Aug 142017
 

In meinem Beitrag vom 20.06. „Der Bär lauert – Aktienmärkte vor Rückschlag (oder mehr)!“ hatte ich Ihnen diverse Gründe dargelegt, warum Sie vorsichtiger werden und Gewinne sichern sollten. Der DAX hat vom Hoch 10% verloren, die US-Märkte sind NOCH stabil nahe der historischen Hochs. Doch ich erwarte in Kürze auch dort erhebliche Kursverluste.

Nach meiner Einschätzung sind viele Investoren im Markt, die „dem Braten“ nicht trauen und sehr schnell auf die Verkäufer-Seite wechseln werden, sobald sich ein relevanter nachhaltiger Anlass dazu findet. Einen Vorgeschmack hatten wir vergangene Woche, als die Volatilität bei relativ geringen Kursverlusten gleich erheblich nach oben sprang.

NOCH herrscht ein großer Glaube an die Allmacht der Notenbanken, wie dieser Kommentar in einer Diskussion zeigt:


Doch was wäre, wenn es wirklich zu einem Krieg gegen Nordkorea käme? Oder einem Krieg zwischen Indien und China? Oder einer unerwarteten Naturkatastrophe (in Kalifornien gab es in diesem Jahr auffällig viele kleine Beben und es gibt ernsthafte Sorgen wegen den Folgen der totalen Sonnenfinsternis am 21.08.)? Die Notenbanken können sicher Makro-Daten beeinflussen, aber nicht die Welt als solche lenken. Und aus meiner Sicht werden insbesondere politische Risiken weiter völlig unterschätzt.

Das gilt auch nach wie vor für Syrien. Der IS mag weitestgehend militärisch geschlagen sein, aber die USA und Russland sind weiter dort präsent (weil beide eine andere Agenda verfolgen) und es gibt nach wie vor die ausgesprochene „rote Linie“ (Giftgaseinsätze). Sehr schnell kann es auch dort zu neuen Eskalationen kommen und plötzlich könnten sich die USA und Russland feindlich gegenüberstehen. Wer das für weit hergeholt hält, dem sei dieser Video-Beitrag von „Anonymous“ nahe gelegt. In gewisser Hinsicht läuft bereits ein Krieg – noch eher versteckt in Syrien und der Ukraine sowie ökonomisch. Doch es braucht nicht viel um daraus einen handfesten militärischen Konflikt entstehen zu lassen.

Neben den politischen Risiken sind auch die Makro-Daten zunehmend schwach. Dazu empfiehlt es sich die sehr gelungene Chart-Galerie von northmantrader.com anzusehen. Auch ein Blick auf global agierende Konzerne wie Siemens (Auftragseingang jüngst deutlich unter den Erwartungen) oder General Electric (Gewinneinbruch im zweiten Quartal) zeigt, dass sich die globale Konjunktur-Lage eintrübt – und das schon bevor die Notenbanken überhaupt mit dem Abbau der Bilanzen richtig begonnen haben und just vor einer neuerlichen Diskussion um die US-Schuldenobergrenze.

Da wundert es auch nicht, dass einer der wesentlichen Treiber der Hausse ebenfalls allmählich ein Ende findet: US-Aktienrückkäufe gehen derzeit so schnell zurück wie zuletzt während der Finanzkrise 2008.

Das alles ist wahrlich keine gute Basis um auf weiter steigende Kurse zu setzen – im Gegenteil. Ich denke, es ist nicht nur an der Zeit für Gewinnmitnahmen, sondern erstmals seit 2009 sehe ich wieder sehr gute Chancen auf der Short-Seite. Persönlich halte ich nun Puts auf den S&P 500 sowie den Nasdaq 100. Ich halte es für durchaus wahrscheinlich, dass aus „Buy the dip“ schon bald ein „Sell the rally“ werden könnte und die US-Börsen in einen erheblichen Sell-Off übergehen. Dazu sei auch nochmals an den Artikel „Führen Algo-Trading, Quants und ETFs bald zu einer Kernschmelze an den Märkten?“ erinnert.

Jul 042017
 

Nicht nur Jim Rickards rechnet mit einem Krieg gegen Nordkorea, auch der Gründer und ehemalige Leiter des privaten US-amerikanischen Geheimdienstes Stratfor, George Friedman, sieht eine militärische Auseinandersetzung kommen. Und auch der südkoreanische Präsident Moon Jae-in hat die Wahrscheinlichkeit militärischer Zusammenstöße entlang der Grenze zu Nordkorea als „hoch“ eingestuft

Bei einem Besuch des chinesischen Staatschefs Xi Jinping in den Vereinigten Staaten im April gab Donald Trump China 100 Tage Zeit, Nordkorea „umzustimmen“ – sonst würden die USA das Problem auf ihre Weise lösen. Jüngst verkündete Trump, dass China es versucht habe, aber nicht erfolgreich war. Seine Tweets zeigen, dass er die Geduld verliert. Das hat er auch sehr eindeutig gesagt:

Mit dem jüngsten Test einer Interkontinentalrakete durch Nordkorea ist zu erwarten, dass eine „rote Linie“ überschritten wurde und wir nach Ablauf der 100 Tage – ab dem 15. Juli – mit dem Beginn einer Offensive rechnen müssen. Die Vorbereitungen dafür laufen schon seit einigen Wochen. Und Trump sprach sich schon 1999 für einen präventiven Erstschlag aus:

Trump hat sehr klar gesagt, dass er alle Register an Verhandlungen ziehen wird – sollten diese jedoch nicht ausreichen, werden militärische Maßnahmen folgen. An diesem Punkt sind wir angelangt. Ein Krieg gegen Nordkorea kündigt sich an. Südkorea spricht von der „letzten Chance“ und nach den Worten folgen üblicherweise die Taten.

Für die Börsen dürfte jedwede Eskalation zunächst negativ wirken – dann hängt vieles vom konkreten weiteren Verlauf ab.