Jan 272015
 

Das würde Hamlet womöglich heute fragen, wenn er aufmerksamer Börsenbeobachter wäre und den südkoreanischen Aktienindex KOSPI vor Augen hätte:

kospi

Chart-Quelle: Yahoo

Wie man sieht, erweist sich Südkorea schon seit geraumer Zeit als Underperformer. Dies überrascht, wenn man an bekannte Marken wie Daewoo, Hyundai oder Samsung denkt, die allesamt immer „präsenter“ erscheinen. Was also ist „faul“ in der viertgrößten Volkswirtschaft Asiens?

Seit 2009 hat der südkoreanische Won signifikant gegen Euro, Yen und US-Dollar aufgewertet. Abenomics in Japan dürfte insbesondere Südkorea belasten, da die beiden Länder in vielen Bereichen konkurrieren. Doch auch der zunehmende Wettbewerb aus China ist nicht zu unterschätzen. China mausert sich immer mehr auch zu einem starken Hightech-Konkurrenten, der nicht selten preislich deutlich überlegen ist, z.B. bei Smartphones, Tablets etc. Und die Länder in Südostasien (Thailand, Vietnam, Indien) streben ebenfalls nach ihrem Anteil am Weltmarkt, etwa in der Autoindustrie. Zudem dürfte Südkorea die Konjunkturflaute in Europa spüren. Die EU ist für Südkorea nach China der zweitwichtigste Abnehmer von Waren.

Der KOSPI läuft Gefahr, eine große Top-Formation auszubilden. Es ist zwar denkbar, dass auch die südkoreanische Notenbank stärker in den „Währungskrieg“ einsteigt, doch Japan und nun Europa sind bereits wesentlich exzessiver unterwegs. Es ist für Südkorea – ähnlich wie für die Schweiz – überhaupt nicht möglich, dieses „Spiel“ zu gewinnen. Die Chancen für einen Ausbruch des KOSPI nach oben erscheinen daher aus meiner Sicht wesentlich geringer als ein Ausbruch nach unten. Sollte der südkoreanische Aktienmarkt unter 1.800 Punkte fallen, könnte sogar eine sehr dynamische Abwärtsbewegung einsetzen.

Vermutlich wird darüber die weitere Entwicklung des Yen entscheiden. Sollte die japanische Währung weiter abwerten, was aus meiner Sicht sehr wahrscheinlich ist, dürfte die südkoreanische Wirtschaft noch mehr unter Druck geraten. In diesem Fall könnte sich eine „Long Nikkei-Short Kospi-Strategie“ als sehr lukrativ erweisen.

  3 Responses to “Was ist faul im Staate Südkorea?”

  1. Bank Of Korea Unexpectedly Cuts Interest Rate To Record Low 1.75%

    „Moments ago the BOK unexpectedly (the move was predicted by just 2 of 17 economists polled by Bloomberg) cut its policy rate from 2.00% to a record low 1.75%, in what is clearly a full-blown retaliation against the collapse currency of its biggest export competitor, Japan, whose currency has cratered to a level that many in South Korea believe has become a direct subsidy for its competing exports. As such the only question is why the BOK didn’t cut earlier.“

    http://www.zerohedge.com/news/2015-03-11/bank-korea-unexpectedly-cuts-interest-rate-record-low-175-24th-central-bank-ease-201

    Wie im Beitrag beschrieben hat Südkorea keine Chance…

  2. Eine passende Passage aus einem Interview mit John Mauldin:

    „Ein Yenkollaps würde jedoch koreanische oder deutsche Exporte abwürgen.
    Korea hat im Gegensatz zu Japan nicht die Option, Geld zu drucken. In Korea entstünde Inflation. Deshalb muss Korea irgendwann kompetitiver werden. Japan wird seine Währung zerstören. Ein Honda, ein Toyota oder ein Infinity wird günstiger sein als ein Kia, und der Sony-Fernseher wird weniger kosten als ein Gerät von Samsung“

    http://www.fuw.ch/article/funf-krisen-werden-die-finanzwelt-dominieren/

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