Jul 232013
 

Cullen Roche beschreibt in seinem Blog-Beitrag „The Fear Trade Has Been Demolished„, dass viele Anleger verärgert sind, weil sie „Experten“ und Gurus folgten und in Antizipation einer Hyperinflation, eines Anleihen-, Aktien- oder Dollar-Crashs auf die falschen Investments gesetzt haben. Zum Beitrag gab es bis jetzt 91 Kommentare, was ungewöhnlich viel ist und zeigt, dass Roche wohl „einen Nerv getroffen“ hat.

In eine ähnliche Richtung geht der heutige sehr lesenswerte Beitrag von „Hari“ auf „Mr. Market“, der „von Untergangspropheten und Erfolg an den Finanzmärkten“ schreibt. Quintessenz ist, dass man sich nicht zu sehr auf Szenarien versteifen darf, im Hier und Jetzt leben soll und der Vorteil in der „wachen Beobachtung und nicht der vorschnellen Handlung“ liegt.

Ich kann dem weitestgehend zustimmen und verweise dazu auch auf meine folgenden Beiträge:

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es regelmäßig unklug ist, aus Angst heraus zu handeln. Angst hat sicherlich ihren Zweck. In gefährlichen Situationen erzeugt sie gewisse Energien, die nützlich sein können. Manchmal sind es jedoch auch nicht. Und was Kapitalanlagen betrifft, so führt Angst sogar eher öfter zu falschen Entscheidungen. Dabei sind die dann aufgeführten Argumente oftmals sogar richtig, doch Sie sollten sich immer die Frage stellen: Ist die Information neu? Meistens ist dem nicht so, sodass das Geschehen längst antizipiert wurde.

Es kommt jedoch durchaus auch vor, dass eine „offensichtliche Entwicklung“ viel länger von den Märkten ignoriert wird, als Sie es für möglich halten. Persönlich bin ich z.B. schon Ende 2002 in ein Short-Instrument auf Fannie Mae eingestiegen, da ich das Platzen der US-Immobilienblase für 2003 erwartete. Wie Sie wissen, kam es dazu erst im Jahr 2008. Fünf Jahre lang daneben zu liegen kann Sie ruinieren, insbesondere wenn Sie sich zu sehr auf ein Szenario versteift haben (keine Sorge – ich habe zwar Geld verloren, war jedoch nicht so „verrückt“ und habe 5 Jahre lang geshortet ;-)).

Im Übrigen hat mich die fehlgeschlagene Fannie Mae-Short-Spekulation noch etwas anderes gelehrt, was intuitiv geradezu absurd klingt: wenn man nur lang genug falsch liegt (Timing), wird man mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit dann ausgerechnet nicht handeln, wenn es an der Zeit wäre, wenn sich also die Fundamentaldaten letztlich doch durchsetzen. So habe ich z.B. trotz meiner Kenntnis der US-Immobilienblase und der erheblichen Schieflage die Fannie Mae-Aktie 2008 nicht mehr geshortet, was sich ja als durchaus extrem profitabel herausgestellt hätte

Und damit bin ich bei der letzten Botschaft, die mir sehr wichtig ist: Nicht wenige Argumente der „Untergangspropheten“ sind richtig. Es ist jedoch anzunehmen, dass eine echte Krise erst auftreten wird, wenn genau diese Menschen nicht mehr ernst genommen werden und sie längst selbst zu zweifeln begonnen haben. Vermutlich wird auch der Auslöser ein anderer sein als angenommen oder aber der Verlauf „überraschen“. Und es ist anzunehmen, dass genau dann die meisten Menschen nicht handeln werden, wenn es an der Zeit ist. Insofern lautet mein Rat:

Ähnlich wie man in ein Investment nach gründlicher Recherche sukzessive – also in mehreren kleinen Positionen – einsteigen kann, so können Sie es auch mit der Krisenvorsorge handhaben. Es muss nicht gleich ein Bunker sein, den Sie bauen. Sie müssen nicht gleich ihren Job schmeißen, ein Schießtraining absolvieren und Vermögenswerte ins Ausland schaffen. Aber sich zu informieren, einige wesentliche Lebensmittel und Medikamente systematisch einzulagern und Szenarien durch zu denken, wie Sie im Falle von bestimmten Entwicklungen agieren würden und entsprechende „Pläne“ vorzuhalten ist sicher richtig. Und wenn Sie eines aus Krisen lernen konnten, dann das Sie regelmäßig – trotz aller individuellen Vorkehrungen – auf andere Menschen angewiesen sein werden. Ein gereiftes persönliches Netzwerk, echte Freundschaften und eine intakte Familie sind es täglich wert, in sie zu „investieren“. Beginnen Sie damit JETZT!

Feb 072013
 
Historische Geldscheine

Wer nicht gerade aus der Finanzbranche kommt oder Wirtschaft und Börse zu seinen Hobbies zählt, wird womöglich nur eine diffuse Vorstellung davon haben, was Kaufkraftschutz oder der mehr oder weniger synonym verwendete Begriff Inflationsschutz bedeutet. Wollen wir also für etwas mehr Klarheit sorgen:

Geld ist ein Austauschmedium. Es macht den Handel leichter, denn stellen Sie sich vor, Sie müssten jedes Mal für einen Auto-Kauf einige Tonnen Weizen oder etwas anderes beischaffen. Im Falle des Weizens käme noch dazu, dass es eine verderbliche Sache ist. Insofern ist Geld ein Tauschmittel, das dem Tauschpartner seinerseits den Tausch gegen andere Güter oder Dienstleistungen ermöglicht. Nun müssen Sie jedoch den folgenden Satz Voltaires bedenken:

„Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem inneren Wert zurück – Null.“

Tatsächlich hat Bargeld keinen eigenen inneren Wert, wenn man mal vom Nutzwert des Papiers absieht. Dies gilt noch mehr für Buchgeld, also immaterielles Geld. Dieses ist nicht mal greifbar, es ist mehr oder weniger eine Idee bzw. ein Versprechen.

Nun definiert ein Meter eine bestimmte unmissverständliche und unveränderliche Länge. Doch was definiert ein Euro?

Genau da nähern wir uns dem an, was man als Kaufkraft bezeichnet. Die Kaufkraft ist der Maßstab für den Wert des Geldes. Sie gibt an, welche Güter- oder Dienstleistungsmenge mit einem bestimmten Geldbetrag gekauft werden kann. Schauen Sie sich zum Beispiel die Preisentwicklung von Brot an. Sie erkennen sofort, dass der Preis in DM und später in Euro tendenziell immer nur gestiegen ist. Mit anderen Worten: für den einen Euro konnten Sie in den zurückliegenden Jahren immer weniger Brot bekommen. Die Kaufkraft des Euro gegen Brot ist gesunken.

Die letztere Formulierung mag Sie etwas irritieren, doch es ist wichtig, das so auszudrücken. Zum Einen könnte Brot einfach teurer geworden sein, weil es mehr Nachfrage und/oder weniger Angebot gibt. In dem Fall käme der Kaufkraftverlust durch ein verändertes „Marktgleichgewicht“ zustande. Brot hat demnach dann einen höheren Wert relativ zu anderen Gütern und Dienstleistungen gewonnen.

Der Preisanstieg könnte aber auch mit der Währung selbst zusammenhängen. Das, was viele mit Inflation verbinden, ist „Gelddrucken“. Historisch haben sich Staaten so oft ihrer Schulden entledigt. Sie haben einfach die Geldmenge wesentlich stärker erhöht, als sich zur gleichen Zeit das Angebot an Gütern und Dienstleistungen erhöht hat. Konkret bedeutete das, dass der Edelmetallanteil in Münzen reduziert und die Münzmenge erhöht wurde. Oder eben hinsichtlich Papiergeld, dass mehr davon gedruckt und in Umlauf gebracht wurde.

Recht schnell klar wird Ihnen der Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisen beim Spiel „Monopoly“. Ohne das „Los-Feld“ würde die Geldmenge nicht steigen. Dann könnten aber auch die Preise der Straßen nicht wesentlich steigen. Das Spiel wäre recht schnell aus und in gewisser Hinsicht langweilig. Ironischer Weise zeigt dieses Spiel, das ein gewisses Maß an Geldmengenausweitung bzw. Inflation nötig ist, insbesondere, da in der realen Welt die „Straßen“, also Güter und Dienstleistungen zunehmen. Also sollen Staaten immer mehr Geld drucken?

Nun, das Spiel diente der Veranschaulichung, unsere Welt ist jedoch extrem viel komplexer. Wenn Sie heute etwas von „Gelddrucken“ lesen, so ist dies in der Regel nur ein Vergleich, inhaltlich jedoch meist falsch. In einem Kreditgeldsystem brauchen wir kein Papier zu drucken, es reichen simple Buchungsvorgänge. Der Wert einer Währung bzw. die Kaufkraft hängt maßgeblich vom Vertrauen seiner Nutzer ab. Es ist nicht so ohne weiteres möglich zu bestimmen, welche Geld- bzw. Kreditmenge „richtig“ ist. Daher sind auch all jene, die schon seit Jahren eine massive Inflation herbeirufen, Lügen gestraft worden. Es ist eben nicht so, dass zum Beispiel die Ausweitung einer Zentralbankbilanz unmittelbar zu steigenden Preisen führt. Das Geld „liegt ja nur auf Konten“.

Und es ist auch nicht einfach damit getan, die Verschuldung von Staaten relativ zur Wirtschaftsleistung zu betrachten. Dies ist zwar per se ein guter Indikator, aber er muss doch ebenfalls wiederum relativ zum jeweils betrachteten Staat gesehen werden. Einem Land wie Simbabwe traut man eben weniger zu, Schulden wieder zurückzuzahlen, als dem absolut gesehen weitaus stärker verschuldeten Japan. Denn letztlich zahlt der Staat gar nichts. Es sind seine Bürger, sodass deren Leistungsfähigkeit eine zentrale Rolle spielt. Dies betrifft sowohl die „Bürgermenge“ bzw. Anzahl der erwerbsmäßig arbeitenden Menschen, als auch deren Alters-Zusammensetzung – also die Demografie. Zudem – und spätestens da wird es sehr schwierig – muss man schauen, wie innovativ und produktiv die Bürger sind. Bringt ein Land ständig neue nützliche Produkte und Dienstleistungen hervor, die im In- sowie Ausland nachgefragt werden, wird selbst bei ungünstiger Demografie nicht unmittelbar eine Schulden- oder Währungskrise entstehen.

Sie sehen, das Thema ist letztlich wesentlich vielschichtiger, als es zunächst aussieht.

Um die Eingangsfrage zu beantworten: Kaufkraftschutz bzw. Inflationsschutz bedeutet, dass ihre in Geld- bzw. Buchwerten geparkte „Tauschkraft“ erhalten bleibt. Steigen die Preise allgemein („Warenkorb“), sollte ihr Vermögen prozentual mindestens genau so stark steigen.

Doch grundsätzlich fängt Kaufkraftschutz schon eine Ebene vorher an: beim Kapitalerhalt und -zugang. Es nützt Ihnen nämlich nichts, wenn Sie neun Jahre lang gute Erträge erreicht haben, im zehnten jedoch ihr Vermögen zu einem großen Teil ausgelöscht wird oder Sie beim Eintritt in eine Krise keinen Zugang dazu haben. Wenn ständig kritisiert wird, dass die Deutschen ihr Geld unklug anlegen, so wird hierbei doch übersehen, dass es in gewisser Hinsicht rational ist. Wer sein Geld unter das Kopfkissen legt hat zwar keinen Ertrag, aber eben – wenn man mal vom Diebstahl absieht – auch kein Liquiditäts- und Anlagerisiko und keinen Aufwand mit Informationsbeschaffung oder sonstige Kosten. Natürlich wird Ihnen das so kein Finanzberater sagen, denn damit verdient er kein Geld. Ich möchte auch keineswegs ein solches Verhalten als „klug“ oder „richtig“ bezeichnen, doch ein gewisser Anteil an Cash bzw. kurzfristig verfügbare Mittel sind in jedem Fall empfehlenswert.

Und wer hier argumentiert, das sei ja auch über Gold- und Silbermünzen möglich, dem möchte ich anraten, einfach mal etwas mit Gold oder Silber bezahlen zu wollen. Selbst im extremen Krisenfall glaube ich nicht, dass Gold- und Silbermünzen so sinnvoll sind: zu groß dürften Vorbehalte über die Echtheit sein – und wie soll eigentlich beim Brot-Kauf wieder was „raus gegeben“ werden? Hat Ihr Bäcker ausreichend kleine Mengen an Silber da? Persönlich denke ich, dass Edelmetalle ein legitimes Mittel zum Kaufkrafterhalt sind, jedoch mitnichten DIE Lösung für alle Szenarien darstellen. Nicht ohne Grund hatten sich Zigaretten- und eben nicht Gold oder Silber –  nach dem Zweiten Weltkrieg als ein wesentliches Tauschmedium herausgestellt. Vielleicht sind es bei der nächsten Krise Batterien oder Schokoriegel. Klar hingegen ist, dass Edelmetalle Krisen überdauern und Wert erhalten.

Kaufkraftschutz ist nach meinem Verständnis indes eine umfassendere Strategie. Es geht nicht nur um Vermögenserhalt durch sinnvolle breit gestreute Investments, sondern zum Beispiel auch um den Erhalt Ihrer Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Dazu gehört zum Beispiel ein vernünftiges Maß an Vorratshaltung, dazu gehört, dass Sie ein soziales Netzwerk pflegen, dazu gehört, dass Sie Ihre Gesundheit erhalten, dazu gehört, dass Sie sich regelmäßig fortbilden.

Im weitesten Sinne ist Kaufkraftschutz demnach nichts, was nur Menschen mit Geld- bzw. Buchvermögen betrifft. Es ist eine Denkhaltung, aus der ein bestimmtes Handeln entspringt. Nämlich die, dass es keine Garantien gibt, dass nicht der Staat sich kümmern muss, sondern man selbst. Dass man Verantwortung für sich übernimmt, Szenarien durchspielt und Gewohnheiten annimmt, die einen unabhängiger werden lassen von Einkommen, Geldwert und unserem heutigem Wirtschaftssystem generell.

Wer dies nicht tut, wird mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit „Opfer der Umstände“ werden. Also bleiben Sie dran, nutzen Sie die Ideen auf dieser Seite. Und empfehlen Sie diesen Beitrag so viel wie es geht weiter!

Jan 142013
 

Ein ganzer Rucksack voll Geld ist nötig, um in einem Supermarkt ein paar Sixpacks Bier zu bezahlen – so geschehen in Weißrussland, wo eine Hyperinflation grassiert:


Was das Video indes auch anschaulich macht: eine Hyperinflation muss nicht das Ende der Welt sein. Schaut man sich die Regale des Supermarktes im Hintergrund an, so sind diese noch immer prall gefüllt. Und die Menschen gehen noch immer ihrer Arbeit nach. Selbst die geplagte Kassiererin nimmt es mit Humor.

Sicherlich wäre es eine „Katastrophe“, wenn die Ersparnisse vieler Menschen durch eine Hyperinflation verloren gingen. Doch letztlich – so lehrt uns die Geschichte – sind solche Phasen immer nur Übergänge zu einem Neubeginn. Wichtig ist demnach, mental flexibel zu bleiben und sich nicht durch Krisen mitreißen zu lassen. Dabei helfen vor allem Freunde und Familie.

Wer also mit dem Schlimmsten rechnet und Vorräte aufbaut, sollte sich mit der gleichen Akribie auch um intakte persönliche Beziehungen kümmern. Da man solche nicht kaufen und einlagern kann, ist demnach der schwierige Weg zu gehen: regelmäßig seinen Nächsten etwas Gutes tun. Und wenn wir alle dies tun, kommt es womöglich gar nicht erst dazu, dass wir Vorräte oder gar Waffen brauchen.

Zu einfach gedacht? Was denken Sie? Was TUN Sie?