Es scheint, als gäbe es in der Finanz- und Wirtschaftspresse nur diese eine Frage. Beide Lager, Inflationisten und Deflationisten bombardieren sich regelrecht mit Fakten und Argumenten, die ihr Szenario zu untermauern versuchen. Und in der Tat, beide Seiten wissen gute Aspekte ins Feld zu führen:
Die Inflations-Prediger führen zunächst das gigantische Aufblähen der Geldbasis an und sehen die anziehenden Verbraucherpreise vor allem als Symptom dieser Geldmengenaufblähung. Bis dato hat die Liquiditätsflut nur zu Asset Price Inflation geführt, speziell bei Aktien, Rohstoffen und Edelmetallen. Nun durchläuft sie sukzessive in Form von steigenden Rohstoffkosten ihren Weg durch die gesamte Wertschöpfungskette, sodass in Folge, so die Inflations-Prediger, jetzt die Konsumentenpreise schon wieder ansteigen. Und dann sorgen auch noch die Schwellenländer, allen voran China und Indien, für zusätzlichen Preisauftrieb. Daher befinden sich auch die Notenbanken in einer Zwickmühle: sie können sich keinen restriktiven Kurs erlauben, da viele Nationen unter ihrer enormen Schuldenlast leiden. Insofern sei auch kein Ende der geldpolitischen Lockerung möglich.
Fazit Inflation: Ausgeuferte Geldmenge, steigende Lebensmittel- und Rohstoffpreise, verstärkte Asset-Blasen.
Indes, auch die Deflations-Prediger wissen sich zu wehren. Zunächst führe eine lockere Geldpolitik nicht automatisch zu höheren Inflationsraten – das beste Beispiel hierfür ist der Inbegriff der Deflation, Japan! Zudem funktioniert in den entwickelten Märkten der Geldfluss immer noch nicht ordentlich und der Schuldenabbau und die starke Orientierung auf Liquidität bei Geschäftsbanken (z.B. hinterlegtes Rekordvolumen von Banken bei Zentralbanken) signalisieren, dass die lockere Zinspolitik der Notenbanken nicht in Kreditwachstum umgesetzt wird. Und nein, auch eine Überhitzung der Schwellenländer bedeute nicht automatisch Anziehen der Inflation, zumal die Auslastung des Produktivvermögens immer noch auf Vorkrisenniveau rangiere; insofern auch kein steigender Preis- und Lohndruck aufkomme. Höhere Lebensmittel- und Energiepreise verringern sogar eher die verfügbaren Realeinkommen, da Privathaushalte ihre Einkommen naturgemäß nicht in gleichem Maße anheben können; dieser kontinuierliche Kaufkraftverlust verstärkt im Gegenteil sogar die Risiken einer Konjunkturabkühlung, was eher deflationär wirkt. Bis dato sieht man einen verhaltenen Anstieg von Löhnen und Gehältern in etablierten Industrienationen. Ein schwacher Arbeitsmarkt speziell in den USA mit einer Anzahl Langzeitarbeitslose auf Rekordniveau paart sich trotz vermeintlich grandiosem Arbeitsmarkt mit fallenden Reallöhnen seit über zehn Jahren in Deutschland. Und dann auch noch der negative Realzins, der oftmals, wenn auch zeitversetzt um ein Jahr, ein Hinweis für sinkende BIP-Wachstumsraten ist.
Fazit Deflation: nach wie vor starke Lohnzurückhaltung, erhöhte Kreditausfälle sowie eine weiter sinkende Umlaufgeschwindigkeit.
Es erscheint wirklich sehr komplex, sich ein klares Bild zu machen, ob wir nun eher in Richtung Deflation oder eher in Richtung Inflation steuern. Und man kann es auch noch weiter verkomplizieren: Selbst wenn die Inflationsrate im Euro-Raum länger über 2% liegen sollte, von Mai 2000 bis Mai 2006 lag sie de facto fast ständig über dem EZB-Zielkorridor von 2%, wenn auch nur marginal. Das ist aber nicht automatisch mit Zinserhöhungen einhergegangen. Also ist das Zinsrisiko vielleicht doch nicht so hoch? Und hüten Sie sich vor Ihren Emotionen: die “gefühlte Inflation” wird in beide Richtungen zu stark wahrgenommen, so eine Untersuchung der UniCredit Bank über den Zeitraum 01.03.1992 bis 01.03.2011.
Und, wissen Sie jetzt, was uns in den kommenden Jahren erwartet? Nein? Letztlich gibt es nur ein paar „Regeln“, die sich vor Augen führen sollten:
- Es gibt keine 100%ige Sicherheit, egal wer was sagt.
- Suchen Sie aus der Vielfalt der Argumente die Prämissen, die Ihnen am plausibelsten erscheinen.
- Vermeiden Sie so weit wie möglich Verluste.
- Beachten Sie die Kosten (bedenken Sie indes: alle Anlagen kosten Geld).
- ENTSCHEIDEND: streuen Sie Ihre Anlagen und Ihren Vermögensaufbau so breit wie möglich. Denn Sie wissen eben nicht, was die Zukunft bringt!
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Ab welchen TERs/ sind denn die Kosten für Produkte als zu hoch einzustufen? Jährlich ab 1,5%? Oder weniger?
Und wie misst man Risiko? Als PM wage ich die Behauptung, dass man jedes Risiko “neutralisieren” kann. Nur: wie? Reicht die Volatilität zur Messung des Risikos aus?