Apr 022015
 

Island plant einen geradezu revolutionären Schritt: man möchte sich vom Mindestreserve-System abwenden. Das würde bedeuten, dass nicht mehr die Geschäftsbanken „Geld aus dem Nichts erschaffen“ (Fiat Money), sondern künftig nur noch die Zentralbank. Als Hintergrund lesen Sie bitte noch mal meinen Beitrag „Die absehbare Krise des Fiat Money“ aus dem Jahr 2003. Wichtig zu wissen ist, dass in unserem heutigen Kreditgeldsystem die Notenbanken tatsächlich nur die physischen Geldscheine und Münzen „erschaffen“, Kredit jedoch von den Geschäftsbanken erzeugt wird.

Nach einer Studie von vier isländischen Zentralbänkern erlebte das Land seit 1875 über 20 Finanzkrisen mit sechs wirklich ernsten Krisen alle 15 Jahre. Jedes mal entstanden die Probleme durch ausufernde Kredite in starken Wirtschaftszyklen. Dem möchte man nun begegnen und den Geschäftsbanken die Macht über die Geldschöpfung entziehen.

Stattdessen soll ein von der Regierung unabhängiger Ausschuss entscheiden, ob neues Geld geschöpft wird oder nicht. Er soll indes nicht darüber entscheiden können, was mit dem Geld geschieht. Über die Allokation soll demokratisch im Parlament entschieden werden.

Nach meiner bescheidenen Meinung ist der Vorschlag eine Sensation und könnte in den nächsten Monaten noch „einiges an Wellen schlagen“. So klein Island sein mag: „Auch der längste Marsch beginnt mit dem ersten Schritt“ (Laotse). Die Isländer wagen als erste die Systemfrage ernsthaft nicht nur zu diskutieren, sondern womöglich gar einen tatsächlichen Wechsel zu vollziehen. Daher möchte ich den Beitrag anreichern mit einem weiteren Zitat, in diesem Fall von Victor Hugo:

„Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“

Auch in den USA wird seit geraumer Zeit die Idee diskutiert, das Federal Reserve System abzuschaffen („End the Fed“). Erleben wir hier gerade den Beginn einer Revolution unseres Geldsystems?