Mrz 082013
 

Die US-Ölimporte sind im Dezember 2012 auf das niedrigste Niveau seit dem Jahr 1992 gefallen. Dies hat dazu geführt, dass China die USA als weltgrößter Importeur von Erdöl abgelöst hat. Die US-Ölproduktion ist zuletzt auf 7 Millionen Barrel pro Tag gestiegen.

us-öl-produktion

Mussten die USA vor sieben Jahren noch zwei Drittel ihres Erdöls importieren, so ist es heute nur noch ein Drittel.

Der Grund liegt im kontrovers diskutierten Fracking, das zu einem neuen Gas- und Öl-Boom in den USA geführt hat. Sie finden hier einen sehr lesenswerten Beitrag, der die Methode und die Risiken beleuchtet. Das Thema ist dermaßen bedeutend, dass selbst die US-Notenbank es jüngst in ihrem Beige Book mehrmals hervorgehoben hat. Doch die Mehr-Produktion in der US-Öl- und Gasbranche entspricht gerade mal knapp 0,2% des Bruttoinlandsprodukts.

Man sollte jedoch erwarten, dass sich die Entwicklung positiv auf die Handelsbilanz auswirkt, was wiederum den US-Dollar unterstützen würde. Doch nach den erst gestern gemeldeten Zahlen hat sich das US-Handelsbilanz-Defizit sogar noch ausgeweitet. Dennoch deutet sich längerfristig eine Wende in der Handelsbilanz an.

us-handelsbilanz-ab1992

Insofern könnte der US-Dollar in den nächsten Monaten weiter zulegen, zum Beispiel gegen den Kanadischen Dollar. Indes wird selbst eine stark ausgeweitete Öl-Produktion durch Fracking nicht ausreichen, um die nach China verlorene Güter-Produktion auszugleichen. Und der derzeit medial stark präsente 3D-Druck-Hype wird auch noch einige Jahre brauchen, um die Wirtschaft markant umzuwälzen.

Man sollte die überschwänglichen Berichterstattungen zum Fracking und zur neuen US-Ölimport-Unabhängigkeit nicht überbewerten. Längerfristig sind zudem die wahren Kosten und Risiken des Fracking nicht abzusehen. Kommt es z.B. zu einem schweren „Unfall“, der auf das Fracking zurückgeführt werden kann, dürfte das Thema womöglich einen größeren Schaden erleiden als die Kernkraft durch den Vorfall in Fukushima. Und dann würde sich die US-Handelsbilanz womöglich schlagartig wieder deutlich verschlechtern.

Ein steigender US-Dollar ist somit keineswegs sicher. Es ist sogar nicht ganz abwegig, dass der US-Dollar kurz vor einem zyklischen Hoch steht und wir in den nächsten Monaten eine neuerliche Talfahrt des US-Dollar-Index sehen werden. Der auf Zyklen fokussierte Charles Nenner sieht hingegen erst für 2014 den Beginn einer ernsten Dollar-Krise.

Wie dem auch sei: Fracking wird voraussichtlich keine nachhaltig positive Wirkung auf den US-Dollar haben.

  2 Responses to “Fracking und der US-Dollar”

  1. Das passt doch recht gut hier hin:

    „Die Kfw hat im Rahmen einer Studie untersucht, ob die USA durch die Fördermethode Wettbewerbsvorteile gewinnen würde. Das Ergebnis: Langfristig könnten den USA sogar Nachteile drohen, stellten die Experten fest.“

    http://www.wiwo.de/unternehmen/industrie/kfw-studie-fracking-bietet-usa-langfristig-keinen-vorteil/8042010.html

  2. Lesenswert:

    „Trotz des Fracking-Booms: Die viel beschworene Renaissance der US-Industrie durch niedrige Energiepreise lässt auf sich warten. Zudem drohen Quellen vorzeitig zu versiegen. Im schlimmsten Fall könnte die Gas-Gier ähnliche Folgen haben wie 2008 der Immobilienhype.“

    http://www.manager-magazin.de/politik/artikel/0,2828,897343,00.html

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