Dez 192013
 

Optimismus und Zuversicht allerorten. Das ist derzeit mein Eindruck beim Lesen der Prognosen für das kommende Jahr. Indes gibt es auch diverse bearishe Stimmen, zum Beispiel  Ned Davis („Bereiten Sie sich auf einen 20%-Rückgang bei Aktien vor„), Tom DeMark („etwas vergleichbares zu 1929 kommt„), Bob Janjuah („Ein heftiger Fall ist auf dem Weg„), John Hussman („Die Bewertungsblase bei Aktien erkennen„) oder Harry Dent („Amerika steuert auf ein demografisches Kliff zu und eine weitere Krise ist nahe„).

Tatsächlich gibt es zahlreiche mahnende Signale. Ich teile jedoch die Ansicht von Christine Hughes, Präsidentin und Chef-Investmentstrategin bei OtterWood Capital Management: Wir sind in einer Blase, aber noch ist es zu früh, um eine beginnende Baisse auszurufen:

Kurzfristig spricht viel für eine Korrektur, doch danach dürfte sich die Hausse erst mal noch fortsetzen. Wie lange wird davon abhängen, wie stark die Rallye verläuft. Mein Verdacht ist, dass wir die eigentliche Übertreibungsphase bei Aktien erst noch vor uns haben.

Was danach kommt dürfte jedoch überaus „unschön“ werden. Die Jahre von 2015 bis 2020 werden dramatische Veränderungen bringen. Dazu jedoch mehr in einem anderen Beitrag. 2014 wird jedenfalls vermutlich mit einer Konsolidierung bei Aktien beginnen, der das Finale der Hausse folgt.

Mai 072013
 

„BILD.de  erklärt das Kursfeuerwerk“ können wir heute lesen. Der Artikel hat indes durchaus auch einen mahnenden Tenor, sodass man daraus keine Rückschlüsse auf das Sentiment ziehen kann. Interessant ist jedoch einer der Kommentare:
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Meines Erachtens kann man diesem Beitrag eine gewisse Repräsentativität für den „Normalbürger“ unterstellen. Zumindest ist dies mein persönlicher Eindruck bei Gesprächen in meinem Umfeld. Nicht wenige sind nun eingestiegen, da man auf der Zinsseite nichts mehr verdient.

Was hierbei natürlich übersehen wird ist, dass man eine Rendite am besten risikoadjustiert betrachtet, also die Schwankungsbreite bzw. Volatilität über einen vernünftigen Anlagezeitraum mit berücksichtigt. Seit dem Jahr 2000 haben wir immens große Kursschwankungen erlebt – ein Traum für Trader, ein Alptraum für viele Investoren.

Nun gibt es nicht wenige Strategen, die eine neue Hausse sehen, da wir eindeutig neue Allzeithochs erreicht und damit neue technische Kaufsignale ausgelöst haben. An anderer Stelle las ich, die aktuelle Rallye sei historisch jene der am meisten misstraut wird – was ebenfalls eigentlich ein gutes Zeichen für weitere steigende Kurse ist. Der Unglaube resultiert natürlich aus der Tatsache, dass inzwischen selbst ein Laie weiß, dass die Notenbanken „billiges Geld“ zur Verfügung stellen und deshalb die Kurse geradezu nur steigen können. Und genau mit dieser „Gewissheit“ habe ich ein Problem.

„Never fight the Fed“ ist inzwischen derart populär, dass ich in mir drin eine lautstarke Warnung wahrnehme, denn zu oft sind es gerade diese vermeintlich „sicheren“ Gründe gewesen, die zu den extremsten Enttäuschungen geführt haben. Ich hatte das gleiche Gefühl 2011, als die Edelmetallpreise extrem stark und schnell anstiegen. Damals war es „sicher“, dass Gold schon 2012 auf 3.000 US-Dollar und mehr und Silber gar weit über 100 US-Dollar steigen würde. Die Gründe dafür waren auch einleuchtend, nur dachte ich damals, dass das eben prinzipiell keine neuen Erkenntnisse sind und wir eher am Ende der Bewegung als am Start einer nachhaltigen Rally sind. Somit kam ich zu dem Schluss dass es an der Zeit war, weitere Edelmetall-Käufe nicht nur einzustellen, sondern sogar Bestände abzugeben, was ich auch tat.

Zurück zu den Aktienmärkten: ich weiß nicht was der Auslöser sein wird, aber ich bin mir recht sicher, dass wir irgendwann ein Ereignis erleben werden, das den Glauben an die Macht der Notenbanken in ihren Grundfesten erschüttern wird. Bis dahin könnte natürlich noch etwas Zeit vergehen. Dennoch denke ich, dass jetzt keine gute Zeit ist zu kaufen, sondern das genaue Gegenteil zu tun.

Mein Short-Einstieg war natürlich nun etwas verfrüht, indes habe ich hier nur einen „Fuß in die Tür“ gesetzt und ein Derivat gewählt, das meiner Prognose noch etwas Zeit lässt, um aufzugehen. Ggf. werde ich meine Strategie in den nächsten Tagen hier konkretisieren. Auf jeden Fall möchte ich betonen, dass wir uns in einer Zeit befinden, in der KapitalERHALT ganz eindeutig Vorrang vor Rendite haben muss. Sie werden regelmäßig nicht das genaue Hoch oder Tief erwischen. In Anbetracht der neuen Allzeithochs und der zuletzt euphorischen Titelblätter kann ich Ihnen jedoch versichern, dass wir uns eher in einer Topp-Bildung als am Anfang einer neuen Hausse befinden.

Apr 262013
 
bearish

So lautet eine „alte Börsenregel“, die auf einem durchaus überzeugenden Fundament ruht: der Saisonalität. Und gleich noch einer: „If the VIX is low it’s time to go.“ Der Volatilitätsindex VIX misst die Angst im Markt, welche derzeit nicht mehr vorhanden ist. Insofern mahnt auch diese Regel zum Ausstieg aus den Aktienmärkten.

Ich habe mir in den vergangenen Tagen gründliche Gedanken dazu gemacht, ob man bereits short gehen sollte. Ja, Sie haben richtig gelesen. Während ich bisher lediglich zu Gewinnmitnahmen riet, bin ich drauf und dran das mittelfristige Lager zu wechseln. Wenn ich Blog-Beiträge wie diesen lese denke ich, dass inzwischen nicht wenige Anleger im Markt agieren, die „nur noch“ wegen der vermeintlichen Alternativlosigkeit von Aktien investiert sind, jedoch allmählich ein flaues Gefühl in der Magengegend haben. Das ist eine gute Basis für schnelle und heftige Verkäufe, wenn der Markt mal dreht und bestimmte Chart-Marken reißt.

Generell haben wir fast alle Zutaten für ein längerfristiges Markt-Hoch: ein statistisch mit vier Jahren erschöpfter Bullenmarkt, verstärkte Insider-Verkäufe, schwächere Konjunkturdaten, Unternehmen die schwächere Ausblicke geben, eine ans „Anziehen der Zügel“ denkende US-Notenbank, heftigere Einbrüche bei Einzelwerten, relativ hohen Anleger-Optimismus, sehr bullishe Titel bei Börsenmagazinen, erste technische Warnsignale (z.B. Hindenburg-Omen),… Lediglich die US-Blogger sind derzeit sehr bearish (63% Bären, 19% Bullen), was nicht so ganz ins Bild passt. Vielleicht brauchen wir nochmals ein neues Hoch in den USA, damit auch noch die letzten Bären kippen.

Wie dem auch sei sehe ich derzeit immenses Enttäuschungs- und negatives Überraschungspotenzial, nicht nur hinsichtlich eines Krieges gegen den Iran. Japan hat z.B. die schwächsten Inflationsdaten seit 2010 gemeldet, was doch Zweifel daran aufkommen lässt, ob die Notenbanken selbst mit extremsten Mitteln unmittelbar Inflation erzeugen können.

Insofern liege ich nun für ein Short-Engagement auf der Lauer. Und selbstverständlich habe ich vor diesem Hintergrund nicht vor, irgendein neues Aktienengagement zu eröffnen. Selbst bei den japanischen Aktien, die ich mehrfach und frühzeitig angeraten habe, würde ich nun eher Gewinne sichern und abwarten.

Ergo: Sell in may and go away!

Apr 162013
 

Die Spekulationsblase bei Bitcoins ist jäh in sich zusammengefallen, was jedoch niemanden der schon einige „Übertreibungscharts“ gesehen hat, überrascht haben sollte. Via Twitter hatte ich frühzeitig gewarnt. Ich denke, dass die Bitcoin-Idee per se gut ist, jedoch die Blasenbildung im wahrsten Sinne des Wortes „einprogrammiert“ ist und eine künftige digitale Währung aus dem Konzept vieles lernen wird. Kaufen würde ich Bitcoins nicht.

Ebenfalls einen Crash haben wir bei Gold gesehen. Da ich gerade erst von einer Familien-Kur an der Ostsee zurückkomme und mich dort in Online-Abstinenz geübt habe, hier meine ersten Gedanken dazu:

  • Der Chart hat lange an einer oberen Umkehr „gebaut“ und es war zu erwarten, dass ein solcher Sell-off kommen würde. Persönlich habe ich ihn schon wesentlich früher erwartet
  • Auch Ratios, z.B. gegenüber dem Dow oder Einfamilienhäusern haben frühzeitig eine Wende angekündigt.
  • Wie sich – wieder einmal – zeigt, ist auch Gold nicht gegen Einbrüche immun. Absolute Sicherheit gibt es nicht. Was zählt sind relative Werte.
  • Der Einbruch signalisiert aus meiner Sicht ein Scheitern der Inflationspolitik der Notenbanken. Das sollte ernsthaft zu denken geben!
  • Da auch andere Rohstoffe stärker eingebrochen sind, kündigt sich aus meiner Sicht hier die nächste deflationäre Zerstörungswelle an. Diese wird die heftigste werden.

Was kommt als nächstes?

Nun, ich vermute, dass die Börsen eine ähnliche Entwicklung nehmen werden, wobei ich mir noch nicht sicher bin, ob es einen schnellen Crash oder eine neue Baisse geben wird. Insofern gilt weiterhin: Gewinne mitnehmen!

Noch ein Wort zu Goldminenaktien: Diese wurden ebenfalls „zerrissen“, sodass ich mit dem Einstieg eindeutig zu früh dran war. Wer jedoch dem skizzierten Plan gefolgt ist und gleichzeitig Gold geshortet hat, sollte in etwa ein ausgeglichenes Ergebnis haben. Auf dem aktuellen Niveau würde ich nun die Gewinne bei dem Gold-Short realisieren und die Minenaktien halten.

Mrz 152013
 

Hatte ich kürzlich noch auf das sehr optimistische Sentiment und die euphorischen Titelblätter hingewiesen und daher zum sukzessiven Absichern von Gewinnen an den Börsen geraten, scheint der Markt doch weiter laufen zu wollen. Vielerseits findet sich das Argument, Aktien seien alternativlos, woran angesichts niedrigster Renditen in Folge einer globalen Liquiditätsblase durchaus etwas dran ist. Auch finden sich plausible Beiträge, wonach wir von echter Euphorie noch entfernt sind und wir die „Mauer der Angst“ einfach weiter steigen werden, weil derzeit jeder mit einem Rückschlag an den historischen Höchstmarken rechne.

Per se ist das schlüssig. Und doch tendiere ich zur Vorsicht. Der Volatilitätsindex VIX hat gestern ein Niveau erreicht (11,3 Punkte), wie wir es zuletzt 2007-2008 und zuvor Mitte der 1990er Jahre gesehen haben. Mit anderen Worten: es gibt gewissermaßen keine Angst mehr im Markt. Daraus lässt sich NICHT ableiten, dass wir unmittelbar vor einem Einbruch stehen. Was ich jedoch als nicht unwahrscheinlich erachte ist, dass wir uns nicht mehr fern von einer Topp-Bildung in der seit 2009 laufenden Hausse befinden.

In einem solchen Umfeld ist eine Frage, die man sich durchaus stellen kann: Was könnte schief gehen? Denn dem Angstindikator zufolge gibt es keine nennenswerten Risiken einzupreisen.

Euro-Krise? Alter Hut. Sparzwänge in den USA? Eingepreist. Wirtschaftliche Schwächesignale in China? Längst bekannt. Und wenn doch was passiert, stehen ja die Notenbanken bereit. Aus dem Greenspan-Put wurde ein Bernanke-Put, dann ein Draghi-Put und nun ein genereller Zentralbank-Put. Und es scheint ja auch zu klappen, wie die Explosion des Nikkei zeigt. Dass es in Großbritannien nicht funktioniert kann man da gerne mal übersehen.

Zurück zur Frage, was schiefen gehen könnte. Ein Krieg zum Beispiel. Ja, auch das Thema „Iran“ interessiert kaum noch jemanden, doch eingepreist ist eine Eskalation mitnichten. Und wenn Obama nun sagt „Wir sind der Auffassung, dass Iran etwa ein Jahr brauchen würde, um eine nukleare Waffe zu entwickeln“, dann sollte die präzise zeitliche Eingrenzung doch aufhorschen lassen. Auch die in unseren Medien weitestgehend totgeschwiegenen Angriffe israelischer Siedler auf die al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem sind nicht dazu angetan, Frieden in Nahost zu befördern. Und dann haben wir noch Frankreich, das aus wirtschaftlicher Schwächer heraus außenpolitische Abteuer sucht und nun einseitig die Rebellen in Syrien – allesamt Muster-Demokraten – mit Waffen versorgen will.

Ein Krieg ist sicher nicht wahrscheinlich, aber möglich. Und eingepreist ist ein solches Szenario mitnichten. Andere mögliche „Störfaktoren“ wie die zunehmenden Unstimmigkeiten zwischen der Türkei und dem Irak, Japan und China oder auch wirtschaftliche Schwächesignale allerorten scheinen mir auch zu wenig berücksichtigt.

Aber egal. Die Notenbanken werden es schon richten. Oder die Staaten. Oder der neue Papst. Amen.

Mrz 012013
 

Bereits am 24. Januar 2013 habe ich Sie an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die Titelblätter von Börsenmagazinen und Zeitungen ausnahmslos stark positiv für Aktien sind und man dies als „Sentiment-Warnung“ deuten muss. Heute weist nun auch die Wirtschaftswoche in einem Beitrag darauf hin und schreibt „Verkaufen, wenn der Börsenjubel am größten ist“.

Tatsächlich ist das Sentiment extrem positiv. Der „Hulbert Nasdaq Sentiment Index“ zeigt eine der höchsten bullishen Positionierungen seit dem März 2000! Und auch das von Jeff Seymour entwickelte „Greedometer“ (wörtlich übersetzt „Giermaß“) zeigt Extremwerte an:

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Quelle: marketwatch.com / triwealth.com

Insofern ist weiterhin Vorsicht geboten. Und sollte es im Fiskalstreit in den USA zu einer Einigung und somit womöglich einer Erleichterungsrallye kommen, so würde ich in diese Rally rein verkaufen. Im März dürfte es etwas „ruckeliger“ werden…

Jan 172013
 

Zumindest jenen Investoren, die Aktien nicht auf Sicht von 20 Jahren kaufen und Kostolanys Rat folgen, sich „schlafen zu legen“, sei hiermit angeraten, Gewinne zu sichern – je nach Strategie über einen Stopp-Loss oder (Teil-)Gewinnmitnahmen.

Am 22.09.2011 schrieben wir „Jetzt Aktien kaufen!“. Damals, bei einem DAX-Stand von 5.150 Punkten, herrschte Panik vor und wir rechneten mit einer schnellen Erholung auf über 6.000 Punkte, welche kurz darauf auch eintrat.

Aktuell notiert der DAX bei 7.760 Punkten, also rund 50% höher seit unserem Beitrag. Inzwischen hat sich die Stimmung markant gewandelt, die meisten Prognosen für 2013 sind auffallend bullish. Dass wir im Dezember europaweit einen dramatischen Einbruch der Absatzzahlen bei Neuwagen erlitten haben und in den USA der Zugverkehr klar auf eine nachlassende Konjunktur hindeutet, wird geflissentlich übersehen.

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Quelle: pragcap.com

Auch die sehr positive Stimmungslage unter Fondsmanagern und Kleinanlegern mahnt zur Vorsicht.

Es muss nun nicht gleich zu einem Einbruch kommen. Denkbar ist auch der Beginn einer Seitwärtsphase. Doch es erscheint durchaus sinnvoll, sukzessive Cash aufzubauen. Die Aktienmärkte haben die Entspannung bei der Euro-Krise, die lockere Geldpolitik der japanischen Notenbank sowie die Stabilisierung in China schon zu einem großen Teil eingepreist.

Bald wird Apple Zahlen melden. Die Aktie hat jüngst stark nachgegeben, sodass jederzeit eine Gegenbewegung dieses Index-Schwergewichtes starten kann. Auch die BIP-Daten aus China, die heute Nacht kommen werden, könnten neue Impulse für die Märkte bringen. Möglich ist ein letzter Buying Climax in den nächsten Wochen. Dennoch denke ich, dass es an der Zeit ist, Gewinne zu sichern.

Okt 282011
 

Am 22. September schrieben wir: Jetzt Aktien kaufen! Zitat:

„Vermutlich sieht sich in Anbetracht der Turbulenzen in Kürze auch die Politik zu einem bedeutsamen Schritt genötigt, da – wie von uns ebenfalls angekündigt – die Euro-Krise eskaliert und nun der eigentliche Abstieg der Währung begonnen hat.

Dies sind sehr gute „Zutaten“ um schon bald ein Tief an den Börsen zu erzeugen, von dem eine markante Erholungsrallye einsetzt. Wir können uns durchaus vorstellen, dass der DAX in den kommenden Wochen wieder Regionen um 6.000 erreicht. Ausgehend vom aktuellen Niveau (5.150) ein Plus von über 16%!“

Aktuell notiert der DAX bei 6.400 Punkten – hoffentlich sind Sie unserem Hinweis gefolgt. Das ist ein Plus von über 25%!

Doch was jetzt? Kann man immer noch kaufen? Oder soll man eher Gewinne mitnehmen?

Wir tendieren zu letzterem, denn wir sehen den DAX nicht auf wesentlich mehr als 6.600 Punkte steigen und rechnen im November mit einer Seitwärtsbewegung, die dann ab spätestens Dezember in eine sehr dynamische Abwärtsbewegung übergehen wird. Im ersten Halbjahr 2012 könnte der DAX sogar unter 4.000 Punkte fallen.

Wie jetzt? Die Euro-Krise ist doch gelöst, oder nicht?

Die Euro-Krise ist aus unserer Sicht nicht gelöst, denn weiterhin besteht das Problem, dass der Euro für einen Teil der Länder zu stark, für andere zu schwach ist. Dies ist nur lösbar, indem entweder die schwächeren Länder aus der Euro-Zone austreten, oder aber ein dauerhafter Ausgleich implementiert wird, z.B. via EU-Fiskalpolitik. Weder das eine noch das andere ist derzeit zu erwarten. Leider wird somit die „Unruhe“ in der Euro-Zone ein dauerhafter Zustand bleiben und es ist durchaus möglich, dass gerade die unvollendete Union letztlich zu ihrem nachhaltigen Scheitern führen wird.

Die Fokussierung auf Eindämmung von Schulden wirkt konjunkturbremsend. Der Deleveraging-Prozess wird Jahre anhalten und zu wirtschaftlicher Stagnation und Deflation führen. Ungeachtet dessen mehren sich auch die Signale, die auf eine markante Abkühlung in China hinweisen. Kommt es dort im kommenden Jahr zu einer Art Rezession, dürfte das insbesondere die exportorientierten Länder treffen – also vor allem Deutschland.

Besteht also gar keine Chance auf eine nachhaltige Rallye bzw. eine neue Hausse?

Doch. Positive Signale kamen zuletzt tendenziell aus den USA. Zudem konzentrieren sich nahezu alle Länder darauf, Krisen zeitnah entgegen zu wirken. Es ist daher nicht abwegig, dass die Schuldenbremsen umgangen bzw. „aufgeschoben“ werden und ein neuer globaler Stimulus gestartet wird. Zudem ist mit weiteren Rating-Abstufungen von Ländern zu rechnen. Daher könnte eine nachhaltige Wende an den Anleihenmärkten einsetzen. Wenn dies geschieht, dürften sich die Kapitalströme zu einem großen Teil den Aktienmärkten zuwenden, zumal die Unternehmen über enorme Finanzmittel verfügen.

Die Entscheidung wird sehr bald fallen. Wir sind tendenziell bearish und erwarten in 2012 eine neuerliche Rezession in Europa, den USA und China. Sichern Sie daher Positionen mit Stopps ab. Von neuerlichen Käufen an den Aktienmärkten würden wir kurzfristig absehen, bis sich ein klareres Bild für die kommenden Monate ergibt.

Aug 052011
 

Sind Sie bereit für den schwarzen Freitag? (heute)

Verehrte Leser,

die Aktienbörsen sind weiter im rapiden Sinkflug. Der Dow Jones-Index gab heute Nacht weitere 500 (!) Punkte ab, die Börsen in Fernost legten entsprechend nach.  8 bzw. 9 Tage fallende Kurse, „ordentlich“ fallende Kurse hatten wir zuletzt in der Zeit nach dem Lehman-Kollaps gesehen. Das demonstriert die große Verunsicherung. Zu groß sind die Sorgen um die US-Wirtschaft sowie die Schuldenkrise in Europa und auch in den USA.

Gleichzeitig eilt der Goldpreis derzeit von Rekord zu Rekord und die Rendite der 10-jährigen deutschen Staatsanleihe fällt auf 2,32% und kommt damit ihrem historischen, deflationären Tief von knapp über 2% schon sehr nahe. Auch der Schweizer Franken befindet sich auf Rekordhoch!

Dennoch: wir beobachten die Märkte und Marktakteure sehr aktiv. Von einer Panik kann noch keinesfalls die Rede sein. Viele Fondsmanager, Banken und Vermögensverwalter lösen nur sukzessive ihre Positionen auf. Hier mal Gewinne mitnehmen, dort einen Stop-Loss ziehen. Aber eben kein großes untergewichten im Sinne von: raus aus Aktien. Eher würden wir die aktuelle Lage als einen „disziplinierten Abverkauf mit etwas hektischen Zügen“ bezeichnen. Aber keine Panik! Panik war es, als nach Lehman die Kurse gleich mehrfach zweistellige Prozente an einem Tag abgaben. Das ist Panik! Ein solcher wirklicher Sell-Off fehlt unseres Erachtens dem Markt noch, um diese Konsolidierung abzuschließen oder zumindest einer Zwischenerholung Platz zu geben.

Nun kommen aber heute Nachmittag die US-Arbeitsmarktdaten. Heute ist Freitag. An sich nichts Besonderes, aber: wer möchte in dieser Situation Positionen über das Wochenende halten?? Sollten die Zahlen heute schlechter als erwartet ausfallen, könnte das einen Sell-Off auslösen, der die letzten Tage in den Schatten stellt. Egal welche Besprechung heute in den Banktürmen in London, Frankfurt oder New York ist – das werden alle mit verfolgen, denn diese Zahl ist die wichtigste der letzten Tage. Und alle sitzen mit dem Finger am Knopf, bereit, sofort zu verkaufen. Sollten die Zahlen wirklich schwach sein und die rezessiven Tendenzen der US-Wirtschaft bestätigen, könnte es kurzfristig kein halten mehr geben. Ein weiterer schwarzen Freitag.

Banken hatten fast durchweg Kursziele für den DAX im oberen Bereich der 7.000 – und damit wie die meisten Akteure erneut die Dynamik der Finanzmärkte unterschätzt. Das reflektiert sich auch in spanischen oder italienischen Staatsanleihen, die unlängst ihr Renditehoch erreichten, also deutliche Kursverluste verbuchten. Jetzt beginnen Banken, z.B. die Société Générale vor zwei Tagen, erst langsam ihre Positionen in diesen Anleihen abzuschreiben.

Indes, bei aller gerechtfertigten Kritik an Banken und all denen die glaubten, die Börsen würden all das, was wir derzeit erleben, konsequent ignorieren. In einem Punkt haben sie recht: Auch wenn Aktien massive Kursschwanken haben können und künftig weiter haben werden (wie sagte jungst ein befreundeter Banquier zu uns: „langfristiges Investieren in Aktien ist kurz – bis mittelfristig vorbei!“), es sind Sachwerte! Sachwerte sind das Gebot der Stunde (des Jahrzehnts) und wenn Investoren auch zu dieser Erkenntnis gelangen, sollten sie, sofern sie es noch nicht getan haben, den heutigen Tag zum Kauf von Aktien nutzen.

 

Jul 132011
 

Seit Monaten besticht der Deutsche Aktienmarkt (DAX) durch eine beeindruckende Stärke. Deutsche Unternehmen profitieren massiv durch die „Euro-Krise“, da nicht nur der schwache Euro den Export unterstützt, sondern auch das Zinsniveau relativ zu niedrig ist und Unternehmen sich somit sehr günstig refinanzieren können. Die Credit Suisse schreibt aktuell:

„In dieser Woche schauen wir uns Deutschland an, für das wir seit Monaten ‚Übergewichten‘ empfehlen und auch weiter daran festhalten. Wir haben vier Hauptgründe für unsere positive Einschätzung Deutschlands:

Erstens denken wir, dass deutsche Unternehmen sehr wahrscheinlich in der Lage sein werden, Lohnerhöhungen an ihre Kunden weiterzugeben. Auch die Kapazitätsauslastung impliziert Spielraum für Preiserhöhungen.

Zweitens, robustes Gewinnwachstum und abnehmende Risikoaversion eröffnen Spielraum für weitere Anstiege.

Drittens […] profitiert das Land durch seine Exportorientierung und dem Boom der Schwellenländer sowie dem Niveau des EUR. Deutschland profitiert stark von der weltweiten Nachfrage, denn sein Exportanteil beträgt rund 40% des BIP.

Und viertens, moderate Bewertung in Bezug auf die traditionellen Bewertungskennziffern […]. Würden sich die KGVs für DAX-Unternehmen auf ihrem historischen Durchschnitt von 15 für die Ergebnisse der kommenden 12 Monate befinden, würde der DAX auf Basis der aktuellen Gewinne oberhalb von 10.000 Punkten notieren, da die Gewinnzahlen nun höher liegen als 2007 (siehe Grafik).

Wir favorisieren Adidas, Allianz, BASF, BMW, Daimler, Deutsche Post, Fresenius Medical Care, Henkel Vz., Infineon, SAP, Siemens und Volkswagen.“

Schaut man sich einige Charts aus den Bereichen Banken und Versicherungen an, z.B. Deutsche Bank, Allianz oder Münchener Rück, erscheint es sehr fraglich, ob der DAX tatsächlich ein Niveau von 10.000 Punkten erreichen kann. Solange indes der Exportmotor läuft, spricht auch nicht viel für eine neuerliche Baisse. Die Grundtendenz ist demnach weiter positiv.