Apr 182013
 

Deutschland erscheint gerade wie der Fels in der Brandung in Euroland. Spanien in der Depression, Italien im Chaos, Griechenland am Ende, Frankreich im sozialistischen Planungsdesaster… nur Deutschland strahlt und wird daher von vielen Seiten angefeindet. Doch schon in wenigen Monaten wird auch Deutschland in einer Rezession stecken.

Für diese Prognose reicht fast schon ein alleiniger Blick auf die Aktie von Volkswagen, welche in den vergangenen drei Monaten um 25% gefallen ist. Der Automarkt Westeuropas befindet sich auf dem schwächsten Niveau seit 20 Jahren, wobei es insbesondere in Deutschland miserabel aussieht. Hier finden Sie einige Hintergründe zur Bedeutung der deutschen Automobilindustrie. Jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland steht direkt oder indirekt mit dem Automobil in Verbindung.

Doch nicht nur in der Automobilindustrie läuft es nicht mehr rund, auch die Maschinenbauer vermelden zuletzt ein zunehmend schwierigeres Umfeld.

Wenn Sie nun eins und eins zusammenzählen und die Schwierigkeiten in den Hauptabnehmerländern des deutschen Exports bedenken, brauchen Sie kein Wirtschaftsstudium, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. Weiter gedacht wird eine Schwäche in Deutschland jedoch mit hoher Gewissheit ein neues Kapitel in der Euro-Krise begründen. Und ich würde sogar so weit gehen und – je nach Geschwindigkeit der Entwicklungen – einen markanten Einfluss auf die Bundestagswahlen unterstellen, welcher „Anti-Euro“ begünstigen wird.

Aus meinem Jahresausblick 2013:

„In Europa wird Frankreich immer mehr in den Krisen-Fokus rücken und die Spannungen zwischen Frankreich und Deutschland zunehmen. Zudem wird es generell einen starken Ruck in die extremen Lager (links und rechts) geben. Dies wird den Euro stark belasten. Ab einem Niveau von 1,40 US-Dollar ist der Euro wieder ein Short.“

Der Euro  hatte es nur bis zur 1,37 USD-Marke geschafft. Und die Krise Frankreichs hat auch bereits die Medien erreicht. In einigen Monaten wird Deutschland in der Rezession stecken und Thema der Medien sein. Den treffenden „BILD“-Titel sehe ich auch schon vor Augen: „Was nun, Frau Merkel?“

Deutsche Aktien, insbesondere von exportorientierten Unternehmen, würde ich entsprechend bis auf weiteres meiden.

Jan 112013
 

Es ist ein immer wiederkehrendes Muster, dass Staaten die wirtschaftlich zurückfallen damit beginnen, außenpolitische „Erfolge“ zu suchen – nicht selten durch Kriege, welche das eigene Volk ablenken sollen. Vor diesem Hintergrund sind einige Sorgen um unser Nachbarland Frankreich angebracht.

Nachdem Frankreich in Tunesien für seinen Traum einer Mittelmeer-Union einen empfindlichen Rückschlag erlitten hat, will man nun in Mali gegen die „Islamisten“ unterstützen und hat dort bereits Elitesoldaten im Einsatz. Bereits in der Zentralafrikanischen Republik ist das französische Militär aktiv und auch in die Elfenbeinküste hatte man 2011 Truppen verlegt.  Auch wenn Präsident Hollande hervorhob, dass für Frankreich die Zeiten vorbei seien, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen, so muss man sich doch fragen, was diese Worte wert sind.

Frankreich war maßgeblich Initiator des Umsturzes in Libyen (was sicherlich auch handfesten Öl-Interessen geschuldet war), droht Iran mit einem militärischen Präventivschlag und zeigt sich auch hinsichtlich Syrien aggressiv. Da es zwischenzeitlich einen Wechsel des Präsidenten in Frankreich gab, sich jedoch am außenpolitischen Agieren nichts geändert hat, muss man wohl eine generelle „Offenheit“ gegenüber militärischen Interventionen proklamieren.

Dies ist im Hinblick auf die schwache Wirtschaftslage als durchaus bedenkliche Entwicklung zu sehen. Alt-Kanzler Gerhard Schröder hat Recht mit seiner Kritik am wirtschaftlichen Vorgehen der Franzosen, doch während die Deutschen die Agenda 2010 und andere Maßnahmen hinnahmen, zeigt sich das französische Volk nicht bereit für solche Reformen. Und die jüngsten Vorkommnisse hinsichtlich reichen Franzosen, die wegen einer geplanten 75%-Besteuerung (!) das Land verlassen, insbesondere der Aufruhr um Gérard Depardieu, zeigen einen sehr bedenklichen Links-Ruck, der für ganz Europa negative Folgen haben könnte.

Besonders gefährlich wird es, wenn sich die wirtschaftliche Kluft zwischen Deutschland und Frankreich weitet. Auch wenn man in Politiker-Kreisen nicht müde wird, die deutsch-französische Freundschaft zu betonen, so herrscht doch in Frankreich nach wie vor eine gewisse Unruhe vor einem zu mächtigen Nachbarn. Sollte Hollande einst offensiv gegen Deutschland agieren, wird dies sehr große Fragen seitens Investoren in Euroland aufwerfen. Als die bestimmenden „Kernländer“ der EU ist ein zukünftig mögliches Zerwürfnis der beiden Länder eine ernste Gefahr für die Stabilität des Euro – weit mehr als ein Austritt Griechenlands es je sein kann.

Insofern gilt es diese Entwicklungen sehr aufmerksam zu verfolgen. Und dies auch noch vor einem ganz anderen Hintergrund: Die Entsendung von Patriot-Raketen in die Türkei lässt erkennen, dass die Wahrscheinlichkeit eines größeren Krieges im Nahen Osten markant gestiegen ist. Es wäre eine bittere Ironie der Geschichte, wenn es nun Frankreich wäre, das durch einen selbst initiierten Krieg gegen Syrien den „Bündnisfall“ bewirkt und Deutschland erneut in einen großen Krieg  gezogen würde.

Jul 132011
 

Seit Monaten besticht der Deutsche Aktienmarkt (DAX) durch eine beeindruckende Stärke. Deutsche Unternehmen profitieren massiv durch die „Euro-Krise“, da nicht nur der schwache Euro den Export unterstützt, sondern auch das Zinsniveau relativ zu niedrig ist und Unternehmen sich somit sehr günstig refinanzieren können. Die Credit Suisse schreibt aktuell:

„In dieser Woche schauen wir uns Deutschland an, für das wir seit Monaten ‚Übergewichten‘ empfehlen und auch weiter daran festhalten. Wir haben vier Hauptgründe für unsere positive Einschätzung Deutschlands:

Erstens denken wir, dass deutsche Unternehmen sehr wahrscheinlich in der Lage sein werden, Lohnerhöhungen an ihre Kunden weiterzugeben. Auch die Kapazitätsauslastung impliziert Spielraum für Preiserhöhungen.

Zweitens, robustes Gewinnwachstum und abnehmende Risikoaversion eröffnen Spielraum für weitere Anstiege.

Drittens […] profitiert das Land durch seine Exportorientierung und dem Boom der Schwellenländer sowie dem Niveau des EUR. Deutschland profitiert stark von der weltweiten Nachfrage, denn sein Exportanteil beträgt rund 40% des BIP.

Und viertens, moderate Bewertung in Bezug auf die traditionellen Bewertungskennziffern […]. Würden sich die KGVs für DAX-Unternehmen auf ihrem historischen Durchschnitt von 15 für die Ergebnisse der kommenden 12 Monate befinden, würde der DAX auf Basis der aktuellen Gewinne oberhalb von 10.000 Punkten notieren, da die Gewinnzahlen nun höher liegen als 2007 (siehe Grafik).

Wir favorisieren Adidas, Allianz, BASF, BMW, Daimler, Deutsche Post, Fresenius Medical Care, Henkel Vz., Infineon, SAP, Siemens und Volkswagen.“

Schaut man sich einige Charts aus den Bereichen Banken und Versicherungen an, z.B. Deutsche Bank, Allianz oder Münchener Rück, erscheint es sehr fraglich, ob der DAX tatsächlich ein Niveau von 10.000 Punkten erreichen kann. Solange indes der Exportmotor läuft, spricht auch nicht viel für eine neuerliche Baisse. Die Grundtendenz ist demnach weiter positiv.