Jul 202011
 

Es scheint, als gäbe es in der Finanz- und Wirtschaftspresse nur diese eine Frage. Beide Lager, Inflationisten und Deflationisten bombardieren sich regelrecht mit Fakten und Argumenten, die ihr Szenario zu untermauern versuchen. Und in der Tat, beide Seiten wissen gute Aspekte ins Feld zu führen:

Die Inflations-Prediger führen zunächst das gigantische Aufblähen der Geldbasis an und sehen die anziehenden Verbraucherpreise vor allem als Symptom dieser Geldmengenaufblähung. Bis dato hat die Liquiditätsflut nur zu Asset Price Inflation geführt, speziell bei Aktien, Rohstoffen und Edelmetallen. Nun durchläuft sie sukzessive in Form von steigenden Rohstoffkosten ihren Weg durch die gesamte Wertschöpfungskette, sodass in Folge, so die Inflations-Prediger, jetzt die Konsumentenpreise schon wieder ansteigen. Und dann sorgen auch noch die Schwellenländer, allen voran China und Indien, für zusätzlichen Preisauftrieb. Daher befinden sich auch die Notenbanken in einer Zwickmühle: sie können sich keinen restriktiven Kurs erlauben, da viele Nationen unter ihrer enormen Schuldenlast leiden. Insofern sei auch kein Ende der geldpolitischen Lockerung möglich.

Fazit Inflation:  Ausgeuferte Geldmenge, steigende Lebensmittel- und Rohstoffpreise, verstärkte Asset-Blasen.

Indes, auch die Deflations-Prediger wissen sich zu wehren. Zunächst führe eine lockere Geldpolitik nicht automatisch zu höheren Inflationsraten – das beste Beispiel hierfür ist der Inbegriff der Deflation, Japan! Zudem funktioniert in den entwickelten Märkten der Geldfluss immer noch nicht ordentlich und der Schuldenabbau und die starke Orientierung auf Liquidität bei Geschäftsbanken (z.B. hinterlegtes Rekordvolumen von Banken bei Zentralbanken) signalisieren, dass die lockere Zinspolitik der Notenbanken nicht in Kreditwachstum umgesetzt wird. Und nein, auch eine Überhitzung der Schwellenländer bedeute nicht automatisch Anziehen der Inflation, zumal die Auslastung des Produktivvermögens immer noch auf Vorkrisenniveau rangiere; insofern auch kein steigender Preis- und Lohndruck aufkomme. Höhere Lebensmittel- und Energiepreise verringern sogar eher die verfügbaren Realeinkommen, da Privathaushalte ihre Einkommen naturgemäß nicht in gleichem Maße anheben können; dieser kontinuierliche Kaufkraftverlust verstärkt im Gegenteil sogar die Risiken einer Konjunkturabkühlung, was eher deflationär wirkt. Bis dato sieht man einen verhaltenen Anstieg von Löhnen und Gehältern in etablierten Industrienationen. Ein schwacher Arbeitsmarkt speziell in den USA mit einer Anzahl Langzeitarbeitslose auf Rekordniveau paart sich trotz vermeintlich grandiosem Arbeitsmarkt mit fallenden Reallöhnen seit über zehn Jahren in Deutschland. Und dann auch noch der negative Realzins, der oftmals, wenn auch zeitversetzt um ein Jahr, ein Hinweis für sinkende BIP-Wachstumsraten ist.

Fazit Deflation:  nach wie vor starke Lohnzurückhaltung, erhöhte Kreditausfälle sowie eine weiter sinkende Umlaufgeschwindigkeit.

Es erscheint wirklich sehr komplex, sich ein klares Bild zu machen, ob wir nun eher in Richtung Deflation oder eher in Richtung Inflation steuern. Und man kann es auch noch weiter verkomplizieren: Selbst wenn die Inflationsrate im Euro-Raum länger über 2% liegen sollte, von Mai 2000 bis Mai 2006 lag sie de facto fast ständig über dem EZB-Zielkorridor von 2%, wenn auch nur marginal. Das ist aber nicht automatisch mit Zinserhöhungen einhergegangen. Also ist das Zinsrisiko vielleicht doch nicht so hoch? Und hüten Sie sich vor Ihren Emotionen: die „gefühlte Inflation“ wird in beide Richtungen zu stark wahrgenommen, so eine Untersuchung der UniCredit Bank über den Zeitraum 01.03.1992 bis 01.03.2011.

Und, wissen Sie jetzt, was uns in den kommenden Jahren erwartet? Nein? Letztlich gibt es nur ein paar „Regeln“, die sich vor Augen führen sollten:

  1. Es gibt keine 100%ige Sicherheit, egal wer was sagt.
  2. Suchen Sie aus der Vielfalt der Argumente die Prämissen, die Ihnen am plausibelsten erscheinen.
  3. Vermeiden Sie so weit wie möglich Verluste.
  4. Beachten Sie die Kosten (bedenken Sie indes: alle Anlagen kosten Geld).
  5. ENTSCHEIDEND: streuen Sie Ihre Anlagen und Ihren Vermögensaufbau so breit wie möglich. Denn Sie wissen eben nicht, was die Zukunft bringt!
Jun 222011
 

„Der dümmste Grund eine Aktie zu kaufen, ist, weil sie steigt!“ So sieht es jedenfalls Warren Buffett, einer der reichsten Menschen und erfolgreichsten Investoren der Welt. Er erwarb der Legende nach bereits mit 11 Jahren seine ersten Aktien. Ebenso früh gründete er seine zwei ersten „Unternehmen“: das eine widmete sich dem Verkauf von alten Golfbällen, das andere der Vermietung von Flipperautomaten.

Also Aktien nicht kaufen, weil sie steigen. Gut. Wann  ist aber dann ein geeigneter Moment, Aktien zu kaufen? Jetzt? Führen wir uns die Aspekte, die derzeit für oder gegen Aktieninvestments sprechen, vor Augen:

Die geopolitische Unsicherheit ist nach wie vor sehr hoch. Unruhen in China, der Mongolei, Griechenland, weiten Teilen Nordafrikas und des Nahen Ostens sowie Demonstrationen selbst in Spanien zeigen, dass die „Generation Empört Euch“ (in Anlehnung an den Essay des Franzosen Stéphane Hessel) gerade erst erwacht. Mit Auswirkungen, die noch niemand absehen kann.

Gleichzeitig sind die Arbeitsmärkte in den meisten Industrienationen schwach (Ausnahme: Sonderkonjunktur Deutschland), speziell in den USA ist die Gefahr einer neuen Rezession nicht mehr von der Hand zu weisen und verstärkt wird sogar über Japan 2.0 diskutiert.

Nach wie vor halten viele Investoren enorme Liquidität. Laut einer Studie von Merrill Lynch haben viele Profis sogar unlängst weiter Liquidität aufgebaut, die im Vergleich sogar über den historischen Durchschnittswerten liegt. Gleichzeitig gilt die Liquidität aus den gigantischen staatlichen und notenbanklichen Interventionen in Folge der Finanzkrise nach wie vor als enorm. Insofern bleibt offen, ob es in den USA überhaupt zu Quantitative Easing 3.0 kommt (eine schöne Erkärung, was QE bedeutet, finden Sie hier) und selbst wenn sich die US-Notenbank dazu hinreißen lässt, stellt sich die Frage, ob nicht der Nutzen weiterer Programme nach und nach abnimmt (ähnlich einem Drogenabhängigen, der immer höhere Dosen braucht).

Die nach wie vor niedrigen Zinsen (kurz bis mittelfristig sogar negative Realzinsen, worauf wir bereits hingewiesen hatten: http://www.kaufkraftschutz.de/gold-versus-immobilie/165) lassen Aktien theoretisch attraktiv erscheinen. Aktien gelten derzeit nicht als „teuer“. So warten die Versorger-Aktien derzeit sogar mit Dividendenrenditen von 7-10% auf. Attraktiv?

Die  Frage ist, warum diese Unternehmen solche hohe Dividenden an ihre Aktionäre ausschütten müssen. Nach klassischen Bewertungsparametern sehen diese Aktien attraktiv aus. Dabei wird allerdings unterschlagen, dass die mittel- bis langfristigen Geschäftsmodelle dieser Unternehmen überholt sind. Und das ist auch das eigentliche Herz-Stück eines Investments in Aktien:

Sie investieren in ein Unternehmen und werden Miteigentümer! Genau dies ist der entscheidende Grund, Aktien zu kaufen! Sie investieren in eine sachwertorientierte unternehmerische Beteiligung. Und das erklärt auch, warum Warren Buffett eine Aktie nicht kauft, nur weil sie steigt. Denn steigende Aktienkurse reflektieren, wie wir durch diverse Manien (z.B. die Hightech-Bubble), wissen, nicht notwendigerweise auch gute Zukunftssaussichten für die Unternehmen.

Insofern sollten Sie die Entscheidung, ob Sie Ihren Kaufkraftschutz auch via Aktien erreichen wollen, NICHT von aktuellen Markt-Nachrichten abhängig machen, sondern sich überlegen, ob das Unternehmen Ihrer Ansicht nach auch mögliche größere Krisen und Verwerfungen überdauern wird. Vergessen Sie Markt-Timing und andere „Spielereien“!

Jun 152011
 

Der Median des Preises von Einfamilienhäusern in den USA in Gold nähert sich den Tiefs von 1980. Aktuell kann man demnach ungefähr für 106 Unzen Gold ein Einfamilienhaus in den USA erwerben. 2001 waren dazu noch 601 Unzen nötig. In Gold ist ein solches Haus also heute 80% günstiger.

Quelle: chartoftheday.com

Auch wenn inzwischen Preis-Ziele für Gold von 5.000 USD und mehr genannt werden, ist dennoch immer rational abzuwägen, wo das eigene Geld sinnvoller platziert ist. Bei allen Diskussionen über Inflation und Geldentwertung ist zu beachten, dass es Aspekte gibt, die kaum allgemein monetär bewertet werden können. Ein solcher Aspekt ist der Nutzwert. Abgesehen von der Verwendung als Schmuck, Zahnfüllung oder zur Dekoration weist Gold nur einen geringen Nutzwert auf. Selbst eine Zahlungsmittelfunktion ist heute recht fraglich. Daher mutet es auch teils fast schon zynisch an, dass mit großen Anstrengungen Gold aus dem Boden gewonnen wird, nur um es dann nach der Förderung und dem Gießen zu Barren wieder in den Boden – in Tresoren – zu lagern.

Gold ist durch seine Historie, Schönheit und sein begrenztes Vorkommen wertvoll und insbesondere in Zeiten negativer Realzinsen ein ausgezeichneter Kaufkraftschutz. Aber es ist mitnichten ein Wert an sich. Es tut nichts, es wächst nicht, es erschafft nichts. Gold ist eher ein Spiegel des Zustands des Geld- und Wirtschaftssystems. Es ermöglicht, Kaufkraft über Raum (Ländergrenzen) und Zeit zu erhalten. Aber natürlich braucht man auch einen Ort zum leben. Und „gefühlt“ scheint dies wertvoller zu sein als den Nutzen, den Gold stiftet.

Nicht wenige Investoren erwarten, dass die Dow/Gold-Ratio, also der Dow Jones bewertet in Gold auf 1 fallen wird. Dies mag sein, wir würden jedoch nicht darauf wetten. Auf jeden Fall würden wir bei Erreichen einer solchen Bewertung alles Gold verkaufen und dafür Aktien kaufen. Und auch bei Einfamilienhäusern rückt – zumindest in den USA – nun der Zeitpunkt sehr nahe, wo sich eine Familie mit Ersparnissen und halbwegs sicherem Einkommen fragen muss, ob das Geld nicht besser im eigenen Haus als in Gold investiert ist. Wir möchten jedoch nochmals daran erinnern: eine Immobilie allein als Inflationsschutz zu kaufen ist womöglich keine gute Idee.

Was denken Sie?