Aug 262011
 

Kreditausfallversicherungen (CDS) für europäische Banken finden sich inzwischen auf einem höheren Niveau als 2008. Die Zinsen für 2-jährige griechische Anleihen lagen jüngst bei 46%(!). Und wie in 2008 gibt es inzwischen wieder einen Dollar-Engpass, den die EZB versucht abzufangen.

Wenn das „Manager Magazin“ einen Artikel bringt „Was tun, wenn der Euro bricht?“ und der „Spiegel“ als Hauptthema über den „Gelduntergang“ berichtet, kann man sicher davon ausgehen, dass in sehr naher Zukunft – wir vermuten binnen der kommenden acht Wochen – eine Eskalation und damit auch ein vorläufiger Hochpunkt der Euro-Krise bevorsteht.

Doch was ist überhaupt die „Euro-Krise“?

Kurz: durch den Euro kamen Länder über Jahre in den Genuss niedriger Zinsen, die sie zu früheren Zeiten nie bekommen hätten. In Spanien erzeugte dies z.B. eine Bau-Blase, in Griechenland stieg das Wohlstandsniveau auf ein utopisches Niveau, während gleichzeitig mangels entsprechendem wirtschaftlichen Output die Staatsverschuldung explodierte.

Unsere weisen Politiker beschuldigen nun die Spekulanten, gegen den Euro zu wetten. Tatsächlich haben die Politiker selbst gegen den Euro gewettet, in dem sie ein System geschaffen haben, das den wirtschaftlichen Unterschieden der Mitgliedsländer nicht gerecht wird. Eine Währungsunion ohne Fiskalunion funktioniert eben nicht.

Nun versuchen die Politiker eilig gleich alle Vergehen zu lösen. Schuldenbremsen, Euro-Bonds, EU-Wirtschaftsregierung,…

Das Timing könnte kaum miserabler sein. In einem konjunkturellen Abschwung Schuldenbremsen zu schaffen wird die wirtschaftliche Situation dramatisch verschlimmern. Dies wiederum wird auf die soziale Lage rückwirken. Wir werden vermutlich noch größere Ausschreitungen sehen, soziale Unruhen werden weiter zunehmen. Und damit auch der Glaube, dass die Europäische Union generell die falsche Richtung ist.

Irgendwie fühlt man sich ein wenig an die tragische Gestalt des Heinrich Brüning erinnert, der das richtige zur falschen Zeit tat und damit einer viel größeren „Katastrophe“ den Weg ebnete: Die Weimarer Republik transformierte sich binnen weniger Jahre in das faschistische „Dritte Reich“.

Tatsächlich finden wir uns in der westlichen Welt im „Japan-Modus“, also auf dem schmerzlichen Weg eines „Deleveraging“, einer deflationär geprägten Phase der Schulden- und Vermögensrückführung. Die Wurzel der Euro-Krise liegt demnach viel tiefer. Der Euro selbst funktioniert weiterhin bestens. Was hingegen nicht mehr funktioniert ist, dass Länder wie Italien, Griechenland oder Portugal ihre Währung abwerten können, da sie kein autonomer Herausgeber ihrer Währung sind. Die Folge ist eine wirtschaftliche Depression.

Darin liegt auch die eigentliche Crux der Euro-Krise. Es ist ein Nord-Süd-Konflikt, der sich weiter zuspitzt. Die Gefahr liegt darin, dass die Politiker wie bisher auch die Dimension nicht begreifen und falsche Schlüsse ziehen. Griechenland ist nicht Deutschland und wird es nie sein – auch nicht durch einen „Marshall-Plan“. Griechenland wird vermutlich nie einen Handelsbilanz-Überschuss erzielen und damit auch nie seine Schulden zurückzahlen können.

Es ist an Deutschland zu entscheiden, ob es für andere Länder dauerhaft einen Transfer schultern will. Es ist an den europäischen Ländern zu entscheiden, ob sie Teile ihrer Autonomie abgeben wollen. Geschieht dies nicht sehr bald, wird der Markt sprechen, so wie er das immer tut. Nicht ohne Grund stehen Anleihen der „nördlichen EU-Länder“ auf Rekordniveau, während jene der Süd-EU-Länder durch die EZB aufgekauft werden müssen, um nicht ins Bodenlose zu fallen. Der Markt wird eine Entscheidung erzwingen. Und je länger diese auf sich warten lässt, je schwieriger wird es sein, die Krise, die ihrer Natur nach auch eine Solvenz-Krise des europäischen Bankensystems ist, unter Kontrolle zu halten. Bisher hat die EZB hier richtig agiert und die Unfähigkeit der Politiker durch Überschreitung ihrer rechtlich gesetzten Grenzen ausgeglichen. Doch die EZB ist nicht die Fed. Sie wird dies nicht dauerhaft tun.

Je länger die Unklarheit über die weitere Richtung bestehen bleibt, desto mehr werden Menschen in ganz Europa ihr Geld bzw. ihre Kaufkraft versuchen zu schützen, indem sie vermeintlich sichere Sachwerte und Währungen kaufen oder einfach „nur“ ihr Geld bar abheben. Die Flucht aus dem Bankensektor wird wiederum die Solvenz-Krise verstärken.

Früher oder später werden die Staaten dann keine Wahl mehr haben und in noch erheblich größerem Ausmaß als 2008 Banken (teil)verstaatlichen müssen. Es könnten Handelsrestriktionen und Sonder-Steuern folgen. Das dürfte der Moment sein, ab dem der Euro seine eigentliche Krise als Währung beginnt. Denn dann könnte der aktuelle deflationäre Prozess umkippen in ein inflationäres Szenario bei wirtschaftlicher Stagnation bzw. Rezession. Das wäre die schlechteste aller Welten und die Folgen wären unabsehbar…

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Das Zeitfenster für eine nicht durch den Markt erzwungene Lösung schließt sich immer schneller. Die kommenden Wochen dürften äußerst spannend und richtungweisend werden.