Jun 202017
 

In meinem letzten Beitrag, der nun ziemlich genau ein Jahr zurückliegt, wies ich auf die Chancen einer Rally hin: „Wenn man sich nun noch klar macht, dass Fonds weltweit laut jüngster BofA-Studie höchste Barquoten seit 2001 (!) und tiefste Aktiengewichtungen seit vier Jahren haben, Anleihen kaum noch Renditen bieten und es auch sonst an sinnvollen Investitionsalternativen ermangelt, dann ergibt sich eine Konstellation, aus der regelmäßig neue Hausse-Phasen bzw. starke Rallyes geboren werden.“

Seit dem ist der DAX um rund 30% gestiegen auch auch andere Börsen konnten satte Gewinne verzeichnen. Nun ist es an der Zeit, „Geld vom Tisch zu nehmen“. Ich erwarte zumindest einen satten Rückschlag (wenn nicht gar mehr) an den Aktienmärkten in den nächsten Monaten. Einen „Vorgeschmack“ lieferte der Nasdaq 100 kürzlich, als die „FANG-Aktien“ durch einen Goldman-Report unter Druck gerieten. Hierzu wichtig zu wissen ist, dass die FANG-Aktien 55% des Nasdaq-Anstieges im laufenden Jahr ausgemacht haben:

Mit der jüngsten zweiten Zinsanhebung und dem Ausblick, dass noch eine weitere folgen wird, hat die US-Notenbank das Ende von QE – zumindest vorläufig – eingeleitet. Für eine seit 2009 laufende, stark liquiditätsgetriebene Börsenhausse ist das eine nicht unwesentliche Nachricht. Die Impulse durch die Notenbanken sinken gerade in den negativen Bereich ab:

Quelle: nzz.ch

Was zudem bedenklich stimmt ist, dass es kaum noch Bären zu geben scheint und die Märkte aus meiner Sicht einige weitere wichtige Entwicklungen völlig sorglos ignorieren:

  1. Die US-Wirtschaftsdaten waren zuletzt überraschend schwach.
  2. Wenngleich es keine erkennbare Euphorie an den Börsen gibt – bei den Digitalwährungen Bitcoin & Co ist sie unverkennbar und damit Ausdruck einer hohen Risikoneigung. Und auch die zuletzt exorbitant hohen Kapitalströme in den Tech-Sektor bzw. generell sprechen eine deutliche Sprache.
  3. Bei eher unbeachteten Vorlauf-Indikatoren wie der Preisentwicklung von Oldtimern zeigt sich eine Wende.
  4. Aktien sind nach den jüngsten Kursavancen so teuer geworden wie wenige Monate vor dem Beginn der letzten großen Baissephase.
  5. Wertpapierkäufe über Kredite stehen auf absolutem Rekordniveau. Das kann sich zwar noch weiter ausdehnen, aber das Niveau als solches sollte schon bedenklich stimmen. Kommt es zu einer Wende, werden diese Kredite – wieder einmal – deutlich abgebaut werden müssen – mit der Folge weiterer Verkäufe und nachlassender Nachfrage.
  6. Aktienrückkäufe von Unternehmen lassen allmählich nach.
  7. Der Anteil der Fondsmanager, die die Märkte für überteuert halten, steht auf einem 17-Jahreshoch. M.E. ist das kein Kontraindikator, sondern es bedeutet, dass diese Investoren eher zu Verkäufen geneigt sind und bei einem Fall nicht gleich zugreifen werden. Es ist somit für mich eher ein Signal für zunehmende „inhärente Fragilität“.
  8. Durch den Boom der ETFs steckt dort inzwischen sehr viel Kapital – wird dieses recht abrupt abgerufen (z.B. in einer Panik), kann es zu einem schwer zu stoppenden Schneeballeffekt kommen.
  9. Der Effekt dürfte durch Algo-Tradingsysteme noch verstärkt werden (dazu auch: „BofA: With Rise of Quants Comes Meltdown Risk„).
  10. Das größte Risiko erscheint mir politischer Natur, sei es eine offene Konfrontation zwischen Russland und den USA in Syrien, ein Krieg zwischen Iran und Saudi-Arabien oder ein Anschlag auf einen führenden Politiker.
  11. Hinsichtlich letzterem überlegen Sie selbst, welche möglichen Auswirkungen ein Anschlag auf Erdogan, Putin oder gar Trump haben könnte.
  12. Die USA erscheinen mir inzwischen nicht mehr nur politisch gespalten. Ich habe den Eindruck, dass das Land generell instabil werden könnte. Eine mögliche Amtsenthebung Trumps dürfte zu landesweiten Unruhen führen, welche in diesem Land mit einem „Volk unter Waffen“ sogar teils blutig werden könnte. Das mag unwahrscheinlich erscheinen, aber die Trump-Wahl selbst hat schon gezeigt, wie viel Misstrauen und Unzufriedenheit in der US-Bevölkerung herrscht. Es könnten sich durchaus bewaffnete Verbände bilden, wie dies 2006 schon der Fall war.

Wenngleich einige der oben genannten Aspekte eher perspektivisch denn kurzfristig bedenklich erscheinen, so sollten sie doch in eine strategische Anlageentscheidung einfließen. Womöglich muss in Bälde bei dieser Skizze („stock market cycle chart for this new era“) das Wort „buy“ durch „sell“ ausgetauscht werden…

Quelle: Tweet

Mir ist bewusst, dass es auch zahlreiche Bullen-Argumente gibt. Aber das ist an Hochs typischerweise der Fall, so wie es in Tiefs fast ausnahmslos überzeugende Bären-Argumente gibt. Alles hat seine Zeit. Und meines Erachtens „lauert der Bär“ und könnte in den Sommer- und Herbstmonaten einen unerwarteten Angriff starten. Sichern Sie Positionen ab!

Jun 302015
 

„Gold ist Geld“ heißt es oft und an der These ist auch einiges dran, wenn man sich z.B. klar macht, dass der Iran die Sanktionen der letzten Jahre durch Zahlungen in Gold umgehen konnte. Und auch Russland weitet nicht ohne Grund seine Goldreserven seit Jahren aus. Das Land will sich unabhängig machen vom internationalen Zahlungsverkehrssystem, welches durch die USA dominiert, wenn nicht gar kontrolliert wird.

Doch was ist mit privaten Personen? Zumindest bisher boten Edelmetalle zwar Schutz vor Systemrisiken, doch sie hatten keine wirkliche Zahlungsmittelfunktion. Mit Goldmünzen kann man faktisch nichts kaufen. Und dies war auch ein Grund dafür, warum das wie Gold ebenfalls limitierte Bitcoin einen immensen Aufschwung erfuhr. Denn Bitcoin erlaubt Online-Zahlungen.

Bitcoin plus Gold ergibt BitGold. Dabei handelt es sich um ein neues FinTech-Unternehmen, dessen Angebot mir sehr gut gefällt:

Es ist das erste Konto in echtem Gold – also Transaktionen werden wirklich in Gold ausgeführt. BitGold verdient an dem Wechsel in Gold 1% und ggf. bei physischer Lieferung. Das Konto selbst ist kostenlos. Lagerstätten sind in Zürich, Hong Kong, London, Singapur, Toronto oder Dubai – das kann man selbst auswählen. Der Goldwert ist versichert.

Hinter BitGold, ansässig im kanadischen Torono, stehen einige große finanzstarke Investoren (Sprott, Dundee, GMP, Soros, Canaccord u.a.). Das merkt man auch am professionellen und mehrsprachigen Webauftritt sowie der starken Online-Werbung.

Ich habe selbst ein BitGold-Konto eröffnet, was recht zügig ging. Denn noch erhält man als „Neukunde“ 0,5 Gramm Gold geschenkt und ich teste gerne neue Ansätze, möchte diesen Beitrag jedoch explizit nicht als Empfehlung verstehen. Dazu ist der Service zu neu und unerprobt. Ich glaube jedoch, dass BitGold eine wichtige Lücke schließt und durchaus ein Erfolg werden kann – weshalb man auch die BitGold-Aktie im Auge behalten sollte.

Hinweis: Wenn Sie über den folgenden Link ebenfalls ein Konto eröffnen, erhalten Sie und ich jeweils 0,5 Gramm Gold geschenkt:
www.BitGold.com/r/HS4OJL

Man darf gespannt sein, wie sich BitGold entwickelt. Ich halte es für durchaus denkbar, dass es mehr und mehr Anhänger finden wird – allein schon wegen der Einfachheit und der Möglichkeit, Gold in verschiedenen Lagerstätten zu „parken“.

Apr 162013
 

Die Spekulationsblase bei Bitcoins ist jäh in sich zusammengefallen, was jedoch niemanden der schon einige „Übertreibungscharts“ gesehen hat, überrascht haben sollte. Via Twitter hatte ich frühzeitig gewarnt. Ich denke, dass die Bitcoin-Idee per se gut ist, jedoch die Blasenbildung im wahrsten Sinne des Wortes „einprogrammiert“ ist und eine künftige digitale Währung aus dem Konzept vieles lernen wird. Kaufen würde ich Bitcoins nicht.

Ebenfalls einen Crash haben wir bei Gold gesehen. Da ich gerade erst von einer Familien-Kur an der Ostsee zurückkomme und mich dort in Online-Abstinenz geübt habe, hier meine ersten Gedanken dazu:

  • Der Chart hat lange an einer oberen Umkehr „gebaut“ und es war zu erwarten, dass ein solcher Sell-off kommen würde. Persönlich habe ich ihn schon wesentlich früher erwartet
  • Auch Ratios, z.B. gegenüber dem Dow oder Einfamilienhäusern haben frühzeitig eine Wende angekündigt.
  • Wie sich – wieder einmal – zeigt, ist auch Gold nicht gegen Einbrüche immun. Absolute Sicherheit gibt es nicht. Was zählt sind relative Werte.
  • Der Einbruch signalisiert aus meiner Sicht ein Scheitern der Inflationspolitik der Notenbanken. Das sollte ernsthaft zu denken geben!
  • Da auch andere Rohstoffe stärker eingebrochen sind, kündigt sich aus meiner Sicht hier die nächste deflationäre Zerstörungswelle an. Diese wird die heftigste werden.

Was kommt als nächstes?

Nun, ich vermute, dass die Börsen eine ähnliche Entwicklung nehmen werden, wobei ich mir noch nicht sicher bin, ob es einen schnellen Crash oder eine neue Baisse geben wird. Insofern gilt weiterhin: Gewinne mitnehmen!

Noch ein Wort zu Goldminenaktien: Diese wurden ebenfalls „zerrissen“, sodass ich mit dem Einstieg eindeutig zu früh dran war. Wer jedoch dem skizzierten Plan gefolgt ist und gleichzeitig Gold geshortet hat, sollte in etwa ein ausgeglichenes Ergebnis haben. Auf dem aktuellen Niveau würde ich nun die Gewinne bei dem Gold-Short realisieren und die Minenaktien halten.