Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat ein Arbeitspapier mit dem Titel “Die internationale Ausbreitung der Finanzkrise von 2008 und ein Vergleich mit 1931″ veröffentlicht. Kernaussage des Papiers ist, dass im Jahr 2008 Notenbanken ohne die Goldstandard-Restriktion in erheblich größerem Umfang als sicher und liquide geltende Vermögenswerte ausgeben und vorübergehend die Funktion des Geldmarktes übernehmen konnten. Anders formuliert: Das Vertrauen in die Sicherheit von Staatsanleihen war groß genug und blieb trotz der massiven Ausgabenerweiterungen der Staaten erhalten. “Als Ergebnis waren die kurzfristigen Konsequenzen der jüngsten Krise weniger schwerwiegend.”
Rainer Sommer kommt basierend auf den Ergebnissen der BIZ zu dem Schluss (es ist die Überschrift seines Artikels): “Schlechte Nachricht für Goldwährung: Goldstandard schuld an “Großer Depression”".
Wir teilen diese Schlussfolgerung nicht. Selbst die BIZ weist auf die noch offenen langfristigen Folgen der jüngeren Notenbank-Politik hin: “Es ist zu früh zu sagen, was die langfristigen Konsequenzen sein könnten.”
Zudem wird eines völlig übersehen: die Edelmetall-Märkte waren de facto 2008 gar keine Alternative. Sie sind – auch heute noch – schlichtweg zu klein. Und zwar sowohl mengenmäßig (in Stück) als auch volumenmäßig (in Währung). Es wäre für die riesigen globalen Vermögen gar nicht möglich gewesen, binnen weniger Monate ins Gold zu fliehen. Dies ist die logische Konsequenz der Abkehr von goldgedeckten Währungen, denn nur deshalb konnten die Geldmengen (= Vermögen und Schulden) derart expandieren.
Zur Veranschaulichung: Wenn Sie in einen Behälter aus Stahl Wasser zuführen, wird dieser irgendwann voll sein. Füllen Sie hingegen einen Behälter aus dehnbarem Gummi, wird dieser sich weiter und weiter ausdehnen (natürlich auch nur bis zu einem bestimmten Punkt!). Jedenfalls bekommen Sie, wenn Sie einmal vom Behälter aus Stahl zu jenem aus Gummi gewechselt sind, niemals mehr die komplette Menge an Wasser aus dem Gummi-Gefäß in das Stahl-Gefäß. Sie werden wohl oder übel Wasser ablassen oder das Gefäß wechseln müssen.
Fraglich ist, ob eine 100%-Golddeckung der Geldmengen nötig ist. Wir denken, dass es dazu keine feste unabhängige Zielgröße gibt. Je größer das Misstrauen in Geld- und Wirtschaftssystem bzw. Staaten und Notenbanken, desto höher wird die “Risiko-Prämie” sein, welche dann auch durchaus größer als 100% sein kann. Dennoch sollte dies keinesfalls als Garant für weiter steigende Goldpreise gesehen werden. Insbesondere Japan hat gezeigt, dass eine hohe Staatsverschuldung nicht per se zu Inflation und Währungskrise führt.
Der strukturelle Trend in den USA ist hochgradig deflationär (sinkende Real-Löhne, Kreditausfälle, etc.) und vor diesem Hintergrund hat die US-Notenbank durchaus gut gearbeitet. Um im Bild zu bleiben: die Fed nimmt das Wasser, das der Privatsektor zurückgibt (Schuldenabbau) auf und gibt es dem Staat, der über seine Ausgaben ausgleichend wirkt. Damit wird die Gesamt-Geldmenge stabil gehalten (M3, Gesamtsumme hellgrün):

Quelle: shadowstats.com
Setzt sich nun jedoch die falsche (!) Überzeugung durch, dass die USA auf dem Wege Griechenlands sind und führt dies tatsächlich zu einer Nicht-Anhebung der Schuldenobergrenze oder erheblichen nachhaltigen Sparmaßnahmen, wird die Deflation wieder ihr Haupt erheben und die Geldmenge beginnen zu sinken. Der Dollar wird dann erneut massiv aufwerten und damit einmal mehr zeigen, dass Edelmetall-Investoren im Irrtum sind. Der sichere Hafen in einer Deflation ist noch immer der US-Dollar, nicht das Gold.
Wir kommen daher zu dem Schluss, dass die Gold-Bugs im eigenen Interesse Ben Bernanke unterstützen müssten, denn dieser treibt die Aufwertung des Goldes bei gleichzeitiger Stabilisierung der US-Wirtschaft voran. Stattdessen singen sie im Chor das Lied der “nachhaltigen Geldpolitik” und der fiskalpolitischen Disziplin. Dies erinnert an das Sprichwort: Sei vorsichtig mit dem was du dir wünschst – es könnte in Erfüllung gehen. Wird das Wasser vollends “verschüttet”, wird auch dem Goldpreis weiteres Aufwertungspotenzial in US-Dollar entzogen. DAS wäre eine schlechte Nachricht für Gold bzw. eine mögliche Renaissance eines Goldstandard…