Mangel haben, doch die Möglichkeit eines neuen Nahost-Krieges wächst nun erheblich an. Die Nachricht wurde indes genau vor den Wahlen im Iran verbreitet, sodass diese auch eher strategischer Natur sein könnte. Obama ist nun allerdings zum Handeln gezwungen, da die USA sonst an (militärischer) Glaubwürdigkeit verlieren würden.

Es ist fraglich, wie Assad reagieren wird, denn er scheint keine Person zu sein, die ohne Kampf aufgibt und das Land verlässt, was er auch mehrmals betont hat. Da inzwischen auch der Libanon zum Kriegs-Gebiet gehört, hat ein neuer Nahost-Krieg längst begonnen und die Wahrscheinlichkeit für einen neuerlichen Tonkin-Zwischenfall ist immens gestiegen. So könnte ich mir zum Beispiel vorstellen, dass die syrische Armee verstärkt an der Grenze zur Türkei und Jordanien agiert, da Waffenlieferungen von dort aus am wahrscheinlichsten sind. Schnell greift so ein Krieg auf ein weiteres Land über und die Lage eskaliert.

Zudem könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass Assad künftig im Falle einer absehbaren Niederlage einen Schlag gegen Israel führt, um den Charakter des Krieges zu verändern. Hier dürfte dann inbesondere die Reaktion Ägyptens entscheidend sein.

Wie dem auch sei, ich rechne mit einer kontinuierlichen Zuspitzung der Situation im Nahen Osten und damit einer dauerhaften Unsicherheitsquelle, welche dem Öl-Preis Auftrieb geben könnte. Dies ist bedauerlicherweise auch im Interesse zahlreicher Öl-produzierender Länder und belastet voraussichtlich am meisten China, Indien, Japan sowie Europa.

Wie hier beschrieben könnte einer der stärksten Profiteure Russland sein. Der RTS steht aktuell bei 1.272 Punkten. Steigende Öl-Preise würden im Übrigen auch die Wahrscheinlichkeit einer Wende beim Uran markant erhöhen, da der Druck auf Japan steigen würde, die Reaktoren wieder in Betrieb zu nehmen.

Noch ist der Ausbruch nach oben nicht sicher, sodass man noch die Wahlen im Iran und weitere Entwicklungen in Syrien abwarten kann. Doch die Wahrscheinlichkeit für steigende Öl-Preise ist nun markant gestiegen. Vielleicht sollten Sie – sowie ich es getan habe – mal vorsorglich die Heizöltanks füllen…

Mai 172013
 

Obwohl der Aktienkurs des Elektrofahrzeugherstellers Tesla Motors gerade explodiert und man meinen könnte, dass schon morgen kein Auto mehr mit Öl unterwegs ist, deutet sich beim Ölpreis eine Ausbruchsbewegung nach oben an. Dies überrascht umso mehr, als die USA wegen ständig wachsender Eigenproduktion immer weniger Öl aus dem Ausland nachfragen.

Der Öl-Preis (sowohl WTI als auch Brent) „baut“ nun seit über zwei Jahren an einer explosiven Ausbruchsformation. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, wohin der Ausbruch erfolgen wird, doch im Zuge eines möglichen Krieges gegen den Iran und den Folgen von Quantitative Easing ist es durchaus wahrscheinlich, dass der Ausbruch nach oben erfolgen wird. Die Charttechniker zeichnen jedenfalls ebenfalls ein entsprechendes Bild, sowohl die Elliott-Waver, als auch die klassischen Charttechniker.

Dem fundamental gegenüber steht, dass die jüngsten Wirtschaftsdaten aus China, den USA und Europa enttäuschten und wir tendenziell ein Über-Angebot an Erdöl haben.

Persönlich habe ich dennoch gestern Heizöl bestellt, setze aber (noch) nicht via Derivat auf einen neuen Trend. Die Heizölbestellung basiert auf meiner ernsthaften Sorge vor einem sich zuspitzenden Konflikt in Nahost. Ich finde es extrem bemerkenswert, dass dieses Thema völlig seitens der „Anlage-Medien“ ignoriert wird. Wenn Sie meinen Twitter-Stream verfolgen, konnten Sie zuletzt einige durchaus bedenkliche Nachrichten vernehmen, etwas dass die USA in Afghanistan in unmittelbarer Grenze zum Iran eine neue Militärbasis aufbauen, Israel weitere Angriffe auf Syrien angekündigt hat, die Türkei, Israel und die USA Manöver abhalten und sich inzwischen zahlreiche russische Kriegsschiffe im Mittelmeer befinden.

Mir gefällt dieses „Säbelrasseln“ überhaupt nicht, denn wie in meinem Jahresausblick geschrieben, könnte sich eine Art neuer Tonkin-Zwischenfall ergeben, der recht „plötzlich“ zu einem Krieg führt. Und wir nähern uns dem von mir skizzierten Zeitfenster für einen Angriff Israels auf Iran.

Bitte beachten Sie jedoch, dass ich mich eindeutig noch nicht festlegen möchte! Der Ausbruch des Ölpreises kann ebenso gut nach unten erfolgen (der Chat sieht mir persönlich eher danach aus), wenn sich die Fundamentaldaten durchsetzen und es nicht zu einer Zuspitzung in Nahost kommt. Der wesentliche Zweck dieses Beitrags ist es, auf die Ausbruchskonstellation hinzuweisen. Ich denke, dass daraus ein neuer Trend entstehen wird und den könnte es sich lohnen zu „spielen“.

Das gilt im Übrigen auch für die Öl-Aktien. Der AMEX Oil Index stößt bei 1.400 Punkten an einen markanten Widerstand. Wird dieser gebrochen, könnte es deutliche Folge-Gewinne geben, dreht der Index jetzt aber nach unten ab, so ist es nicht ganz abwegig, dass wir erheblich zurückfallen. Ähnliches gilt auch für den stark von Öl- und Gas-Unternehmen geprägten russischen RTS.

Ergo: Eine spannende Situation, die durchaus auch mit der Frage auf höherer Ebene nach Inflation versus Deflation verknüpft ist. Das Thema werde ich an dieser Stelle wieder aufgreifen, sobald eine „Entscheidung“ erkennbar ist.

Apr 252013
 

So ähnlich könnte schon in wenigen Wochen eine Nachricht über die Newsticker laufen. Mir ist bewusst, dass das Thema schon seit Jahren immer wieder durch die Medien geistert und womöglich deshalb auch an Wirkung verloren hat. Das ändert jedoch nichts daran, dass diese Gefahr durchaus besteht.

„Im Sommer wird der Iran nur noch einen oder zwei Monate von einer Entscheidung über die Bombe entfernt sein“, so Amos Jadlin, Leiter des israelischen Instituts für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) in einem Interview. Weiter: „Eine INSS-Untersuchung zeige, dass Israel durchaus in der Lage sei, die iranischen Atomanlagen im Alleingang anzugreifen und sich mit den Folgen auseinanderzusetzen […] Die Welt wird nicht in Flammen aufgehen.“

Nun erscheint mir der letzte Satz geradezu dazu prädestiniert, sich als fataler Irrtum herauszustellen. Ergänzend zu diesen Worten hier nochmals einige Zeilen, die ich am 15. März schrieb:

„Zurück zur Frage, was schiefen gehen könnte. Ein Krieg zum Beispiel. Ja, auch das Thema “Iran” interessiert kaum noch jemanden, doch eingepreist ist eine Eskalation mitnichten. Und wenn Obama nun sagt “Wir sind der Auffassung, dass Iran etwa ein Jahr brauchen würde, um eine nukleare Waffe zu entwickeln”, dann sollte die präzise zeitliche Eingrenzung doch aufhorschen lassen.“

Das Komitee für Auslandsbeziehungen des US-Senats hat zudem kürzlich eine Resolution verabschiedet, wonach die USA Israel im Falle eines israelischen Militärschlags auf den Iran unterstützen werden. Damit wurde Israel das „Go“ signalisiert und die jüngsten Rüstungs-Deals sind die unmittelbare Folge.

Am 14. Juni wird in Iran ein neuer Präsident gewählt und gemäß diesem SPIEGEL-Artikel soll es nach Wunsch des Großajatollah Ali Chamenei kein „Hardliner“ sein. Ich habe jedoch den Verdacht, dass das einigen Ländern in der Region – zum Beispiel Israel oder Saudi-Arabien – nicht gefallen würde, denn in diesen Ländern agieren Personen in Politik und Militär, die sich einen bewaffneten Konflikt geradezu wünschen. Daher könnte ein Angriff sogar schon vor dem Wahl-Ende beginnen. Ein Vorwand dazu wird sich finden, wie die jüngst in Kanada verbreitete, faktisch aber völlig abwegige Verbindung von Iran und al-Quaida zeigt. In jedem Fall erachte ich die Zeit ab Juni für einen Kriegsbeginn als sehr wahrscheinlich, was auch der russische Nahost-Experte Jewgeni Satanowski so sieht.

Es ist natürlich ein Zufall, dass ausgerechnet jetzt auch deutsche Patriot-Raketen in der Türkei stationiert sind. Ich überlasse es Ihnen, sich darüber Gedanken zu machen, was dieser Tatbestand über strategisches Agieren abseits demokratischer Prozesse aussagt und ob dies sogar Einfluss auf die Wahlen im Herbst haben könnte. Sehr wahrscheinlich ist jedenfalls, dass ein neuer Nahost-Krieg zu steigenden Öl-Preisen führen wird und die Börsen diesen Krieg – anders als den damaligen im Irak – vorerst NICHT feiern werden. Ich werde daher meinen Worten Taten folgen lassen und in Kürze short auf den DAX und long auf Öl gehen.

Ich hoffe ehrlich, dass ich falsch liege, denn die langfristigen Konsequenzen eines – völkerrechtlich illegitimen – Iran-Krieges wären aus meiner Sicht desaströs! Selbst wenn die Welt nicht „in Flammen aufgehen wird“, so kann man doch damit rechnen, dass dies den Weg zu einer inflationären Depression ebnen wird, aus der weltweit soziale Unruhen hervorgehen und immer extremere politische und gesellschaftliche Strömungen entstehen werden.

Mrz 082013
 

Die US-Ölimporte sind im Dezember 2012 auf das niedrigste Niveau seit dem Jahr 1992 gefallen. Dies hat dazu geführt, dass China die USA als weltgrößter Importeur von Erdöl abgelöst hat. Die US-Ölproduktion ist zuletzt auf 7 Millionen Barrel pro Tag gestiegen.

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Mussten die USA vor sieben Jahren noch zwei Drittel ihres Erdöls importieren, so ist es heute nur noch ein Drittel.

Der Grund liegt im kontrovers diskutierten Fracking, das zu einem neuen Gas- und Öl-Boom in den USA geführt hat. Sie finden hier einen sehr lesenswerten Beitrag, der die Methode und die Risiken beleuchtet. Das Thema ist dermaßen bedeutend, dass selbst die US-Notenbank es jüngst in ihrem Beige Book mehrmals hervorgehoben hat. Doch die Mehr-Produktion in der US-Öl- und Gasbranche entspricht gerade mal knapp 0,2% des Bruttoinlandsprodukts.

Man sollte jedoch erwarten, dass sich die Entwicklung positiv auf die Handelsbilanz auswirkt, was wiederum den US-Dollar unterstützen würde. Doch nach den erst gestern gemeldeten Zahlen hat sich das US-Handelsbilanz-Defizit sogar noch ausgeweitet. Dennoch deutet sich längerfristig eine Wende in der Handelsbilanz an.

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Insofern könnte der US-Dollar in den nächsten Monaten weiter zulegen, zum Beispiel gegen den Kanadischen Dollar. Indes wird selbst eine stark ausgeweitete Öl-Produktion durch Fracking nicht ausreichen, um die nach China verlorene Güter-Produktion auszugleichen. Und der derzeit medial stark präsente 3D-Druck-Hype wird auch noch einige Jahre brauchen, um die Wirtschaft markant umzuwälzen.

Man sollte die überschwänglichen Berichterstattungen zum Fracking und zur neuen US-Ölimport-Unabhängigkeit nicht überbewerten. Längerfristig sind zudem die wahren Kosten und Risiken des Fracking nicht abzusehen. Kommt es z.B. zu einem schweren „Unfall“, der auf das Fracking zurückgeführt werden kann, dürfte das Thema womöglich einen größeren Schaden erleiden als die Kernkraft durch den Vorfall in Fukushima. Und dann würde sich die US-Handelsbilanz womöglich schlagartig wieder deutlich verschlechtern.

Ein steigender US-Dollar ist somit keineswegs sicher. Es ist sogar nicht ganz abwegig, dass der US-Dollar kurz vor einem zyklischen Hoch steht und wir in den nächsten Monaten eine neuerliche Talfahrt des US-Dollar-Index sehen werden. Der auf Zyklen fokussierte Charles Nenner sieht hingegen erst für 2014 den Beginn einer ernsten Dollar-Krise.

Wie dem auch sei: Fracking wird voraussichtlich keine nachhaltig positive Wirkung auf den US-Dollar haben.

Okt 112011
 

In vielen Ländern Nordafrikas sowie in einigen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens dominieren Krieg und Gewalt. Ein nüchterner Blick auf die Entwicklungen der vergangenen hundert Jahre zeigt, dass geopolitische Aspekte die Krisen treiben, welchen zum Teil religiöse Motive zugesprochen werden. Vieles deutet daraufhin, dass es in den kommenden Monaten zu einer Eskalation kommt, welche die gesamte Region nachhaltig verändern wird. Und dies betrifft durchaus auch Europa – nicht nur wegen des zu erwartenden Ölpreisanstiegs.

Dass das vor der Zahlungsunfähigkeit stehende Griechenland Panzer in den USA bestellt lässt ebenso aufhorchen wie die markanten Entwicklungen in der Türkei. Der türkische Ministerpräsident Erdogan hat fast die gesamte Führung des Militärs ausgetauscht und versucht, die Armee zu „islamisieren“. Zudem hat die Türkei die Beziehungen zu Israel eingefroren, droht unentwegt Syrien und führt Kampfeinsätze gegen die Kurden im Nordirak durch. Die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs versucht demnach, ihre im vergangenen Jahrhundert verlorene Vormachtstellung in der Region wieder herzustellen und sich Rohstoffe im Mittelmeer zu sichern, auf welche auch Griechenland, Ägypten und Israel Anspruch erheben.

Israel sieht sich generell zunehmend isoliert. Ägypten, langjähriger Verbündeter Israels, versinkt im Chaos und die Palästinenser finden weltweit großen Zuspruch für ihre Initiative für einen eigenen Staat. Auch im Land selbst brodelt es. Hunderttausende Israelis demonstrieren für mehr soziale Gerechtigkeit. Das gleiche Ziel, das auch schon die Marokkaner und Tunesier verfolgen und welches von der NATO als Vorwand genutzt wurde, um Libyen zu „befreien“. Dass die Franzosen als maßgeblicher Treiber des Gaddafi-Sturzes nun 35% des libyschen Erdöls erhalten, ist sicher nur Zufall.

Zwischen der Türkei und Israel liegt Syrien, das auch an den bereits „demokratisierten“ Irak angrenzt. Einer Meldung der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ria-Novosti zufolge, befindet sich ein militärisches Einschreiten in Syrien durch NATO-Kräfte bereits in Vorbereitung. Nach dem „Erfolg“ in Libyen fühlen sich demnach nicht wenige Köpfe in der längst ohne Daseinsberechtigung verweilenden NATO animiert, den nächsten Feldzug zu starten.

Zwischen Irak und Afghanistan wiederum liegt der Nachfolgestaat Persiens, Iran. Der Kandidat der US-Republikaner bei den künftigen Präsidentschaftswahlen Jon Huntsman, hat Iran jüngst mit einem Militärangriff gedroht. Auch Frankreichs Präsident Sarkozy sprach bereits von einem möglichen „Präventivschlag“ gegen den Iran. Irans Marine-Chefkommandeur hat indes angekündigt, dass sein Land Kriegsschiffe in die Nähe von US-Hoheitsgewässern entsenden will. Seit September ist das iranische Kernkraftwerk Buschehr am Netz. Der vermutlich durch Israel initiierte Cyber-Angriff mit dem Computerwurm Stuxnet konnte also nur eine Zeitverzögerung bewirken. Den Bau begleitet hat Russland, das in Übereinstimmung mit China regelmäßig Sanktionen gegen Iran sowie auch Syrien ablehnt. Auch hier ist die Interessenlage klar: Russland möchte wichtiger Öl- und Gas-Lieferant Europas bleiben, China seine Versorgung mit den Energieressourcen generell sicherstellen.

Unterhalb des dem Westen zugeneigten Saudi-Arabien, ein wahrlich undemokratischer Staat dem aber Deutschland gerne Panzer verkauft, finden sich Jemen und jenseits des Golf von Aden Somalia. In beiden Ländern führen die USA bewaffnete Drohneneinsätze durch.

Zuletzt erscheint es auch erwähnenswert, dass die USA zunehmend Pakistan ins Visier nehmen und dort einen neuen Feind aufbauen, nachdem Al-Quaida nicht mehr „zieht“ und deren Führungsfigur zu einem geeigneten Moment gefasst, ermordet und auch gleich ohne jeglichen Beweis im Meer „bestattet“ wurde. Über das Haqqani-Netzwerk in Pakistan werden wir in den kommenden Monaten sicher noch öfter hören.

Wir könnten das hier weiter vertiefen, doch soll dies entsprechenden Kennern obliegen. Wichtig zu sehen ist, dass nüchtern betrachtet längst ein Dritter Weltkrieg im Gange ist und dass es offen ist, wie dieser ausgehen wird. Derzeit scheint „der Westen“ seine Interessen durchsetzen zu können, jedoch ist es ein Unterschied, ein Land zu bombardieren oder einzelne Führer oder Wissenschaftler zu liquidieren oder aber ein solches Land tatsächlich nachhaltig effektiv zu steuern. Es könnte geradezu eine Ironie der Geschichte werden, dass die teils initiierten Aufstände eine Bewegung in Gang gebracht haben, die so nicht beabsichtigt war. Die überwiegende Mehrheit der Menschen in der Region will keine westliche Dominanz mehr und lehnt weitere „Marionetten-Regime“ ab. Der Irak fordert z.B. offen den Abzug aller US-Soldaten und verweigert ihnen Immunität. Auch im wichtigsten „Stützpunkt“ Saudi-Arabien brodelt es immer mehr. Es ist daher durchaus denkbar, dass das „Große Spiel“ dieses Mal zu unseren Ungunsten und zum Wohle der jeweiligen Völker enden wird. Dies wird die Geschichte zeigen.

Indes – um den thematischen Bezug zu unserem Blog Kaufkraftschutz herzustellen: Kriege wirken per se inflationär. Eine durchaus denkbare Eskalation im Nahen Osten könnte in den kommenden Monaten zu einem starken Anstieg des Ölpreises führen, was wiederum generell preistreibend wirken würde. Demnach könnte der strukturell deflationäre Trend schon bald durch (geo-)politische Entwicklungen überdeckt werden. Wem käme das mehr entgegen als den überschuldeten westlichen Staaten? Ein strategisch agierender und auf Kaufkraftschutz abzielender Investor sollte einen Blick auf die Öl- und Gas-Werte werfen, welche im Idealfall nicht gerade ihre Schwerpunkte in der genannten Region haben. Und auch Hersteller von E-Fahrzeugen dürften profitieren.