Apr 022015
 

Island plant einen geradezu revolutionären Schritt: man möchte sich vom Mindestreserve-System abwenden. Das würde bedeuten, dass nicht mehr die Geschäftsbanken „Geld aus dem Nichts erschaffen“ (Fiat Money), sondern künftig nur noch die Zentralbank. Als Hintergrund lesen Sie bitte noch mal meinen Beitrag „Die absehbare Krise des Fiat Money“ aus dem Jahr 2003. Wichtig zu wissen ist, dass in unserem heutigen Kreditgeldsystem die Notenbanken tatsächlich nur die physischen Geldscheine und Münzen „erschaffen“, Kredit jedoch von den Geschäftsbanken erzeugt wird.

Nach einer Studie von vier isländischen Zentralbänkern erlebte das Land seit 1875 über 20 Finanzkrisen mit sechs wirklich ernsten Krisen alle 15 Jahre. Jedes mal entstanden die Probleme durch ausufernde Kredite in starken Wirtschaftszyklen. Dem möchte man nun begegnen und den Geschäftsbanken die Macht über die Geldschöpfung entziehen.

Stattdessen soll ein von der Regierung unabhängiger Ausschuss entscheiden, ob neues Geld geschöpft wird oder nicht. Er soll indes nicht darüber entscheiden können, was mit dem Geld geschieht. Über die Allokation soll demokratisch im Parlament entschieden werden.

Nach meiner bescheidenen Meinung ist der Vorschlag eine Sensation und könnte in den nächsten Monaten noch „einiges an Wellen schlagen“. So klein Island sein mag: „Auch der längste Marsch beginnt mit dem ersten Schritt“ (Laotse). Die Isländer wagen als erste die Systemfrage ernsthaft nicht nur zu diskutieren, sondern womöglich gar einen tatsächlichen Wechsel zu vollziehen. Daher möchte ich den Beitrag anreichern mit einem weiteren Zitat, in diesem Fall von Victor Hugo:

„Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“

Auch in den USA wird seit geraumer Zeit die Idee diskutiert, das Federal Reserve System abzuschaffen („End the Fed“). Erleben wir hier gerade den Beginn einer Revolution unseres Geldsystems?

Jan 152015
 

Die Schweizer Nationalbank (SNB) hat überraschend ihren Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro aufgehoben und die Zinsen gesenkt. Das Währungspaar EUR/CHF bricht dramatisch ein – zwischenzeitlich um über 25%! Dieser Schritt wird zahlreiche Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt haben und dürfte – wie so häufig in den letzten Jahren – diverse Schieflagen erzeugen.

Damit hat die SNB meiner Einschätzung nach die Büchse der Pandora geöffnet. Wie im Beitrag „Die Schweiz steuert auf eine Finanzkrise zu“ dargestellt, ist sie ein unglaublich hohes Fremdwährungsrisiko eingegangen, das jetzt voll zum tragen kommt.

Für heute ist mit Stützungskäufen zu rechnen. Doch wie viele Marktteilnehmer dürften noch immer im Schweizer Franken Schulden halten, die im Euro-Raum investiert sind? Das gilt insbesondere auch für die SNB selbst.

Ich denke, dass die SNB den Schweizer Franken mit dem exorbitanten Quantitative Easing nachhaltig geschwächt und in geradezu unverantwortlicher Weise das Schweizer Finanzsystem einem systemischen Risiko ausgesetzt hat. Die Folgen wird man meines Erachtens in zwei bis drei Jahren erst wirklich erkennen.

Das ist das Ende des Finanzplatz Schweiz wie wir ihn über Dekaden kannten. Ich wiederhole aus meinem letzten Blog-Beitrag:

„Insofern warne ich hiermit eindringlich und meiner Kenntnis nach bisher als einziger Marktstratege explizit vor Investments jeglicher Art in der Schweiz.“

Heute fällt der Schweizer Aktienmarkt um fast 10%. Sie waren und sind gewarnt. Die Schweiz ist kein sicherer Hafen mehr – im Gegenteil.

Dez 012014
 

Nein, es ist kein Fehler in der Überschrift. Wie oftmals hier erläutert rechne ich fest damit, dass Japan im Ruin enden und die Euro-Zone letztlich aufbrechen wird, doch schon früher – voraussichtlich irgendwann im kommenden Jahr – wird in der Schweiz eine Finanzkrise beginnen, aus der sich gar eine Wirtschaftskrise entwickeln könnte.

Ich rechne damit, dass die Schweizer Nationalbank (SNB) gezwungen sein wird, die Zinsen anzuheben, um der sich entwickelnden Immobilienpreisblase entgegen zu wirken. Die Schweiz hat inzwischen Hypothekendarlehen in Höhe von 140% des BIP ausstehend! Mit Zürich, Genf und Bern sind drei Schweizer Städte unter den Top zehn der teuersten Städte weltweit vertreten. Selbst wenn die Schweiz ein schönes, friedliches und politisch stabiles Land sein mag: eine solche Bewertung erscheint überzogen und der Verschuldungsgrad ist besorgniserregend.

Die SNB hat sich dazu verpflichtet, den Schweizer Franken gegen den Euro nicht weiter als auf 1,20 CHF aufwerten zu lassen und kauft daher seit September 2011 in immensem Umfang Euro auf und investiert dazu in europäische Anleihen und Aktien. Dadurch hat sich die SNB Bilanz inzwischen auf ein nicht nachhaltiges Niveau von über 80% des Bruttoinlandsprodukts aufgebläht.

snb_assets_1997-2014

Wird die SNB gezwungen, die Zinsen anzuheben, wird sie die Währungsanbindung an den Euro kaum aufrecht erhalten können. Ich vermute, dass dann viele Carry Trades aufgelöst werden, was zu deutlich höherer Volatilität an den europäischen Finanzmärkten führen könnte. Noch wesentlicher erscheint mir aber, dass damit für die SNB gewaltige Verluste in ihren Vermögenswerten entstehen könnten. Denn anders als die japanische Notenbank, die mit ihrem extremen Quantitative Easing derzeit im Fokus steht, trägt die SNB Fremdwährungsrisiken. Eine neue Euro-Krise würde die SNB entsprechend in erheblichem Ausmaß belasten. Ich vermute, dass es dann als spätere Folge sogar  zu einem Ergebnis kommen könnte, dass derzeit überhaupt niemand auf dem Schirm hat: Kapitalflucht aus dem Schweizer Franken!

Noch sind wir nicht da und es ist zugegebenermaßen ein gewagtes Szenario. Doch auf einer Website wie kaufkraftschutz.de müssen wir genau solche Überlegungen anstellen. Sollte es tatsächlich zu einer Kapitalflucht aus der Schweiz kommen, hätte dies das Potenzial, das Land in eine nicht mehr selbst zu beherrschende Wirtschaftskrise zu führen. Und die oben beschriebe Immobilienpreisblase könnte dann recht zügig „Luft ablassen“, was wiederum ein Desaster für die finanzierenden Banken wäre.

Insofern warne ich hiermit eindringlich und meiner Kenntnis nach bisher als einziger Marktstratege explizit vor Investments jeglicher Art in der Schweiz.Die SNB hat sich zu einem „Hedgefonds mit einem sehr einseitigen Trade“ entwickelt. Geht dieser schief, könnte selbst dieses scheinbar so stabile Land eine ungeahnte Finanzkrise erleben – noch vor Japan…

Jan 242014
 

Auf die Anzeichen einer Blasenbildung in China habe ich frühzeitig und mehrfach hingewiesen und eine chinesische Wirtschafts- und Finanzkrise angekündigt. Im Sommer 2013 kam es aus meiner Sicht zum „Knacks“, als die Zinsen im Interbankenmarkt besorgniserregende Höhen erreichten. Ähnliches geschah erneut im Dezember. Natürlich ist jeweils sofort die chinesische Notenbank eingesprungen und hat die Banken mit Liquidität versorgt, doch die fundamentalen Schieflagen können so nicht behoben werden. Der chinesische Immobilienexperte Niu Dao schrieb in seinem Blog: „Wenn man im Jahr 2008 einen Yuan investierte, konnten dafür 1,4 Yuan Bruttoinlandsprodukt (BIP) erzeugt werden. Investierte man im Jahr 2013 einen Yuan, bekam man nur noch 0,5 Yuan an BIP.“

Ironischerweise könnte das Tapering der Fed die chinesische Misere noch verstärken, da somit noch weniger ausländisches Kapital nach China fließt. Auch die Erwägungen zur Einführung einer Tobin-Steuer könnten den Kapitalzufluss aus dem Ausland erheblich bremsen. Nicht wenige Strategen befürchten daher einen unmittelbar bevorstehenden neuerlichen „Lehman-Brothers-Moment“.

Auch wenn ich dies nicht ausschließen kann, so habe ich doch dein Eindruck, dass es noch zu früh ist, um schon den großen Crash auszurufen. Wenn Sie im Web nach „China Finanzkrise“ suchen, finden Sie bereits immens viele Artikel dazu. Ein Thema, das bereits so präsent ist, verliert schnell seine Wirkung. Womöglich kommt es zu einer neuen konzertierten Aktion der Notenbanken. Und vergessen Sie nicht: Mit 3,82 Billionen US-Dollar besitzt China die weltweit größten Devisenreserven. Damit lässt sich einiges „gestalten“.

Was jedoch kaum aufzuhalten sein wird ist eine langjährige Rezession in China und ich denke, das diese bereits begonnen hat. IBM meldete jüngst einen Rückgang der Umsätze in China von 23%, was keiner weiteren Kommentierung bedarf. Der Einkaufsmanagerindex von Markit und HSBC ist wieder unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten gefallen. Ich denke, dass wir uns daran gewöhnen sollten.

China wird sicherlich den Bankensektor auffangen können, doch eben nicht das ausgeprägte Schattenbankensystem. Jeder Boom kommt zu einem Ende. Die chinesische Wirtschaft ist 20 Jahre lang jedes Jahr stark gewachsen. Nun folgt die Stagnation. Ich denke indes nicht, dass wir es zeitnah mit einer „Explosion“ zu tun haben werden. Die Chinesen werden versuchen, eine „Anpassungskrise“ zu steuern. Und die Leidtragenden werden nicht nur die eigenen Bürger sein. Brasilien, Kanada, Australien und natürlich auch Deutschland werden die chinesische Rezession erheblich zu spüren bekommen.

Jul 252013
 

Zu diesem markanten Schluss kommen Marco Lombardi und Francesco Ravazzolo in ihrem Arbeitspapier „Zur Korrelation von Rohstoff- und Aktienrenditen“, das am 11. Juli 2013 auf der Website der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) veröffentlicht wurde. Demnach können zwar höhere Renditen erreicht werden, wenn Aktien auch Rohstoffe im Portfolio beigefügt werden (und die Portfoliomanager die Entwicklung beider Anlageklassen richtig einschätzen), doch dadurch wird auch die Volatilität des Portfolios erheblich erhöht und nicht immer wird eine höhere Sharpe-Ratio erreicht.

Ich hatte bereits vor einigen Wochen in Frage gestellt, ob man wirklich Rohstoffe im Portfolio braucht. Es gibt jedoch einen wichtigen Satz in der Studie, der nicht verschwiegen werden sollte: „Dieses Arbeitspapier hat gezeigt, dass die Korrelation zwischen Rohstoff- und Aktienrenditen seit dem Ausbruch der Finanzkrise substanziell gestiegen ist.“

Dieser Satz ist meines Erachtens deshalb so wichtig, weil er darauf hindeutet, dass die „Geldschwemme“ der Notenbanken, die durchaus den Charakter einer Liquiditätsblase annimmt, frühere Marktsignale und Korrelationen – zumindest temporär – außer Kraft setzt. Salopp gesagt: „Die Flut hebt alle Boote“, Rohstoffe sind inzwischen stark „financialized“, also mehr Finanzinstrument als Wirtschaftsgut. Entsprechend ist auch ein Szenario in der Zukunft denkbar, wonach alle Boote gleichzeitig sinken, wir also einen deflationären Crash hinsichtlich aller Anlageklassen erleben könnten – ähnlich wie 2008, nur dass dieses Mal womöglich auch Anleihen betroffen wären. Dazu muss es natürlich nicht kommen, aber es erscheint vernünftig, dieses Szenario im Hinterkopf zu halten.

Persönlich denke ich, dass Rohstoffe als Input-Faktor in der Produktion generell einem gewissen langfristigen deflationären Trend unterliegen, einfach weil es einen permanenten Anreiz zur Substitution und Einsatz-Optimierung gibt. Natürlich kann man plausibel argumentieren, dass Rohstoffe wie Öl und Gas, die faktisch verbraucht und nicht recycelt werden können, längerfristig teurer werden müssen. Doch auch hier bin ich geneigt zur These, dass die Märkte dies regulieren werden. Ich kann mir durchaus ein Szenario in einigen Dekaden vorstellen, in dem sich jeder Haushalt über Solarenergie seinen eigenen Strom produziert und Fahrzeuge sowie Heizungen ausschließlich mit elektrischer Energie betrieben werden.

Insofern bin ich weiterhin der Ansicht, dass Rohstoffe allgemein kein sinnvoller langfristiger Depotbaustein sind, doch dass es durchaus Sinn machen kann, spezifische Rohstoffe ins Portfolio aufzunehmen, wenn sich eine markante relative Unterbewertung zu anderen Anlageklassen ergibt – so wie es zur Jahrtausendwende der Fall war. In einem Zeitfenster von drei bis fünf Jahren können auch strukturelle Marktungleichgewichte bzw. kurzfristige Versorgungsengpässe Chancen bieten. So sehe ich zum Beispiel durchaus ansprechende Chancen bei Uran und Kaffee. Doch dies hat klar spekulativen Charakter  und erfordert ein aktives Management statt einer passiven Kaufen-und-Halten-Strategie mittels eines Indexproduktes.

Abschließend noch eine gewagte These: ich halte es für durchaus denkbar, dass die Menschheit binnen eines Jahrhunderts nahezu alle Rohstoffe – selbst Gold und Silber – synthetisch herstellen kann. Wir werden also zu Alchemisten. :-) Ob das wirtschaftlich sinnvoll sein wird, ist indes eine andere Frage…

Jun 112013
 
china_flagge

Am 21.07.2011 schrieb ich im Kontext der Euro-Krise: „Es könnte jedoch sein, dass sich nun der „Sorgen-Fokus“ nach Asien und Australien verschieben wird. Womöglich kommt das Thema Schuldenkrise in Japan zu neuer Blüte. Oder aber China mit seinem Schatten-Banken-System und seiner immensen Fehl-Allokation im Bau-Sektor rückt näher in den Fokus. Eng mit der Entwicklung Chinas verknüpft ist auch das Schicksal Australiens, wo sich ebenfalls eine gewaltige Immobilien-Blase gebildet hat.“

Genau dies ist geschehen. Die Wirtschaft Australiens schwächelt, die Immobilienpreise haben gedreht. Und auch das hier bereits frühzeitig behandelte Thema Schuldenkrise in Japan beherrscht inzwischen die Schlagzeilen und ich denke, dass Japan nach einer kurzen Scheinblüte im Ruin enden wird. Als wäre das nicht genug, wird die eigentliche Krise jedoch jene Chinas sein, welche die globale Wirtschaft in die Depression mitreißen wird.

In meinen Beiträgen „So sehen Blasen aus! China vor einer Krise“, „Ein erschütterndes Video aus China“ und „Die chinesische Immobilienblase wird zur Depression führen“ habe ich Ihnen bereits einige markante sozioökonomische Entwicklungen vorgestellt. Nun findet sich weiteres Indiz:

„Wellenreiter Invest“ hatte in einem Beitrag auf einen interessanten Zusammenhang zwischen dem Bau gewaltiger Wolkenkratzer und der Wirtschaftslage hingewiesen: „Die Jagd nach Höhenweltrekorden folgt einem Normalschema. Baubeginn ist in der Regel in einer bullischen oder gar euphorischen Aktienmarktphase, die Fertigstellung erfolgt fast ausschließlich in einer Phase wirtschaftlicher Rezession oder gar Depression.“ Zu einem ähnlichen Schluss kam die Barclays Bank: Wo Gebäude immer höher in den Himmel wachsen, folge meist der finanzielle Crash.

In China wurde nun die Genehmigung für den Bau des größten Gebäudes der Welt „Sky City“ erteilt. Besonders bemerkenswert hierbei ist, dass der Bau binnen 90 Tagen (!) erfolgen soll. Man fühlt sich schon ein wenig an den Turmbau zu Babel und menschlichen Übermut erinnert. Das aktuell höchste Gebäude („Burj Khalifa“) findet sich übrigens in Dubai und konnte Anfang 2010 nur fertigstellt werden, weil Abu Dhabi eine finanzielle Notunterstützung leistete…

Nun befindet sich China schon seit Monaten in einem „Wachstumsabwärtstrend“ und gab auch gestern wieder schwache Wirtschaftsdaten bekannt. Es ist also nicht so, dass der Bau dieses Gebäudes aus überschwänglicher Euphorie heraus geboren wird. Dennoch denke ich, dass dieses Vorhaben etwas über China und das Denken dort aussagt, was sich auch generell im exorbitanten Bau-Boom der vergangenen Jahre zeigt. Es gelingt der chinesischen Staatsführung indes weiterhin nicht, die Preisblasen einzudämmen, die sich im Immobiliensektor in vielen Regionen gebildet haben.

Unterschwellig braut sich hier ein Sturm zusammen, der meiner Einschätzung nach binnen zwei bis drei Jahren offen ausbrechen wird: eine gewaltige Wirtschafts- und Finanzkrise, die auch das globale Finanzsystem erschüttern und womöglich sogar den Zusammenbruch der Euro-Zone begleiten könnte.

Wie komme ich zu dieser extrem pessimistischen Einschätzung?

Nun, es ist ein Zusammenspiel zahlreicher Faktoren. So liegen inzwischen die Löhne im Süden Chinas in etwa auf dem Niveau Mexikos, was bedeutet, dass für viele US-Unternehmen die Produktion in China nicht mehr so rentabel ist. Hinzu kommt, dass die Masse der Chinesen weiterhin Arbeiten ausführt, die „anfällig“ dafür sind, durch Roboter ersetzt zu werden. Foxconn, der Hersteller des iPhone & Co., hatte zum Beispiel Endes des vergangenen Jahres angekündigt, bis zu eine Millionen Arbeiter durch Roboter zu ersetzen. Das sind also durchaus relevante Zahlen und ich nehme an, dass auch China immer mehr Probleme bekommen wird, seine Menschen in Beschäftigung zu halten. Und dies, obwohl sich auch in China ab 2015 der demografische Wandel bemerkbar machen wird.

Genau in der Demografie liegt das nächste große Problem. Da es einen klaren Zusammenhang zwischen Lebensabschnitt und Konsumfreude gibt, sollte die Binnenwirtschaft – die China gerade versucht zu stärken – strukturell bedingt in den nächsten Jahren eher sogar schwächer werden. Auch eine Untersuchung des US-Ökonom Barry Eichengreen spricht dafür, dass sich das Wachstum in China ab 2014 dauerhaft verringern wird, denn dann erreicht das Land ein Niveau beim Pro-Kopf-Einkommen, ab dem in anderen wirtschaftlich aufstrebenden Ländern regelmäßig schwächeres Wachstum folgte.

Ein weiterer neuer Aspekt ist die Abwertung des Yen, wodurch Japan gewissermaßen Deflation in andere Länder exportiert. Da jüngst zudem der chinesische Yuan gegen den US-Dollar aufwertet, sollten die chinesischen Unternehmen auch diesen Währungseffekt schon bald deutlich negativ spüren. Und dies zu einer Zeit, wo ohnehin wichtige Absatzmärkte Chinas schwächeln.

Der zentrale Aspekt ist jedoch die immense Kreditblase, die sich in Chinas Schattenbankensystem (Treuhandfonds, „Vermögensverwaltungen“, Finanzierungsvehikel kommunaler Regierungen) gebildet hat und womöglich schon in wenigen Monaten ihre ersten Opfer finden wird. Denn „viele Produkte die gegenwärtig angeboten werden, gleichen den forderungsbesicherten Schuldverschreibungen (CDO), die in den USA vor der Finanzkrise angeboten wurden – wenngleich ohne Aufsicht und Überwachung“ schrieb die Crédit Suisse in einer Analyse.

Genau letzteres macht die Situation besonders kritisch, da selbst die chinesischen Behörden nicht wissen, wie groß die Schieflagen im Schattenbankensystem sind. Die Crédit Suisse schätzt den Umfang der informellen Kreditvergabe im vergangenen Jahr auf gigantische 22,8 Billionen Yuan, umgerechnet 2,8 Billionen Euro, oder 44% der Wirtschaftsleistung Chinas!

Die gesamte Kreditvergabe in China lag nach Schätzung von Charlene Chu von Fitch Ratings im vergangenen Jahr bei 198% des BIP nach 126% im Jahr 2011. Chinesische Banken steigern ihre Assets binnen 5 Jahren um die Größe des gesamten US-Bankensystems! Sie können sich demnach vorstellen, dass hier etwas nicht stimmen kann und die Assets in nicht allzuferner Zukunft neu bewertet werden müssen – mit der wahrscheinlichen Folge, dass das chinesische Bankensystem in eine Situation geraten wird, wie wir sie 2008/2009 in den USA gesehen haben.

Wie Chu weiter ausführt, gibt es keinen Ausweg, da das Kreditvolumen doppelt so hoch ist wie die Wirtschaftsleistung und doppelt so schnell wächst. Und ein schneller Sprung der Verschuldung relativ zum BIP ging regelmäßig Finanzkrisen voraus. Wenn Sie dann die oben beschriebenen Aspekte bedenken und sich klar machen, dass ein BIP, das zu fast 70% durch Bau- und Infrastrukturprojekte getragen ist, ohnehin niemals nachhaltig sein kann, so dürften Sie verstehen, warum ich eine ernste Wirtschafts- und Finanzkrise in China erwarte.

Wir werden in den nächsten Monaten immer öfter von Kredit- und Anleihenausfällen sowie Unternehmenspleiten in China hören. Ich vermute jedoch, dass vieles sich zunächst noch weiter unterschwellig verschlimmern und erst in zwei bis drei Jahren offen ausbrechen wird. Dann jedoch wird es global zu einem Schock und heftigen Turbulenzen kommen. Wie oben schon angedeutet wird eine Krise in China z.B. auch erheblich auf Deutschland und damit auf den Euro rückwirken, die Rohstoffpreise könnten dramatisch einbrechen, was wiederum Australien weiter in die Krise treiben wird. Die zu erwartenden Folgen werde ich hier auf kaufkraftschutz.de in einem weiteren Beitrag beleuchten.

Apr 302013
 

Kaum ein Ökonom hat durch die Finanzkrise 2008 mehr Aufmerksamkeit erlangt als Nouriel Roubini. Das zeigt auch eine Auswertung der Such-Anfragen nach „Roubini“ bei Google:

roubini-indicator-google-trends
Interessant ist, dass jede Korrektur an den Börsen seit 2009 mit einem Erstarken der Google-Suchen nach Roubini einher ging, wobei sich der Trend abgeschwächt hat. Dies ist auch nicht weiter erstaunlich, denn die Börsen befinden sich seit Anfang 2009 in einer Erholungsbewegung und haben teils sogar neue Allzeit-Hochs erreicht. Und generell scheint die Finanzkrise ebenso weitestgehend bewältigt wie die Euro-Krise.

Ob dies zutrifft wollen wir an anderer Stelle prüfen. Erfahrene Investoren können jedenfalls im Verlauf der Such-Anfragen nach Nouriel Roubini auch das typische Blasenmuster erkennen. Demnach hatten wir einen „Roubini-Hype“, welcher nun fast völlig beendet ist, da wir uns weitestgehend auf „Vor-Blasen-Niveau“ befinden.

Die Analyse von Google-Trends-Daten für Wirtschaftsvorhersagen erfreut sich generell immer größerer Beliebtheit. Hiermit rufe ich entsprechend den „Roubini-Indikator“ ins Leben, ein neuer Sentiment-Indikator, der derzeit eher auf Sorglosigkeit hindeutet. Dies trifft im Übrigen auch auf Roubini selbst zu, der erst in 3 bis 4 Jahren wieder eine mögliche Blasenbildung erwartet.

Jul 112011
 

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat ein Arbeitspapier mit dem Titel „Die internationale Ausbreitung der Finanzkrise von 2008 und ein Vergleich mit 1931“ veröffentlicht. Kernaussage des Papiers ist, dass im Jahr 2008 Notenbanken ohne die Goldstandard-Restriktion in erheblich größerem Umfang als sicher und liquide geltende Vermögenswerte ausgeben und vorübergehend die Funktion des Geldmarktes übernehmen konnten. Anders formuliert: Das Vertrauen in die Sicherheit von Staatsanleihen war groß genug und blieb trotz der massiven Ausgabenerweiterungen der Staaten erhalten. „Als Ergebnis waren die kurzfristigen Konsequenzen der jüngsten Krise weniger schwerwiegend.“

Rainer Sommer kommt basierend auf den Ergebnissen der BIZ zu dem Schluss (es ist die Überschrift seines Artikels): „Schlechte Nachricht für Goldwährung: Goldstandard schuld an „Großer Depression““.

Wir teilen diese Schlussfolgerung nicht. Selbst die BIZ weist auf die noch offenen langfristigen Folgen der jüngeren Notenbank-Politik hin: „Es ist zu früh zu sagen, was die langfristigen Konsequenzen sein könnten.“

Zudem wird eines völlig übersehen: die Edelmetall-Märkte waren de facto 2008 gar keine Alternative. Sie sind – auch heute noch – schlichtweg zu klein. Und zwar sowohl mengenmäßig (in Stück) als auch volumenmäßig (in Währung). Es wäre für die riesigen globalen Vermögen gar nicht möglich gewesen, binnen weniger Monate ins Gold zu fliehen. Dies ist die logische Konsequenz der Abkehr von goldgedeckten Währungen, denn nur deshalb konnten die Geldmengen (= Vermögen und Schulden) derart expandieren.

Zur Veranschaulichung: Wenn Sie in einen Behälter aus Stahl Wasser zuführen, wird dieser irgendwann voll sein. Füllen Sie hingegen einen Behälter aus dehnbarem Gummi, wird dieser sich weiter und weiter ausdehnen (natürlich auch nur bis zu einem bestimmten Punkt!). Jedenfalls bekommen Sie, wenn Sie einmal vom Behälter aus Stahl zu jenem aus Gummi gewechselt sind, niemals mehr die komplette Menge an Wasser aus dem Gummi-Gefäß in das Stahl-Gefäß. Sie werden wohl oder übel Wasser ablassen oder das Gefäß wechseln müssen.

Fraglich ist, ob eine 100%-Golddeckung der Geldmengen nötig ist. Wir denken, dass es dazu keine feste unabhängige Zielgröße gibt. Je größer das Misstrauen in Geld- und Wirtschaftssystem bzw. Staaten und Notenbanken, desto höher wird die „Risiko-Prämie“ sein, welche dann auch durchaus größer als 100% sein kann. Dennoch sollte dies keinesfalls als Garant für weiter steigende Goldpreise gesehen werden. Insbesondere Japan hat gezeigt, dass eine hohe Staatsverschuldung nicht per se zu Inflation und Währungskrise führt.

Der strukturelle Trend in den USA ist hochgradig deflationär (sinkende Real-Löhne, Kreditausfälle, etc.) und vor diesem Hintergrund hat die US-Notenbank durchaus gut gearbeitet. Um im Bild zu bleiben: die Fed nimmt das Wasser, das der Privatsektor zurückgibt (Schuldenabbau) auf und gibt es dem Staat, der über seine Ausgaben ausgleichend wirkt. Damit wird die Gesamt-Geldmenge stabil gehalten (M3, Gesamtsumme hellgrün):


Quelle: shadowstats.com

Setzt sich nun jedoch die falsche (!) Überzeugung durch, dass die USA auf dem Wege Griechenlands sind und führt dies tatsächlich zu einer Nicht-Anhebung der Schuldenobergrenze oder erheblichen nachhaltigen Sparmaßnahmen, wird die Deflation wieder ihr Haupt erheben und die Geldmenge beginnen zu sinken. Der Dollar wird dann erneut massiv aufwerten und damit einmal mehr zeigen, dass Edelmetall-Investoren im Irrtum sind. Der sichere Hafen in einer Deflation ist noch immer der US-Dollar, nicht das Gold.

Wir kommen daher zu dem Schluss, dass die Gold-Bugs im eigenen Interesse Ben Bernanke unterstützen müssten, denn dieser treibt die Aufwertung des Goldes bei gleichzeitiger Stabilisierung der US-Wirtschaft voran. Stattdessen singen sie im Chor das Lied der „nachhaltigen Geldpolitik“ und der fiskalpolitischen Disziplin. Dies erinnert an das Sprichwort: Sei vorsichtig mit dem was du dir wünschst – es könnte in Erfüllung gehen. Wird das Wasser vollends „verschüttet“, wird auch dem Goldpreis weiteres Aufwertungspotenzial in US-Dollar entzogen. DAS wäre eine schlechte Nachricht für Gold bzw. eine mögliche Renaissance eines Goldstandard…