Jun 132014
 

Wie wir der Presse entnehmen, zerfällt gerade der Irak als Nationalstaat. Man fragt sich, woher die Waffen der „Islamisten“ kommen und wie sie so plötzlich solche logistischen Herausforderungen stemmen, wo sie doch in Syrien so stark zurückgeworfen wurden. Eine Antwort darauf kann nur spekulativ sein, aber ich habe den Verdacht, dass Saudi Arabien hier eine markante Rolle spielt.

Wenn wir uns klar machen, dass nun ein weiterer „failed state“ im Nahen Osten entsteht, braucht man nur ein wenig weiter zu denken, um die vermeintliche Berechtigung für externe Truppen in der Region zu ahnen. Natürlich werden es „humanitäre Gründe“ sein, warum der Irak schon bald (wieder) besetzt werden und dauerhaft als Nationalstaat untergehen wird. Im Norden Iraks haben wir de facto bereits ein „neues Kurdistan“, weitere Teile dürften schon bald von der Türkei als „Sicherheitszone“ besetzt werden. Ähnlich wird Iran vom Ostern her und Saudi Arabien vom Süden her argumentieren. Übrig bleiben wird wenn überhaupt ein kleiner Irak, der kaum größer als Bagdad sein wird und durch die Kämpfe nach und nach völlig zerstört wird.

Erinnern wir uns daran, wann in der Türkei NATO-Patriot Raketen gegen den Iran stationiert wurden (worüber Putin nur lachen kann) und visualisieren uns die US-Feldzüge in Afghanistan und Irak, so erkennt ein wacher Geist die lang angelegte Planung hinter den Vorkommnissen. Ich hatte Ihnen dies bereits Ende 2011 angekündigt. Was hier läuft ist eine Auseinandersetzung um die Vorherrschaft über die Öl-und Gas-Reserven und ich würde nicht zwingend darauf wetten, dass „der Westen“ als Sieger hervorgehen wird.

Russland hat bereits zwei mal „blitzkriegartig“ gezeigt, wie schnell es vorrücken und „Ordnung“ schaffen kann (Georgien, Krim). Auch Syrien wäre ohne russische Unterstützung längst gefallen.  Doch womöglich entscheidet letztlich weniger pure Waffen- bzw. Militärgewalt, sondern weil Russland erhebliche Gewinne in der Deutungshoheit gemacht hat. Man achte mal auf die Leser-Kommentare in Online-Presseberichten, welche extrem eindeutig pro-russisch sind. Ich habe keine Zweifel daran, dass dies teils aktive russische Meinungsmache ist, aber das ändert nichts daran, dass es durchaus effektiv ist und die öffentliche Meinung prägt.

Vielleicht wachen wir eines Morgens auf und hören, dass massive russische Truppenverbände auf dem Weg in den Nahen Osten sind, um die Situation zu „beruhigen“. Was würde dann geschehen? Könnte es sein, dass nicht wenige Menschen – auch in Deutschland – dies sogar gut heißen würden? Gewissermaßen die Russen als die „neuen Befreier“, weil ja „die Amis nur eigene Interesse verfolgen und ihnen nicht mehr getraut werden kann“?

Ich glaube, dass wir uns seit 1990 (Zweiter Golfkrieg bzw. Erster Irakkrieg) in globalen Energiekriegen befinden und dass nun die Zeit anbricht, wo die vielen Stellvertreter-Kriege offen ausbrechen zu einem Schlagabtausch des „Westens“ und dem „roten Bündnis“ aus Russland und China. Eskalationstendenzen sind überall zu beobachten – ob im Südchinesischen Meer, im Nahen Osten oder eben Osteuropa. Wenn wir nicht sehr aufpassen, finden wir uns in wenigen Jahren im Dritten Weltkrieg wieder. Ein solcher Krieg war auch historisch betrachtet schon immer ein Ventil, um eine nicht mehr kontrollierbare Wirtschafts- und Finanzkrise zu „lösen“…

Jul 172013
 

Joe Petrowski, CEO von Gulf Oil, erwartet bis Jahresende einen Rutsch des Öl-Preises auf 50 US-Dollar, was somit einer Halbierung gleich käme. Er begründet dies primär nicht etwa mit der wirtschaftlichen Schwäche Chinas oder einer Abkühlung der US-Wirtschaft, sondern mit einer massiv steigenden Produktion an Öl und Gas bei relativ schwacher Nachfrage.

Sollte es nicht zu einem Iran-Krieg kommen – und danach sieht es nach der „progressiven“ Wahl im Iran nun aus – kann ich der Prognose einiges abgewinnen. Denn derzeit liest man geradezu ausschließlich Kommentare, die den Ausbruch des Öl-Preises nach oben kommentieren und Kursziele von 120 US-Dollar und mehr prognostizieren.

Ich hatte hier einen ähnlichen Long-Trade auf Öl dargestellt, bin jedoch weiterhin noch skeptisch, insbesondere da die Commercials derzeit in erheblichem Maße short aufgestellt sind:

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Insofern möchte ich das Szenario weiter offen lassen. Interessant ist hingegen die Überlegung, was eine Halbierung des Öl-Preises bewirken würde.

Ein fallender Öl-Preis würde Konsumenten (Haushalte und Unternehmen) weltweit erheblich entlasten und könnte somit dazu führen, dass das „eingesparte Geld“ für andere Dinge ausgegeben wird. Folglich könnte sich die Wirtschaft positiver entwickeln. Gerade für China und Europa wäre dies wichtig, aber auch für die USA, deren Handelsbilanzdefizit dann deutlich geringer werden dürfte. Dies wiederum könnte den US-Dollar weiter stärken.

Den Notenbanken würde größere Freiheit entstehen, da die Inflationsraten erheblich zurückgehen sollten. Quantitative Easing könnte demnach ohne größere Diskussionen über die vermeintliche Inflationsgefahr fortgeführt werden, insbesondere auch in Japan.

Indes dürften die Erdöl-produzierenden Staaten erheblich leiden, allen voran die Staaten aus dem Nahen und Mittleren Osten. Eine sich zuspitzende wirtschaftliche Entwicklung dort könnte wiederum extremeren politischen Entwicklungen zuspielen. Zudem könnte sich Israel dazu verleitet fühlen, den Iran doch zu attackieren, da ein steigender Öl-Preis keine so große Sorge mehr darstellen würde.

Insofern bleibt das Thema Erdöl sehr spannend. Ich werde jedoch Anlagen in diesem Themenfeld zurückstellen, solange die weitere Entwicklung unklar bleibt.

Derzeit empfiehlt sich meines Erachtens ein höherer Cash-Bestand. Persönlich favorisiere ich ein Szenario, wonach es ab August bis in den späten Herbst zu stärkeren Abgaben an den Börsen und Zugewinnen bei den Anleihen kommen wird.

Jan 112013
 

Es ist ein immer wiederkehrendes Muster, dass Staaten die wirtschaftlich zurückfallen damit beginnen, außenpolitische „Erfolge“ zu suchen – nicht selten durch Kriege, welche das eigene Volk ablenken sollen. Vor diesem Hintergrund sind einige Sorgen um unser Nachbarland Frankreich angebracht.

Nachdem Frankreich in Tunesien für seinen Traum einer Mittelmeer-Union einen empfindlichen Rückschlag erlitten hat, will man nun in Mali gegen die „Islamisten“ unterstützen und hat dort bereits Elitesoldaten im Einsatz. Bereits in der Zentralafrikanischen Republik ist das französische Militär aktiv und auch in die Elfenbeinküste hatte man 2011 Truppen verlegt.  Auch wenn Präsident Hollande hervorhob, dass für Frankreich die Zeiten vorbei seien, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen, so muss man sich doch fragen, was diese Worte wert sind.

Frankreich war maßgeblich Initiator des Umsturzes in Libyen (was sicherlich auch handfesten Öl-Interessen geschuldet war), droht Iran mit einem militärischen Präventivschlag und zeigt sich auch hinsichtlich Syrien aggressiv. Da es zwischenzeitlich einen Wechsel des Präsidenten in Frankreich gab, sich jedoch am außenpolitischen Agieren nichts geändert hat, muss man wohl eine generelle „Offenheit“ gegenüber militärischen Interventionen proklamieren.

Dies ist im Hinblick auf die schwache Wirtschaftslage als durchaus bedenkliche Entwicklung zu sehen. Alt-Kanzler Gerhard Schröder hat Recht mit seiner Kritik am wirtschaftlichen Vorgehen der Franzosen, doch während die Deutschen die Agenda 2010 und andere Maßnahmen hinnahmen, zeigt sich das französische Volk nicht bereit für solche Reformen. Und die jüngsten Vorkommnisse hinsichtlich reichen Franzosen, die wegen einer geplanten 75%-Besteuerung (!) das Land verlassen, insbesondere der Aufruhr um Gérard Depardieu, zeigen einen sehr bedenklichen Links-Ruck, der für ganz Europa negative Folgen haben könnte.

Besonders gefährlich wird es, wenn sich die wirtschaftliche Kluft zwischen Deutschland und Frankreich weitet. Auch wenn man in Politiker-Kreisen nicht müde wird, die deutsch-französische Freundschaft zu betonen, so herrscht doch in Frankreich nach wie vor eine gewisse Unruhe vor einem zu mächtigen Nachbarn. Sollte Hollande einst offensiv gegen Deutschland agieren, wird dies sehr große Fragen seitens Investoren in Euroland aufwerfen. Als die bestimmenden „Kernländer“ der EU ist ein zukünftig mögliches Zerwürfnis der beiden Länder eine ernste Gefahr für die Stabilität des Euro – weit mehr als ein Austritt Griechenlands es je sein kann.

Insofern gilt es diese Entwicklungen sehr aufmerksam zu verfolgen. Und dies auch noch vor einem ganz anderen Hintergrund: Die Entsendung von Patriot-Raketen in die Türkei lässt erkennen, dass die Wahrscheinlichkeit eines größeren Krieges im Nahen Osten markant gestiegen ist. Es wäre eine bittere Ironie der Geschichte, wenn es nun Frankreich wäre, das durch einen selbst initiierten Krieg gegen Syrien den „Bündnisfall“ bewirkt und Deutschland erneut in einen großen Krieg  gezogen würde.

Okt 112011
 

In vielen Ländern Nordafrikas sowie in einigen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens dominieren Krieg und Gewalt. Ein nüchterner Blick auf die Entwicklungen der vergangenen hundert Jahre zeigt, dass geopolitische Aspekte die Krisen treiben, welchen zum Teil religiöse Motive zugesprochen werden. Vieles deutet daraufhin, dass es in den kommenden Monaten zu einer Eskalation kommt, welche die gesamte Region nachhaltig verändern wird. Und dies betrifft durchaus auch Europa – nicht nur wegen des zu erwartenden Ölpreisanstiegs.

Dass das vor der Zahlungsunfähigkeit stehende Griechenland Panzer in den USA bestellt lässt ebenso aufhorchen wie die markanten Entwicklungen in der Türkei. Der türkische Ministerpräsident Erdogan hat fast die gesamte Führung des Militärs ausgetauscht und versucht, die Armee zu „islamisieren“. Zudem hat die Türkei die Beziehungen zu Israel eingefroren, droht unentwegt Syrien und führt Kampfeinsätze gegen die Kurden im Nordirak durch. Die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs versucht demnach, ihre im vergangenen Jahrhundert verlorene Vormachtstellung in der Region wieder herzustellen und sich Rohstoffe im Mittelmeer zu sichern, auf welche auch Griechenland, Ägypten und Israel Anspruch erheben.

Israel sieht sich generell zunehmend isoliert. Ägypten, langjähriger Verbündeter Israels, versinkt im Chaos und die Palästinenser finden weltweit großen Zuspruch für ihre Initiative für einen eigenen Staat. Auch im Land selbst brodelt es. Hunderttausende Israelis demonstrieren für mehr soziale Gerechtigkeit. Das gleiche Ziel, das auch schon die Marokkaner und Tunesier verfolgen und welches von der NATO als Vorwand genutzt wurde, um Libyen zu „befreien“. Dass die Franzosen als maßgeblicher Treiber des Gaddafi-Sturzes nun 35% des libyschen Erdöls erhalten, ist sicher nur Zufall.

Zwischen der Türkei und Israel liegt Syrien, das auch an den bereits „demokratisierten“ Irak angrenzt. Einer Meldung der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ria-Novosti zufolge, befindet sich ein militärisches Einschreiten in Syrien durch NATO-Kräfte bereits in Vorbereitung. Nach dem „Erfolg“ in Libyen fühlen sich demnach nicht wenige Köpfe in der längst ohne Daseinsberechtigung verweilenden NATO animiert, den nächsten Feldzug zu starten.

Zwischen Irak und Afghanistan wiederum liegt der Nachfolgestaat Persiens, Iran. Der Kandidat der US-Republikaner bei den künftigen Präsidentschaftswahlen Jon Huntsman, hat Iran jüngst mit einem Militärangriff gedroht. Auch Frankreichs Präsident Sarkozy sprach bereits von einem möglichen „Präventivschlag“ gegen den Iran. Irans Marine-Chefkommandeur hat indes angekündigt, dass sein Land Kriegsschiffe in die Nähe von US-Hoheitsgewässern entsenden will. Seit September ist das iranische Kernkraftwerk Buschehr am Netz. Der vermutlich durch Israel initiierte Cyber-Angriff mit dem Computerwurm Stuxnet konnte also nur eine Zeitverzögerung bewirken. Den Bau begleitet hat Russland, das in Übereinstimmung mit China regelmäßig Sanktionen gegen Iran sowie auch Syrien ablehnt. Auch hier ist die Interessenlage klar: Russland möchte wichtiger Öl- und Gas-Lieferant Europas bleiben, China seine Versorgung mit den Energieressourcen generell sicherstellen.

Unterhalb des dem Westen zugeneigten Saudi-Arabien, ein wahrlich undemokratischer Staat dem aber Deutschland gerne Panzer verkauft, finden sich Jemen und jenseits des Golf von Aden Somalia. In beiden Ländern führen die USA bewaffnete Drohneneinsätze durch.

Zuletzt erscheint es auch erwähnenswert, dass die USA zunehmend Pakistan ins Visier nehmen und dort einen neuen Feind aufbauen, nachdem Al-Quaida nicht mehr „zieht“ und deren Führungsfigur zu einem geeigneten Moment gefasst, ermordet und auch gleich ohne jeglichen Beweis im Meer „bestattet“ wurde. Über das Haqqani-Netzwerk in Pakistan werden wir in den kommenden Monaten sicher noch öfter hören.

Wir könnten das hier weiter vertiefen, doch soll dies entsprechenden Kennern obliegen. Wichtig zu sehen ist, dass nüchtern betrachtet längst ein Dritter Weltkrieg im Gange ist und dass es offen ist, wie dieser ausgehen wird. Derzeit scheint „der Westen“ seine Interessen durchsetzen zu können, jedoch ist es ein Unterschied, ein Land zu bombardieren oder einzelne Führer oder Wissenschaftler zu liquidieren oder aber ein solches Land tatsächlich nachhaltig effektiv zu steuern. Es könnte geradezu eine Ironie der Geschichte werden, dass die teils initiierten Aufstände eine Bewegung in Gang gebracht haben, die so nicht beabsichtigt war. Die überwiegende Mehrheit der Menschen in der Region will keine westliche Dominanz mehr und lehnt weitere „Marionetten-Regime“ ab. Der Irak fordert z.B. offen den Abzug aller US-Soldaten und verweigert ihnen Immunität. Auch im wichtigsten „Stützpunkt“ Saudi-Arabien brodelt es immer mehr. Es ist daher durchaus denkbar, dass das „Große Spiel“ dieses Mal zu unseren Ungunsten und zum Wohle der jeweiligen Völker enden wird. Dies wird die Geschichte zeigen.

Indes – um den thematischen Bezug zu unserem Blog Kaufkraftschutz herzustellen: Kriege wirken per se inflationär. Eine durchaus denkbare Eskalation im Nahen Osten könnte in den kommenden Monaten zu einem starken Anstieg des Ölpreises führen, was wiederum generell preistreibend wirken würde. Demnach könnte der strukturell deflationäre Trend schon bald durch (geo-)politische Entwicklungen überdeckt werden. Wem käme das mehr entgegen als den überschuldeten westlichen Staaten? Ein strategisch agierender und auf Kaufkraftschutz abzielender Investor sollte einen Blick auf die Öl- und Gas-Werte werfen, welche im Idealfall nicht gerade ihre Schwerpunkte in der genannten Region haben. Und auch Hersteller von E-Fahrzeugen dürften profitieren.