Okt 282011
 

Am 22. September schrieben wir: Jetzt Aktien kaufen! Zitat:

„Vermutlich sieht sich in Anbetracht der Turbulenzen in Kürze auch die Politik zu einem bedeutsamen Schritt genötigt, da – wie von uns ebenfalls angekündigt – die Euro-Krise eskaliert und nun der eigentliche Abstieg der Währung begonnen hat.

Dies sind sehr gute „Zutaten“ um schon bald ein Tief an den Börsen zu erzeugen, von dem eine markante Erholungsrallye einsetzt. Wir können uns durchaus vorstellen, dass der DAX in den kommenden Wochen wieder Regionen um 6.000 erreicht. Ausgehend vom aktuellen Niveau (5.150) ein Plus von über 16%!“

Aktuell notiert der DAX bei 6.400 Punkten – hoffentlich sind Sie unserem Hinweis gefolgt. Das ist ein Plus von über 25%!

Doch was jetzt? Kann man immer noch kaufen? Oder soll man eher Gewinne mitnehmen?

Wir tendieren zu letzterem, denn wir sehen den DAX nicht auf wesentlich mehr als 6.600 Punkte steigen und rechnen im November mit einer Seitwärtsbewegung, die dann ab spätestens Dezember in eine sehr dynamische Abwärtsbewegung übergehen wird. Im ersten Halbjahr 2012 könnte der DAX sogar unter 4.000 Punkte fallen.

Wie jetzt? Die Euro-Krise ist doch gelöst, oder nicht?

Die Euro-Krise ist aus unserer Sicht nicht gelöst, denn weiterhin besteht das Problem, dass der Euro für einen Teil der Länder zu stark, für andere zu schwach ist. Dies ist nur lösbar, indem entweder die schwächeren Länder aus der Euro-Zone austreten, oder aber ein dauerhafter Ausgleich implementiert wird, z.B. via EU-Fiskalpolitik. Weder das eine noch das andere ist derzeit zu erwarten. Leider wird somit die „Unruhe“ in der Euro-Zone ein dauerhafter Zustand bleiben und es ist durchaus möglich, dass gerade die unvollendete Union letztlich zu ihrem nachhaltigen Scheitern führen wird.

Die Fokussierung auf Eindämmung von Schulden wirkt konjunkturbremsend. Der Deleveraging-Prozess wird Jahre anhalten und zu wirtschaftlicher Stagnation und Deflation führen. Ungeachtet dessen mehren sich auch die Signale, die auf eine markante Abkühlung in China hinweisen. Kommt es dort im kommenden Jahr zu einer Art Rezession, dürfte das insbesondere die exportorientierten Länder treffen – also vor allem Deutschland.

Besteht also gar keine Chance auf eine nachhaltige Rallye bzw. eine neue Hausse?

Doch. Positive Signale kamen zuletzt tendenziell aus den USA. Zudem konzentrieren sich nahezu alle Länder darauf, Krisen zeitnah entgegen zu wirken. Es ist daher nicht abwegig, dass die Schuldenbremsen umgangen bzw. „aufgeschoben“ werden und ein neuer globaler Stimulus gestartet wird. Zudem ist mit weiteren Rating-Abstufungen von Ländern zu rechnen. Daher könnte eine nachhaltige Wende an den Anleihenmärkten einsetzen. Wenn dies geschieht, dürften sich die Kapitalströme zu einem großen Teil den Aktienmärkten zuwenden, zumal die Unternehmen über enorme Finanzmittel verfügen.

Die Entscheidung wird sehr bald fallen. Wir sind tendenziell bearish und erwarten in 2012 eine neuerliche Rezession in Europa, den USA und China. Sichern Sie daher Positionen mit Stopps ab. Von neuerlichen Käufen an den Aktienmärkten würden wir kurzfristig absehen, bis sich ein klareres Bild für die kommenden Monate ergibt.

Aug 262011
 

Kreditausfallversicherungen (CDS) für europäische Banken finden sich inzwischen auf einem höheren Niveau als 2008. Die Zinsen für 2-jährige griechische Anleihen lagen jüngst bei 46%(!). Und wie in 2008 gibt es inzwischen wieder einen Dollar-Engpass, den die EZB versucht abzufangen.

Wenn das „Manager Magazin“ einen Artikel bringt „Was tun, wenn der Euro bricht?“ und der „Spiegel“ als Hauptthema über den „Gelduntergang“ berichtet, kann man sicher davon ausgehen, dass in sehr naher Zukunft – wir vermuten binnen der kommenden acht Wochen – eine Eskalation und damit auch ein vorläufiger Hochpunkt der Euro-Krise bevorsteht.

Doch was ist überhaupt die „Euro-Krise“?

Kurz: durch den Euro kamen Länder über Jahre in den Genuss niedriger Zinsen, die sie zu früheren Zeiten nie bekommen hätten. In Spanien erzeugte dies z.B. eine Bau-Blase, in Griechenland stieg das Wohlstandsniveau auf ein utopisches Niveau, während gleichzeitig mangels entsprechendem wirtschaftlichen Output die Staatsverschuldung explodierte.

Unsere weisen Politiker beschuldigen nun die Spekulanten, gegen den Euro zu wetten. Tatsächlich haben die Politiker selbst gegen den Euro gewettet, in dem sie ein System geschaffen haben, das den wirtschaftlichen Unterschieden der Mitgliedsländer nicht gerecht wird. Eine Währungsunion ohne Fiskalunion funktioniert eben nicht.

Nun versuchen die Politiker eilig gleich alle Vergehen zu lösen. Schuldenbremsen, Euro-Bonds, EU-Wirtschaftsregierung,…

Das Timing könnte kaum miserabler sein. In einem konjunkturellen Abschwung Schuldenbremsen zu schaffen wird die wirtschaftliche Situation dramatisch verschlimmern. Dies wiederum wird auf die soziale Lage rückwirken. Wir werden vermutlich noch größere Ausschreitungen sehen, soziale Unruhen werden weiter zunehmen. Und damit auch der Glaube, dass die Europäische Union generell die falsche Richtung ist.

Irgendwie fühlt man sich ein wenig an die tragische Gestalt des Heinrich Brüning erinnert, der das richtige zur falschen Zeit tat und damit einer viel größeren „Katastrophe“ den Weg ebnete: Die Weimarer Republik transformierte sich binnen weniger Jahre in das faschistische „Dritte Reich“.

Tatsächlich finden wir uns in der westlichen Welt im „Japan-Modus“, also auf dem schmerzlichen Weg eines „Deleveraging“, einer deflationär geprägten Phase der Schulden- und Vermögensrückführung. Die Wurzel der Euro-Krise liegt demnach viel tiefer. Der Euro selbst funktioniert weiterhin bestens. Was hingegen nicht mehr funktioniert ist, dass Länder wie Italien, Griechenland oder Portugal ihre Währung abwerten können, da sie kein autonomer Herausgeber ihrer Währung sind. Die Folge ist eine wirtschaftliche Depression.

Darin liegt auch die eigentliche Crux der Euro-Krise. Es ist ein Nord-Süd-Konflikt, der sich weiter zuspitzt. Die Gefahr liegt darin, dass die Politiker wie bisher auch die Dimension nicht begreifen und falsche Schlüsse ziehen. Griechenland ist nicht Deutschland und wird es nie sein – auch nicht durch einen „Marshall-Plan“. Griechenland wird vermutlich nie einen Handelsbilanz-Überschuss erzielen und damit auch nie seine Schulden zurückzahlen können.

Es ist an Deutschland zu entscheiden, ob es für andere Länder dauerhaft einen Transfer schultern will. Es ist an den europäischen Ländern zu entscheiden, ob sie Teile ihrer Autonomie abgeben wollen. Geschieht dies nicht sehr bald, wird der Markt sprechen, so wie er das immer tut. Nicht ohne Grund stehen Anleihen der „nördlichen EU-Länder“ auf Rekordniveau, während jene der Süd-EU-Länder durch die EZB aufgekauft werden müssen, um nicht ins Bodenlose zu fallen. Der Markt wird eine Entscheidung erzwingen. Und je länger diese auf sich warten lässt, je schwieriger wird es sein, die Krise, die ihrer Natur nach auch eine Solvenz-Krise des europäischen Bankensystems ist, unter Kontrolle zu halten. Bisher hat die EZB hier richtig agiert und die Unfähigkeit der Politiker durch Überschreitung ihrer rechtlich gesetzten Grenzen ausgeglichen. Doch die EZB ist nicht die Fed. Sie wird dies nicht dauerhaft tun.

Je länger die Unklarheit über die weitere Richtung bestehen bleibt, desto mehr werden Menschen in ganz Europa ihr Geld bzw. ihre Kaufkraft versuchen zu schützen, indem sie vermeintlich sichere Sachwerte und Währungen kaufen oder einfach „nur“ ihr Geld bar abheben. Die Flucht aus dem Bankensektor wird wiederum die Solvenz-Krise verstärken.

Früher oder später werden die Staaten dann keine Wahl mehr haben und in noch erheblich größerem Ausmaß als 2008 Banken (teil)verstaatlichen müssen. Es könnten Handelsrestriktionen und Sonder-Steuern folgen. Das dürfte der Moment sein, ab dem der Euro seine eigentliche Krise als Währung beginnt. Denn dann könnte der aktuelle deflationäre Prozess umkippen in ein inflationäres Szenario bei wirtschaftlicher Stagnation bzw. Rezession. Das wäre die schlechteste aller Welten und die Folgen wären unabsehbar…

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Das Zeitfenster für eine nicht durch den Markt erzwungene Lösung schließt sich immer schneller. Die kommenden Wochen dürften äußerst spannend und richtungweisend werden.

Jul 222011
 

DB Research hat eine sehr interessante Präsentation zur Staatsverschuldung veröffentlicht. Die Abhängigkeit von ausländischen Gläubigern war schon immer Auslöser von Schuldenkrisen. Dies ist auch ein wesentlicher Grund, warum es in Japan bisher eben nicht zu einer solchen kam. Dies veranschaulicht sehr schön diese Übersicht:

Quelle: DB Research

Die „Risiko-Matrix für die Staatsverschuldung“ auf Seite 10 zeigt, warum der Schweizer Franken als Fluchtwährung weiterhin erste Wahl ist. Auch lässt die Übersicht den Schluss zu, dass in Europa Belgien negativ in den Fokus rücken könnte, zumal das Land seit über einem Jahr in einer politischen Krise steckt und somit nahezu handlungsunfähig ist.

Auch die Prognose eines sehr langsam aber steigenden Realzinses in den Industrieländern (Seite 14) bis 2020 lässt aufhorchen, denn sollte dies so kommen, dürften die Edelmetalle nicht mehr viel Preissteigerungspotenzial haben. Dies steht in krassem Gegensatz zum aktuellen Sentiment.
Quelle: DB Research

Unbedingt anzuschauen ist auch Seite 18, auf der ein „Schock-Szenario“ dargestellt ist: Wohin gehen die Schuldenquoten, wenn die Zinsen stärker als erwartet steigen? Es würde primär die bereits bekannten „Verdächtigen“ treffen: Griechenland, Portugal, Irland und Italien. Aber auch für die USA würde dies eine markante Sonderbelastung darstellen.

Ein wichtiges Ergebnis der Analyse: „Ein Schuldenabbau auf ein dauerhaft tragfähigeres Niveau ist derzeit (noch) in weiter Ferne“.

Die kommenden Jahre werden demnach in allen westlichen Ländern gekennzeichnet sein durch harte Sparmaßnahmen („Deleveraging“) und steigende Steuern und Abgaben, was klar deflationär wirkt. Wie Griechenland jedoch gezeigt hat, lassen sich derartige Anstrengungen nur bedingt in Demokratien umsetzen. Das Thema Staatspleite wird uns daher vermutlich dauerhaft erhalten bleiben. Und auch der Unmut in den Bevölkerungen wird weiter zunehmen. Das große Risiko ist, dass aus dieser Kombination etwas erwächst, was sich historisch in ähnlichen Phasen immer wieder gezeigt hat: eine Tendenz zu externen und internen Kriegen.