Mai 022013
 

Ein wesentlicher Treiber der Börsenkurse weltweit ist das künstliche Niedrighalten der Zinsen durch die Käufe von Staatsanleihen durch Notenbanken. Dies erhöht den Anreiz, zu vermeintlich niedrigen Kreditkosten hohe Risiken einzugehen. Der Fachbegriff für das Vorgehen der Notenbanken ist bekanntlich „Quantitative Easing“ und in den zurückliegenden Monaten hat sich hier vor allem die Bank of Japan „einen Namen gemacht“, wie wir es seinerzeit auch erwartet hatten.

Nun hat der Yen schon markant abgewertet und es gibt inzwischen nicht wenige Investoren, die sogar mit einem Yen-Crash rechnen. Ich sehe das – kurzfristig – anders und glaube, dass es sogar eine überraschende Yen-Rally geben könnte, was wiederum zu Auflösungen zahlreicher Carry Trades und damit womöglich einer recht scharfen Kursreaktion an den Börsen führen könnte.

Schauen Sie sich dazu auch diesen Beitrag an, der auf eine Divergenz hinsichtlich des Yen/US-Dollar zur Zinsdifferenz bei 10-jährigen Staatsanleihen USA/Japan hinweist. Ich vermute, dass diese Lücke durch einen recht schnellen Anstieg des Yen gefüllt werden wird. Warum? Versetzen Sie sich einfach in die Situation der Portfoliomanager, die via Yen Carry Trade die Märkte „spielen“. Diese haben immense Buchgewinne zu verzeichnen, denn zu den steigenden Börsenkursen kamen noch der Yen-Absturz UND fallende Zinsen dazu. Im Prinzip kann es damit – kurzfristig – fast nicht mehr besser werden und die Verlockung muss immens groß sein, Gewinne zu realisieren.

Wenn man sich dann klar macht, dass wir inzwischen statistisch gesehen eine bemerkenswerte Kaufpanik gesehen haben und die Märke nun auch saisonal anfällig sind für Kursverluste, so glaube ich, dass sich hier Potenzial für einen neuerlichen „Flash Crash“ ergibt, da eine Wende bei einigen dieser Indikatoren dazu führen wird, dass – wieder einmal – alle Handelssysteme recht gleichzeitig zum Ausstieg blasen.

Und schaut man sich den Nikkei rein charttechnisch an, so sind wir nun bei einem Widerstandsbereich angekommen, der geradezu zu einer ersten Konsolidierung einlädt. Diese könnte den Nikkei m.E. durchaus bis auf ca. 11.000 Punkte zurückführen (aktuell 13.700), was immerhin einem Rückschlag von 20% entsprechen würde. Eine solche Entwicklung dürfte von Kursrückgängen an nahezu allen anderen Märkten begleitet sein. Persönlich habe ich daher nun meine ersten Puts (auf den DAX) erworben, welche angesichts der niedrigen Volatilität noch „günstig“ sind.

Abschließend jedoch ein mahnender Hinweis: technische Indikatoren und insbesondere Divergenzen verlieren durch den zunehmend staatsplanerischen Charakter der Märkte markant an Aussagekraft. Und ein „Flash Crash“ ist statistisch gesehen extrem unwahrscheinlich, darauf zu setzen also ein „Zock“. Den Put habe ich primär gekauft, weil auch andere Aspekte für eine nahende Wende an den Börsen sprechen. Wichtig ist jedoch zu sehen, dass sich aus den Yen Carry Trades – auch längerfristig – nicht unwesentliche Risiken ergeben, welche m.E. früher oder später zu unerwarteten, schnellen und unkontrollierbaren Entwicklungen führen können.

  2 Responses to “Flash Crash durch Yen Carry Trade Auflösungen voraus?”

  1. Hi,
    könntest Du bitte mitteilen, welche Puts auf den DAX Du genau gekauft hast? Rein Interessehalber, ich bestätige vorab, dass das dann keine Kaufempfehlung / Beratung Deinerseits darstellt. Gerne auf über E-Mail. Danke.

  2. Japanese Government Bonds Halted Limit Down; Yields Spike To 10 Week High; Worst Day In 5 Years.

    Solche Meldungen dürften der japanischen Notenbank die Schweißperlen auf die Stirn bringen, denn in den Bonds steckt das größte Sparvermögen der Japaner und der Staat wäre ab einem Zinsniveau von 3% pleite. Zur Erinnerung:

    http://www.kaufkraftschutz.de/begeht-japan-einen-verhaengnisvollen-fehler/545

    Aus QE gibt es keinen Weg zurück ohne Kollaps. Sobald das mal klar geworden ist, werden alle aus Anleihen fliehen die können. Die Notenbank wird am Ende alle Emissionen kaufen müssen. Spätestens dann wird jeder Glaube an die Währung verloren sein.

    Doch bis dahin wird es noch etwas dauern. Kurzfristig wäre ich nicht überrascht, wenn die BoJ etwas zurückrudert und damit die oben beschriebenen Carry Trade Auflösungen auslöst.

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