Jun 072013
 

Am 15. Mai 2013 schrieb ich im Beitrag “DAX: Zeit zu shorten”: “Und denken Sie daran, dass gerade “die ganze Welt” mit weiterer Yen-Schwäche rechnet. Ein derart hoher Konsens führt regelmäßig zum genauen Gegenteil, wie hier beschrieben. Ich bin jedenfalls nun auch short EUR/JPY (aktuell 132,15).”

Gestern konnte der Yen gegen nahezu alle Währungen erheblich zugewinnen und hat damit  - kurzfristig – eine Wende eingeleitet. Ich rechne nun wie bereits via Twitter kommuniziert mit einer recht schnellen Aufwertung des Yen, da nun wie hier beschrieben in durchaus beträchtlichem Maße Carry Trades geschlossen werden dürften.

Für einen schnellen “Konter” von ca. 5-10% gegen Euro und US-Dollar spricht auch die Divergenz, die sich zum Nikkei aufgebaut hat. Diese hat Robert Schröder von elliott-waves.com hier schön dargestellt.

Es zeigt sich mal wieder, dass die Notenbanken die Märkte nicht wirklich kontrollieren, sondern sie eher psychologisch beeinflussen. Dass der Yen dennoch längerfristig weiter abwerten dürfte, liegt weniger an der Notenbankpolitik (Auslöser) und mehr an den strukturellen Ungleichgewichten Japans (Ursache).

Was die niedrigen Zinsen indes bewirken ist, wie auch in meinem Beitrag “Kaufkraftschutz in Zeiten von Anlagenotstand und Finanzrepression” dargestellt, dass immer mehr Investoren (zu) hohe Risiken eingehen und kreditbasierte Spekulationen zunehmen. Dies verdeutlicht im Falle Japans auch die folgende Grafik, die das Marging Trading im Verhältnis zum TOPIX zeigt.

topix-margin_debt

Von 2001 bis 2006 hatte Japan es schon einmal mit Quantitative Easing versucht, was jedoch letztlich wieder in einem Absturz endete. Daraus dürfte auch die derzeitige Angst vor einem Ende des QE in den USA herrühren. Früher, also bevor sich “kapitalistische Länder” der Planwirtschaft verschrieben, waren die Treiber der Börsenkurse noch Unternehmensgewinne. Nun ja, die Zeiten ändern sich…

Interessant ist, dass japanische Staatsanleihen von den – hier frühzeitig angekündigten – Nikkei-Turbulenzen zuletzt überhaupt nicht profitieren konnten. Demnach scheint der Druck dort auszusteigen immens groß zu sein, was zwar per se auch dem Willen der japanischen Notenbank entspricht, sicherlich jedoch nicht zu schnell und zu stark geschehen darf. Denn sonst könnte die Banc of Japan sehr schnell in eine Situation geraten, wo sie nicht nur alle neu ausgegebenen sondern auch die bereits bestehenden Staatsanleihen in ihre Bücher nehmen muss. Mit anderen Worten: sie müsste den gesamten Markt für japanische Staatsanleihen aufkaufen. Es bedarf nicht viel Fantasie um zu verstehen, dass damit das Vertrauen in den Yen völlig erodieren und eine “Katastrophenhausse” mit immenser Kapitalflucht aus Japan einsetzen würde.

Kurzfristig erwarte ich dennoch einen schnellen und relativ starken Anstieg des Yen. Und womöglich wird genau dieser dazu führen, dass die Banc of Japan dann noch radikaler agieren wird. Entsprechend muss man jederzeit mit Interventionen rechnen und damit möglicherweise recht abrupten Trendwechseln. Daher werde ich den Gewinn aus dem “Yen-Konter-Trade” auch eher früher als später absichern bzw. realisieren.

Mai 232013
 

Intraday verlor der Nikkei heute Nacht von seinem Hoch aus rund 10%, sodass ich mit meiner Annahme eines neuerlichen Flash Crashs richtig lag. Natürlich ist der Nikkei per heute nüchtern betrachtet noch immer in 2013 hervorragend gelaufen (wie im Jahresausblick angekündigt), doch nicht wenige werden nun schon eine innere Panik spüren und ich denke, dass es nun – wieder einmal – zu einer Welle an Carry Trade Auflösungen kommen wird.

Auslöser des Einbruchs war, dass der chinesische Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC auf 49,6 Punkte gefallen ist und damit eine Kontraktion der Wirtschaft anzeigt. Zudem dürften die Unstimmigkeiten innerhalb der Fed (sowie im Übrigen auch innerhalb der englischen Zentralbank) hinsichtlich Reduzierung oder gar Ausdehnung des Quantitative Easing beigetragen haben.

Persönlich denke ich, dass die Notenbanken schon bald wieder unmissverständlich klar machen werden, dass sie weiter mit QE fortfahren. Bis dahin dürfte es jedoch nun erst mal eine markante Konsolidierung an den Aktienmärkten geben, welche meinen Puts auf den DAX und EUR/JYP zugute kommen wird.

Bemerkenswert ist, dass der Einbruch des Nikkei von weiteren Verlusten bei japanischen 10-jährigen Staatsanleihen begleitet wird. Sollte sich das fortsetzen, könnte es überraschend schnell zu einer Krise in Japan kommen.

Eines hat diese Nacht jedenfalls gezeigt: QE ist kein Garant für “sicher steigende Kurse” und wie zuletzt mehrfach betont haben viele Anleger inzwischen jegliche Risiken gänzlich ausgeblendet. Nun gilt es genau zu beobachten, ob und ggf. wie schnell der Markt durch “starke Hände” aufgefangen wird und welche Sektoren relative Stärke und Schwäche zeigen.

Mai 222013
 

Am 01.02.2013 habe ich Sie auf eine mögliche bevorstehende Hausse bei Uran-Aktien hingewiesen. Seit dem scheint nicht viel geschehen zu sein, denn der Spot-Preis für Uran “dümpelt vor sich hin” (aktuell 40,75 USD pro Pfund). Doch es gibt gleich drei Katalysatoren, welche schon bald eine neue Hausse begründen können:

  1. China hat sein Atom-Programm wieder aufgenommen. 30 Reaktoren befinden sich dort derzeit im Bau, 49 weitere sind in Planung. Jährlich werden derzeit 22 Mio. Pfund Uran verbraucht, jedoch nur 3 Mio. Pfund produziert. Und der Verbrauch Chinas soll bis 2030 auf 73 Mio. Pfund ansteigen. China wird daher jede Gelegenheit nutzen (müssen), seine Reserven und Ressourcen an Uran zu erhöhen.
  2. Japan, vor Fukushima der weltweit drittgrößte Nutzer von Kernenergie, wird seine Atomkraftwerke wieder anschalten, präziser: anschalten müssen. Denn mit der jüngsten Abwertung des Yen werden Rohstoffe für die Japaner markant teurer, was die ohnehin schon negative Handelsbilanz belastet. Die Kosten für Energieimporte haben sich gegenüber 2011 bereits verdoppelt. Folglich werden die Japaner mit großer Wahrscheinlichkeit wieder mehr auf Eigenproduktion setzen, was kurzfristig nur via Atomenergie möglich ist. Da derzeit nur zwei der 50 Reaktoren in Betrieb sind, wird die Uran-Nachfrage aus Japan tendenziell wieder stark zunehmen.
  3. Wie bereits berichtet läuft zum Jahresende ein vor 20 Jahren geschlossener Vertrag aus, wonach waffenfähiges Uran aus Russland verarbeitet und an die USA geliefert wird. Dies machte immerhin 15% des globalen Uran-Gesamtangebotes aus. Die USA verbrauchen jährlich 55 Mio. Pfund Uran, produzieren derzeit aber nur 4 Mio. Pfund. Zwar dürften die Russen weiter die USA beliefern, jedoch sicherlich nicht mehr zu den derzeitigen Preisen. Zudem dürften die USA generell daran interessiert sein, sich nicht zu sehr von Uran-Importen aus Russland und dem unter russischen Einfluss stehenden Kasachstan abhängig zu machen. Doug Casey skizziert bereits einen russischen Corner des Uran-Marktes. Das erscheint mir zwar überzogen, aber Russland hat in der Tat nicht nur in den Bereichen Gas und Öl eine globale Vormachtstellung.

Nun bin ich bei Prognosen die mehr als 5 Jahre in die Zukunft gehen regelmäßig skeptisch, doch das Szenario eines Angebotsdefizits zu derzeitigen Preisen ist durchaus überzeugend. So hatten z.B. BHP Billiton, Cameco und Areva im vergangenen Jahr diverse Projekte aus wirtschaftlichen Gründen gestoppt. Der Uran-Preis müsste auf über 70 US-Dollar pro Pfund steigen, damit sich diese Projekte wieder lohnen. Und sollte es so kommen, würde doch einige Zeit vergehen, bis sich die Lage entspannen dürfte.

Dies ist also durchaus ein Szenario, aus dem man eine bullishe Prognose ableiten kann. Und ich denke, dass “saubere” Alternativen wie Solar- und Windenergie selbst bei größten Anstrengungen die Kernenergie nicht in einem überschaubaren Zeitfenster ersetzen können. Demnach wird voraussichtlich schon bald einer neuer Bullenmarkt bei Uran einsetzen, wovon insbesondere die Uran-Produzenten profitieren sollten.

Ich wurde bereits nach meinem ersten Beitrag gebeten, doch einige konkrete Werte zu nennen, die ich als interessant erachte. Dem komme ich hiermit nach, möchte jedoch betonen, dass dies keine Anlageberatung ist und Sie für Ihre Investmententscheidungen selbst verantwortlich sind:

  • Uranium Participation (ISIN: CA9170171057, 3,78 EUR): Mit dieser Aktie können Sie mehr oder weniger direkt auf den Uran-Preis setzen, da das Unternehmen nichts anderes tut, als seine Vermögenswerte in Uran zu investieren.
  • Cameco (ISIN: CA13321L1085, 17,14 EUR): Das kanadische Unternehmen ist einer der weltweit größten Uran-Förderer. Damit ist die Aktie geradezu ein Muss für Institutionelle Anleger, die das Thema abdecken möchten.
  • Paladin Energy (ISIN: AU000000PDN8, 0,71 EUR): Einer der größten Uran-Förderer Australiens (wobei die Produktionsstätten in Afrika liegen) und ebenfalls ein “Blue Chip” innerhalb des Uran-Sektors.
  • Uranium Energy (ISIN: US9168961038, 1,48 EUR): Produktion in Texas und Explorationsziele in Paraguay. Das Unternehmen ist schuldenfrei, das Management hält 20% der Aktien.
  • Energy Fuels (ISN: CA2926711045, 0,11 EUR): Analytisch gesehen einer der günstigsten Uran-Produzenten (USA) und damit ein interessantes Übernahmeziel.
  • Uranerz Energy (ISIN: US91688T1043, 1,08 EUR): Angehender Uran-Produzent in den USA mit voraussichtlich sehr geringen Förderkosten und bereits abgeschlossenen Verträgen u.a. mit Exelon, dem größten Kernkraftwerksbetreiber in den USA.
  • Ur-Energy (ISIN: CA91688R1082, 0,68 EUR): Ebenfalls ein angehender Produzent (USA), der sehr niedrige Produktionskosten haben wird und bereits Abnahme-Verträge geschlossen hat.
  • Strathmore Minerals (ISIN: CA8630771035, 0,12 EUR): Der spekulativste Wert, da noch keine finalen Genehmigungen vorliegen, jedoch mit starken Partnern (Sumitomo, Kepco) und gleich zwei “Company Maker”-Projekten in den USA, für welche noch im laufenden Jahr mit Entscheidungen der Behörden zu rechnen ist.

Jetzt mögen Sie sich vielleicht fragen: “Welchen Wert soll ich denn nun kaufen?”. Nun, per se kann ich Ihnen das nicht beantworten. Jeder dieser Werte hat (s)eine “Story” und jeweils ein anderes Chance/Risiko-Profil. Zudem empfiehlt sich bei Einzelwerten generell eine breitere Streuung. Anhand der Auswahl können Sie indes erkennen, dass ich generell den Fokus eher auf Werte mit US-Produktion legen würde, da dies das größte Abnehmerland ist und politische Risiken noch am überschaubarsten erscheinen. Alternativ zu Einzeltiteln gibt es auch einige Zertifikate und Fonds, wobei ich mir da kein Urteil erlaube und Ihnen eine eigene Recherche nahe lege.

Ein überaus spannender Wert, der jedoch nichts mit der Uran-Förderung sondern mit der Uran-Anreicherung zu tun hat, ist das australische Unternehmen Silex Systems (ISIN: AU000000SLX4, 1,96 EUR). Das Unternehmen hat eine Technologie entwickelt, mittels derer Uran mit Lasern angereichert werden kann. Die Technologie steht kurz vor dem Durchbruch, eine Test-Phase wurde gerade erfolgreich beendet. Setzt sich die Technologie nachhaltig durch, wird Silex durch Lizenz-Einnahmen eine wahre “Cashcow” werden. Aber natürlich sind auch hier die Risiken beträchtlich (das Unternehmen wird ohne relevante Umsätze bereits mit 450 Mio. CAD bewertet) und Investoren sollten neben der Risikofreude auch entsprechende Geduld mitbringen.

Abschließend ein wichtiger Hinweis:
Es gibt eine durchaus hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass sich die 4-jährige “allgemeine” Aktien-Hausse ihrem Ende nähert. Sollte im Sommer eine neue Baisse beginnen, müsste das oben beschriebene Szenario ungeachtet der bullishen fundamentalen Basis überprüft werden, da man bereits 2008/2009 sehen konnte, dass Märkte auch extreme Unterbewertungen erreichen können und einige der oben genannten Unternehmen dann womöglich existenziell bedroht wären.

Mai 162013
 
japan-flagge

Wir haben hier den Weg Japans schon frühzeitig aufgezeigt und als treue Leser dürften Sie die radikalen Schritte der japanischen Notenbank nicht überrascht haben. Lesen Sie dazu nochmal den Beitrag vom 23.08.2011: “Verliert die Bank of Japan die Nerven”.

Wichtig zu verstehen ist jedoch, dass eine Schuldenkrise wie in Griechenland derzeit nicht wahrscheinlich ist, einfach weil die japanische Zentralbank “alles aufkaufen” kann. Dazu sei nochmals auf diesen Artikel vom 17.03.2011 verwiesen: Japan vor Schuldenkrise?

Japan ist demnach nicht von externen Gläubigern abhängig, denen es eine ständig höhere Rendite bieten muss. ABER: die derzeitigen Halter von japanischen Anleihen, vorrangig eigene Banken und vor allem die eigenen Bürger, könnten in Panik geraten. Und eben da liegt die Gefahr, denn es könnte zu einer Art Kapitalflucht kommen, wenn größere Teile der japanischen Bevölkerung das Vertrauen in die Aktionen der Notenbank verlieren.

Der jüngste sprunghafte Anstieg bei den japanischen Renditen hat dazu einen “Vorgeschmack” gegeben, sodass sich die Banc of Japan schon gezwungen sieht, den Anleihen-Sektor zu stützen. Das hat auch einen handfesten Grund, denn die japanischen Banken und Versicherungen haben in etwa das Neunfache ihrer Eigenkapitalbestände in japanische Staatsanleihen investiert. Bei einem Kursrückgang der Staatsanleihen um nur 10% (das würde einem Zinsanstieg auf 2,0% für 10-jährige Anleihen entsprechen) wären japanische Banken und Versicherungen faktisch allesamt konkurs.

Wenn wir das mal weiterdenken ergibt sich eine ganz simple Erkenntnis: es gibt keinen Weg zurück. Die japanische Notenbank hat – ähnliche wie die US-Notenbank – mit ihrer Inflationspolitik immense Anreize geschaffen, aus japanischen Staatsanleihen auszusteigen. Denn entweder interveniert die Notenbank mit der Folge niedrigster Renditen, die im Falle des “Erfolgs” hinsichtlich des Inflationsziels von 2% real deutlich negativ wären. Oder aber sie tut dies nicht und die Zinsen steigen sogleich deutlich an, was also Kursverluste für die bestehenden Investoren bedeutet und den Schuldendienst verteuert.

Es ist demnach aus meiner Sicht zu erwarten, dass sich die Bilanz der japanischen Notenbank sehr stark weiter aufblähen wird. Und ich vermute, dass dies zu einer nachhaltigen Schwäche des Yen führen wird. Zum Einen, weil immer mehr Japaner ihr Kapital ins Ausland schaffen werden. Zum Anderen, weil Yen-Carry Trades weiter zunehmen dürften und Spekulanten gezielt den Yen ins Visier nehmen werden.

Ein weiter fallender Yen wiederum wird den USA, Europa und China missfallen, zumal der effektive reale Wechselkurs ohnehin schon auf niedrigstem Niveau liegt. Die USA haben Japan daher bereits gemahnt. Sollte sich der Yen in den nächsten Jahren weiter abschwächen – was meiner Ansicht nach wie beschrieben sehr wahrscheinlich ist – dann werden aus verbalen Attacken Handlungen werden und protektionistische Maßnahmen ergriffen werden. Dies entspricht genau dem skizzierten Fahrplan des deflationären Zyklus.

Der Weg Japans ist meiner Einschätzung nach der Weg in den Ruin, denn selbst mit den extremsten Maßnahmen wird es Japan nicht gelingen können, die Wirtschaft nachhaltig zu befeuern, auch wenn auf Basis des niedrigen Niveaus anfängliche “Erfolge” zu erwarten sind. Ein wesentlicher Grund der wirtschaftlichen Schwäche Japans ist die Demografie. Und zumindest diese können die Notenbanken nicht steuern.

Zudem – und das scheint einfach generell übersehen zu werden – ist das Nachfragepotenzial global sehr bescheiden. Der einzige Kontinent mit markantem Konsum(nachhol)potenzial ist Afrika, doch hier fehlt in den meisten Ländern noch die wirtschaftliche Basis, um sich relativ teure Güter und Dienstleistungen aus dem Ausland leisten zu können.

Persönlich erachte ich den Weg Japans noch aus anderen Gründen als sehr gefährlich. Das Land wird z.B. regelmäßig von Erdbeben heimgesucht und ein neues starkes Erdbeben mit katastrophalen Folgen würde Japan nun noch mehr treffen, da Staat und Notenbank bereits “aus allen Rohren schießen”.

Zudem begünstigt das japanische QE eine überzogene Asset Inflation (lokal wie auch international) und wie die Erfahrung gezeigt hat, führt dies regelmäßig zu neuen Problemen. Ich vermute daher, dass “Abenomics” und “Quantitative Easing” den Weg zu einer unkontrollierbaren Krise ebnen, die das Vertrauen in den Yen und in Notenbanken und Staaten generell global erschüttern wird. Bis dahin ist es aber wohl noch etwas Zeit.

Kurzfristig rechne ich wie hier beschrieben mit einer Erholung des Yen und damit einhergehend rückläufigen Börsen. Mittelfristig dürfte sich die Nikkei-Hausse fortsetzen, der Yen weiter nachgeben und die Inflation in Japan nun langsam beginnen zu steigen. Die Ironie wird demnach sein, dass anfänglich das von Premierminister Shinzo Abe gestartete Vorgehen wie ein Erfolg aussehen, sich in zwei bis drei Jahren jedoch als ruinös herausstellen wird.

Feb 082013
 

So sieht es zumindest Harvard-Ökonom Martin Feldstein in einem Gastbeitrag in der “Wirtschaftswoche”. Nach seiner Ansicht führt das Ansteuern einer Inflationsrate von zwei bis drei Prozent unweigerlich zu höheren Kreditzinsen, was den Staatshaushalt enorm belasten würde.

In der Tat hat sich Japan auf einen gefährlichen Pfad begeben. “Die japanischen Banken und Versicherungen haben in etwa das Neunfache ihrer Eigenkapitalbestände in japanische Staatsanleihen investiert. Bei einem Kursrückgang der Staatsanleihen um nur 10% (das würde einem Zinsanstieg auf 2,0% für 10-jährige Anleihen entsprechen) wären japanische Banken und Versicherungen quasi konkurs.” schrieb Jens Erhardt in der jüngsten Ausgabe der “Finanzwoche”.

Insofern können wir durchaus erneut fragen: Steht Japan vor einer Schuldenkrise? Genau darauf wettet zum Beispiel in großem Stil Hedgefondsmanager Kyle Bass, der den Yen weiter stark fallen sieht. Es gibt zwar durchaus auch gute Argumente dafür, dass Japan nicht vor einem Staatsbankrott steht, doch eine Währungskrise und Kapriolen an den Anlagemärkten sind nicht auszuschließen. Dies haben wir in diesem Beitrag frühzeitig antizipiert: Verliert die Bank of Japan die Nerven?

Vieles spricht dafür, dass sich der Krisen-Fokus nun nachhaltig von Europa nach Japan verschiebt. Kurzfristig ist das Thema aber schon medial recht präsent, sodass zunächst eine “Gegenbewegung” zu erwarten ist.

Dez 212011
 

Zuletzt gab es eine deutliche Entspannung hinsichtlich der Zinsentwicklung europäischer Staatsanleihen. So konnte sich Spanien erheblich günstiger finanzieren als noch vor wenigen Wochen. Der Grund: die EZB hat die Liquiditätssituation der Banken durch extrem günstige Kredite massiv entschärft und damit Anreize gesetzt, dass diese mit diesen Mitteln u.a. hoch verzinsliche europäische Staatsanleihen kaufen, welche sie dann wiederum bei der EZB als „Sicherheiten“ hinterlegen.

Das klingt fast wie die Geschichte des Baron Münchhausen, der sich bekanntlich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf gezogen haben soll. Tatsächlich ist dies nichts anderes als eine verstecke Form von Quantitative Easing. Die Börsen feierten dies und auch der Euro konnte stärker zulegen. Ist die Euro-Krise nun also vorbei?

Wohl kaum, denn weiterhin fehlt ein innereuropäischer Länderfinanzausgleich. Dass sich die Situation an der Zinsfront entspannt darf nicht darüber hinweg täuschen, dass zum einen nach wie vor keine Lösung für die strukturell schwachen Länder vorliegt. Und zum anderen liegt nun noch mehr „Ramsch“ in den Büchern der EZB. Irgendwann kommt der Tag der Offenbarung. Doch bis dahin kann noch einiges an Zeit vergehen.

Wenn man die jüngsten Äußerungen von Angela Merkel ernst nehmen kann, wonach der Weg zur Fiskalunion unwiderruflich ist, so deutet sich auch hier Bewegung an. Dass diese womöglich zunächst nur von einem Teil der Euro-Länder getragen wird ist kurzfristig zweitrangig. Immerhin tut sich etwas. Längerfristig birgt dies indes immenses Konfliktpotenzial. Aber hier gilt wohl Keynes berühmte Aussage „In the long run we are all dead.“ Mit anderen Worten: Da können sich dann andere drum kümmern.

Kurzfristig stehen die Zeichen nun jedoch auf Entspannung. Wie von uns erwartet kam es zur Eskalation der Euro-Krise. Diese ist nicht vorbei, aber es wurde Zeit eingekauft und vermutlich wird sich der „Krisen-Fokus“ in den kommenden Monaten in Richtung Asien verschieben.

Auf die Probleme Chinas und Japans haben wir bereits mehrfach hingewiesen. In China ist eine Immobilienblase geplatzt und es gibt eine gewaltige Schieflage im Schattenbankensystem. Wir rechnen hier jedoch damit, dass die eigentliche China-Krise erst in zwei bis drei Jahren einsetzt. Bis dahin kann die chinesische Staatsplanung noch einiges mit ihren immensen Devisenreserven verschleiern. Interessant: Jüngst musste die chinesische Notenbank erstmals den Yuan stützen! Soweit zum sicheren Aufwertungs-Trade…

Weniger „zuversichtlich“ sind wir da für Japan. Japan wird voraussichtlich das Jahr 2011 mit einem Handelsbilanzdefizit abschließen. Sollte sich die globale Wirtschaft in 2012 weiter eintrüben, wird sich diese Situation eher noch verschlechtern. Und damit könnte sich in Japan die nächste Schuldenkrise auftun. Der Yen bleibt somit ein strategischer Short. Die ersten Hedge Fonds haben bereits Blut geleckt.

Sep 272011
 

Heute hat ein Mitglied der japanischen Notenbank (Bank of Japan – BoJ) erklärt, dass sie ggf. einen ähnlichen Schritt wie die Schweizer durchführen werden, sollte der Yen sich nicht bald abschwächen.

Die Schweizer haben jüngst den Schweizer Franken faktisch an den Euro gekoppelt und damit die Flucht in die Währung beendet. Wir hatten frühzeitig vor dem vermeintlich sicheren Hafen Schweizer Franken gewarnt, weil eine solche Entwicklung absehbar war.

Und wir haben auch das Thema Yen-Abwertung bereits an anderer Stelle thematisiert („Verliert die Bank of Japan die Nerven?“).

Es gibt eine auffällige Korrelation zwischen dem Währungspaar USD/JPY und den US-Bonds. Mit dem nun möglicherweise erfolgten Tief an den US-Anleihenmärkten (für 2011 – die dauerhafte Zinswende erwarten wir erst später) könnte demnach auch eine Wende des Yen unmittelbar bevorstehen.

Für strategisch agierende Investoren erscheint ein Long auf USD/JPY (aktuell 76,57) und womöglich ein längerfristiges Übergewichten japanischer Aktien zunehmend interessant.

Aug 232011
 

Der Yen steht derzeit gegenüber dem US-Dollar auf dem höchsten Niveau seit dem 2. Weltkrieg. Ein US-Dollar kostet aktuell 76,59 Japanische Yen. Über das Wochenende trug Japans Finanzminister Yoshihiko Noda mit einer neuerlichen verbalen Intervention dazu bei, dass er kurzfristig nachgab, doch heute steigt der Yen abermals deutlich an.

Japan hat im August bereits „real“ interveniert und 4.500 Mrd. Yen in den Markt gegeben. Nun hat der japanische Notenbankchef Masaaki Shirakawa „drastische und aggressive Schritte” gegen den Höhenflug der eigenen Währung angekündigt. Man werde aufmerksam die Rede des US-Notenbankvorsitzenden Ben Bernanke am Freitag verfolgen und womöglich werde die Bank of Japan ihre reguläre geldpolitische Sitzung vom 6. September vorziehen.

Wir gehen davon aus, dass Japan in Kürze etwas tun wird, was historisch bedeutsam sein könnte. Da Japan wie die USA autonomer Herausgeber der eigenen Währung ist, kann sie theoretisch unendlich viele Yen „produzieren“. Die Ausweitung der Geldmenge wird jedoch irgendwann inflationär wirken. Wir fühlen uns an den Spruch erinnert: „Sei vorsichtig mit dem was du dir wünschst. Es könnte in Erfüllung gehen.“

Wenn wir den ultra-langfristigen USD/JPY-Chart anschauen, erkennen wir, dass die Dynamik der Yen-Aufwertung gegen den US-Dollar nachlässt, auch wenn die kurzfristige Entwicklung für die japanischen Exporteure sicher belastend sein mag.Quelle: wikipedia.org

Japan befindet sich seit nunmehr 20 Jahren in einer deflationär geprägten “Wirtschaftskrise”. Extreme Fehlinvestitionen, eine massive Immobilienblase, Banken-Krise, Konjunktur-Programme, stark wachsende Staatsverschuldung, Sparkurs, erneuter Einbruch, weitere staatliche Programme… Wir kennen das aus den heutigen Nachrichten. Japan hat all dies schon hinter sich.

Die Frage die man sich stellen muss ist recht simpel: Wie lange kann eine solche Phase überhaupt anhalten. Muss es nicht zwingend irgendwann zu einer „Wende“ kommen?

Eines steht fest: WENN der Yen einst seine Richtung nachhaltig ändert – die Gründe hierzu werden zu gegebener Zeit kommen – werden japanische Aktien eine neue Hausse erleben. Japanische Werte gehören ohnehin global zu den günstigsten, gemessen am Kurs/Buchwert-Verhältnis.

Strategisch agierende Investoren legen sich hier für ein langfristiges Investment auf die Lauer. Womöglich verliert die Bank of Japan nun die Nerven und die „drastischen und aggressiven Schritte“ führen zu einer unumkehrbaren Entwicklung hinsichtlich des Yen und legen den Grundstein für eine neue Aktienhausse im Land der aufgehenden Sonne.

Aug 102011
 

Am 24. Juni publizierten wir einen Beitrag hier als auch im goldseiten-Blog, welcher zu einer Welle an Empörung und Anfeindungen führte. Wir erklärten, dass Gold vor einem Crash und der Dollar vor einer Rally stehe, was vielen angesichts der Euro-Krise, Quantitative Easing und ausufernder Staatsverschuldung undenkbar erscheint.

Inzwischen hat die Dollar-Rally begonnen – wie erwartet zunächst gegen die Rohstoff-Währungen Australischer und Kanadischer Dollar. Gegen den Euro blieb der US-Dollar in etwa auf dem gleichen Niveau, gegen den Schweizer Franken und den Japanischen Yen hat er massiv verloren. Wir gehen davon aus, dass in Kürze der US-Dollar auch gegen diese Währungen zu steigen beginnen wird.

Als die US-Zentralbank gestern erklärte, der Leitzins werde noch bis “mindestens Mitte 2013 extrem niedrig bleiben”, stiegen die Aktienbörsen markant nach oben. Nicht wenige Marktkommentatoren sehen durch die dauerhaft niedrigen Zinsen Inflation heraufziehen, was die Aktienmärkte unterstützen sollte. Interessanter war indes die Reaktion der Anleihen-Märkte, denn was diese mitteilten, deutet eher auf eine deflationäre Depression hin: Die Renditen fielen auf ein noch tieferes Niveau als vor dem jüngsten Aktiencrash (die Grafik zeigt die Renditen der 5-jähringen US-Bonds): Quelle: istockanalyst.com

Es mag sein, dass dies auch in Antizipation eines neuerlichen Quantitative Easing geschah, doch wenn man sich die Entwicklungen der letzten Jahre anschaut, so kommt man nicht umher zu erkennen, dass vieles einem Déjà-vu gleicht. Wir haben das alles schon mal gesehen: in Japan.

Auch die Intraday-Bewegung des Goldes (rote Linie im folgenden Chart) war interessant. Erst schoss es massiv nach oben, fiel dann jedoch wieder deutlich ab. Nach der Ankündigung der Fed ging es erneut massiv nach oben und dann ebenso schnell wieder runter. Wir sehen hierin keine Marktintervention, wie dies regelmäßig von Gold Bugs postuliert wird. Vielmehr haben wir gestern über den ganzen Tag massive Distribution gesehen. Gold wanderte von den großen strategischen Playern in die Hände der „Schafe“.Quelle: kitco.com

Zugegeben: entgegen unserer Erwartung hat der Goldpreis nochmals einen beeindruckenden Spike geschafft und legte seit unserem ersten Beitrag deutlich zu. Eine Warnung indes sollte immer etwas früher erfolgen und niemand sollte ernsthaft glauben, dass man Märkte dauerhaft richtig timen kann – insbesondere nicht, wenn die Entscheidungen von Politikern immer marktrelevanter werden.

Wir bekräftigen unsere These und mahnen bei den vermeintlich sicheren Häfen wie Gold oder Schweizer Franken zur Vorsicht. Wir haben jüngst den Auftakt gesehen zu einer deflationären Entwicklung, die sich – wie von der Fed richtig antizipiert – bis ins Jahr 2013 ziehen dürfte. Schon Mitte April schrieben wir in unserem Beitrag „Blase bei den Inflationserwartungen“: „Zur Vorsicht mahnen überdies der Kress-Zyklus sowie – wenngleich für Skeptiker womöglich weniger überzeugend – die Sonnenaktivität. Relativ übereinstimmend deuten beide Signale auf ein Hoch in 2011 und den Übergang in eine deflationäre Phase hin, die bis 2014 anhalten soll.“

Inflation gibt es derzeit vor allem in China, doch auch diese wird bald zurückgehen. Auch China steht vor einer „Wachstumsschwäche“. Die Märkte antizipieren bereits die heraufziehende Deflation. Nur Gold tut dies nicht. Noch nicht.

Jul 212011
 

Offensichtlich wird es eine Art Eurobonds geben, so zumindest der Chef der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker beim heutigen Sondergipfel der Eurozone zur Schuldenkrise.

Der Euro legt aktuell gegen den US-Dollar um über 1% zu, gegenüber dem Schweizer Franken immerhin 0,85% und gegenüber dem japanischen Yen 0,58%. Wie es scheint ist der Euro „gerettet“.

Noch sind die Details unklar, doch der Markt spricht ein klares Urteil:Quelle: pigbonds.info

Während die Renditen der „PIIGS“ deutlich sinken, steigen jene der „solideren“ Staaten erheblich an. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass heute der eigentliche Untergang des Euro-Systems besiegelt wurde, weil nun die tragenden Säulen angeschlagen wurden. Wöglich werden die langfristigen Folgen der heutigen Beschlüsse noch viel dramatischer sein als eine echte Pleite Griechenlands es je hätte sein können.

Wenn sich die chinesische Wirtschaft weiter abkühlt, wird darunter vor allem das nun so stark wirkende Deutschland leiden. Da nun auch die USA auf einen „Sparkurs“ zusteuern, werden wir uns spätestens in 2012 wieder in einer Rezession befinden. Sinkende Steuereinnahmen werden dann plötzlich die Bonität Deutschlands in ein anderes Licht stellen. Doch so weit sind wir noch nicht.

Kurz- bis mittelfristig  könnte der Euro „stärker“ tendieren. Das Sentiment war jüngst sehr negativ. Nahezu alle Wirtschaftsmagazine und Zeitungen hatten Todesanzeigen und Horror-Zeichnungen auf ihren Titelbildern, z.B. „Focus Money“, „Der Spiegel“ oder die „Wirtschaftswoche“. Auch weit über Deutschland hinaus war die Stimmung zum Euro sehr negativ.

Längerfristig sind keine Probleme gelöst sondern nur weiter in die Zukunft geschoben worden. Es könnte jedoch sein, dass sich nun der „Sorgen-Fokus“ nach Asien und Australien verschieben wird. Womöglich kommt das Thema Schuldenkrise in Japan zu neuer Blüte. Oder aber China mit seinem Schatten-Banken-System und seiner immensen Fehl-Allokation im Bau-Sektor rückt näher in den Fokus. Eng mit der Entwicklung Chinas verknüpft ist auch das Schicksal Australiens, wo sich ebenfalls eine gewaltige Immobilien-Blase gebildet hat:
Quelle: Broyhill Asset Management

Griechenland ist “gerettet”, der Euro ist “gerettet” – auf zur nächsten Krise!