Mai 172013
 

Robert Seawright schreibt in seinem Blog über „FOBOR“, Anleger, die sich gezwungen sehen, aus Anlagenotstand heraus Risiken einzukaufen (FOrced Buyers Of Risk). Ich hatte das Phänomen kürzlich anhand eines Kommentares zu einem BILD-Artikel dargestellt und darauf hingewiesen, dass gerade das Risiko bei Anlageentscheidungen derzeit zu sehr vernachlässigt wird. Genau dazu gibt Seawright ein schönes Beispiel, in dem er eine Meldung von BofA Merrill Lynch zitiert:

„In einer Welt mit Null-Zinssätzen, in der 19,4 Bio. US-Dollar an Staatsanleihen (dies entspricht 48% der Gesamtmarktes) unter 1% gehandelt wird, ist es wenig erstaunlich, dass das „Verlangen nach Rendite“ so groß ist. Letzte Woche bot Ruanda eine 10-jährige Anleihe mit einem Zins von 6,875% an, um 400 Mio. US-Dollar einzunehmen, was 5,5% des Bruttoinlandsproduktes von 2012 entspricht. Das Angebot war 9-10 mal überzeichnet. Und Panama begab erfolgreich mit einem Volumen von 750 Mio. US-Dollar eine 40-jährige Anleihe mit einem 4,3%-Kupon (wozu zu bemerken ist, dass in den letzten 50 Jahren der 30-jährige US-Bonds nur in 20% der Zeit unterhalb von 4,3% gehandelt wurde).“ 

Auch die jüngsten Kommentare auf kaufkraftschutz.de sowie E-Mail-Zuschriften zeigen ganz klar, dass eine gewisse Ratlosigkeit besteht, was man mit seinem Geld tun soll, da es ja wegen der Finanzrepression auf Sparkonten oder bei „sicheren“ Staatsanleihen keine nennenswerte Rendite mehr gibt.

Pragmatisch könnte man zu dem Schluss gelangen, dass es besser ist, sich überhaupt nicht mehr mit der Geldanlage zu befassen und sich stattdessen auf anderes zu konzentrieren. Seit dem jedoch während der Finanzkrise Anleger Geld bei Bank-Pleiten verloren und jüngst in Zypern wieder Teil-Enteignungen stattgefunden haben, gibt es ein verständliches „Unbehagen“, sein Geld einfach auf Bankkonten zu belassen. Hier wäre womöglich der pragmatischste Ansatz, sein Geld abzuheben und bar zu Hause einzulagern. Das Problem dabei ist natürlich die Angst vor Diebstahl, Brand und Inflation. Ergo befassen sich nicht wenige Anleger mit Immobilien, Aktien und weiteren risikobehafteteren Anlagen bis hin zu exotischen Anlagen wie Oldtimern und gänzlich neuen wie Bitcoin. Dies umso mehr, nach dem der traditionell sichere Hafen, die Edelmetalle, jüngst dramatische Preiseinbrüche (ich schreibe bewusst nicht „Werteinbrüche“) erlitten haben.

Wenn man darüber nachdenkt, kommt man zu dem Schluss, dass sich womöglich gerade die größte Anlageblase aller Zeiten entwickelt, in der global alle Märkte und Anlageklassen risikoadjustiert überbewertet sind. Die Frage ist dann nicht, was „günstig“ ist, sondern nur noch, was relativ betrachtet „weniger teuer“ ist. Und dies vor Augen könnten die Aktienkurse noch erhebliches Potenzial haben. Indes gibt es einen Haken und dieser hat es in sich:

Unternehmen haben in erster Linie den Zweck, Produkte und Dienstleistungen zu schaffen, die Nutzen stiften. Der Zweck ist nicht, wie scheinbar viele glauben, Menschen in Beschäftigung zu halten. Und mit einem nie gekannten Maß an Automatisierung und Ersetzen menschlicher Arbeits- und inzwischen auch Denkkraft werden immer weniger Menschen gebraucht. Menschen ohne Arbeit und damit ohne ein höheres Einkommen können jedoch nicht konsumieren und bekommen auch – selbst bei niedrigsten Zinsen – kaum Kredit. Daher werden die Unternehmen auf Dauer weder ihre derzeit außerordentlich hohen Margen noch das Gewinnniveau halten können. Enttäuschungen sind meines Erachtens vorprogrammiert.

Die Inflation sämtlicher Vermögenspreise mag zudem wohlhabendere Teile der Bevölkerungen begünstigen, sie erweitert aber die Kluft zwischen Arm und Reich immer mehr und destabilisiert damit die Gesellschaft. Daher werden Vermögende früher oder später zur Kasse gebeten werden – ganz egal ob durch höhere Steuern, Zwangsabgaben oder wie in Zypern durch teilweise Enteignungen. Es gibt keine Anlageklasse, die Sie davor schützen kann. Die klassische Empfehlung lautet daher: so breit wie möglich streuen.

Auch wenn da durchaus etwas dran ist, so denke ich, dass man sich hier wiederum klar machen muss, dass eine breite Streuung nicht für jeden möglich und dass auch dies mit Kosten verbunden ist. Schaut man sich dann seine Anlagen nach Kosten, nach Steuern, nach Inflation und risikoadjustiert an, kommt man zu sehr ernüchternden Ergebnissen.

Ich glaube daher, dass man auch einem anderen Ansatz nachgehen kann. Diesen nenne ich nutzenorientiertes Investieren. Wenn wir ohnehin kaum Renditen erzielen können, dann sollte das Geld wenigstens den höchsten Nutzen stiften, die „Rendite“ also einen maximalen nicht-finanziellen Teil enthalten, der Sie persönlich zufriedener macht. Das kann bedeuten, dass Sie Ihr Geld zur Anschaffung einer Solaranlage mit Energiespeicher einsetzen – nicht um durch die Energieeinspeisung Renditen zu erzielen, sondern um unabhängiger von öffentlichen Versorgungsnetzen zu werden. Eine weitere Idee: Investieren Sie in Ihr Können. Erlernen Sie einen weiteren „Beruf“, weitere Fertigkeiten. Der Nutzen hieraus kann vielfach höher sein, als ein finanzieller Ertrag und diesen kann Ihnen niemand wegnehmen. Dies gilt übrigens auch für Menschen höheren Alters, sofern der gesundheitliche Zustand es zulässt. „Potenzial“ sehe ich auch in lokalen Investments. Immer mehr Gemeinden ermöglichen es, sich an lokalen Projekten zu beteiligen. Unabhängig vom möglichen Ertrag haben Sie so doch das gute Gefühl, etwas Sinnvolles für die Gemeinschaft mitbewirkt zu haben. Und zuletzt könnten Sie auch einen Teil der Ersparnisse für eine berufliche Auszeit nutzen, in der Sie z.B. eine Weltreise machen und persönlich wachsen.

Nun mag der ein oder andere von Ihnen die Stirn runzeln und sich fragen, ob der Autor wohl gestern Abend zu viel chilenischen Carménère Rotwein verköstigt hat. Dem ist nicht so. Vielmehr sehe ich auf einer übergeordneten Ebene Trends, die nicht mit Fiskal- oder Geldpolitik zu lösen sind und ein vollkommen „neues Denken“ erfordern. Die Idee eines passiven Einkommens durch Erträge aus Finanzgeschäften, gerade auch zur Altersvorsorge, hat sicher Ihre Daseinsberechtigung. Nur muss man der Realität ins Auge sehen. Ich glaube, dass mit dem demografischen Wandel und der zunehmenden Durchdringung der Welt mit Technologie das Konzept eines Generationenvertrages ebenso obsolet geworden ist wie das Modell des ewigen Wirtschaftswachstums. In einer solchen Welt verlieren Anlagen generell an Bedeutung und ich glaube, dass sich in den kommenden zehn Jahren die Welt wie wir sie heute kennen vollständig und dauerhaft verändern wird.

Kaufkraftschutz in einer solchen Phase heißt, strategisch und taktisch klug zu agieren und relative Werte in einer Welt umfassender Vermögenspreisinflation zu identifizieren. Es bedeutet, sehr flexibel zu sein und gängige Thesen in Frage zu stellen. Aber es ist durchaus auch überlegenswert, das „System zu verlassen“, sich nicht unnötig den Kopf über Inflation, Deflation, Repression etc. zu zerbrechen und lokal bzw. in seinem unmittelbaren Umfeld und bei sich selbst Wert zu schaffen und dafür sein Geld einzusetzen.

Was denken Sie?

Mrz 112013
 

Ein Manager soll maximal 20-mal so viel verdienen wie sein am schlechtesten bezahlter Angestellter, forderte gestern Sahra Wagenknecht in der ARD-Sendung „Günther Jauch“. Per se war das für eine „Linke“ keine überraschende Forderung. Interessant war jedoch, dass sich auch das Publikum bei der Abstimmung zu dieser Forderung mehrheitlich (58%) für die Begrenzung von Manager-Gehältern aussprach. Und wenn man dem „Deutschlandtrend“ des Meinungsforschungsinstituts Dimap glauben darf, sind sogar 89% der Befragten für eine solche Regelung.

Was wir hier erleben, ist ein nicht zu unterschätzender Trend, wie auch die sehr erfolgreiche Schweizer Volksabstimmung über die „Initiative gegen die Abzockerei“ zeigt. Auch in den Vereinigten Staaten von Amerika ist die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich inzwischen ein großes Thema. Schauen Sie sich zum Beispiel die Reaktionen zu diesem YouTube-Video über Vermögensungleichheit in den USA an:

Ich bin davon überzeugt, dass – wenn sich die Politik dieses Themas nicht ernsthaft und glaubwürdig annimmt – der Weg geebnet wird für extreme Positionen bis hin zu Entwicklungen abseits des politischen Prozesses. In anderen Worten: Zunehmende soziale Spannungen, Ausschreitungen, Unruhen.

Diesen Trend verfolge ich hier schon seit 2009 und denke, dass die Kombination aus Sparzwängen überschuldeter Staaten und erheblicher Job-Verluste durch eine zunehmende nie dagewesene Automatisierung unsere Gesellschaften erheblichen Zerreiß-Tests aussetzen werden. Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker sieht gar eine Kriegsgefahr in Europa.

Ob es so weit kommt weiß ich nicht. Aber schon vor zehn Jahren schrieb ich in meiner Recherche „Die absehbare Krise des Fiat Money“:

„Unser heutiges Geldsystem ist langfristig nicht tragfähig. Der japanische Weg der völligen Überschuldung in der Hoffnung, eine globale strukturelle Veränderung aufzuhalten, wird auch in den USA und in Europa nicht funktionieren. Die „neue Weltordnung“, wie es auf jedem 1 US-Dollar-Schein heißt, hat ihren Zenit überschritten. Ich glaube, dass diese strukturelle Krise (die sie ja lediglich aus unserer Sicht ist), noch viele Jahre andauern kann. Alles Bestreben das System zu erhalten wird letztlich nichts nützen. Der Turmbau zu Babel, die gigantische Schuldenpyramide welche dieses System geschaffen hat, wird früher oder später in sich zusammen fallen. Dem Geldvermögen, das wir angehäuft haben, steht eine entsprechende Summe an Schulden gegenüber. Es ist daher durchaus denkbar, dass sich unser Wohlstand in „Luft“ auflöst. Dabei liegt es an der Ein- und Weitsicht der Politik wie auch der Wirtschaft, welche sozialen und politischen Entwicklungen mit der Krise des Fiat Money einhergehen werden. Die Basis für eine Systemkrise ist jedenfalls gelegt.“

Seit dem hat die Krise nie wirklich geendet, sondern immer „nur“ neue Etappen eröffnet. Und womöglich ist der nächste Dominostein der Staat selbst, wie Markus Gaertner es hier skizziert. Keine erfreuliche Perspektive, doch letztlich – historisch betrachtet – nichts ungewöhnliches.

Was Sie indes sehen und in proaktive Handlungen umsetzen müssen ist, dass Kaufkraftschutz nicht nur ein Anlageaspekt ist und dass wir auf eine Neuordnung zusteuern, die weitaus umfassender sein wird als „nur“ eine Währungsreform. Ich rechne fest damit, dass aus einer Phase nahe des Chaos heraus in den kommenden zehn Jahren ein neues Weltwirtschaftssystem entstehen wird, das sich insbesondere durch mehr Lokalität, Teilen und weniger Effizienz bzw. mehr Lagerhaltung und Redundanz auszeichnen wird.

Bleibt zu hoffen, dass es nicht zuvor zu einem „Untergang“ kommt, wie er hier beschrieben wird…

Feb 072013
 
Historische Geldscheine

Wer nicht gerade aus der Finanzbranche kommt oder Wirtschaft und Börse zu seinen Hobbies zählt, wird womöglich nur eine diffuse Vorstellung davon haben, was Kaufkraftschutz oder der mehr oder weniger synonym verwendete Begriff Inflationsschutz bedeutet. Wollen wir also für etwas mehr Klarheit sorgen:

Geld ist ein Austauschmedium. Es macht den Handel leichter, denn stellen Sie sich vor, Sie müssten jedes Mal für einen Auto-Kauf einige Tonnen Weizen oder etwas anderes beischaffen. Im Falle des Weizens käme noch dazu, dass es eine verderbliche Sache ist. Insofern ist Geld ein Tauschmittel, das dem Tauschpartner seinerseits den Tausch gegen andere Güter oder Dienstleistungen ermöglicht. Nun müssen Sie jedoch den folgenden Satz Voltaires bedenken:

„Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem inneren Wert zurück – Null.“

Tatsächlich hat Bargeld keinen eigenen inneren Wert, wenn man mal vom Nutzwert des Papiers absieht. Dies gilt noch mehr für Buchgeld, also immaterielles Geld. Dieses ist nicht mal greifbar, es ist mehr oder weniger eine Idee bzw. ein Versprechen.

Nun definiert ein Meter eine bestimmte unmissverständliche und unveränderliche Länge. Doch was definiert ein Euro?

Genau da nähern wir uns dem an, was man als Kaufkraft bezeichnet. Die Kaufkraft ist der Maßstab für den Wert des Geldes. Sie gibt an, welche Güter- oder Dienstleistungsmenge mit einem bestimmten Geldbetrag gekauft werden kann. Schauen Sie sich zum Beispiel die Preisentwicklung von Brot an. Sie erkennen sofort, dass der Preis in DM und später in Euro tendenziell immer nur gestiegen ist. Mit anderen Worten: für den einen Euro konnten Sie in den zurückliegenden Jahren immer weniger Brot bekommen. Die Kaufkraft des Euro gegen Brot ist gesunken.

Die letztere Formulierung mag Sie etwas irritieren, doch es ist wichtig, das so auszudrücken. Zum Einen könnte Brot einfach teurer geworden sein, weil es mehr Nachfrage und/oder weniger Angebot gibt. In dem Fall käme der Kaufkraftverlust durch ein verändertes „Marktgleichgewicht“ zustande. Brot hat demnach dann einen höheren Wert relativ zu anderen Gütern und Dienstleistungen gewonnen.

Der Preisanstieg könnte aber auch mit der Währung selbst zusammenhängen. Das, was viele mit Inflation verbinden, ist „Gelddrucken“. Historisch haben sich Staaten so oft ihrer Schulden entledigt. Sie haben einfach die Geldmenge wesentlich stärker erhöht, als sich zur gleichen Zeit das Angebot an Gütern und Dienstleistungen erhöht hat. Konkret bedeutete das, dass der Edelmetallanteil in Münzen reduziert und die Münzmenge erhöht wurde. Oder eben hinsichtlich Papiergeld, dass mehr davon gedruckt und in Umlauf gebracht wurde.

Recht schnell klar wird Ihnen der Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisen beim Spiel „Monopoly“. Ohne das „Los-Feld“ würde die Geldmenge nicht steigen. Dann könnten aber auch die Preise der Straßen nicht wesentlich steigen. Das Spiel wäre recht schnell aus und in gewisser Hinsicht langweilig. Ironischer Weise zeigt dieses Spiel, das ein gewisses Maß an Geldmengenausweitung bzw. Inflation nötig ist, insbesondere, da in der realen Welt die „Straßen“, also Güter und Dienstleistungen zunehmen. Also sollen Staaten immer mehr Geld drucken?

Nun, das Spiel diente der Veranschaulichung, unsere Welt ist jedoch extrem viel komplexer. Wenn Sie heute etwas von „Gelddrucken“ lesen, so ist dies in der Regel nur ein Vergleich, inhaltlich jedoch meist falsch. In einem Kreditgeldsystem brauchen wir kein Papier zu drucken, es reichen simple Buchungsvorgänge. Der Wert einer Währung bzw. die Kaufkraft hängt maßgeblich vom Vertrauen seiner Nutzer ab. Es ist nicht so ohne weiteres möglich zu bestimmen, welche Geld- bzw. Kreditmenge „richtig“ ist. Daher sind auch all jene, die schon seit Jahren eine massive Inflation herbeirufen, Lügen gestraft worden. Es ist eben nicht so, dass zum Beispiel die Ausweitung einer Zentralbankbilanz unmittelbar zu steigenden Preisen führt. Das Geld „liegt ja nur auf Konten“.

Und es ist auch nicht einfach damit getan, die Verschuldung von Staaten relativ zur Wirtschaftsleistung zu betrachten. Dies ist zwar per se ein guter Indikator, aber er muss doch ebenfalls wiederum relativ zum jeweils betrachteten Staat gesehen werden. Einem Land wie Simbabwe traut man eben weniger zu, Schulden wieder zurückzuzahlen, als dem absolut gesehen weitaus stärker verschuldeten Japan. Denn letztlich zahlt der Staat gar nichts. Es sind seine Bürger, sodass deren Leistungsfähigkeit eine zentrale Rolle spielt. Dies betrifft sowohl die „Bürgermenge“ bzw. Anzahl der erwerbsmäßig arbeitenden Menschen, als auch deren Alters-Zusammensetzung – also die Demografie. Zudem – und spätestens da wird es sehr schwierig – muss man schauen, wie innovativ und produktiv die Bürger sind. Bringt ein Land ständig neue nützliche Produkte und Dienstleistungen hervor, die im In- sowie Ausland nachgefragt werden, wird selbst bei ungünstiger Demografie nicht unmittelbar eine Schulden- oder Währungskrise entstehen.

Sie sehen, das Thema ist letztlich wesentlich vielschichtiger, als es zunächst aussieht.

Um die Eingangsfrage zu beantworten: Kaufkraftschutz bzw. Inflationsschutz bedeutet, dass ihre in Geld- bzw. Buchwerten geparkte „Tauschkraft“ erhalten bleibt. Steigen die Preise allgemein („Warenkorb“), sollte ihr Vermögen prozentual mindestens genau so stark steigen.

Doch grundsätzlich fängt Kaufkraftschutz schon eine Ebene vorher an: beim Kapitalerhalt und -zugang. Es nützt Ihnen nämlich nichts, wenn Sie neun Jahre lang gute Erträge erreicht haben, im zehnten jedoch ihr Vermögen zu einem großen Teil ausgelöscht wird oder Sie beim Eintritt in eine Krise keinen Zugang dazu haben. Wenn ständig kritisiert wird, dass die Deutschen ihr Geld unklug anlegen, so wird hierbei doch übersehen, dass es in gewisser Hinsicht rational ist. Wer sein Geld unter das Kopfkissen legt hat zwar keinen Ertrag, aber eben – wenn man mal vom Diebstahl absieht – auch kein Liquiditäts- und Anlagerisiko und keinen Aufwand mit Informationsbeschaffung oder sonstige Kosten. Natürlich wird Ihnen das so kein Finanzberater sagen, denn damit verdient er kein Geld. Ich möchte auch keineswegs ein solches Verhalten als „klug“ oder „richtig“ bezeichnen, doch ein gewisser Anteil an Cash bzw. kurzfristig verfügbare Mittel sind in jedem Fall empfehlenswert.

Und wer hier argumentiert, das sei ja auch über Gold- und Silbermünzen möglich, dem möchte ich anraten, einfach mal etwas mit Gold oder Silber bezahlen zu wollen. Selbst im extremen Krisenfall glaube ich nicht, dass Gold- und Silbermünzen so sinnvoll sind: zu groß dürften Vorbehalte über die Echtheit sein – und wie soll eigentlich beim Brot-Kauf wieder was „raus gegeben“ werden? Hat Ihr Bäcker ausreichend kleine Mengen an Silber da? Persönlich denke ich, dass Edelmetalle ein legitimes Mittel zum Kaufkrafterhalt sind, jedoch mitnichten DIE Lösung für alle Szenarien darstellen. Nicht ohne Grund hatten sich Zigaretten- und eben nicht Gold oder Silber –  nach dem Zweiten Weltkrieg als ein wesentliches Tauschmedium herausgestellt. Vielleicht sind es bei der nächsten Krise Batterien oder Schokoriegel. Klar hingegen ist, dass Edelmetalle Krisen überdauern und Wert erhalten.

Kaufkraftschutz ist nach meinem Verständnis indes eine umfassendere Strategie. Es geht nicht nur um Vermögenserhalt durch sinnvolle breit gestreute Investments, sondern zum Beispiel auch um den Erhalt Ihrer Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Dazu gehört zum Beispiel ein vernünftiges Maß an Vorratshaltung, dazu gehört, dass Sie ein soziales Netzwerk pflegen, dazu gehört, dass Sie Ihre Gesundheit erhalten, dazu gehört, dass Sie sich regelmäßig fortbilden.

Im weitesten Sinne ist Kaufkraftschutz demnach nichts, was nur Menschen mit Geld- bzw. Buchvermögen betrifft. Es ist eine Denkhaltung, aus der ein bestimmtes Handeln entspringt. Nämlich die, dass es keine Garantien gibt, dass nicht der Staat sich kümmern muss, sondern man selbst. Dass man Verantwortung für sich übernimmt, Szenarien durchspielt und Gewohnheiten annimmt, die einen unabhängiger werden lassen von Einkommen, Geldwert und unserem heutigem Wirtschaftssystem generell.

Wer dies nicht tut, wird mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit „Opfer der Umstände“ werden. Also bleiben Sie dran, nutzen Sie die Ideen auf dieser Seite. Und empfehlen Sie diesen Beitrag so viel wie es geht weiter!

Okt 112011
 

In vielen Ländern Nordafrikas sowie in einigen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens dominieren Krieg und Gewalt. Ein nüchterner Blick auf die Entwicklungen der vergangenen hundert Jahre zeigt, dass geopolitische Aspekte die Krisen treiben, welchen zum Teil religiöse Motive zugesprochen werden. Vieles deutet daraufhin, dass es in den kommenden Monaten zu einer Eskalation kommt, welche die gesamte Region nachhaltig verändern wird. Und dies betrifft durchaus auch Europa – nicht nur wegen des zu erwartenden Ölpreisanstiegs.

Dass das vor der Zahlungsunfähigkeit stehende Griechenland Panzer in den USA bestellt lässt ebenso aufhorchen wie die markanten Entwicklungen in der Türkei. Der türkische Ministerpräsident Erdogan hat fast die gesamte Führung des Militärs ausgetauscht und versucht, die Armee zu „islamisieren“. Zudem hat die Türkei die Beziehungen zu Israel eingefroren, droht unentwegt Syrien und führt Kampfeinsätze gegen die Kurden im Nordirak durch. Die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs versucht demnach, ihre im vergangenen Jahrhundert verlorene Vormachtstellung in der Region wieder herzustellen und sich Rohstoffe im Mittelmeer zu sichern, auf welche auch Griechenland, Ägypten und Israel Anspruch erheben.

Israel sieht sich generell zunehmend isoliert. Ägypten, langjähriger Verbündeter Israels, versinkt im Chaos und die Palästinenser finden weltweit großen Zuspruch für ihre Initiative für einen eigenen Staat. Auch im Land selbst brodelt es. Hunderttausende Israelis demonstrieren für mehr soziale Gerechtigkeit. Das gleiche Ziel, das auch schon die Marokkaner und Tunesier verfolgen und welches von der NATO als Vorwand genutzt wurde, um Libyen zu „befreien“. Dass die Franzosen als maßgeblicher Treiber des Gaddafi-Sturzes nun 35% des libyschen Erdöls erhalten, ist sicher nur Zufall.

Zwischen der Türkei und Israel liegt Syrien, das auch an den bereits „demokratisierten“ Irak angrenzt. Einer Meldung der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ria-Novosti zufolge, befindet sich ein militärisches Einschreiten in Syrien durch NATO-Kräfte bereits in Vorbereitung. Nach dem „Erfolg“ in Libyen fühlen sich demnach nicht wenige Köpfe in der längst ohne Daseinsberechtigung verweilenden NATO animiert, den nächsten Feldzug zu starten.

Zwischen Irak und Afghanistan wiederum liegt der Nachfolgestaat Persiens, Iran. Der Kandidat der US-Republikaner bei den künftigen Präsidentschaftswahlen Jon Huntsman, hat Iran jüngst mit einem Militärangriff gedroht. Auch Frankreichs Präsident Sarkozy sprach bereits von einem möglichen „Präventivschlag“ gegen den Iran. Irans Marine-Chefkommandeur hat indes angekündigt, dass sein Land Kriegsschiffe in die Nähe von US-Hoheitsgewässern entsenden will. Seit September ist das iranische Kernkraftwerk Buschehr am Netz. Der vermutlich durch Israel initiierte Cyber-Angriff mit dem Computerwurm Stuxnet konnte also nur eine Zeitverzögerung bewirken. Den Bau begleitet hat Russland, das in Übereinstimmung mit China regelmäßig Sanktionen gegen Iran sowie auch Syrien ablehnt. Auch hier ist die Interessenlage klar: Russland möchte wichtiger Öl- und Gas-Lieferant Europas bleiben, China seine Versorgung mit den Energieressourcen generell sicherstellen.

Unterhalb des dem Westen zugeneigten Saudi-Arabien, ein wahrlich undemokratischer Staat dem aber Deutschland gerne Panzer verkauft, finden sich Jemen und jenseits des Golf von Aden Somalia. In beiden Ländern führen die USA bewaffnete Drohneneinsätze durch.

Zuletzt erscheint es auch erwähnenswert, dass die USA zunehmend Pakistan ins Visier nehmen und dort einen neuen Feind aufbauen, nachdem Al-Quaida nicht mehr „zieht“ und deren Führungsfigur zu einem geeigneten Moment gefasst, ermordet und auch gleich ohne jeglichen Beweis im Meer „bestattet“ wurde. Über das Haqqani-Netzwerk in Pakistan werden wir in den kommenden Monaten sicher noch öfter hören.

Wir könnten das hier weiter vertiefen, doch soll dies entsprechenden Kennern obliegen. Wichtig zu sehen ist, dass nüchtern betrachtet längst ein Dritter Weltkrieg im Gange ist und dass es offen ist, wie dieser ausgehen wird. Derzeit scheint „der Westen“ seine Interessen durchsetzen zu können, jedoch ist es ein Unterschied, ein Land zu bombardieren oder einzelne Führer oder Wissenschaftler zu liquidieren oder aber ein solches Land tatsächlich nachhaltig effektiv zu steuern. Es könnte geradezu eine Ironie der Geschichte werden, dass die teils initiierten Aufstände eine Bewegung in Gang gebracht haben, die so nicht beabsichtigt war. Die überwiegende Mehrheit der Menschen in der Region will keine westliche Dominanz mehr und lehnt weitere „Marionetten-Regime“ ab. Der Irak fordert z.B. offen den Abzug aller US-Soldaten und verweigert ihnen Immunität. Auch im wichtigsten „Stützpunkt“ Saudi-Arabien brodelt es immer mehr. Es ist daher durchaus denkbar, dass das „Große Spiel“ dieses Mal zu unseren Ungunsten und zum Wohle der jeweiligen Völker enden wird. Dies wird die Geschichte zeigen.

Indes – um den thematischen Bezug zu unserem Blog Kaufkraftschutz herzustellen: Kriege wirken per se inflationär. Eine durchaus denkbare Eskalation im Nahen Osten könnte in den kommenden Monaten zu einem starken Anstieg des Ölpreises führen, was wiederum generell preistreibend wirken würde. Demnach könnte der strukturell deflationäre Trend schon bald durch (geo-)politische Entwicklungen überdeckt werden. Wem käme das mehr entgegen als den überschuldeten westlichen Staaten? Ein strategisch agierender und auf Kaufkraftschutz abzielender Investor sollte einen Blick auf die Öl- und Gas-Werte werfen, welche im Idealfall nicht gerade ihre Schwerpunkte in der genannten Region haben. Und auch Hersteller von E-Fahrzeugen dürften profitieren.

Aug 302011
 

Zumindest für den Fall einer Naturkatastrophe. Er twitterte am 26.08.2011:Das ist genau das, was wir an anderer Stelle schrieben: Bargeld lacht! Cash is king!

Nouriel Roubini, Professor für Ökonomie an der renommierten Stern Business School, ist offensichtlich kein „Gold Bug“. In vielen seiner Tweets schreibt er, Gold sei kein Geld, was jüngst auch Ben Bernanke in einer Anhörung gegenüber Ron Paul äußerte.

Roubini widerspricht auch der steten These, Gold sei eine stabile Währung, weil es nicht wie Fiat Money aufgebläht werden könne. Zitat: „Kings debased gold coins for 1000s of years“. Ferner: „Many episodes of high inflation in gold regimes thru history due to debasement of gold coins &/or shocks to gold supply via discoveries“.

Er zeigt sich in seinen Tweets überzeugt, dass Gold in einer Blase ist, wofür er erwartungsgemäß reichlich Kritik erntet. Wir haben jüngst die gleiche Erfahrung gemacht, als wir vor den vermeintlich sicheren Häfen warnten. Nachdem der Schweizer Franken inzwischen um über 15% gegen den Euro verloren hat und auch das Gold erste Anzeichen von Schwäche zeigte und binnen zwei Tagen um 10% nachgab, sind die kritischen Stimmen ruhiger geworden.

Gold ist unfraglich ein hervorragendes Instrument zum Kaufkraftschutz. Aber dennoch muss man offen bleiben für kritische Stimmen. Schließlich dachten auch die Gold-Käufer im Jahr 1980, sie würden eine „todsichere Anlage“ kaufen. Sicher war sie auch. Aber Gold wurde 20 Jahre lang relativ und absolut betrachtet „günstiger“.

Werte sind relativ. In einer echten Krise, wie sie einige Gold Bugs geradezu herbeizusehnen scheinen, könnte Gold ein hochgradig „suboptimaler Schutz“ sein. Nicht mehr und nicht weniger hat Roubini mit seinem Tweet zum Ausdruck gebracht. Recht hat er!

Jun 222011
 

„Der dümmste Grund eine Aktie zu kaufen, ist, weil sie steigt!“ So sieht es jedenfalls Warren Buffett, einer der reichsten Menschen und erfolgreichsten Investoren der Welt. Er erwarb der Legende nach bereits mit 11 Jahren seine ersten Aktien. Ebenso früh gründete er seine zwei ersten „Unternehmen“: das eine widmete sich dem Verkauf von alten Golfbällen, das andere der Vermietung von Flipperautomaten.

Also Aktien nicht kaufen, weil sie steigen. Gut. Wann  ist aber dann ein geeigneter Moment, Aktien zu kaufen? Jetzt? Führen wir uns die Aspekte, die derzeit für oder gegen Aktieninvestments sprechen, vor Augen:

Die geopolitische Unsicherheit ist nach wie vor sehr hoch. Unruhen in China, der Mongolei, Griechenland, weiten Teilen Nordafrikas und des Nahen Ostens sowie Demonstrationen selbst in Spanien zeigen, dass die „Generation Empört Euch“ (in Anlehnung an den Essay des Franzosen Stéphane Hessel) gerade erst erwacht. Mit Auswirkungen, die noch niemand absehen kann.

Gleichzeitig sind die Arbeitsmärkte in den meisten Industrienationen schwach (Ausnahme: Sonderkonjunktur Deutschland), speziell in den USA ist die Gefahr einer neuen Rezession nicht mehr von der Hand zu weisen und verstärkt wird sogar über Japan 2.0 diskutiert.

Nach wie vor halten viele Investoren enorme Liquidität. Laut einer Studie von Merrill Lynch haben viele Profis sogar unlängst weiter Liquidität aufgebaut, die im Vergleich sogar über den historischen Durchschnittswerten liegt. Gleichzeitig gilt die Liquidität aus den gigantischen staatlichen und notenbanklichen Interventionen in Folge der Finanzkrise nach wie vor als enorm. Insofern bleibt offen, ob es in den USA überhaupt zu Quantitative Easing 3.0 kommt (eine schöne Erkärung, was QE bedeutet, finden Sie hier) und selbst wenn sich die US-Notenbank dazu hinreißen lässt, stellt sich die Frage, ob nicht der Nutzen weiterer Programme nach und nach abnimmt (ähnlich einem Drogenabhängigen, der immer höhere Dosen braucht).

Die nach wie vor niedrigen Zinsen (kurz bis mittelfristig sogar negative Realzinsen, worauf wir bereits hingewiesen hatten: http://www.kaufkraftschutz.de/gold-versus-immobilie/165) lassen Aktien theoretisch attraktiv erscheinen. Aktien gelten derzeit nicht als „teuer“. So warten die Versorger-Aktien derzeit sogar mit Dividendenrenditen von 7-10% auf. Attraktiv?

Die  Frage ist, warum diese Unternehmen solche hohe Dividenden an ihre Aktionäre ausschütten müssen. Nach klassischen Bewertungsparametern sehen diese Aktien attraktiv aus. Dabei wird allerdings unterschlagen, dass die mittel- bis langfristigen Geschäftsmodelle dieser Unternehmen überholt sind. Und das ist auch das eigentliche Herz-Stück eines Investments in Aktien:

Sie investieren in ein Unternehmen und werden Miteigentümer! Genau dies ist der entscheidende Grund, Aktien zu kaufen! Sie investieren in eine sachwertorientierte unternehmerische Beteiligung. Und das erklärt auch, warum Warren Buffett eine Aktie nicht kauft, nur weil sie steigt. Denn steigende Aktienkurse reflektieren, wie wir durch diverse Manien (z.B. die Hightech-Bubble), wissen, nicht notwendigerweise auch gute Zukunftssaussichten für die Unternehmen.

Insofern sollten Sie die Entscheidung, ob Sie Ihren Kaufkraftschutz auch via Aktien erreichen wollen, NICHT von aktuellen Markt-Nachrichten abhängig machen, sondern sich überlegen, ob das Unternehmen Ihrer Ansicht nach auch mögliche größere Krisen und Verwerfungen überdauern wird. Vergessen Sie Markt-Timing und andere „Spielereien“!

Jun 152011
 

Der Median des Preises von Einfamilienhäusern in den USA in Gold nähert sich den Tiefs von 1980. Aktuell kann man demnach ungefähr für 106 Unzen Gold ein Einfamilienhaus in den USA erwerben. 2001 waren dazu noch 601 Unzen nötig. In Gold ist ein solches Haus also heute 80% günstiger.

Quelle: chartoftheday.com

Auch wenn inzwischen Preis-Ziele für Gold von 5.000 USD und mehr genannt werden, ist dennoch immer rational abzuwägen, wo das eigene Geld sinnvoller platziert ist. Bei allen Diskussionen über Inflation und Geldentwertung ist zu beachten, dass es Aspekte gibt, die kaum allgemein monetär bewertet werden können. Ein solcher Aspekt ist der Nutzwert. Abgesehen von der Verwendung als Schmuck, Zahnfüllung oder zur Dekoration weist Gold nur einen geringen Nutzwert auf. Selbst eine Zahlungsmittelfunktion ist heute recht fraglich. Daher mutet es auch teils fast schon zynisch an, dass mit großen Anstrengungen Gold aus dem Boden gewonnen wird, nur um es dann nach der Förderung und dem Gießen zu Barren wieder in den Boden – in Tresoren – zu lagern.

Gold ist durch seine Historie, Schönheit und sein begrenztes Vorkommen wertvoll und insbesondere in Zeiten negativer Realzinsen ein ausgezeichneter Kaufkraftschutz. Aber es ist mitnichten ein Wert an sich. Es tut nichts, es wächst nicht, es erschafft nichts. Gold ist eher ein Spiegel des Zustands des Geld- und Wirtschaftssystems. Es ermöglicht, Kaufkraft über Raum (Ländergrenzen) und Zeit zu erhalten. Aber natürlich braucht man auch einen Ort zum leben. Und „gefühlt“ scheint dies wertvoller zu sein als den Nutzen, den Gold stiftet.

Nicht wenige Investoren erwarten, dass die Dow/Gold-Ratio, also der Dow Jones bewertet in Gold auf 1 fallen wird. Dies mag sein, wir würden jedoch nicht darauf wetten. Auf jeden Fall würden wir bei Erreichen einer solchen Bewertung alles Gold verkaufen und dafür Aktien kaufen. Und auch bei Einfamilienhäusern rückt – zumindest in den USA – nun der Zeitpunkt sehr nahe, wo sich eine Familie mit Ersparnissen und halbwegs sicherem Einkommen fragen muss, ob das Geld nicht besser im eigenen Haus als in Gold investiert ist. Wir möchten jedoch nochmals daran erinnern: eine Immobilie allein als Inflationsschutz zu kaufen ist womöglich keine gute Idee.

Was denken Sie?

Apr 152011
 

Schon der Titel zeigt: das ist kein standardisiertes Mainstream-Thema. Klären wir also zunächst die Begriffe: Ein Forst ist ein bearbeiteter bzw. bewirtschafteter Wald. Holz ist das Gewebe von Bäumen (und Sträuchern) und einer der ältesten und wichtigsten Roh- und Werkstoffe der Menschheit. Aufgrund seiner hervorragenden Eigenschaften erfährt Holz vielfache Verwendung, unter anderem als Baustoff, Ausstattungsmaterial und insbesondere als Brennstoff.

Aber warum „Investment“?

Über Eigentum an Land und Forst konnten Vermögende über Jahrhunderte Wohlstand erhalten – relativ unabhängig von Krisen des Staates, der Wirtschaft und des Geldes. In diesem Punkt stehen Land und Forst den Edelmetallen in nichts nach. Dem Nachteil der Immobilität steht jedoch ein wichtiger Vorteil gegenüber: sie bringen „Cash Flow“, also Ernten. Edelmetalle hingegen erbringen keine „Früchte“ – ihr Wert ist somit rein relativ zu sehen. Gold und Silber sind sehr geeignete Instrumente, um Kaufkraft zu erhalten. Aber es sind keine „echten“ Investitionen, da sie nichts erschaffen, keine Ernten bringen, einfach nur das bleiben was sie sind. Hier ein kurzer anschaulicher youtube-Beitrag dazu:

Ich habe Ihnen Edelmetalle in diesem Gold-Research-Report bereits vor fast 10 Jahren (!), also ganz zu Beginn des Bullenmarktes nahe gelegt. An den Aussagen hat sich grundsätzlich nichts verändert.

Konzentrieren wir uns daher an dieser Stelle auf Wald-, Forst- bzw. Holzinvestments. Für das Anleger-Magazin „Smart Investor“ habe ich in diesem Beitrag zu Holz-Investments komprimiert die wesentlichen Hintergründe zusammengetragen.

Hier die wichtigsten Aspekte, die für eine Investition in (Edel)Holz sprechen:

+ Sachwert: Inflationsschutz
+ unabhängig vom Finanzsystem
+ keine Korrelation zu anderen Kapitalanlagen
+ knapper, begehrter Rohstoff
+ Wertschöpfung durch natürliches Baum-Wachstum
+ hohe Rendite
+ einmalige Umweltdienlichkeit

Wichtig ist die Erkenntnis, dass während Anlagen in Edelmetalle inzwischen durchaus „mainstream“ geworden sind, Wald bzw. Holz noch nicht von der breiten Masse als Anlage und Inflationsschutz entdeckt wurden. Es ist auch nicht zu erwarten, dass dies passieren wird, denn viele suchen eher das „schnelle Geld“ und dürften sich von den verhältnismäßig langen Laufzeiten und dem eher „exotischen Charakter“ abschrecken lassen. Und genau deshalb ist der Investment Case auch so überzeugend!

Feb 082011
 

In letzter Zeit waren zahlreiche Beiträge in der Mainstream-Presse, die sich mit Anlagen zum Inflationsschutz befassten (siehe z.B. Wirtschaftswoche oder Manager-Magazin). Regelmäßig werden Aktien, Immobilien und Edelmetalle genannt. Dies ist auch richtig und die Finanzmärkte haben dies auch längst erkannt. Aktien eilen von Rekord zu Rekord, die Edelmetalle haben neue Hausse-Höchstmarken erlangt und selbst in Deutschland belebt sich der Immobilienmarkt, weil nicht wenige Anleger geneigt sind, das niedrige Zinsniveau zu nutzen und sich mit „Beton-Gold“ abzusichern.

Aber es gibt auch noch andere Anlageformen, die einen soliden Schutz bieten und weniger im Fokus der breiten Masse stehen. Dazu gehören Kunst-Objekte, Antiquitäten, Oldtimer, Land (Agrarflächen) oder Holz-Investments. Salopp gesprochen sind es „Sachen“ bzw. „Sach-Werte“, welche in einer inflationären Phase Stabilität versprechen. Warum ist das so?

Sach-Werte bieten einen über eine Rendite hinaus gehenden Nutzen für den Investor. Eine Anleihe ist eine Anleihe. Sie bringt Ihnen im Normalfall Zinsen und ihr Geld wieder zurück. In einer Immobilie können Sie jedoch auch wohnen, Edelmetalle als Schmuck tragen, mit Holz Ihren Boden belegen und sich an den Gemälden an Ihren Wänden erfreuen. Dieser Nutzen überdauert Währungskrisen, weil er davon unabhängig ist.

Es wird oft das Argument vorgebracht, dass man „Gold nicht essen kann“. In einer wirklichen Krise, bei der dauerhafte Versorgungsengpässe auftreten oder zum Beispiel Ihr leibliches Wohl durch Plünderer gefährdet ist, verlieren auch Sach-Werte tendenziell an Wert, da ihr Nutzen zweitrangig wird. Allerdings: in einem solchen Fall gibt es überhaupt kein Investment, das dann noch bedeutsam ist. Insofern ist dieses Argument kein sinnvolles, zumal irgendwann wieder eine Ordnung hergestellt ist, und dann die „Sachen“ wieder schnell ihren Nutzwert reflektieren.

Voltaire sagte einst: „Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem inneren Wert zurück – Null.“ Genau so ist es. Papier- bzw. Finanz-Werte (Geldscheine, Anleihen, Sparbücher, etc.) haben keinen Wert in sich selbst. Der Wert liegt einzig und allein im Vertrauen auf das „Geld-System“. Geld hat eine Werterhaltungsfunktion, deren Maß an Wirksamkeit die Kaufkraft ausdrückt. Diese kann es jedoch nur erhalten, wenn es nicht beliebig und vor allem über das Wachstum der Wirtschaft hinausgehend vermehrt wird (Inflation) und die staatliche Ordnung inklusive dem staatlichen Geld-Monopol erhalten bleibt.

Derzeit ist letzteres massiv in Frage gestellt. Der strukturelle Trend in den USA sowie Europa und Japan ist deflationär. Wir haben ein hohes Maß an Sättigung erreicht und ächzen unter einer enormen Kredit- bzw. Schuldenlast (was übrigens gleichzeitig auch eine „Vermögenslast“ ist!). Die Privathaushalte entschulden daher freiwillig oder gezwungenermaßen. Da über Jahre hinweg das Wachstumsparadigma verfestigt wurde, möchte kein Politiker das Japan-Szenario einer jahrelangen Stagnation bzw. Deflation wiederholen. Ergo: die Entschuldung der privaten wird durch beschleunigte Verschuldung der Staaten „ausgeglichen“ – so zumindest der aktuelle Versuch.

Die US-Notenbank will, dass alle Menschen von Inflation sprechen. Sie will, dass die Menschen genauso reagieren wie sie es gerade tun und ihr Geld eben nicht bunkern, sondern in den Kreislauf geben. Sie will den Crack-Up-Boom! Nur hat die Notenbank nicht unter Kontrolle, wohin das Geld gegeben wird. Und es ist fraglich, ob sie später den „Inflations-Geist“ wieder in die Flasche zurück bekommt, den sie nun entlassen hat – ein Spiel mit dem Feuer.

Und die Notenbank kann auch nichts dagegen tun, dass immer mehr Menschen gar nicht mehr in der Lage sind, zu konsumieren oder zu investieren, also gewissermaßen längst „aus dem Spiel“ draußen sind. Sie kann auch nichts dagegen tun, dass die entfachte Inflation zu einer weiteren Verschärfung der sozialen Spaltung führt und Unruhen zunehmen werden, was wiederum die Risikoprämien an den Finanzmärkten steigen lassen wird. Willkommen im Bullenmarkt für Volatilität!

Es wird keinen leichten Weg geben. Inflation oder Pleite sind die beiden Optionen und die Notenbanken versuchen letzteres hinauszuzögern, in der Annahme, künftiges „Wachstum“ würde alles wieder in Ordnung bringen. Es ist leider anzunehmen, dass damit der größte schwarze Schwan erzeugt wird, den es je gegeben hat. Wie an anderer Stelle beschrieben, rechnen wir binnen vier Jahren mit einer globalen Währungsreform. Je länger das System künstlich am Leben gehalten wird, desto schwerwiegender wird der unvermeidliche Umbruch sein. Oder in den Worten des österreichischen Ökonom Ludwig von Mises:

„Es gibt keinen Weg, den finalen Zusammenbruch eines Booms zu vermeiden, der durch Kreditexpansion erzeugt worden ist.“
Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel – Ludwig von Mises, 1912

Das Thema soll an dieser Stelle nicht weiter vertieft werden. Wir möchten zur Eingangsfrage mitteilen, dass wir selbst uns über Jahre intensiv mit Land- und Forst-Investments befasst haben (siehe z.B. hier: „Investieren in Edelhölzer“) und dort gute Lösungen sehen, Kaufkraft zu erhalten bzw. sich vor Inflation zu schützen. In Bälde werden wir hierzu konkrete Lösungen vorstellen.

In jedem Fall ist es ratsam, eine gute Mischung an eher sachwertorientierten Investments zu halten, diese jedoch nicht über zu bewerten. Wenn der von uns erwartete Umbruch kommt, wird niemand verschont bleiben. Mit der Neuordnung des Geldsystems wird z.B. zwingend auch eine Neuordnung der staatlichen Alters- und Krankenversicherungssysteme einher gehen. Renten werden Vermögendere nicht mehr bekommen und für die weniger betuchten wird es sich auf eine Grundabsicherung reduzieren.

Ihre Anlagen sollten daher so gewählt sein, dass sie im Idealfall ein passives Einkommen (Mieterträge, Dividenden, Ernten, etc.) generieren und sich dem staatlichen Zugriff bestmöglich entziehen. Dass hierbei Zielkonflikte entstehen (Vermögen im Ausland, geringe Liquidität, höhere Intransparenz), dürfte klar sein. Aber Sie sollten relative Vorteile anstreben. Absolute Vorteile sind kaum zu erwarten, wenn das System neu gestartet werden muss. Wichtig ist, sich eine gute Ausgangssituation für den nächsten Zyklus zu verschaffen.

Zuletzt: Am meisten vor Inflation schützen Sie sich, wenn Sie in sich selbst investieren. Zusätzliche Qualifikationen erhöhen Ihren eignen Nutzwert für die Gesellschaft, was wiederum Ihren Cash Flow, also Ihr Einkommen tendenziell sichert. Und denken Sie dabei auch mal um die Ecke. Es ist keineswegs sicher, dass Ihr jetziger Beruf in 10 Jahren noch in heutigem Maße gebraucht wird. Daher könnte es Sinn machen, Ihr Wissen und Können in Gebieten zu vertiefen, die für Sie eigentlich „themenfremd“ sind.

Jan 172011
 

„Geldsystem: Die Lunte brennt“ heißt es bei mmnews.de. Zitat: „Das Finanzsystem liegt am Boden, viele westliche Staaten sind bankrott und die Regierungen nehmen immer mehr Schulden auf – Schulden, die niemals mit normalem Geld bezahlt werden können.“

Dies ist für uns nichts Neues. Tatsächlich habe ich schon im Jahr 2003, als noch niemand das Thema auf der Agenda hatte, die absehbare Krise des Fiat Money angekündigt (siehe http://www.kaufkraftschutz.de/wp-content/uploads/2011/01/fiatmoney.pdf sowie auch hier). Womöglich werde ich in den nächsten Wochen ein Update dazu verfassen. Aber um eines vorweg zu nehmen: ich rechne fest mit einem umfassenden „Umbau“ unseres Weltfinanz- bzw. Geldsystems innerhalb der nächsten vier bis fünf Jahre. Es spricht vieles dafür, dass sich Regierungen und globale Institutionen wie der IWF bereits mit dieser Neuordnung auseinander setzen.

Interessant in diesem Zusammenhang sind die Ausführungen von „Jacques“ im „Gelben Forum“. Demnach bereiten die Notenbanken weltweit einen Schnitt vor. Sobald die wenig werthaltigen (Staats-)Anleihen an entsprechenden Stellen gesammelt sind und keine negativen Überraschungen mehr drohen, wird ein Schulden- und Vermögensschnitt durchgeführt.

Dies würde also auch bedeuten, dass die Altersvorsorge-Ersparnisse von Millionen von Menschen beschnitten würden, da die Lebensversicherer bekanntlich in exorbitantem Ausmaß in Staatsanleihen investiert sind. Sollte daher eine solche Vorgehensweise zu früh bekannt werden, müsste mit einem „Versicherungs-Run“ gerechnet werden. Dies würde u.a. zu einem plötzlichen und massiven Anstieg der Renditen führen, was weitere negative Effekte haben würde. Daher ist davon auszugehen, dass ein solcher Schnitt – so er denn kommt – mehr oder weniger über Nacht geschehen wird. „fait accompli“ ist hier die treffende Bezeichnung.

Es ist daher längst an der Zeit, Vermögen aus Anleihen in andere Werte zu transformieren. Ausschließlich auf Edelmetalle zu setzen ist allerdings wohl keine gute Idee. Selbstverständlich würden im Falle eines Schnitts Eigentümer von Edelmetallen auch belastet werden (z.B. Sonder-Steuer, Handels-Verbot) – es soll ja schließlich keine Krisengewinnler geben, die sich zudem staatlicher Kontrolle entziehen könnten. Der persönliche Kaufkraftschutz sollte demnach auf mehreren Beinen stehen.

Zuletzt: Währungsschnitte hat es immer wieder gegeben. Die Welt wird nicht unter gehen. Uns erfüllt die medial inszenierte Krisen-Suggestion mit einiger Sorge, weil sie Potenzial für soziale Unruhen aufbaut. Krise kommt vom lateinischen ‚crisis‘ und bedeutet „mit einem Wendepunkt verknüpfte Entscheidungssituation“. Ein Neuanfang ist nicht immer das schlechteste. Unser Blog soll Ihnen die Angst vor den kommenden Entwicklungen nehmen und nicht eben solche schüren. Bleiben Sie rational und vergessen Sie nicht, dass der größte Wert niemals in Geldscheinen sondern ausschließlich in Ihnen selbst liegt.

verfasst am 17.01.2011 von Marco Feiten / www.kaufkraftschutz.de