Feb 252014
 

Auf fuw.ch war kürzlich der folgende Chart zu finden:

Japan_Demografie_Deflation

Wichtig ist demnach die Erkenntnis, dass es eine sehr enge Korrelation zwischen Deflation und Bevölkerungsentwicklung gibt.

Die japanische Notenbank bzw. die Regierung haben es sich zum Ziel gesetzt, die Inflation auf etwa zwei Prozent anzuheben um damit neues Wachstum zu erreichen. Die Idee ist also, die Konsumenten aus Angst vor Geldentwertung zu Ausgaben zu animieren.

Nun, wenn wir uns die Grafik ansehen, sollte klar werden, dass dies kein leichtes Unterfangen ist. Bei wikipedia erfahren wir zudem zur Demografie Japans:

„Die Bevölkerung begann 2005 zu schrumpfen, als 1,067 Mio. Geburten 1,077 Mio. Todesfälle gegenüberstanden. Unter Annahme der derzeitigen Geburts- und Todesraten wird die Bevölkerung von 127 Millionen im Jahre 2005 auf 100 Millionen im Jahr 2050 und gar auf nur 64 Millionen im Jahr 2100 gefallen sein.“

Wenn man sich mal den typischen Ausgabenzyklus eines Menschen vorstellt, so leuchtet es ein, dass die größte „Konsumfreude“ vorherrscht, wenn eine Familie gegründet wird – also im Alter zwischen 30 und 40 Jahren. Ich kann das aus persönlicher Erfahrung (3 Kinder) voll bestätigen… :-) Konsum hat doch weniger mit „Spaß“ oder „Präferenzen“ denn mit „Notwendigkeiten“ zu tun.

Und genau hier liegt das Problem: die japanische Geld- und Fiskalpolitik kann daran nichts wesentlich ändern. Im Gegenteil: Jeder Konsum in höherem Alter belastet künftigen Konsum, ohne dass „Ersatz“ nachkäme. Die Demografie-Kurve Japans weist unerbitterlich und klar in eine einzige Richtung: abwärts.

Ich bin daher davon überzeugt, dass Quantitative Easing in Japan scheitern wird. Mehr noch: der anhaltende Versuch, Japans Wirtschaft wieder in Gang zu setzen („Abenomics“), wird einen „Infarkt“ bzw. Kollaps auslösen. Man stelle sich mal vor, man würde einem betagten 65-Jährigen ständig Anabolika spritzen, damit er wieder so schnell läuft und so stark wird wie ein 20-Jähriger. Das mag eine Zeit lang scheinbar klappen. Doch es braucht nicht viel Verstand um einzusehen, dass man damit eher ein Risiko verstärkt denn eine Chance schafft.

Wie mehrfach hier auf kaufkraftschutz.de beschrieben wird Japan im Ruin enden. Und ich glaube, es wird eine Art von Ruin sein, die wir lange Zeit nicht vergessen werden. Konkret erwarte ich, dass sich Japans Staatsverschuldung so lange weiter aufblähen wird, bis der Glaube an den Yen und die Macht von Regierung und Zentralbank vollkommen erodiert ist – insbesondere bei der eigenen Bevölkerung. Sobald dieser psychologische Wendepunkt erreicht ist, wird irgendein Auslöser – z.B. ein stärkeres Erdbeben, ein Crash in China, ein lokaler Krieg – zu einer Panik führen, den keine Notenbank und kein Staat der Welt mehr aufhalten können wird. Kapital wird aus Japan abrupt fliehen und die Wirtschaftsleistung in einer Schockstarre geradezu zum Erliegen kommen – ähnlich wie 2008, nur noch wesentlich dramatischer.

Ein Extrem-Szenario? Vielleicht. Doch genau damit rechne ich. Und zwar um das Jahr 2020. Erinnern Sie sich an mich und diese Seite, wenn es so weit ist. Niemand soll sagen, es wäre nicht vorhersehbar gewesen! Die größte Blase heute ist nicht das QE oder die Bewertungen von Wertpapieren oder Immobilien, sondern der blinde Glaube an staatliche Institutionen, staatliche Versprechen und die „Steuerbarkeit“ von Wirtschaft abseits von fundamentalen Entwicklungen wie der Demografie.

  6 Responses to “Quantitative Easing in Japan wird scheitern und zum Kollaps führen”

  1. Hallo Marco,
    erst einmal danke für Deinen Beitrag. Finde ich wie immer super! Ich stimme Dir in Deinen Ausführungen auch prinzipiell zu. Genauso wenig wie die Alchemisten im Mittelalter aus Blei Gold machen konnten, können die Zentralbanker langfristig durch Gelddrucken echten Wohlstand/Reichtum erzeugen.

    Allerdings sollten wir die Macht der Zentralbanken auch nicht unterschätzen. Das haben viele bei der letzten Finanzkrise getan und sind nun bei dem laufenden Boom (Anleihen/Aktien) der letzten Jahre nicht dabei (ich z.B.).
    Was den exorbitanten Schuldenstand von Japan betrifft http://de.statista.com/statistik/daten/studie/166131/umfrage/staatsverschuldung-japans/) denke ich, dass da noch ordentlich getrickst werden wird. Die BoJ hält heute ca. 25% der Staatsschulden (http://www.timepatternanalysis.de/Blog/2013/04/04/japan-boj-reist-die-schleusen-auf/). Was spricht dagegen, dass dieser Anteil weiter erhöht wird (z.B. auf 40 bis 60%) und dann die Schulden mit einem Schlag annulliert werden. Wie das gehen soll? Einfach: (http://www.nzz.ch/finanzen/uebersicht/boersen_und_maerkte/debatte-um-annullierung-von-staatsschulden-1.17759016).

    Wie R. Rethfeld m.E. korrekt anführt (http://www.wellenreiter-invest.de/sites/default/files/WellenreiterWoche/Wellenreiter121106.htm) wurden die Sünden (Ausgaben) ja bereits in der Vergangenheit begangen, weshalb das Ausbuchen nicht wirklich Inflation hervorrufen sollte. Höchstens aufgrund von psychologischer Unsicherheit könnte es Turbulenzen geben. Des Weiteren wird ja durch diesen Vorgang kein privater „Anleger“ geschädigt (Banken/Vers./Halter von Bonds), da deren Bonds nicht ausgebucht werden und ihren vollen Wert beibehalten. Und Voila, steht die BoJ auf einmal nur noch mit der Hälfte der Schulden da (was bei Japan dann immer noch >100% vom BIP wären).

    Ich denke, wenn es hart auf hart kommt, werden die Zentralbanken (egal ob Fed oder BoJ) ein Ausbuchen der Schulden als „einmaligen“ ;-) Schritt erwägen. Ich denke schon länger über diese Möglichkeit nach (Artikel sind von 2012) und mir fällt kein Grund ein, warum man es nicht so machen sollte. Es wäre ja einfach nur ein weiteres „Experiment“ ;-)

    Letztendlich wird sich der Ruin durch solche Aktionen wohl nicht abwenden lassen, aber ich denke, der wird eher schleichend und ggf. noch langsamer von statten gehen. Argentinien war von 1900 bis 1950 eines der reichsten Länder der Welt… Japan halt von 1950 bis 2000 ;-)

    • Hallo Christoph,

      ein valider Punkt, mit dem ich mich ebenfalls schon gedanklich auseinander gesetzt habe. Wenn es jedoch so leicht wäre, Schulden einfach auszubuchen, muss man sich die Frage stellen, warum das zuvor nicht schon erfolgreich gemacht wurde. Und wieso sich der Staat überhaupt am Markt refinanzieren muss. Geld für alle! ;-)

      Letztlich denke ich, ist das eine Frage der Psychologie. Das Ausbuchen von Schulden ist faktisch ein Staatsbankrott. Selbst wenn man es als „einmaligen internen Buchungsprozess“ auslegt, sollte ein solcher Vorgang doch ganz grundsätzlich das Vertrauen in den jeweiligen Staat und dessen Währung erschüttern. Im Falle Japans sind die größten Halter der Staatsanleihen die eigenen Bürger und Banken. Ich sehe nicht, wie man einen Schuldenschnitt bewerkstelligen kann, ohne dass dies die Banken und/oder Bürger in Bedrängnis bringt. Es könnte sogar genau das Gegenteil dessen passieren, was man sich mit einem solchen Schritt erhofft: Trotz einer neuen niedrigeren Staatsverschuldung erfolgt ein völliger Vertrauensverlust, ein vollständiger Stopp des Konsums aus Angst vor Altersarmut, eine panikartige Kapitalflucht.

      Das Ergebnis wäre also dasselbe. Und ich denke, man kann eine solche Überlegung nicht isoliert betrachten. Käme es in Japan zu ernsthaften Erwägungen über die Annullierung von Staatsschulden, würde das m.E. global „Unruhe“ erzeugen.

      Nein, ich befürchte, einen so einfachen Weg wird es nicht geben.

      Beste Grüße,

      Marco

      P.S. Ein Gedanke der mir nicht aus dem Sinn geht: Wenn QE eine dauerhafte Aktivität bleibt, müsste dann nicht die Mutter alle Spekulationsblasen bei Aktien entstehen? Wenn der Dow in 3 Jahren bei >30.000 notiert, wissen wir es…

      • Hallo Marco,

        danke für Deine Ausführungen zu dem Thema. Das mit der Vertrauenssache könnte in der Tat der Grund sein, warum das bisher noch nicht gemacht wurde. Wie dem auch sei: Zentralbanken können dauerhaft QE betreiben und damit die Zinslast des eigenen Staates niedrig halten und die aus QE resultierenden Zinsgewinne sogar wieder an den Schuldner (Staat) zurücküberweisen (ist ja fast genauso gut wie ausbuchen ;-) Das Privileg haben natürlich nur die Top-Zentralbanken, aber mit diesem Perpetuum Mobile kann man einen Staatsbankrott auch ganz schön lange hinauszögern…

        >QE eine dauerhafte Aktivität bleibt, müsste dann nicht die Mutter alle Spekulationsblasen bei Aktien entstehen
        Wenn die Zentralbanken selber massiv Aktien mit ihren QE Geldern kaufen würden, dann sicherlich. Letzendlich können Zentralbanken alle Boote (Assets) nach oben treiben, wenn Sie denn nur wollen.
        Ansonsten sollten doch irgendwann auch mal wieder die Dividenden und Gewinnerwartungen eine Rolle spielen, oder? Daher gehe ich jetzt nicht von einem Durchmarsch auf 30K aus. Eine Spekulationsblase bei Dividendentiteln, ähnlich der Nifty Fifty http://en.wikipedia.org/wiki/Nifty_Fifty in den 70ern könnte ich mir allerdings schon vorstellen…

  2. […] kaufkraftschutz.de: Quantitative Easing in Japan wird scheitern und zum Kollaps führen […]

  3. Goldman Warns Of 6.5% Japanese GDP Collapse, Worst Since Lehman

    http://www.zerohedge.com/news/2014-08-02/goldman-warns-65-japanese-gdp-collapse-worst-lehman

  4. The Death Of A Nation: Japanese Births Drop To Lowest Ever, Deaths Hit All Time High

    http://www.zerohedge.com/news/2015-01-02/death-nation-japanese-births-drop-lowest-ever-deaths-hit-all-time-high

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