Mai 102013
 

Derzeit scheint es, dass die USA auf der „Gewinner-Straße“ fahren, während Euroland, Japan und die BRIC-Staaten schwächeln oder gar mit einer richtigen Depression (Spanien, Griechenland, Portugal) konfrontiert sind. Daher strömt wieder viel Kapital gen USA, der US-Dollar gilt als relativ krisensicher. Dies umso mehr, nachdem die Edelmetalle im April einen Crash erfahren haben. Und auch fundamental scheinen die USA auf bestem Wege. Der Immobilien-Markt hat sich erholt, dank Fracking scheint sogar Energie-Autarkie möglich, das Konsumentenvertrauen steigt und selbst am Arbeitsmarkt scheint es wieder besser zu laufen. Also „alles in Butter“. Oder nicht?

Auf die fragwürdige Arbeitsmarktstatistik möchte ich ebenso wenig eingehen wie auf die längerfristig hohen Risiken des Fracking. Stattdessen möchte ich Ihren Blick auf etwas lenken, was in den Medien im Gesamtbild noch nicht so recht wahrgenommen wurde, jedoch den USA sicherlich einige Sorgen bereitet. Dazu eine kleine Auflistung:

Lassen Sie das einfach mal auf sich wirken.

Interessant zu erfahren ist dann, dass der Yuan zuletzt auf ein 19-Jahres-Hoch zum US-Dollar gestiegen ist und dass China eine weitere Flexibilisierung schon in diesem Sommer plant.

Doch auch andere Länder lösen sich im Handel vom US-Dollar. So haben auch Japan und Indien ein Währungsabkommen unterzeichnet, ebenso Iran und Russland, Indien und Iran, etc. Ebenso bemerkenswert ist der ständige Aufkauf von Gold durch Russland, was mit  einer „höheren Souveränität im Falle einer Katastrophe bei Dollar, Euro, Pfund oder anderen Reservewährungen“ begründet wird.

Sieht man das große Bild, so wird klar, dass China nachhaltig daran arbeitet, den Yuan als bedeutende globale Währung zu etablieren – primär zulasten des US-Dollar. Da die chinesische Wirtschaft schwächelt und es daher im Sinne des Exports eigentlich besser wäre, der Yuan würde nicht aufwerten, stellt sich die Frage, woher die „Eile“ der Chinesen kommt.

Mein Verdacht ist, dass die chinesische Notenbank sehr genau verstanden hat, dass Quantitative Easing künstlich hohe Anleihenkurse bzw. niedrige Zinsen erzeugt und dass damit jeder große Halter von US-Anleihen bei niedrigster Rendite immense Risiken trägt, wenn die US-Notenbank einst ernsthaft versuchen sollte, QE zu beenden. Es ist daher schlichtweg nun ein guter Zeitpunkt um auszusteigen und ich bin mir recht sicher, dass wir in den nächsten Monaten immer öfter lesen werden, dass die chinesische Notenbank ihre Bestände an US-Anleihen weiter reduziert hat.

Die Folge davon ist, dass die reale Nachfrage – also jene abseits der Fed – nach US-Anleihen sinken und damit die Fed noch größere Schwierigkeiten bekommen wird, QE ohne sofortigen deutlichen Anstieg der Zinsen zu beenden. Gleiches gilt übrigens in etwas anderer Weise (dort sind es die eigenen Banken, die aussteigen werden) für Japan. Dies bzw. diese Erkenntnis wird den US-Dollar markant belasten, insbesondere wenn sich die US-Wirtschaft erneut in einer Rezession befindet. Aus meiner Sicht wird dies in 2014 der Fall sein.

Für die nächsten Monate erwarte ich jedoch zunächst noch durchaus stärkere Gewinne beim US-Dollar gegen nahezu alle anderen Währungen, insbesondere jedoch gegen den Australischen Dollar (AUD) und den Kanadischen Dollar (CAD). Die Illusion, dass sich die USA dem globalen Trend zur Ausgabendrosselung entziehen und die Wirtschaft durch QE auf einen selbsttragenden Aufschwung geführt werden kann, wird meiner Einschätzung nach erst im kommenden Jahr jäh platzen.

Da Gold und US-Dollar tendenziell negativ korrelieren, sollte sich demnach die Baisse bei den Edelmetallen weiter hinziehen, auch wenn mit dem Crash-Tief im April sicherlich ein erster Extrempunkt erreicht wurde. 2014 und 2015 erwarte ich dann ein „Umkippen“ (wie mehrfach erwähnt erachte ich 2013 als „Wendejahr“), da derzeit vieles auf eine Eskalation hin zu einem großen Krieg in Nahost hindeutet. Dies wird der Auftakt sein für eine inflationäre Depression, die bis zum Ende der Dekade anhalten könnte.

Feb 122013
 

Der Yen hat kürzlich binnen weniger Wochen dramatisch gegenüber nahezu allen anderen Währungen verloren. Eine ähnliche Entwicklung dürfte bald beim britischen Pfund beginnen.

Kaum ein anderer Staat steht global dermaßen schlecht da wie Großbritannien. Die Industrieproduktion befindet sich auf dem Niveau Ende der 1980er Jahre.

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Zwei Millionen Menschen im Alter zwischen 25 und 44 haben die Insel in den letzten zehn Jahren verlassen um woanders zu arbeiten und zu leben – ein echter Braindrain. Und offensichtlich wollen die Briten auch keine Immigranten, die dies womöglich etwas ausgleichen könnten.

Eine nicht unwesentliche Bedeutung hat diese demografische Entwicklung auch für den Schuldendienst. Die Verschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt liegt im Vereinigten Königreich sogar noch höher als in Japan.

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Dabei wird sich dies wohl noch weiter zuspitzen. Nach einer Studie der US-Investmentbank Morgan Stanley wird die Neuverschuldung im laufenden Jahr auf knapp acht Prozent des BIP steigen. Das ist höher als in Griechenland oder Spanien. Ich rechne daher fest damit, dass die Briten ihr AAA-Rating noch im laufenden Jahr verlieren werden.

Hohe Schulden sind auch für große Teile der Bevölkerung ein ernstes Problem. Ein Fünftel der Briten, die sich in den Ruhestand begeben, sind verschuldet, 27.000 an Krebs erkrankte Menschen können ihre Rechnungen nicht zahlen. Das Vereinigte Königreich steuert auf eine wirtschaftliche und soziale Katastrophe zu.

Auch dass Großbritannien erwägt aus der EU auszutreten hat ernste Konsequenzen, denn allein die Möglichkeit wird viele Unternehmen dazu anhalten, sehr sorgfältig zu prüfen, ob und ggf. welche Investitionen auf der Insel dann noch Sinn machen. Da wundert es nicht, dass man sich nicht allzu offensiv gegen die Banken in der Londoner City stellen möchte – immerhin ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der noch halbwegs läuft. Doch dieser allein wird das Vereinigte Königreich nicht retten, zumal auch hier abgebaut wird. Eine Schuldenkrise „anderen Typs“ deutet sich hier an: nicht eine mögliche Pleite wie in Griechenland, sondern eine erhebliche Abwertung der Währung bei markant steigender Inflation.

Das britische Pfund ist demnach für die nächsten Jahre ein klarer Short. Ich rechne mit einer Abwertung von bis zu 30% gegen den US-Dollar in den nächsten zwei Jahren. Dann würde ein Pfund nur noch ca. 1,10 US-Dollar kosten (akt. GBP/USD 1,565).

Dazu passt auch, dass im Januar 2015 die Zusammensetzung der Sonderziehungsrechte (SZR) des IWF neu bestimmt werden. Das britische Pfund ist heute in diesem Währungskorb mit 11% gewichtet, die Währung hat aber nur drei Prozent Gewicht im Welthandel. Ich nehme an, dass bei einer künftigen globalen Währungsreform das SZR eine bedeutende Rolle einnehmen wird. Doch bis dahin ist noch etwas Zeit. Kurzfristig heißt es: Auf zur nächsten Währungskrise!

Feb 072013
 

Bei Spiegel Online lesen wir heute, dass der Euro zu stark sei und europäische Regierungschefs ähnlich wie in Japan und den USA die Währung abwerten wollen. Zitat „Der Befehl zum Euro-Drucken wird die Inflationsgefahr verschärfen.“

Wie jetzt? Gerade eben hatten wir noch die „Euro-Krise“ und der Euro schien mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu zerbrechen und jetzt ist er schon wieder zu stark?! Wie das?

„Der Euro steigt – weil andere Länder noch mehr Geld drucken“, so der Autor. Aha.

Die Formulierung des „Geldruckens“ kann ich inzwischen nicht mehr hören! Wo ist dann das ganze Geld, das gedruckt wird? Es dürften ja schon bald keine Bäume mehr da sein, wegen der Menge an Papier, die hierzu doch sicher gebraucht wird…

Nein, das ist Quatsch! Richtig ist, dass immer mehr Notenbanken den Staat finanzieren, in dem sie immer mehr Staatsanleihen in ihre Bücher nehmen. Doch das ist per se zunächst nur ein Buchungsvorgang. Real führt er natürlich dazu, dass wir sehr niedrige Zinsen haben, was im aktuellen Kontext einer ernsten Deflationsgefahr vermutlich richtig ist.

Doch einen echten Währungskrieg gibt es nicht! Es ist ein Mythos! Wie soll dieser auch aussehen? Wenn der Euro abwerten soll, der Yen abwerten soll, der US-Dollar abwerten soll, der brasilianische Real abwerten soll, ja sogar der Schweizer Franken abwerten soll, was bleibt denn dann noch übrig?! Wogegen soll dann noch abgewertet werden? Womöglich gegen Sachwerte, aber sicher nicht gegen die jeweils anderen Währungen. Insofern sollte man die Rhetorik der Politiker, die regelmäßig nicht gerade wirtschaftliche Experten sind, besser ignorieren.

Geht man zum Beisiel nach einem sehr simplen Indikator für Über- oder Unterbewertungen von Währungen wie dem „Big Mac Index“, kommt man zu ganz anderen Schlüssen. Demnach sind der Südafrikanische Rand und die Indische Rupie stark unterbewertet. Euro, Yen und US-Dollar geben und nehmen sich jedoch nicht viel. Insofern sind hier keine weiteren dramatischen Bewegungen zu erwarten.

Und dass eine Notenbank einfach auf Knopfdruck Inflation erzeugen kann ist ebenso ein Mythos. Wieso ist Japan sonst nicht schon viel früher auf die Idee gekommen? Wieso herrscht in dem Land schon seit fast 20 Jahren Deflation vor?

Alles hat seine Zeit. Und nun war die Zeit gekommen, wo der japanische Yen massiv abwertet. Dies haben wir hier im Blog mehrfach angekündigt, es fehlte nur ein Auslöser. Die Bank of Japan hat die Nerven verloren und einen Schwenk zu extremeren Maßnahmen vollzogen. Doch ob diese „erfolgreich“ sein werden bleibt abzuwarten.

Wie schon einmal geschrieben gilt hier das Sprichwort: „Sei vorsichtig mit dem was du dir wünschst, es könnte in Erfüllung gehen.“ Noch ist nichts wesentliches passiert und der Medienrummel um den „Währungskrieg“ nichts als irrelevantes „Rauschen“.

Und auch die Inflation wird so schnell noch nicht kommen. Alles hat seine Zeit.

Feb 072013
 
Historische Geldscheine

Wer nicht gerade aus der Finanzbranche kommt oder Wirtschaft und Börse zu seinen Hobbies zählt, wird womöglich nur eine diffuse Vorstellung davon haben, was Kaufkraftschutz oder der mehr oder weniger synonym verwendete Begriff Inflationsschutz bedeutet. Wollen wir also für etwas mehr Klarheit sorgen:

Geld ist ein Austauschmedium. Es macht den Handel leichter, denn stellen Sie sich vor, Sie müssten jedes Mal für einen Auto-Kauf einige Tonnen Weizen oder etwas anderes beischaffen. Im Falle des Weizens käme noch dazu, dass es eine verderbliche Sache ist. Insofern ist Geld ein Tauschmittel, das dem Tauschpartner seinerseits den Tausch gegen andere Güter oder Dienstleistungen ermöglicht. Nun müssen Sie jedoch den folgenden Satz Voltaires bedenken:

„Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem inneren Wert zurück – Null.“

Tatsächlich hat Bargeld keinen eigenen inneren Wert, wenn man mal vom Nutzwert des Papiers absieht. Dies gilt noch mehr für Buchgeld, also immaterielles Geld. Dieses ist nicht mal greifbar, es ist mehr oder weniger eine Idee bzw. ein Versprechen.

Nun definiert ein Meter eine bestimmte unmissverständliche und unveränderliche Länge. Doch was definiert ein Euro?

Genau da nähern wir uns dem an, was man als Kaufkraft bezeichnet. Die Kaufkraft ist der Maßstab für den Wert des Geldes. Sie gibt an, welche Güter- oder Dienstleistungsmenge mit einem bestimmten Geldbetrag gekauft werden kann. Schauen Sie sich zum Beispiel die Preisentwicklung von Brot an. Sie erkennen sofort, dass der Preis in DM und später in Euro tendenziell immer nur gestiegen ist. Mit anderen Worten: für den einen Euro konnten Sie in den zurückliegenden Jahren immer weniger Brot bekommen. Die Kaufkraft des Euro gegen Brot ist gesunken.

Die letztere Formulierung mag Sie etwas irritieren, doch es ist wichtig, das so auszudrücken. Zum Einen könnte Brot einfach teurer geworden sein, weil es mehr Nachfrage und/oder weniger Angebot gibt. In dem Fall käme der Kaufkraftverlust durch ein verändertes „Marktgleichgewicht“ zustande. Brot hat demnach dann einen höheren Wert relativ zu anderen Gütern und Dienstleistungen gewonnen.

Der Preisanstieg könnte aber auch mit der Währung selbst zusammenhängen. Das, was viele mit Inflation verbinden, ist „Gelddrucken“. Historisch haben sich Staaten so oft ihrer Schulden entledigt. Sie haben einfach die Geldmenge wesentlich stärker erhöht, als sich zur gleichen Zeit das Angebot an Gütern und Dienstleistungen erhöht hat. Konkret bedeutete das, dass der Edelmetallanteil in Münzen reduziert und die Münzmenge erhöht wurde. Oder eben hinsichtlich Papiergeld, dass mehr davon gedruckt und in Umlauf gebracht wurde.

Recht schnell klar wird Ihnen der Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisen beim Spiel „Monopoly“. Ohne das „Los-Feld“ würde die Geldmenge nicht steigen. Dann könnten aber auch die Preise der Straßen nicht wesentlich steigen. Das Spiel wäre recht schnell aus und in gewisser Hinsicht langweilig. Ironischer Weise zeigt dieses Spiel, das ein gewisses Maß an Geldmengenausweitung bzw. Inflation nötig ist, insbesondere, da in der realen Welt die „Straßen“, also Güter und Dienstleistungen zunehmen. Also sollen Staaten immer mehr Geld drucken?

Nun, das Spiel diente der Veranschaulichung, unsere Welt ist jedoch extrem viel komplexer. Wenn Sie heute etwas von „Gelddrucken“ lesen, so ist dies in der Regel nur ein Vergleich, inhaltlich jedoch meist falsch. In einem Kreditgeldsystem brauchen wir kein Papier zu drucken, es reichen simple Buchungsvorgänge. Der Wert einer Währung bzw. die Kaufkraft hängt maßgeblich vom Vertrauen seiner Nutzer ab. Es ist nicht so ohne weiteres möglich zu bestimmen, welche Geld- bzw. Kreditmenge „richtig“ ist. Daher sind auch all jene, die schon seit Jahren eine massive Inflation herbeirufen, Lügen gestraft worden. Es ist eben nicht so, dass zum Beispiel die Ausweitung einer Zentralbankbilanz unmittelbar zu steigenden Preisen führt. Das Geld „liegt ja nur auf Konten“.

Und es ist auch nicht einfach damit getan, die Verschuldung von Staaten relativ zur Wirtschaftsleistung zu betrachten. Dies ist zwar per se ein guter Indikator, aber er muss doch ebenfalls wiederum relativ zum jeweils betrachteten Staat gesehen werden. Einem Land wie Simbabwe traut man eben weniger zu, Schulden wieder zurückzuzahlen, als dem absolut gesehen weitaus stärker verschuldeten Japan. Denn letztlich zahlt der Staat gar nichts. Es sind seine Bürger, sodass deren Leistungsfähigkeit eine zentrale Rolle spielt. Dies betrifft sowohl die „Bürgermenge“ bzw. Anzahl der erwerbsmäßig arbeitenden Menschen, als auch deren Alters-Zusammensetzung – also die Demografie. Zudem – und spätestens da wird es sehr schwierig – muss man schauen, wie innovativ und produktiv die Bürger sind. Bringt ein Land ständig neue nützliche Produkte und Dienstleistungen hervor, die im In- sowie Ausland nachgefragt werden, wird selbst bei ungünstiger Demografie nicht unmittelbar eine Schulden- oder Währungskrise entstehen.

Sie sehen, das Thema ist letztlich wesentlich vielschichtiger, als es zunächst aussieht.

Um die Eingangsfrage zu beantworten: Kaufkraftschutz bzw. Inflationsschutz bedeutet, dass ihre in Geld- bzw. Buchwerten geparkte „Tauschkraft“ erhalten bleibt. Steigen die Preise allgemein („Warenkorb“), sollte ihr Vermögen prozentual mindestens genau so stark steigen.

Doch grundsätzlich fängt Kaufkraftschutz schon eine Ebene vorher an: beim Kapitalerhalt und -zugang. Es nützt Ihnen nämlich nichts, wenn Sie neun Jahre lang gute Erträge erreicht haben, im zehnten jedoch ihr Vermögen zu einem großen Teil ausgelöscht wird oder Sie beim Eintritt in eine Krise keinen Zugang dazu haben. Wenn ständig kritisiert wird, dass die Deutschen ihr Geld unklug anlegen, so wird hierbei doch übersehen, dass es in gewisser Hinsicht rational ist. Wer sein Geld unter das Kopfkissen legt hat zwar keinen Ertrag, aber eben – wenn man mal vom Diebstahl absieht – auch kein Liquiditäts- und Anlagerisiko und keinen Aufwand mit Informationsbeschaffung oder sonstige Kosten. Natürlich wird Ihnen das so kein Finanzberater sagen, denn damit verdient er kein Geld. Ich möchte auch keineswegs ein solches Verhalten als „klug“ oder „richtig“ bezeichnen, doch ein gewisser Anteil an Cash bzw. kurzfristig verfügbare Mittel sind in jedem Fall empfehlenswert.

Und wer hier argumentiert, das sei ja auch über Gold- und Silbermünzen möglich, dem möchte ich anraten, einfach mal etwas mit Gold oder Silber bezahlen zu wollen. Selbst im extremen Krisenfall glaube ich nicht, dass Gold- und Silbermünzen so sinnvoll sind: zu groß dürften Vorbehalte über die Echtheit sein – und wie soll eigentlich beim Brot-Kauf wieder was „raus gegeben“ werden? Hat Ihr Bäcker ausreichend kleine Mengen an Silber da? Persönlich denke ich, dass Edelmetalle ein legitimes Mittel zum Kaufkrafterhalt sind, jedoch mitnichten DIE Lösung für alle Szenarien darstellen. Nicht ohne Grund hatten sich Zigaretten- und eben nicht Gold oder Silber –  nach dem Zweiten Weltkrieg als ein wesentliches Tauschmedium herausgestellt. Vielleicht sind es bei der nächsten Krise Batterien oder Schokoriegel. Klar hingegen ist, dass Edelmetalle Krisen überdauern und Wert erhalten.

Kaufkraftschutz ist nach meinem Verständnis indes eine umfassendere Strategie. Es geht nicht nur um Vermögenserhalt durch sinnvolle breit gestreute Investments, sondern zum Beispiel auch um den Erhalt Ihrer Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Dazu gehört zum Beispiel ein vernünftiges Maß an Vorratshaltung, dazu gehört, dass Sie ein soziales Netzwerk pflegen, dazu gehört, dass Sie Ihre Gesundheit erhalten, dazu gehört, dass Sie sich regelmäßig fortbilden.

Im weitesten Sinne ist Kaufkraftschutz demnach nichts, was nur Menschen mit Geld- bzw. Buchvermögen betrifft. Es ist eine Denkhaltung, aus der ein bestimmtes Handeln entspringt. Nämlich die, dass es keine Garantien gibt, dass nicht der Staat sich kümmern muss, sondern man selbst. Dass man Verantwortung für sich übernimmt, Szenarien durchspielt und Gewohnheiten annimmt, die einen unabhängiger werden lassen von Einkommen, Geldwert und unserem heutigem Wirtschaftssystem generell.

Wer dies nicht tut, wird mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit „Opfer der Umstände“ werden. Also bleiben Sie dran, nutzen Sie die Ideen auf dieser Seite. Und empfehlen Sie diesen Beitrag so viel wie es geht weiter!

Okt 112011
 

In vielen Ländern Nordafrikas sowie in einigen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens dominieren Krieg und Gewalt. Ein nüchterner Blick auf die Entwicklungen der vergangenen hundert Jahre zeigt, dass geopolitische Aspekte die Krisen treiben, welchen zum Teil religiöse Motive zugesprochen werden. Vieles deutet daraufhin, dass es in den kommenden Monaten zu einer Eskalation kommt, welche die gesamte Region nachhaltig verändern wird. Und dies betrifft durchaus auch Europa – nicht nur wegen des zu erwartenden Ölpreisanstiegs.

Dass das vor der Zahlungsunfähigkeit stehende Griechenland Panzer in den USA bestellt lässt ebenso aufhorchen wie die markanten Entwicklungen in der Türkei. Der türkische Ministerpräsident Erdogan hat fast die gesamte Führung des Militärs ausgetauscht und versucht, die Armee zu „islamisieren“. Zudem hat die Türkei die Beziehungen zu Israel eingefroren, droht unentwegt Syrien und führt Kampfeinsätze gegen die Kurden im Nordirak durch. Die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs versucht demnach, ihre im vergangenen Jahrhundert verlorene Vormachtstellung in der Region wieder herzustellen und sich Rohstoffe im Mittelmeer zu sichern, auf welche auch Griechenland, Ägypten und Israel Anspruch erheben.

Israel sieht sich generell zunehmend isoliert. Ägypten, langjähriger Verbündeter Israels, versinkt im Chaos und die Palästinenser finden weltweit großen Zuspruch für ihre Initiative für einen eigenen Staat. Auch im Land selbst brodelt es. Hunderttausende Israelis demonstrieren für mehr soziale Gerechtigkeit. Das gleiche Ziel, das auch schon die Marokkaner und Tunesier verfolgen und welches von der NATO als Vorwand genutzt wurde, um Libyen zu „befreien“. Dass die Franzosen als maßgeblicher Treiber des Gaddafi-Sturzes nun 35% des libyschen Erdöls erhalten, ist sicher nur Zufall.

Zwischen der Türkei und Israel liegt Syrien, das auch an den bereits „demokratisierten“ Irak angrenzt. Einer Meldung der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ria-Novosti zufolge, befindet sich ein militärisches Einschreiten in Syrien durch NATO-Kräfte bereits in Vorbereitung. Nach dem „Erfolg“ in Libyen fühlen sich demnach nicht wenige Köpfe in der längst ohne Daseinsberechtigung verweilenden NATO animiert, den nächsten Feldzug zu starten.

Zwischen Irak und Afghanistan wiederum liegt der Nachfolgestaat Persiens, Iran. Der Kandidat der US-Republikaner bei den künftigen Präsidentschaftswahlen Jon Huntsman, hat Iran jüngst mit einem Militärangriff gedroht. Auch Frankreichs Präsident Sarkozy sprach bereits von einem möglichen „Präventivschlag“ gegen den Iran. Irans Marine-Chefkommandeur hat indes angekündigt, dass sein Land Kriegsschiffe in die Nähe von US-Hoheitsgewässern entsenden will. Seit September ist das iranische Kernkraftwerk Buschehr am Netz. Der vermutlich durch Israel initiierte Cyber-Angriff mit dem Computerwurm Stuxnet konnte also nur eine Zeitverzögerung bewirken. Den Bau begleitet hat Russland, das in Übereinstimmung mit China regelmäßig Sanktionen gegen Iran sowie auch Syrien ablehnt. Auch hier ist die Interessenlage klar: Russland möchte wichtiger Öl- und Gas-Lieferant Europas bleiben, China seine Versorgung mit den Energieressourcen generell sicherstellen.

Unterhalb des dem Westen zugeneigten Saudi-Arabien, ein wahrlich undemokratischer Staat dem aber Deutschland gerne Panzer verkauft, finden sich Jemen und jenseits des Golf von Aden Somalia. In beiden Ländern führen die USA bewaffnete Drohneneinsätze durch.

Zuletzt erscheint es auch erwähnenswert, dass die USA zunehmend Pakistan ins Visier nehmen und dort einen neuen Feind aufbauen, nachdem Al-Quaida nicht mehr „zieht“ und deren Führungsfigur zu einem geeigneten Moment gefasst, ermordet und auch gleich ohne jeglichen Beweis im Meer „bestattet“ wurde. Über das Haqqani-Netzwerk in Pakistan werden wir in den kommenden Monaten sicher noch öfter hören.

Wir könnten das hier weiter vertiefen, doch soll dies entsprechenden Kennern obliegen. Wichtig zu sehen ist, dass nüchtern betrachtet längst ein Dritter Weltkrieg im Gange ist und dass es offen ist, wie dieser ausgehen wird. Derzeit scheint „der Westen“ seine Interessen durchsetzen zu können, jedoch ist es ein Unterschied, ein Land zu bombardieren oder einzelne Führer oder Wissenschaftler zu liquidieren oder aber ein solches Land tatsächlich nachhaltig effektiv zu steuern. Es könnte geradezu eine Ironie der Geschichte werden, dass die teils initiierten Aufstände eine Bewegung in Gang gebracht haben, die so nicht beabsichtigt war. Die überwiegende Mehrheit der Menschen in der Region will keine westliche Dominanz mehr und lehnt weitere „Marionetten-Regime“ ab. Der Irak fordert z.B. offen den Abzug aller US-Soldaten und verweigert ihnen Immunität. Auch im wichtigsten „Stützpunkt“ Saudi-Arabien brodelt es immer mehr. Es ist daher durchaus denkbar, dass das „Große Spiel“ dieses Mal zu unseren Ungunsten und zum Wohle der jeweiligen Völker enden wird. Dies wird die Geschichte zeigen.

Indes – um den thematischen Bezug zu unserem Blog Kaufkraftschutz herzustellen: Kriege wirken per se inflationär. Eine durchaus denkbare Eskalation im Nahen Osten könnte in den kommenden Monaten zu einem starken Anstieg des Ölpreises führen, was wiederum generell preistreibend wirken würde. Demnach könnte der strukturell deflationäre Trend schon bald durch (geo-)politische Entwicklungen überdeckt werden. Wem käme das mehr entgegen als den überschuldeten westlichen Staaten? Ein strategisch agierender und auf Kaufkraftschutz abzielender Investor sollte einen Blick auf die Öl- und Gas-Werte werfen, welche im Idealfall nicht gerade ihre Schwerpunkte in der genannten Region haben. Und auch Hersteller von E-Fahrzeugen dürften profitieren.

Aug 102011
 

Am 24. Juni publizierten wir einen Beitrag hier als auch im goldseiten-Blog, welcher zu einer Welle an Empörung und Anfeindungen führte. Wir erklärten, dass Gold vor einem Crash und der Dollar vor einer Rally stehe, was vielen angesichts der Euro-Krise, Quantitative Easing und ausufernder Staatsverschuldung undenkbar erscheint.

Inzwischen hat die Dollar-Rally begonnen – wie erwartet zunächst gegen die Rohstoff-Währungen Australischer und Kanadischer Dollar. Gegen den Euro blieb der US-Dollar in etwa auf dem gleichen Niveau, gegen den Schweizer Franken und den Japanischen Yen hat er massiv verloren. Wir gehen davon aus, dass in Kürze der US-Dollar auch gegen diese Währungen zu steigen beginnen wird.

Als die US-Zentralbank gestern erklärte, der Leitzins werde noch bis „mindestens Mitte 2013 extrem niedrig bleiben“, stiegen die Aktienbörsen markant nach oben. Nicht wenige Marktkommentatoren sehen durch die dauerhaft niedrigen Zinsen Inflation heraufziehen, was die Aktienmärkte unterstützen sollte. Interessanter war indes die Reaktion der Anleihen-Märkte, denn was diese mitteilten, deutet eher auf eine deflationäre Depression hin: Die Renditen fielen auf ein noch tieferes Niveau als vor dem jüngsten Aktiencrash (die Grafik zeigt die Renditen der 5-jähringen US-Bonds): Quelle: istockanalyst.com

Es mag sein, dass dies auch in Antizipation eines neuerlichen Quantitative Easing geschah, doch wenn man sich die Entwicklungen der letzten Jahre anschaut, so kommt man nicht umher zu erkennen, dass vieles einem Déjà-vu gleicht. Wir haben das alles schon mal gesehen: in Japan.

Auch die Intraday-Bewegung des Goldes (rote Linie im folgenden Chart) war interessant. Erst schoss es massiv nach oben, fiel dann jedoch wieder deutlich ab. Nach der Ankündigung der Fed ging es erneut massiv nach oben und dann ebenso schnell wieder runter. Wir sehen hierin keine Marktintervention, wie dies regelmäßig von Gold Bugs postuliert wird. Vielmehr haben wir gestern über den ganzen Tag massive Distribution gesehen. Gold wanderte von den großen strategischen Playern in die Hände der „Schafe“.Quelle: kitco.com

Zugegeben: entgegen unserer Erwartung hat der Goldpreis nochmals einen beeindruckenden Spike geschafft und legte seit unserem ersten Beitrag deutlich zu. Eine Warnung indes sollte immer etwas früher erfolgen und niemand sollte ernsthaft glauben, dass man Märkte dauerhaft richtig timen kann – insbesondere nicht, wenn die Entscheidungen von Politikern immer marktrelevanter werden.

Wir bekräftigen unsere These und mahnen bei den vermeintlich sicheren Häfen wie Gold oder Schweizer Franken zur Vorsicht. Wir haben jüngst den Auftakt gesehen zu einer deflationären Entwicklung, die sich – wie von der Fed richtig antizipiert – bis ins Jahr 2013 ziehen dürfte. Schon Mitte April schrieben wir in unserem Beitrag „Blase bei den Inflationserwartungen“: „Zur Vorsicht mahnen überdies der Kress-Zyklus sowie – wenngleich für Skeptiker womöglich weniger überzeugend – die Sonnenaktivität. Relativ übereinstimmend deuten beide Signale auf ein Hoch in 2011 und den Übergang in eine deflationäre Phase hin, die bis 2014 anhalten soll.“

Inflation gibt es derzeit vor allem in China, doch auch diese wird bald zurückgehen. Auch China steht vor einer „Wachstumsschwäche“. Die Märkte antizipieren bereits die heraufziehende Deflation. Nur Gold tut dies nicht. Noch nicht.

Jul 222011
 

DB Research hat eine sehr interessante Präsentation zur Staatsverschuldung veröffentlicht. Die Abhängigkeit von ausländischen Gläubigern war schon immer Auslöser von Schuldenkrisen. Dies ist auch ein wesentlicher Grund, warum es in Japan bisher eben nicht zu einer solchen kam. Dies veranschaulicht sehr schön diese Übersicht:

Quelle: DB Research

Die „Risiko-Matrix für die Staatsverschuldung“ auf Seite 10 zeigt, warum der Schweizer Franken als Fluchtwährung weiterhin erste Wahl ist. Auch lässt die Übersicht den Schluss zu, dass in Europa Belgien negativ in den Fokus rücken könnte, zumal das Land seit über einem Jahr in einer politischen Krise steckt und somit nahezu handlungsunfähig ist.

Auch die Prognose eines sehr langsam aber steigenden Realzinses in den Industrieländern (Seite 14) bis 2020 lässt aufhorchen, denn sollte dies so kommen, dürften die Edelmetalle nicht mehr viel Preissteigerungspotenzial haben. Dies steht in krassem Gegensatz zum aktuellen Sentiment.
Quelle: DB Research

Unbedingt anzuschauen ist auch Seite 18, auf der ein „Schock-Szenario“ dargestellt ist: Wohin gehen die Schuldenquoten, wenn die Zinsen stärker als erwartet steigen? Es würde primär die bereits bekannten „Verdächtigen“ treffen: Griechenland, Portugal, Irland und Italien. Aber auch für die USA würde dies eine markante Sonderbelastung darstellen.

Ein wichtiges Ergebnis der Analyse: „Ein Schuldenabbau auf ein dauerhaft tragfähigeres Niveau ist derzeit (noch) in weiter Ferne“.

Die kommenden Jahre werden demnach in allen westlichen Ländern gekennzeichnet sein durch harte Sparmaßnahmen („Deleveraging“) und steigende Steuern und Abgaben, was klar deflationär wirkt. Wie Griechenland jedoch gezeigt hat, lassen sich derartige Anstrengungen nur bedingt in Demokratien umsetzen. Das Thema Staatspleite wird uns daher vermutlich dauerhaft erhalten bleiben. Und auch der Unmut in den Bevölkerungen wird weiter zunehmen. Das große Risiko ist, dass aus dieser Kombination etwas erwächst, was sich historisch in ähnlichen Phasen immer wieder gezeigt hat: eine Tendenz zu externen und internen Kriegen.

Jul 202011
 

Es scheint, als gäbe es in der Finanz- und Wirtschaftspresse nur diese eine Frage. Beide Lager, Inflationisten und Deflationisten bombardieren sich regelrecht mit Fakten und Argumenten, die ihr Szenario zu untermauern versuchen. Und in der Tat, beide Seiten wissen gute Aspekte ins Feld zu führen:

Die Inflations-Prediger führen zunächst das gigantische Aufblähen der Geldbasis an und sehen die anziehenden Verbraucherpreise vor allem als Symptom dieser Geldmengenaufblähung. Bis dato hat die Liquiditätsflut nur zu Asset Price Inflation geführt, speziell bei Aktien, Rohstoffen und Edelmetallen. Nun durchläuft sie sukzessive in Form von steigenden Rohstoffkosten ihren Weg durch die gesamte Wertschöpfungskette, sodass in Folge, so die Inflations-Prediger, jetzt die Konsumentenpreise schon wieder ansteigen. Und dann sorgen auch noch die Schwellenländer, allen voran China und Indien, für zusätzlichen Preisauftrieb. Daher befinden sich auch die Notenbanken in einer Zwickmühle: sie können sich keinen restriktiven Kurs erlauben, da viele Nationen unter ihrer enormen Schuldenlast leiden. Insofern sei auch kein Ende der geldpolitischen Lockerung möglich.

Fazit Inflation:  Ausgeuferte Geldmenge, steigende Lebensmittel- und Rohstoffpreise, verstärkte Asset-Blasen.

Indes, auch die Deflations-Prediger wissen sich zu wehren. Zunächst führe eine lockere Geldpolitik nicht automatisch zu höheren Inflationsraten – das beste Beispiel hierfür ist der Inbegriff der Deflation, Japan! Zudem funktioniert in den entwickelten Märkten der Geldfluss immer noch nicht ordentlich und der Schuldenabbau und die starke Orientierung auf Liquidität bei Geschäftsbanken (z.B. hinterlegtes Rekordvolumen von Banken bei Zentralbanken) signalisieren, dass die lockere Zinspolitik der Notenbanken nicht in Kreditwachstum umgesetzt wird. Und nein, auch eine Überhitzung der Schwellenländer bedeute nicht automatisch Anziehen der Inflation, zumal die Auslastung des Produktivvermögens immer noch auf Vorkrisenniveau rangiere; insofern auch kein steigender Preis- und Lohndruck aufkomme. Höhere Lebensmittel- und Energiepreise verringern sogar eher die verfügbaren Realeinkommen, da Privathaushalte ihre Einkommen naturgemäß nicht in gleichem Maße anheben können; dieser kontinuierliche Kaufkraftverlust verstärkt im Gegenteil sogar die Risiken einer Konjunkturabkühlung, was eher deflationär wirkt. Bis dato sieht man einen verhaltenen Anstieg von Löhnen und Gehältern in etablierten Industrienationen. Ein schwacher Arbeitsmarkt speziell in den USA mit einer Anzahl Langzeitarbeitslose auf Rekordniveau paart sich trotz vermeintlich grandiosem Arbeitsmarkt mit fallenden Reallöhnen seit über zehn Jahren in Deutschland. Und dann auch noch der negative Realzins, der oftmals, wenn auch zeitversetzt um ein Jahr, ein Hinweis für sinkende BIP-Wachstumsraten ist.

Fazit Deflation:  nach wie vor starke Lohnzurückhaltung, erhöhte Kreditausfälle sowie eine weiter sinkende Umlaufgeschwindigkeit.

Es erscheint wirklich sehr komplex, sich ein klares Bild zu machen, ob wir nun eher in Richtung Deflation oder eher in Richtung Inflation steuern. Und man kann es auch noch weiter verkomplizieren: Selbst wenn die Inflationsrate im Euro-Raum länger über 2% liegen sollte, von Mai 2000 bis Mai 2006 lag sie de facto fast ständig über dem EZB-Zielkorridor von 2%, wenn auch nur marginal. Das ist aber nicht automatisch mit Zinserhöhungen einhergegangen. Also ist das Zinsrisiko vielleicht doch nicht so hoch? Und hüten Sie sich vor Ihren Emotionen: die „gefühlte Inflation“ wird in beide Richtungen zu stark wahrgenommen, so eine Untersuchung der UniCredit Bank über den Zeitraum 01.03.1992 bis 01.03.2011.

Und, wissen Sie jetzt, was uns in den kommenden Jahren erwartet? Nein? Letztlich gibt es nur ein paar „Regeln“, die sich vor Augen führen sollten:

  1. Es gibt keine 100%ige Sicherheit, egal wer was sagt.
  2. Suchen Sie aus der Vielfalt der Argumente die Prämissen, die Ihnen am plausibelsten erscheinen.
  3. Vermeiden Sie so weit wie möglich Verluste.
  4. Beachten Sie die Kosten (bedenken Sie indes: alle Anlagen kosten Geld).
  5. ENTSCHEIDEND: streuen Sie Ihre Anlagen und Ihren Vermögensaufbau so breit wie möglich. Denn Sie wissen eben nicht, was die Zukunft bringt!
Jun 242011
 

Schuldenkrise in Griechenland, Spanien und Italien als nächste Domino-Steine. Diskussionen über Ausgabenkürzungen in den USA, wirtschaftliche Abkühlung in China, Prognosekürzungen der US-Notenbank. Wo liegt der gemeinsame Nenner dieser Meldungen und Vorgänge? Die einfache Antwort: Deflation. Und mit dem Auslaufen des Quantitative Easing in den USA fällt zudem ein psychologischer Treiber des „Inflations-Trades“ weg.

Wir hatten schon vor Wochen gewarnt, dass sich eine Blase bei den Inflationserwartungen (http://www.kaufkraftschutz.de/blase-bei-den-inflationserwartungen/114) gebildet haben könnte. Nun platzt diese Blase mit zunehmender Dynamik und wir dürften abermals in das Gegenteil kippen: Angst vor Deflation. Dabei dürfte China eine nicht unwesentliche Rolle einnehmen, wo sich insbesondere im Bau-Sektor eine unnachhaltige Entwicklung zeigt. Markantes Beispiel: die „Geister-Stadt“ Kangbashi:

Ein Baustein, der dies noch nicht reflektiert ist Gold (1 Unze kostet aktuell 1.521 US-Dollar). Was uns „zuversichtlich“ stimmt, dass das Gold ein Topp ausgebildet hat ist, dass zuletzt zunehmend  Notenbanken als Käufer auftraten, die sich historisch als prozyklische Akteure gezeigt haben. Ferner, dass Gold angesichts der zahlreichen „dramatischen Meldungen“ in der Presse auffällig schwach war und nicht – wie zu erwarten gewesen wäre – dynamisch neue Hochs erzielen konnte. Und zuletzt, dass die Minenaktien schon länger eine Schwächephase antizipieren (negative Divergenz).

Wir erwarten bei Gold in Kürze einen ersten markanten Einbruch auf etwa 1.400 US-Dollar, dem ein weiterer schneller Rutsch auf ca. 1.200 US-Dollar folgen wird. Danach dürfte eine längere Seitswärtsbewegung folgen.

„Gewinner“ der nächsten Monate dürfte der US-Dollar sein, denn es wird ins allgemeine Bewusstsein rücken, dass das Quantitative Easing de facto „nur“ eine psychologische, aber keine direkt inflationäre Wirkung hat. Zudem gibt es kaum eine Anlage-Alternative. Euro und Yen weisen strukturelle Schwächen auf, Schweizer Franken und andere „gesundere Währungen“ sind inzwischen schlichtweg überbewertet. Der US-Dollar-Index scheint einen Boden gebildet zu haben. Ein Kaufsignal wird aktiviert, sobald er über 76 Punkte steigt. Eine Aufwertung deutet sich insbesondere gegen den Australischen Dollar an, doch auch andere Währungen dürften gegen den US-Dollar verlieren.

Ergo: Ja, Gold steht vor einem Einbruch, der US-Dollar vor einer Rallye.

Jun 152011
 

Der Median des Preises von Einfamilienhäusern in den USA in Gold nähert sich den Tiefs von 1980. Aktuell kann man demnach ungefähr für 106 Unzen Gold ein Einfamilienhaus in den USA erwerben. 2001 waren dazu noch 601 Unzen nötig. In Gold ist ein solches Haus also heute 80% günstiger.

Quelle: chartoftheday.com

Auch wenn inzwischen Preis-Ziele für Gold von 5.000 USD und mehr genannt werden, ist dennoch immer rational abzuwägen, wo das eigene Geld sinnvoller platziert ist. Bei allen Diskussionen über Inflation und Geldentwertung ist zu beachten, dass es Aspekte gibt, die kaum allgemein monetär bewertet werden können. Ein solcher Aspekt ist der Nutzwert. Abgesehen von der Verwendung als Schmuck, Zahnfüllung oder zur Dekoration weist Gold nur einen geringen Nutzwert auf. Selbst eine Zahlungsmittelfunktion ist heute recht fraglich. Daher mutet es auch teils fast schon zynisch an, dass mit großen Anstrengungen Gold aus dem Boden gewonnen wird, nur um es dann nach der Förderung und dem Gießen zu Barren wieder in den Boden – in Tresoren – zu lagern.

Gold ist durch seine Historie, Schönheit und sein begrenztes Vorkommen wertvoll und insbesondere in Zeiten negativer Realzinsen ein ausgezeichneter Kaufkraftschutz. Aber es ist mitnichten ein Wert an sich. Es tut nichts, es wächst nicht, es erschafft nichts. Gold ist eher ein Spiegel des Zustands des Geld- und Wirtschaftssystems. Es ermöglicht, Kaufkraft über Raum (Ländergrenzen) und Zeit zu erhalten. Aber natürlich braucht man auch einen Ort zum leben. Und „gefühlt“ scheint dies wertvoller zu sein als den Nutzen, den Gold stiftet.

Nicht wenige Investoren erwarten, dass die Dow/Gold-Ratio, also der Dow Jones bewertet in Gold auf 1 fallen wird. Dies mag sein, wir würden jedoch nicht darauf wetten. Auf jeden Fall würden wir bei Erreichen einer solchen Bewertung alles Gold verkaufen und dafür Aktien kaufen. Und auch bei Einfamilienhäusern rückt – zumindest in den USA – nun der Zeitpunkt sehr nahe, wo sich eine Familie mit Ersparnissen und halbwegs sicherem Einkommen fragen muss, ob das Geld nicht besser im eigenen Haus als in Gold investiert ist. Wir möchten jedoch nochmals daran erinnern: eine Immobilie allein als Inflationsschutz zu kaufen ist womöglich keine gute Idee.

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