Mai 132011
 

Wenn der Staat Pleite macht, dann geht natürlich nicht der Staat pleite sondern seine Bürger” konstatierte bereits vor 100 Jahren Banquier Carl Fürstenberg – ein wahres Wort! Was aber, wenn ein Staat pleite macht, und nicht nur seine Staatsbürger pleitegehen, sondern dadurch auch Bürger, die gar nicht dem Pleite-Staat angehören?

Angesichts der wirtschaftlichen Relevanz der PIGS-Staaten für die EU respektive den EURO-Raum ein nicht sehr wahrscheinliches, aber aufgrund der Dynamik von Finanzmärkten, Marktteilnehmern und der Emotionen von Massen (vgl. hierzu die bahnbrechenden Erkenntnisse von Gustave Le Bon – ebenfalls 100 Jahre alt, aber zeitlos) zumindest ein Szenario, das sich Menschen mit Weitblick etwas näher anschauen sollten. Immerhin müssen die EU-Länder in diesem Jahr über 900 (!) Mrd. EUR refinanzieren, so viel wie noch nie – davon zwei Drittel die Staaten Italien, Spanien, Belgien und Portugal.

Hinzu kommen die europäischen Banken mit über 1.000 Mrd. EUR, ebenfalls ein Rekordwert, der dadurch eine besondere Relevanz erhält, dass insbesondere die europäischen Banken Investoren bei PIGS-Anleihen sind. Der Prozess verschärft sich mit jeder Abstufung der Krisen-Staaten, so wie unlängst erneut durch die Rating-Agentur S&P, die dabei sogar konkrete Prozentangaben für einen möglichen „Haircut“ der Griechen machte. Denn Banken haben gigantische Risikoabteilungen. Diese arbeiten oft mit sehr statischen Modellen: verschlechtert sich das Rating einer Anleihe im Handelsbestand, so wird das Risikobudget der Bank gesprengt und sie muss handeln – also Anleihen verkaufen. So entsteht schnell ein Kreislauf, an dessen Ende extrem niedrige Anleihekurse, also extrem hohe Renditen (im Falle der Rückzahlung) stehen können. So notiert eine Anleihe des Landes Griechenland, die Ende dieses Jahres fällig ist, bei unter 90% – und gleichzeitigem Zins von 5% p.a.! Noch dramatischer: für eine fünfjährige Griechenland-Anleihe bekommt man derzeit (immer unter der Prämisse ordnungsgemäßer Zahlungen) über 15% p.a. mehr als mit einer vergleichbaren deutschen Anleihe! (Zum Vergleich: Portugal +8%, Irland +9,4%, Spanien +2%, Italien +1,4%).

Daher  gibt es inzwischen auch Stimmen, die erste Investments in den PIGS-Staaten wagen. Ein in dem Kontext viel diskutiertes Instrument unter Experten ist ein ETF auf die EURO-Staaten, die über kein AAA-Rating verfügen, wie z.B. der von Amundi (ISIN: FR0010892190, nähere Infos), der seit seinem Hoch von 167,79 EUR auf aktuell 153,83 EUR nur überschaubar gefallen ist. Das liegt allerdings daran, dass der Fonds erst im September letzten Jahres emittiert wurde, als die Staatsschuldenkrise schon voll entbrannt war…

“Verkehrte Welt”: Unterdessen hat sich die Qualität von klassischen Emerging Markets-Anleihen deutlich verbessert. Heute sind über 50% der EM-Staaten als „Investment Grade“ klassifiziert. Die prominentesten Heraufstufungen waren Mexiko im Jahr 2000 (aktuell Baa1), Russland 2003 (aktuell Baa1) sowie Brasilien 2008 (aktuell Baa3). 1993 lag der Anteil noch bei unter 2% und selbst Ende 1999 noch bei nur 15%. 2010 sind diesen Anleihen 75 Mrd. USD zugeflossen – 2002 waren es nur 2 Mrd. Dazwischen ist der Anteil, mit Ausnahme des Lehman-Jahres 2008, stetig gestiegen. Das zeigt: Investoren haben das Auszahlungsprofil von Anleihen „lieb gewonnen“. Läuft das eine Untersegment nicht, werden andere Segmente überflutet.

Doch auch das ist keine Einbahnstraße der Glückseligkeit. Auch Anleihen von vermeintlich oder wirklich potenten Staaten sind letztlich nur Zahlungsversprechen – im Zweifelsfall also ein wertloses Stück Papier. “Als erstes im Bankgeschäft lernt man den Respekt vor den Nullen” – auch das ein Bonmot von Carl Fürstenberg. Damit meinte zumindest er damals noch Zahlen. Liebgewonnene Gewohnheit und Präferenzen (Staatsanleihen) können für den vernunftbedachten Investor niemals die alleinige Lösung sein – höchstens eine von vielen. Ergänzen Sie Ihr Portfolio durch Sachwerte!