Mrz 122013
 

In seinem jüngsten Blog-Beitrag hat David Pieper eine Makro-Analyse von Charles Hugh Smith eingebunden – ein absolut sehenswertes Video. Es beschreibt das „globale Endspiel in 14 Punkten“, eine Makro-Analyse zu Kredit- und Wirtschaftszyklen. Besonders hervorgehoben wird der deflationäre Zyklus:

deflation-zyklus

Wir befinden uns demnach gerade in der Phase, in der Staaten über Strafzölle und Währungseingriffe versuchen, Vorteile gegenüber anderen Staaten zu gewinnen. Wie ich hier beschrieben habe ist ein Währungskrieg jedoch nicht zu „gewinnen“, wenn so viele Länder daran teilnehmen. Japan hat eher deshalb „Erfolg“ damit, da es einfach an der Zeit war/ist.

Folgt man dem Zyklus der Deflation, so werden wir spätestens im kommenden Jahr wieder verstärkt über Werksschließungen und Pleiten in der Presse lesen. Die Reflation über Quantitative Easing der Notenbanken wird scheitern, da sie nicht die strukturellen Aspekte (Überkapazitäten, zu hohe Verschuldung) löst, sondern diese nur verschleiert und zu finanzieller Spekulation führt, welche wiederum die Kluft zwischen Arm und Reich erweitert.

Ich rechne fest damit, dass noch im laufenden Jahr – von mir charakterisiert als Wendejahr – der nächste große wirtschaftliche Abschwung beginnen und womöglich um 2015 in einer Art Depression enden wird.

2015/2016 sind für mich generell weiterhin die heißesten Kandidaten für das „Finale“, da immer mehr „Baby- Boomer“ dann zeitgleich Liquidität aufbauen werden. Womöglich wird dann irgendein Auslöser dazu führen, dass die „Schein-Sicherheiten“ (Derivate) und aufgeblasenen „Finanzwerte“ (Anleihen, Aktien) plötzlich – binnen weniger Wochen – eine dramatische Neubewertung erfahren. Bis dahin könnte indes die „Reise nach Jerusalem“ an den Finanzmärkten noch eine Weile anhalten, sprich: Anleihekurse hoch und somit die Zinsen niedrig bleiben, eine neue Blase bei japanischen Aktien entstehen.

Feb 122013
 

Der Yen hat kürzlich binnen weniger Wochen dramatisch gegenüber nahezu allen anderen Währungen verloren. Eine ähnliche Entwicklung dürfte bald beim britischen Pfund beginnen.

Kaum ein anderer Staat steht global dermaßen schlecht da wie Großbritannien. Die Industrieproduktion befindet sich auf dem Niveau Ende der 1980er Jahre.

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Zwei Millionen Menschen im Alter zwischen 25 und 44 haben die Insel in den letzten zehn Jahren verlassen um woanders zu arbeiten und zu leben – ein echter Braindrain. Und offensichtlich wollen die Briten auch keine Immigranten, die dies womöglich etwas ausgleichen könnten.

Eine nicht unwesentliche Bedeutung hat diese demografische Entwicklung auch für den Schuldendienst. Die Verschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt liegt im Vereinigten Königreich sogar noch höher als in Japan.

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Dabei wird sich dies wohl noch weiter zuspitzen. Nach einer Studie der US-Investmentbank Morgan Stanley wird die Neuverschuldung im laufenden Jahr auf knapp acht Prozent des BIP steigen. Das ist höher als in Griechenland oder Spanien. Ich rechne daher fest damit, dass die Briten ihr AAA-Rating noch im laufenden Jahr verlieren werden.

Hohe Schulden sind auch für große Teile der Bevölkerung ein ernstes Problem. Ein Fünftel der Briten, die sich in den Ruhestand begeben, sind verschuldet, 27.000 an Krebs erkrankte Menschen können ihre Rechnungen nicht zahlen. Das Vereinigte Königreich steuert auf eine wirtschaftliche und soziale Katastrophe zu.

Auch dass Großbritannien erwägt aus der EU auszutreten hat ernste Konsequenzen, denn allein die Möglichkeit wird viele Unternehmen dazu anhalten, sehr sorgfältig zu prüfen, ob und ggf. welche Investitionen auf der Insel dann noch Sinn machen. Da wundert es nicht, dass man sich nicht allzu offensiv gegen die Banken in der Londoner City stellen möchte – immerhin ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der noch halbwegs läuft. Doch dieser allein wird das Vereinigte Königreich nicht retten, zumal auch hier abgebaut wird. Eine Schuldenkrise „anderen Typs“ deutet sich hier an: nicht eine mögliche Pleite wie in Griechenland, sondern eine erhebliche Abwertung der Währung bei markant steigender Inflation.

Das britische Pfund ist demnach für die nächsten Jahre ein klarer Short. Ich rechne mit einer Abwertung von bis zu 30% gegen den US-Dollar in den nächsten zwei Jahren. Dann würde ein Pfund nur noch ca. 1,10 US-Dollar kosten (akt. GBP/USD 1,565).

Dazu passt auch, dass im Januar 2015 die Zusammensetzung der Sonderziehungsrechte (SZR) des IWF neu bestimmt werden. Das britische Pfund ist heute in diesem Währungskorb mit 11% gewichtet, die Währung hat aber nur drei Prozent Gewicht im Welthandel. Ich nehme an, dass bei einer künftigen globalen Währungsreform das SZR eine bedeutende Rolle einnehmen wird. Doch bis dahin ist noch etwas Zeit. Kurzfristig heißt es: Auf zur nächsten Währungskrise!

Jan 242013
 

In einem Interview mit Handelsblatt Online prognostiziert Hans Redeker, Chefstratege bei Morgan Stanley, dass der Euro binnen der kommenden zwei Jahre auf 1,05 US-Dollar fallen wird. Er begründet dies mit dem Wiedererstarken der USA und damit, dass die EZB der Währungspolitik Japans folgen wird, um „die Gefahr einer Kreditimplosion zu verhindern“.

Aber die Euro-Krise ist doch vorbei, oder nicht?

Nein, ist sie nicht. Es wurde lediglich Zeit gekauft, aber keines der strukturellen Probleme wirklich gelöst. Das sieht auch Felix Zulauf so, der beim Barron’s Round Table eine ähnlich pessimistische Prognose wie Redeker äußerte und längerfristig weiterhin mit einem Austritt zahlreicher Länder aus dem Euro rechnet.

Also US-Dollar kaufen?!

Mit einer kleinen Gewichtung womöglich sinnvoll, wenngleich auch der US-Dollar inhärent keineswegs stabil ist. Auch wenn den USA keine Schuldenkrise a la Griechenland droht, so ist der US-Dollar letztlich auch nur ein Zahlungsversprechen, das vom Glauben seiner „Anwender“ lebt. Doch dieser Glaube könnte eben markant länger halten als jener an den Euro.

Wer einen Schutz seiner Kaufkraft sucht, kommt auch an Edelmetallen wie Gold und Silber kaum vorbei. Doch Edelmetallpreise sind sehr volatil. Und in einer ernsten Krise könnte doch ironischer Weise gelten, „Bargeld lacht!“. Denn die meisten Strategen, die eine ausufernde Inflation proklamieren, verkennen die Tatsache, dass wir heute in einem Kreditgeldsystem leben und Buchgeld quasi „über Nacht“ verschwinden kann. Fiat Money hat also prinzipiell „zwei Richtungen“. Insofern können Edelmetalle ebenfalls nur eine Ergänzung sein.

Ich kann an dieser Stelle nur wiederholen: was zählt sind relative Werte! Wie viel Öl kann ich mit einer Unze Gold kaufen? Wie viel „DAX“ erhalte ich für eine Tonne Weizen? Wie viele Jahresgehälter kostet ein Haus im Vergleich zum historischen Durchschnitt?

Damit kommen Sie zu einer strategischen Vermögensaufstellung. Relativ betrachtet sind zum Beispiel – trotz der imposanten und frühzeitig richtig von mir angekündigten Rallye – japanische Aktien sehr günstig. Und auch die Agrarrohstoffe (Kaffee, Weizen) sind strategisch ein Long. Auf der Währungsseite dürften ausgewählte Währungen einiger südasiatischer Länder weiter aufwerten. Und taktisch dürften Aktien aus den Bereichen Medizintechnik und Biotechnologie weiter outperformen.

Wenn Sie sich hier richtig aufstellen, wird es relativ „egal“ sein, ob der Euro auf 1,05 US-Dollar fällt oder nicht. Zur Erinnerung: 2003 standen wir schon mal auf diesem Niveau. Und wirklich gestört hat sich zumindest meiner Erinnerung nach niemand daran…