Feb 072013
 

Bei Spiegel Online lesen wir heute, dass der Euro zu stark sei und europäische Regierungschefs ähnlich wie in Japan und den USA die Währung abwerten wollen. Zitat „Der Befehl zum Euro-Drucken wird die Inflationsgefahr verschärfen.“

Wie jetzt? Gerade eben hatten wir noch die „Euro-Krise“ und der Euro schien mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu zerbrechen und jetzt ist er schon wieder zu stark?! Wie das?

„Der Euro steigt – weil andere Länder noch mehr Geld drucken“, so der Autor. Aha.

Die Formulierung des „Geldruckens“ kann ich inzwischen nicht mehr hören! Wo ist dann das ganze Geld, das gedruckt wird? Es dürften ja schon bald keine Bäume mehr da sein, wegen der Menge an Papier, die hierzu doch sicher gebraucht wird…

Nein, das ist Quatsch! Richtig ist, dass immer mehr Notenbanken den Staat finanzieren, in dem sie immer mehr Staatsanleihen in ihre Bücher nehmen. Doch das ist per se zunächst nur ein Buchungsvorgang. Real führt er natürlich dazu, dass wir sehr niedrige Zinsen haben, was im aktuellen Kontext einer ernsten Deflationsgefahr vermutlich richtig ist.

Doch einen echten Währungskrieg gibt es nicht! Es ist ein Mythos! Wie soll dieser auch aussehen? Wenn der Euro abwerten soll, der Yen abwerten soll, der US-Dollar abwerten soll, der brasilianische Real abwerten soll, ja sogar der Schweizer Franken abwerten soll, was bleibt denn dann noch übrig?! Wogegen soll dann noch abgewertet werden? Womöglich gegen Sachwerte, aber sicher nicht gegen die jeweils anderen Währungen. Insofern sollte man die Rhetorik der Politiker, die regelmäßig nicht gerade wirtschaftliche Experten sind, besser ignorieren.

Geht man zum Beisiel nach einem sehr simplen Indikator für Über- oder Unterbewertungen von Währungen wie dem „Big Mac Index“, kommt man zu ganz anderen Schlüssen. Demnach sind der Südafrikanische Rand und die Indische Rupie stark unterbewertet. Euro, Yen und US-Dollar geben und nehmen sich jedoch nicht viel. Insofern sind hier keine weiteren dramatischen Bewegungen zu erwarten.

Und dass eine Notenbank einfach auf Knopfdruck Inflation erzeugen kann ist ebenso ein Mythos. Wieso ist Japan sonst nicht schon viel früher auf die Idee gekommen? Wieso herrscht in dem Land schon seit fast 20 Jahren Deflation vor?

Alles hat seine Zeit. Und nun war die Zeit gekommen, wo der japanische Yen massiv abwertet. Dies haben wir hier im Blog mehrfach angekündigt, es fehlte nur ein Auslöser. Die Bank of Japan hat die Nerven verloren und einen Schwenk zu extremeren Maßnahmen vollzogen. Doch ob diese „erfolgreich“ sein werden bleibt abzuwarten.

Wie schon einmal geschrieben gilt hier das Sprichwort: „Sei vorsichtig mit dem was du dir wünschst, es könnte in Erfüllung gehen.“ Noch ist nichts wesentliches passiert und der Medienrummel um den „Währungskrieg“ nichts als irrelevantes „Rauschen“.

Und auch die Inflation wird so schnell noch nicht kommen. Alles hat seine Zeit.

Sep 272011
 

Heute hat ein Mitglied der japanischen Notenbank (Bank of Japan – BoJ) erklärt, dass sie ggf. einen ähnlichen Schritt wie die Schweizer durchführen werden, sollte der Yen sich nicht bald abschwächen.

Die Schweizer haben jüngst den Schweizer Franken faktisch an den Euro gekoppelt und damit die Flucht in die Währung beendet. Wir hatten frühzeitig vor dem vermeintlich sicheren Hafen Schweizer Franken gewarnt, weil eine solche Entwicklung absehbar war.

Und wir haben auch das Thema Yen-Abwertung bereits an anderer Stelle thematisiert („Verliert die Bank of Japan die Nerven?“).

Es gibt eine auffällige Korrelation zwischen dem Währungspaar USD/JPY und den US-Bonds. Mit dem nun möglicherweise erfolgten Tief an den US-Anleihenmärkten (für 2011 – die dauerhafte Zinswende erwarten wir erst später) könnte demnach auch eine Wende des Yen unmittelbar bevorstehen.

Für strategisch agierende Investoren erscheint ein Long auf USD/JPY (aktuell 76,57) und womöglich ein längerfristiges Übergewichten japanischer Aktien zunehmend interessant.

Aug 232011
 

Der Yen steht derzeit gegenüber dem US-Dollar auf dem höchsten Niveau seit dem 2. Weltkrieg. Ein US-Dollar kostet aktuell 76,59 Japanische Yen. Über das Wochenende trug Japans Finanzminister Yoshihiko Noda mit einer neuerlichen verbalen Intervention dazu bei, dass er kurzfristig nachgab, doch heute steigt der Yen abermals deutlich an.

Japan hat im August bereits „real“ interveniert und 4.500 Mrd. Yen in den Markt gegeben. Nun hat der japanische Notenbankchef Masaaki Shirakawa „drastische und aggressive Schritte“ gegen den Höhenflug der eigenen Währung angekündigt. Man werde aufmerksam die Rede des US-Notenbankvorsitzenden Ben Bernanke am Freitag verfolgen und womöglich werde die Bank of Japan ihre reguläre geldpolitische Sitzung vom 6. September vorziehen.

Wir gehen davon aus, dass Japan in Kürze etwas tun wird, was historisch bedeutsam sein könnte. Da Japan wie die USA autonomer Herausgeber der eigenen Währung ist, kann sie theoretisch unendlich viele Yen „produzieren“. Die Ausweitung der Geldmenge wird jedoch irgendwann inflationär wirken. Wir fühlen uns an den Spruch erinnert: „Sei vorsichtig mit dem was du dir wünschst. Es könnte in Erfüllung gehen.“

Wenn wir den ultra-langfristigen USD/JPY-Chart anschauen, erkennen wir, dass die Dynamik der Yen-Aufwertung gegen den US-Dollar nachlässt, auch wenn die kurzfristige Entwicklung für die japanischen Exporteure sicher belastend sein mag.Quelle: wikipedia.org

Japan befindet sich seit nunmehr 20 Jahren in einer deflationär geprägten „Wirtschaftskrise“. Extreme Fehlinvestitionen, eine massive Immobilienblase, Banken-Krise, Konjunktur-Programme, stark wachsende Staatsverschuldung, Sparkurs, erneuter Einbruch, weitere staatliche Programme… Wir kennen das aus den heutigen Nachrichten. Japan hat all dies schon hinter sich.

Die Frage die man sich stellen muss ist recht simpel: Wie lange kann eine solche Phase überhaupt anhalten. Muss es nicht zwingend irgendwann zu einer „Wende“ kommen?

Eines steht fest: WENN der Yen einst seine Richtung nachhaltig ändert – die Gründe hierzu werden zu gegebener Zeit kommen – werden japanische Aktien eine neue Hausse erleben. Japanische Werte gehören ohnehin global zu den günstigsten, gemessen am Kurs/Buchwert-Verhältnis.

Strategisch agierende Investoren legen sich hier für ein langfristiges Investment auf die Lauer. Womöglich verliert die Bank of Japan nun die Nerven und die „drastischen und aggressiven Schritte“ führen zu einer unumkehrbaren Entwicklung hinsichtlich des Yen und legen den Grundstein für eine neue Aktienhausse im Land der aufgehenden Sonne.