Jan 112013
 

Es ist ein immer wiederkehrendes Muster, dass Staaten die wirtschaftlich zurückfallen damit beginnen, außenpolitische „Erfolge“ zu suchen – nicht selten durch Kriege, welche das eigene Volk ablenken sollen. Vor diesem Hintergrund sind einige Sorgen um unser Nachbarland Frankreich angebracht.

Nachdem Frankreich in Tunesien für seinen Traum einer Mittelmeer-Union einen empfindlichen Rückschlag erlitten hat, will man nun in Mali gegen die „Islamisten“ unterstützen und hat dort bereits Elitesoldaten im Einsatz. Bereits in der Zentralafrikanischen Republik ist das französische Militär aktiv und auch in die Elfenbeinküste hatte man 2011 Truppen verlegt.  Auch wenn Präsident Hollande hervorhob, dass für Frankreich die Zeiten vorbei seien, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen, so muss man sich doch fragen, was diese Worte wert sind.

Frankreich war maßgeblich Initiator des Umsturzes in Libyen (was sicherlich auch handfesten Öl-Interessen geschuldet war), droht Iran mit einem militärischen Präventivschlag und zeigt sich auch hinsichtlich Syrien aggressiv. Da es zwischenzeitlich einen Wechsel des Präsidenten in Frankreich gab, sich jedoch am außenpolitischen Agieren nichts geändert hat, muss man wohl eine generelle „Offenheit“ gegenüber militärischen Interventionen proklamieren.

Dies ist im Hinblick auf die schwache Wirtschaftslage als durchaus bedenkliche Entwicklung zu sehen. Alt-Kanzler Gerhard Schröder hat Recht mit seiner Kritik am wirtschaftlichen Vorgehen der Franzosen, doch während die Deutschen die Agenda 2010 und andere Maßnahmen hinnahmen, zeigt sich das französische Volk nicht bereit für solche Reformen. Und die jüngsten Vorkommnisse hinsichtlich reichen Franzosen, die wegen einer geplanten 75%-Besteuerung (!) das Land verlassen, insbesondere der Aufruhr um Gérard Depardieu, zeigen einen sehr bedenklichen Links-Ruck, der für ganz Europa negative Folgen haben könnte.

Besonders gefährlich wird es, wenn sich die wirtschaftliche Kluft zwischen Deutschland und Frankreich weitet. Auch wenn man in Politiker-Kreisen nicht müde wird, die deutsch-französische Freundschaft zu betonen, so herrscht doch in Frankreich nach wie vor eine gewisse Unruhe vor einem zu mächtigen Nachbarn. Sollte Hollande einst offensiv gegen Deutschland agieren, wird dies sehr große Fragen seitens Investoren in Euroland aufwerfen. Als die bestimmenden „Kernländer“ der EU ist ein zukünftig mögliches Zerwürfnis der beiden Länder eine ernste Gefahr für die Stabilität des Euro – weit mehr als ein Austritt Griechenlands es je sein kann.

Insofern gilt es diese Entwicklungen sehr aufmerksam zu verfolgen. Und dies auch noch vor einem ganz anderen Hintergrund: Die Entsendung von Patriot-Raketen in die Türkei lässt erkennen, dass die Wahrscheinlichkeit eines größeren Krieges im Nahen Osten markant gestiegen ist. Es wäre eine bittere Ironie der Geschichte, wenn es nun Frankreich wäre, das durch einen selbst initiierten Krieg gegen Syrien den „Bündnisfall“ bewirkt und Deutschland erneut in einen großen Krieg  gezogen würde.

  6 Responses to “Führt Frankreichs wirtschaftliche Schwäche zu einem Krieg in Nahost?”

  1. Wenn die Briten schon nicht gerne in der EU mitmachen – beim Krieg in Afrika sind sie dabei:

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/britische-soldaten-stehen-fuer-mali-einsatz-bereit-a-878912.html

    Dieser Satz gibt doch sehr zu denken:

    „Großbritanniens Premier Cameron bezeichnet den Kampf gegen islamistischen Terror als „Generationenaufgabe“.“

  2. „In den letzten fünf Jahren machte sich bei den meisten Offizieren – oft sehr gläubigen Katholiken – die Überzeugung breit, dass die Macht der französischen Armee von den Präsidenten Sarkozy und Hollande auf private oder ausländische Interessen der Amerikaner und Israelis abgelenkt wurde.“

    http://www.voltairenet.org/article177266.html

  3. Kampf gegen Assad: Frankreich erwägt Alleingang bei Waffenlieferung

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/frankreich-will-im-alleingang-waffen-an-syrische-rebellen-liefern-a-889026.html

    Ich empfinde das Vorgehen Frankreichs als zunehmend gefährlich. So macht man sich Feinde. Hoffentlich lassen sich die Deutschen da nicht reinziehen!

  4. Ebenfalls sehr lesenswert:

    Die atomare Verlobung Frankreichs mit China und der Krieg in Mali

    http://www.heise.de/tp/artikel/38/38699/1.html

    Das habe ich hier bereits aufgegriffen:

    http://www.kaufkraftschutz.de/denken-sie-ueber-uran-aktien-nach/522

  5. Lesenswertes Interview von Peter Scholl-Latour dazu, der die Aktivitäten der Franzosen ganz grundsätzlich gut heißt:

    http://www.heise.de/tp/artikel/38/38790/1.html

    An Scholl-Latour schätzte ich seine stets nüchterne und kenntnisreiche Betrachtungsweise.

  6. Ein lesenswerter Artikel über das französische wirtschaftliche Siechtum:

    http://www.wiwo.de/politik/europa/krise-in-paris-frankreichs-absturz-ist-programmiert/8038310.html

    Der Euro wird m.E. an Frankreich zerbrechen, nicht an den „Süd-Staaten“.

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