Jul 302014
 

Seit geraumer Zeit beschäftigt mich ein Gedanke. Ich verfolge sehr intensiv verschiedene Technologien und habe den Eindruck, dass in sehr vielen Bereichen „Durchbrüche“ stattfinden, die seit Jahrzehnten stabile Branchen völlig „durchrütteln“ werden. Schumpeter würde hier womöglich von „kreativer Zerstörung“ sprechen.

Per se ist das eine positive und notwendige Entwicklung. Doch wie mir scheint gehen viele dieser Entwicklungen zu schnell. Zu schnell für unsere Sozialsysteme. Zu schnell für unsere Arbeitsmärkte. Zu schnell für weite Teile der Bevölkerung, die „nicht mehr mithalten“ können. Zu schnell, dass sich vorherige Investitionen noch amortisieren könnten. Und das wird nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung einen „starken Dämpfer“, eine Gegenbewegung  hervorrufen. Es wird zu erheblich steigender Arbeitslosigkeit führen und viele Investitionen unrentabel werden lassen.

Strukturwandel hat es immer gegeben, Jobs verloren auch früher schon ihre Relevanz. Doch dies ging noch nie so schnell wie heute vor sich. Jobs werden wesentlich schneller vernichtet, als neue entstehen, es gibt Schätzungen wonach rund die Hälfte aller Jobs vor dem Aus stehen. Welche Folgen dies auf die Sozialsysteme, Staatsfinanzen und insbesondere auf die Stabilität unserer Gesellschaft hat, kann man sich leicht vorstellen. Die Folgen einer weiter steigenden Kluft zwischen Arm und Reich habe ich hier beschrieben.

Diese Erkenntnis ist in der globalen Politik leider immer noch nicht angekommen, denn überall versuchen die Regierungen eher, über Währungsabwertungen und Handelsbeschränkungen Vorteile zulasten anderer Staaten zu gewinnen um damit den eigenen Arbeitsmarkt und die eigene Wirtschaft zu stärken. Dies funktioniert jedoch nicht, da das Problem nicht primär in niedrigeren Human-Kosten, sondern in sinkenden Produktionskosten und gesättigten Märkten liegt. Und ich habe den Verdacht, dass die zunehmende Durchdringung energieeffizienter Technologien bei gleichzeitiger Erhöhung der Energieproduktion durch Solaranlagen u.a. auch die Energiekosten dauerhaft senken wird (das könnte jedoch durch einen neuerlichen „Weltkrieg“ anders kommen), womit die Produktionskosten noch weiter sinken würden. Die Ironie ist dabei, dass dadurch noch weniger Menschen zur Arbeit gebraucht werden und damit – schon rein technisch bedingt – die Arbeitslosigkeit noch weiter steigt.

Beschleunigt wird dieser Trend durch die globale Nullzinspolitik. Sie treibt Technologie voran und wertet menschliche Arbeit ab. Sie ist wie Adrenalin. Und wie wir wissen, führt zu viel Adrenalin zu Herzrasen und womöglich sogar zum Infarkt. Die Nullzinspolitik leitet Kapital aus einem „Anlagenotstand“ heraus in immer riskantere Anlagen. Die Börsen werden womöglich bald ihre Aufwärtstrend noch weiter verschärfen, wobei ich denke, dass sich das eher in den USA und Asien vollziehen und Kapital aus Europa ein wesentlicher Treiber sein wird.

Dies ist ein „Cocktail“, der binnen weniger Jahre zu dramatischen und sehr schnellen Umbrüchen führen wird. Vielleicht ist Ihnen das Phänomen der Interferenz bekannt. Aus meiner Sicht erzeugt die globale Nullzinspolitik eine gefährliche Synchronisation von wirtschaftlichen Entwicklungen. Durch die Globalisierung erscheinen alle Märkte (womöglich abgesehen von kleinen afrikanischen Märkten) immer stärker positiv korrelierend und wir sind mehr denn je anfällig für systemische Krisen. Daher wird die nächste Krise vermutlich wesentlich heftiger als jene in 2008, deren psychologische Basis meines Erachtens ohnehin nie ausreichend untersucht wurde. Die Reaktionen von Notenbanken und Politik werden dann womöglich noch extremer ausfallen. Und „mehr Adrenalin“ könnte dann den Patienten „umbringen“…

In diesem Kontext möchte ich Ihnen nochmals meinen Beitrag „Kaufkraftschutz in Zeiten von Anlagenotstand und Finanzrepression“ zur Lektüre empfehlen. Es ist Zeit für ein neues Denken. Und Handeln!

Jul 232013
 

Cullen Roche beschreibt in seinem Blog-Beitrag „The Fear Trade Has Been Demolished„, dass viele Anleger verärgert sind, weil sie „Experten“ und Gurus folgten und in Antizipation einer Hyperinflation, eines Anleihen-, Aktien- oder Dollar-Crashs auf die falschen Investments gesetzt haben. Zum Beitrag gab es bis jetzt 91 Kommentare, was ungewöhnlich viel ist und zeigt, dass Roche wohl „einen Nerv getroffen“ hat.

In eine ähnliche Richtung geht der heutige sehr lesenswerte Beitrag von „Hari“ auf „Mr. Market“, der „von Untergangspropheten und Erfolg an den Finanzmärkten“ schreibt. Quintessenz ist, dass man sich nicht zu sehr auf Szenarien versteifen darf, im Hier und Jetzt leben soll und der Vorteil in der „wachen Beobachtung und nicht der vorschnellen Handlung“ liegt.

Ich kann dem weitestgehend zustimmen und verweise dazu auch auf meine folgenden Beiträge:

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es regelmäßig unklug ist, aus Angst heraus zu handeln. Angst hat sicherlich ihren Zweck. In gefährlichen Situationen erzeugt sie gewisse Energien, die nützlich sein können. Manchmal sind es jedoch auch nicht. Und was Kapitalanlagen betrifft, so führt Angst sogar eher öfter zu falschen Entscheidungen. Dabei sind die dann aufgeführten Argumente oftmals sogar richtig, doch Sie sollten sich immer die Frage stellen: Ist die Information neu? Meistens ist dem nicht so, sodass das Geschehen längst antizipiert wurde.

Es kommt jedoch durchaus auch vor, dass eine „offensichtliche Entwicklung“ viel länger von den Märkten ignoriert wird, als Sie es für möglich halten. Persönlich bin ich z.B. schon Ende 2002 in ein Short-Instrument auf Fannie Mae eingestiegen, da ich das Platzen der US-Immobilienblase für 2003 erwartete. Wie Sie wissen, kam es dazu erst im Jahr 2008. Fünf Jahre lang daneben zu liegen kann Sie ruinieren, insbesondere wenn Sie sich zu sehr auf ein Szenario versteift haben (keine Sorge – ich habe zwar Geld verloren, war jedoch nicht so „verrückt“ und habe 5 Jahre lang geshortet ;-)).

Im Übrigen hat mich die fehlgeschlagene Fannie Mae-Short-Spekulation noch etwas anderes gelehrt, was intuitiv geradezu absurd klingt: wenn man nur lang genug falsch liegt (Timing), wird man mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit dann ausgerechnet nicht handeln, wenn es an der Zeit wäre, wenn sich also die Fundamentaldaten letztlich doch durchsetzen. So habe ich z.B. trotz meiner Kenntnis der US-Immobilienblase und der erheblichen Schieflage die Fannie Mae-Aktie 2008 nicht mehr geshortet, was sich ja als durchaus extrem profitabel herausgestellt hätte

Und damit bin ich bei der letzten Botschaft, die mir sehr wichtig ist: Nicht wenige Argumente der „Untergangspropheten“ sind richtig. Es ist jedoch anzunehmen, dass eine echte Krise erst auftreten wird, wenn genau diese Menschen nicht mehr ernst genommen werden und sie längst selbst zu zweifeln begonnen haben. Vermutlich wird auch der Auslöser ein anderer sein als angenommen oder aber der Verlauf „überraschen“. Und es ist anzunehmen, dass genau dann die meisten Menschen nicht handeln werden, wenn es an der Zeit ist. Insofern lautet mein Rat:

Ähnlich wie man in ein Investment nach gründlicher Recherche sukzessive – also in mehreren kleinen Positionen – einsteigen kann, so können Sie es auch mit der Krisenvorsorge handhaben. Es muss nicht gleich ein Bunker sein, den Sie bauen. Sie müssen nicht gleich ihren Job schmeißen, ein Schießtraining absolvieren und Vermögenswerte ins Ausland schaffen. Aber sich zu informieren, einige wesentliche Lebensmittel und Medikamente systematisch einzulagern und Szenarien durch zu denken, wie Sie im Falle von bestimmten Entwicklungen agieren würden und entsprechende „Pläne“ vorzuhalten ist sicher richtig. Und wenn Sie eines aus Krisen lernen konnten, dann das Sie regelmäßig – trotz aller individuellen Vorkehrungen – auf andere Menschen angewiesen sein werden. Ein gereiftes persönliches Netzwerk, echte Freundschaften und eine intakte Familie sind es täglich wert, in sie zu „investieren“. Beginnen Sie damit JETZT!

Mrz 112013
 

Ein Manager soll maximal 20-mal so viel verdienen wie sein am schlechtesten bezahlter Angestellter, forderte gestern Sahra Wagenknecht in der ARD-Sendung „Günther Jauch“. Per se war das für eine „Linke“ keine überraschende Forderung. Interessant war jedoch, dass sich auch das Publikum bei der Abstimmung zu dieser Forderung mehrheitlich (58%) für die Begrenzung von Manager-Gehältern aussprach. Und wenn man dem „Deutschlandtrend“ des Meinungsforschungsinstituts Dimap glauben darf, sind sogar 89% der Befragten für eine solche Regelung.

Was wir hier erleben, ist ein nicht zu unterschätzender Trend, wie auch die sehr erfolgreiche Schweizer Volksabstimmung über die „Initiative gegen die Abzockerei“ zeigt. Auch in den Vereinigten Staaten von Amerika ist die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich inzwischen ein großes Thema. Schauen Sie sich zum Beispiel die Reaktionen zu diesem YouTube-Video über Vermögensungleichheit in den USA an:

Ich bin davon überzeugt, dass – wenn sich die Politik dieses Themas nicht ernsthaft und glaubwürdig annimmt – der Weg geebnet wird für extreme Positionen bis hin zu Entwicklungen abseits des politischen Prozesses. In anderen Worten: Zunehmende soziale Spannungen, Ausschreitungen, Unruhen.

Diesen Trend verfolge ich hier schon seit 2009 und denke, dass die Kombination aus Sparzwängen überschuldeter Staaten und erheblicher Job-Verluste durch eine zunehmende nie dagewesene Automatisierung unsere Gesellschaften erheblichen Zerreiß-Tests aussetzen werden. Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker sieht gar eine Kriegsgefahr in Europa.

Ob es so weit kommt weiß ich nicht. Aber schon vor zehn Jahren schrieb ich in meiner Recherche „Die absehbare Krise des Fiat Money“:

„Unser heutiges Geldsystem ist langfristig nicht tragfähig. Der japanische Weg der völligen Überschuldung in der Hoffnung, eine globale strukturelle Veränderung aufzuhalten, wird auch in den USA und in Europa nicht funktionieren. Die „neue Weltordnung“, wie es auf jedem 1 US-Dollar-Schein heißt, hat ihren Zenit überschritten. Ich glaube, dass diese strukturelle Krise (die sie ja lediglich aus unserer Sicht ist), noch viele Jahre andauern kann. Alles Bestreben das System zu erhalten wird letztlich nichts nützen. Der Turmbau zu Babel, die gigantische Schuldenpyramide welche dieses System geschaffen hat, wird früher oder später in sich zusammen fallen. Dem Geldvermögen, das wir angehäuft haben, steht eine entsprechende Summe an Schulden gegenüber. Es ist daher durchaus denkbar, dass sich unser Wohlstand in „Luft“ auflöst. Dabei liegt es an der Ein- und Weitsicht der Politik wie auch der Wirtschaft, welche sozialen und politischen Entwicklungen mit der Krise des Fiat Money einhergehen werden. Die Basis für eine Systemkrise ist jedenfalls gelegt.“

Seit dem hat die Krise nie wirklich geendet, sondern immer „nur“ neue Etappen eröffnet. Und womöglich ist der nächste Dominostein der Staat selbst, wie Markus Gaertner es hier skizziert. Keine erfreuliche Perspektive, doch letztlich – historisch betrachtet – nichts ungewöhnliches.

Was Sie indes sehen und in proaktive Handlungen umsetzen müssen ist, dass Kaufkraftschutz nicht nur ein Anlageaspekt ist und dass wir auf eine Neuordnung zusteuern, die weitaus umfassender sein wird als „nur“ eine Währungsreform. Ich rechne fest damit, dass aus einer Phase nahe des Chaos heraus in den kommenden zehn Jahren ein neues Weltwirtschaftssystem entstehen wird, das sich insbesondere durch mehr Lokalität, Teilen und weniger Effizienz bzw. mehr Lagerhaltung und Redundanz auszeichnen wird.

Bleibt zu hoffen, dass es nicht zuvor zu einem „Untergang“ kommt, wie er hier beschrieben wird…

Jan 142013
 

Ein ganzer Rucksack voll Geld ist nötig, um in einem Supermarkt ein paar Sixpacks Bier zu bezahlen – so geschehen in Weißrussland, wo eine Hyperinflation grassiert:


Was das Video indes auch anschaulich macht: eine Hyperinflation muss nicht das Ende der Welt sein. Schaut man sich die Regale des Supermarktes im Hintergrund an, so sind diese noch immer prall gefüllt. Und die Menschen gehen noch immer ihrer Arbeit nach. Selbst die geplagte Kassiererin nimmt es mit Humor.

Sicherlich wäre es eine „Katastrophe“, wenn die Ersparnisse vieler Menschen durch eine Hyperinflation verloren gingen. Doch letztlich – so lehrt uns die Geschichte – sind solche Phasen immer nur Übergänge zu einem Neubeginn. Wichtig ist demnach, mental flexibel zu bleiben und sich nicht durch Krisen mitreißen zu lassen. Dabei helfen vor allem Freunde und Familie.

Wer also mit dem Schlimmsten rechnet und Vorräte aufbaut, sollte sich mit der gleichen Akribie auch um intakte persönliche Beziehungen kümmern. Da man solche nicht kaufen und einlagern kann, ist demnach der schwierige Weg zu gehen: regelmäßig seinen Nächsten etwas Gutes tun. Und wenn wir alle dies tun, kommt es womöglich gar nicht erst dazu, dass wir Vorräte oder gar Waffen brauchen.

Zu einfach gedacht? Was denken Sie? Was TUN Sie?

Okt 192011
 

Warnung: Dieses Video sollten Sie sich nur anschauen, wenn Sie über ein starkes Herz und eine starke Seele/Psyche verfügen, denn es erschüttert und wirft ein sehr zwiespältiges Bild auf China:

Das Video hat sicher keine allgemeine Aussagekraft für China bzw. die Chinesen. Aber es sorgt weltweit für Aufruhr und sollte in seiner Wirkung nicht unterschätzt werden. In China wird die soziale Kluft immer größer. Das Land nähert sich unweigerlich dem Punkt, an dem mehr Menschen am wirtschaftlichen Wachstum partizipieren wollen und sozialen Fortschritt einfordern werden.

Wir erwarten für die chinesische Wirtschaft ohnehin eine markante Abschwächung im kommenden Jahr. Soziale Unruhen dürften dann eher noch zunehmen. Damit dürfte China als wichtiger Stützpfeiler der Weltwirtschaft ins Wanken geraten. Die Exzesse der vergangenen Jahre fordern ihren Preis. China steht womöglich vor einem gewaltigen Umbruch. Und Videos wie das obige erzeugen die Kraft (Wut), die dies antreiben wird.

Sep 092011
 

Nicht nur, dass China riesige „Geister-Städte“ baut, nein es werden auch immer mehr „Prunk-Bauten“ erstellt, was ein klares Signal für Exzesse ist.

Hier sehen Sie Fotos eines neu erstellten Bauwerks:


Sicher denken Sie an einen Palast. Tatsächlich ist es die neu erbaute Konzernzentrale der staatlichen Harbin Pharmaceutical im Nordosten von China. Schauen Sie sich weitere Fotos auf dieser Seite an.

Wir werden das Thema China in nächster Zeit weiter beleuchten. Es ist durchaus denkbar, dass der jüngste Kurseinbruch an den Börsen eher marginal mit den Schuldenkrisen in den USA oder Europa zu tun hat. Es scheint vielmehr eine Ankündigung dafür zu sein, dass ausgerechnet China – das Land des unbegrenzten Wachstums – vor einer sehr markanten wirtschaftlichen Eintrübung steht. Einige Signale die darauf hindeuten wurden jüngst auch von Wellenreiter-Invest im Artikel „China – Das Ende des Wachstums?“ dargestellt.

Was eine solche Entwicklung für Rohstoffe, Edelmetalle und Aktien bedeuten dürfte, können Sie sich ausmalen…

Aug 302011
 

Zumindest für den Fall einer Naturkatastrophe. Er twitterte am 26.08.2011:Das ist genau das, was wir an anderer Stelle schrieben: Bargeld lacht! Cash is king!

Nouriel Roubini, Professor für Ökonomie an der renommierten Stern Business School, ist offensichtlich kein „Gold Bug“. In vielen seiner Tweets schreibt er, Gold sei kein Geld, was jüngst auch Ben Bernanke in einer Anhörung gegenüber Ron Paul äußerte.

Roubini widerspricht auch der steten These, Gold sei eine stabile Währung, weil es nicht wie Fiat Money aufgebläht werden könne. Zitat: „Kings debased gold coins for 1000s of years“. Ferner: „Many episodes of high inflation in gold regimes thru history due to debasement of gold coins &/or shocks to gold supply via discoveries“.

Er zeigt sich in seinen Tweets überzeugt, dass Gold in einer Blase ist, wofür er erwartungsgemäß reichlich Kritik erntet. Wir haben jüngst die gleiche Erfahrung gemacht, als wir vor den vermeintlich sicheren Häfen warnten. Nachdem der Schweizer Franken inzwischen um über 15% gegen den Euro verloren hat und auch das Gold erste Anzeichen von Schwäche zeigte und binnen zwei Tagen um 10% nachgab, sind die kritischen Stimmen ruhiger geworden.

Gold ist unfraglich ein hervorragendes Instrument zum Kaufkraftschutz. Aber dennoch muss man offen bleiben für kritische Stimmen. Schließlich dachten auch die Gold-Käufer im Jahr 1980, sie würden eine „todsichere Anlage“ kaufen. Sicher war sie auch. Aber Gold wurde 20 Jahre lang relativ und absolut betrachtet „günstiger“.

Werte sind relativ. In einer echten Krise, wie sie einige Gold Bugs geradezu herbeizusehnen scheinen, könnte Gold ein hochgradig „suboptimaler Schutz“ sein. Nicht mehr und nicht weniger hat Roubini mit seinem Tweet zum Ausdruck gebracht. Recht hat er!

Aug 052011
 

Sind Sie bereit für den schwarzen Freitag? (heute)

Verehrte Leser,

die Aktienbörsen sind weiter im rapiden Sinkflug. Der Dow Jones-Index gab heute Nacht weitere 500 (!) Punkte ab, die Börsen in Fernost legten entsprechend nach.  8 bzw. 9 Tage fallende Kurse, „ordentlich“ fallende Kurse hatten wir zuletzt in der Zeit nach dem Lehman-Kollaps gesehen. Das demonstriert die große Verunsicherung. Zu groß sind die Sorgen um die US-Wirtschaft sowie die Schuldenkrise in Europa und auch in den USA.

Gleichzeitig eilt der Goldpreis derzeit von Rekord zu Rekord und die Rendite der 10-jährigen deutschen Staatsanleihe fällt auf 2,32% und kommt damit ihrem historischen, deflationären Tief von knapp über 2% schon sehr nahe. Auch der Schweizer Franken befindet sich auf Rekordhoch!

Dennoch: wir beobachten die Märkte und Marktakteure sehr aktiv. Von einer Panik kann noch keinesfalls die Rede sein. Viele Fondsmanager, Banken und Vermögensverwalter lösen nur sukzessive ihre Positionen auf. Hier mal Gewinne mitnehmen, dort einen Stop-Loss ziehen. Aber eben kein großes untergewichten im Sinne von: raus aus Aktien. Eher würden wir die aktuelle Lage als einen „disziplinierten Abverkauf mit etwas hektischen Zügen“ bezeichnen. Aber keine Panik! Panik war es, als nach Lehman die Kurse gleich mehrfach zweistellige Prozente an einem Tag abgaben. Das ist Panik! Ein solcher wirklicher Sell-Off fehlt unseres Erachtens dem Markt noch, um diese Konsolidierung abzuschließen oder zumindest einer Zwischenerholung Platz zu geben.

Nun kommen aber heute Nachmittag die US-Arbeitsmarktdaten. Heute ist Freitag. An sich nichts Besonderes, aber: wer möchte in dieser Situation Positionen über das Wochenende halten?? Sollten die Zahlen heute schlechter als erwartet ausfallen, könnte das einen Sell-Off auslösen, der die letzten Tage in den Schatten stellt. Egal welche Besprechung heute in den Banktürmen in London, Frankfurt oder New York ist – das werden alle mit verfolgen, denn diese Zahl ist die wichtigste der letzten Tage. Und alle sitzen mit dem Finger am Knopf, bereit, sofort zu verkaufen. Sollten die Zahlen wirklich schwach sein und die rezessiven Tendenzen der US-Wirtschaft bestätigen, könnte es kurzfristig kein halten mehr geben. Ein weiterer schwarzen Freitag.

Banken hatten fast durchweg Kursziele für den DAX im oberen Bereich der 7.000 – und damit wie die meisten Akteure erneut die Dynamik der Finanzmärkte unterschätzt. Das reflektiert sich auch in spanischen oder italienischen Staatsanleihen, die unlängst ihr Renditehoch erreichten, also deutliche Kursverluste verbuchten. Jetzt beginnen Banken, z.B. die Société Générale vor zwei Tagen, erst langsam ihre Positionen in diesen Anleihen abzuschreiben.

Indes, bei aller gerechtfertigten Kritik an Banken und all denen die glaubten, die Börsen würden all das, was wir derzeit erleben, konsequent ignorieren. In einem Punkt haben sie recht: Auch wenn Aktien massive Kursschwanken haben können und künftig weiter haben werden (wie sagte jungst ein befreundeter Banquier zu uns: „langfristiges Investieren in Aktien ist kurz – bis mittelfristig vorbei!“), es sind Sachwerte! Sachwerte sind das Gebot der Stunde (des Jahrzehnts) und wenn Investoren auch zu dieser Erkenntnis gelangen, sollten sie, sofern sie es noch nicht getan haben, den heutigen Tag zum Kauf von Aktien nutzen.

 

Jul 282011
 

 

Weltmacht USA: kein Nachruf – zur Schuldengrenze in den USA 

Was ist das für ein Wahnsinn, den die US-Politiker-Elite sich leistet? Seit Wochen diskutieren die Damen und Herren und suchen nach einer „Lösung“. Was für eine Show! Diese Politiker sind wie es scheint schuld , dass die USA derzeit auf eine Zahlungsunfähigkeit zusteuern, wie auch der Economist konstatiert http://www.economist.com/node/18988614. Oder nicht? Die Nervosität wird jedenfalls größer, was sich in den Ausfallwahrscheinlichkeiten für US-Staatsanleihen zeigt, die im 1-Jahresbereich erstmals höher sind als im 5-Jahresbereich http://pragcap.com/politics-vs-economics , sowie in nervösen Aktien- und Rentenmärkten und einem selbst gegen den arg gebeutelten Euro schwachen USD zuletzt zeigt. Leichtfertig wird ein weiterer Einbruch an den Finanzmärkten wie nach Lehman im Jahr 2008 riskiert! Freilich würde erst die Nicht-Bedienung einer US-Staatsanleihe ein Erdbeben auslösen. Die Auswirkungen wären weitaus verheerender, als nach dem Lehman-Kollaps. 

Und es gibt einige Gründe, die immer wieder an der US-Bonität zweifeln lassen. Zuerst haben sich die Unternehmen verschuldet, dann die Bürger, nun der Staat. Das ist kein neues Phänomen, auch wenn die Auseinandersetzung aktuell sehr akut ist.  Denn eigentlich war die Grenze von 14.294 Mrd. USD schon im Mai erreicht und wurde nur „Bilanztricks“ bis zum 02. August gerettet. Auch wenn einige Bundesstaaten, z.B. Kalifornien, von den Ratingagenturen schon längst als kreditunwürdig bezeichnet werden. Anders als z.B. in Deutschland der Staat für das Bundesland Bremen (nur daher ist ein Triple-AAA haltbar), haften die USA nicht für ihre Bundesstaaten. 

Lange standen die USA für Vorzeige-Kapitalismus, wenn auch mit „Extremen“: Liberale Strukturen, nach denen sich Unternehmer andernorts sehnen und eine gigantische Kaufkraft durch eine konsumfreudige Bevölkerung. Die Achillesferse des Konzeptes: die Finanzierung auf Pump. Und nun verlieren vor allem die US-Bürger ihr größtes Kapital – das Vertrauen in die eigene Unantastbarkeit, die unbedingte Überzeugung, dass alles geht. Rückschläge, wie das Platzen der Internetblase, wurden schnell in „Chancen“ umgewandelt. Nicht ohne Grund stand von John F. Kennedy der prägnante Satz:   „The Chinese word for crisis, Wei Ji, is a compound of the characters for Danger (Wei), and Opportunity (Ji)“ – Das Wort Krise setzt sich im Chinesischen aus zwei Schriftzeichen zusammen, das eine bedeutet Gefahr und das andere Gelegenheit. 

Entsprechend sieht die Mehrheit der US-Bürger auch nicht mehr die USA, sondern China als die führende Wirtschaftsmacht. Indes: Rein nach der volkswirtschaftlichen Zahlenlehre dauert es noch ein wenig, bis dahin. Auch Innovationen, ein weiterer zentraler Faktor für den Aufstieg des US-Imperiums, Innovationen alleine reichen nicht mehr. Denn die US-Unternehmen verlieren in weiten Teilen den Anschluss:   http://www.wiwo.de/politik-weltwirtschaft/amerika-verliert-den-anschluss-474429/ 

Aber wer ist eigentlich schuld daran, dass die USA weiterhin das Schulden-Modell fortfahren, um einen nicht vorhandenen Sozialstaat zu subventionieren? Vor allem ist das Ausgabenproblem in Wirklichkeit – und das ist bedenklicher –  mehr ein Einnahmenproblem http://www.businessinsider.com/chart-of-the-day-washingtons-revenue-problem-2011-7?utm_source=Triggermail&utm_medium=email&utm_term=Money%20Game%20Chart%20Of%20The%20Day&utm_campaign=Moneygame_COTD_072511 

Und dennoch gilt auch hier Kennedys Satz und die aktuelle Gefahr für US-Anleihen ist, zumindest kurzfristig, auch eine Chance, die kurzfristig agierende Investoren nutzen können! In Anlehnung an den Bestseller von Emmanuel Todd http://de.wikipedia.org/wiki/Emmanuel_Todd#.E2.80.9EWeltmacht_USA_-_Ein_Nachruf.E2.80.9C  gilt also zunächst erstmal: Weltmacht USA: kein Nachruf.

Was denken Sie? Welche Aspekte gibt es, die im Hinblick auf die USA zuversichtlich stimmen?

 

 

 

Jan 192011
 

„Hoping for the best, but expecting the worst“ heißt es in der Hymne „forever young“ vom gleichnamigen Debüt-Album der Band Alphaville aus den 80er Jahren. In Anlehnung an die aktuellen Inflationserwartungen könnte man singen: „hoping for the best, but still not expecting the worst“.

Denn die an den Finanzmärkten erwartete künftige Inflation liegt nach wie vor deutlich unter den historischen Werten. So schwankte beispielsweise die für die nächsten 2 Jahre erwartete US-Inflationsrate immer zwischen 2 und 3% – je nach dem, in welchem Wirtschaftszyklus sich die USA gerade befanden. Im Zuge des Finanzkollaps implodierte dieser Wert auf unter minus 4%. Im Nachhinein betrachtet eine glasklare Überreaktion der Finanzmärkte. Damals fiel selbst die Erwartung für die nächsten zehn Jahre auf nur noch 1% erwartete Inflation pro Jahr.

Inzwischen haben sich die Werte wieder etwas normalisiert, liegen aber trotz der gigantischen Staats- und Notenbankinterventionen noch unter den historischen Durchschnittswerten. So liegt z.B. die so genannte „Break-Even-Rate“ für 5-jährige US-Staatsanleihen im Vergleich zu 5-jährigen Inflationsanleihen bei derzeit 1,89%. Das bedeutet: WENN man davon ausgeht, dass die US-Inflationsrate in den nächsten 5 Jahren im Schnitt über dieser Marke liegt, sollte man seine US-Staatspapieren in inflationsadjustierte US-Staatspapiere tauschen. Allerdings nur dann, WENN man davon ausgeht, dass die USA auch in 5 Jahren noch ihre Anleihen bedienen werden. Eine Annahme, die man zumindest mit einem kleinen Fragezeichen versehen könnte.

Insgesamt sind die Inflationserwartungen aber nach wie vor nicht hoch und fast dramatisch weit weg von den tatsächlich realisierten Vorkrisen-Inflationsraten Mitte 2008, als sich im EU-Raum die Inflationsrate bedenklich nah dem doppelten der avisierten Ziel-Inflationsrate von 2% näherte (3,9%), in den USA gar bei 5,6% lag und selbst im seit Jahrzehnten im deflationären Siechtum befindlichen Japan auf 2,3% stieg. Zur Erinnerung: damals, vor dem Lehman-Kollaps, wurde noch nicht die gravierende Notenbankpresse angeschmissen. Im Gegenteil, die Europäische Zentralbank erhöhte im Juli 2008 sogar noch den Leitzins auf 4,25%.

Das zweite Album von Alphaville hieß übrigens „Afternoons In Utopia“. Utopia,  eine treffliche Umschreibung für den aktuellen Status Quo der Inflationserwartungen?