Okt 082014
 

Wie bereits in früheren Beiträgen beschrieben, erscheint die Facebook-Aktie substanziell überwertet. Auch die Übernahme von WhatsApp ist recht teuer. Meine jahrelange Erfahrung hat mich jedoch gelehrt, dass es „finanziell tödlich“ sein kann, zu früh aus fundamentalen Überlegungen heraus short zu gehen. Oder in den Worten Mises:

„Ich lernte, dass es an der Wall Street keine Weisheit mit mehr Wahrheitsgehalt gibt als jene, die irrtümlich John Maynard Keynes zugeschrieben wird: Die Märkte können länger irrational bleiben, als du solvent bleiben kannst.“

Warum sehe ich nun die Zeit für ein Short-Investment auf Facebook gekommen?

Zum Einen sind da die immer populärer werdenden Mesh-Netzwerke. Ich sehe eine Zukunft, in der eben nicht alle Menschen auf einer einzigen kommerziellen Plattform wie Facebook kommunizieren, sondern sich eher spontane unabhängige Netzwerke bilden. Apps wie FireChat könnten sogar ganz grundsätzlich das Internet in seiner Bedeutung schwächen.

Zudem ist es keineswegs gewiss, dass Facebook der Platzhirsch bleibt. Newcomer wie Ello werden zwar regelmäßig „mitleidig belächelt“, doch warum sollte es Facebook nicht ähnlich ergehen können wie einst Yahoo – die von Google verdrängt wurde, obwohl Yahoo eine dominierende Position im Bereich Web-Suche inne hatte.

Und es besteht auch die nicht zu unterschätzende Möglichkeit, dass sich ein nachhaltiger Trend des „No-digital“ entwickelt. Schon jetzt nehmen immer wieder bekannte Persönlichkeiten digitale Auszeiten. Persönlich erwarte ich, dass sich User immer weniger auf Facebook aufhalten werden. Die Bindungskraft lässt spürbar nach, nicht wenige sind der Timeline überdrüssig, andere nutzen immer mehr den Facebook-Messenger statt des eigentlichen Dienstes. Facebook bindet somit zwar die User an seine Tools, doch die investierte Zeit pro User nimmt ab.

Das gewichtigste „Bären-Argument“ bleibt jedoch, dass Vertrieb über bzw. Werbung auf Facebook wenig effektiv zu sein scheint und das Geschäftsmodell zwingend zu Interessenkonflikten führt. Und wenn die ersten Websites dazu übergehen, den Like-Button und andere Tracker wieder zu entfernen, geht Facebook ein immens wichtiges Analyseinstrument und Verkaufsargument sukzessive verloren.

Ich nehme an, dass Facebook in den nächsten Monaten über stagnierende Nutzerzahlen berichten wird. Enttäuschende Geschäftszahlen werden ab dem kommenden Jahr folgen. Aus meiner Sicht kann man eine erste Short-Position wagen. Das weitere Kurspotenzial nach oben erscheint begrenzt, auch wenn ein weiteres Allzeithoch nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann (Kurs akt. 77,42 USD).

  10 Responses to “Facebook-Short – es ist so weit”

  1. Teens are officially over Facebook

    „Now, a pretty dramatic new report out from Piper Jaffray — an investment bank with a sizable research arm — rules that the kids are over Facebook once and for all, having fled Mark Zuckerberg’s parent-flooded shores for the more forgiving embraces of Twitter and Instagram. Between fall 2014 and spring 2014, when Piper Jaffray last conducted this survey, Facebook use among teenagers aged 13 to 19 plummeted from 72 percent to 45 percent. In other words, less than half of the teenagers surveyed said “yes” when asked if they use Facebook.“

    http://www.washingtonpost.com/news/the-intersect/wp/2014/10/08/teens-are-officially-over-facebook/

  2. […] kaufkraftschutz.de: Facebook-Short – es ist so weit […]

  3. Hallo Herr Feiten,

    welche open End put Optionschein würden Sie denn empfehlen? Ich habe lange nichts mehr von Ihnen im gelben Forum gelesen.

    Viele Grüße und Danke

    Peter Köhler

    • Hallo Herr Köhler,

      ich möchte nicht öffentlich konkrete Derivate empfehlen. Meiner Erfahrung nach verliert die überwältigende Mehrheit der Anleger damit dauerhaft Geld. Hoffe auf Ihr Verständnis.
      Das Gelbe Forum besuche ich inzwischen nur noch selten. Die Inhalte sind für mich oftmals uninteressant, zum Teil auch fragwürdig. Das war früher anders.

      Viele Grüße,
      Marco Feiten

  4. Here we go:

    FaceBook Crashing After Hours After Guiding Sharply Lower Q4 Revenue Growth

    http://www.zerohedge.com/news/2014-10-28/us-and-canada-there-are-13-facebook-users-every-employed-worker

  5. Facebook bald mit toxischer Bilanz?

    „Der reale, greifbare Unternehmenswert (Cash, Gebäude usw.) stagniert. Die Vermögenswerte von Facebook wachsen nur auf der immateriellen Seite. In der Bilanz sieht das so aus als würde der Konzern immer mehr Substanz bekommen, aber das ist ein gefährliches Spiel. Zunächst muss man auch noch sagen, dass ca. 30 Mrd. USD an Vermögenswerten in keinem Verhältnis zum Börsenwert von 200 Mrd. stehen. Hinzu kommt durch den großen Anteil an immateriellen Werten die Gefahr hoher Abschreibungen.“

    http://www.godmode-trader.de/analyse/facebook-bald-mit-toxischer-bilanz,3944487

  6. Facebook verdient sein Geld vor allem mit jungen Mitgliedern. Eine 19-Jährige schreibt, warum sie dem Netzwerk nicht mehr traut und es künftig meiden will.

    http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2014-11/facebook-datenschutz-ausspaehen-werbung

  7. Facebook rechnet sich schön

    „Bei genauerer Analyse der Ergebnisse lässt sich die Skepsis der Investoren schnell nachvollziehen. So weist Facebook für das vierte Quartal einen Anstieg des operativen Gewinns um fast 50 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar aus. Das Problem ist aber, dass das der bereinigte operative Gewinn ist. Der tatsächliche operative Gewinn stagnierte mit 1,13 Milliarden Dollar nur auf dem Vorjahresniveau. Grund sind die hohen Kostensteigerungen, die auf die Marge drücken: Während die bereinigte operative Marge mit 58 Prozent in der Nähe des Rekordniveaus lag, war die tatsächliche operative Marge auf 29 Prozent eingebrochen.

    Und weshalb sieht der bereinigte Gewinn dann so schön aus? Weil Facebook einfach die Kosten für die Aktienoptionen des Managements von hohen 896 Millionen Dollar heraus gerechnet hat. Und die Abschreibungen von 177 Millionen Dollar auf immaterielle Vermögenswerte gleich mit.“

    http://www.n-tv.de/wirtschaft/Facebook-rechnet-sich-schoen-article14422186.html

    Es sollte klar sein, dass das unsauber ist. Aus meiner Sicht ein klares Zeichen der Schwäche. Und die wirklichen Profis dürften das auch so sehen. Facebook ist fertig.

  8. Mit dem neuen Hoch ist der Short ausgestoppt.

    Dennoch denke ich, dass Facebook noch vor dem Ende des Dekade in erheblichem Ausmaß an Bedeutung verloren haben und die Aktie eine sehr negative Entwicklung nehmen wird.

    Dazu auch:

    Warum ich nicht mehr bei Facebook bin (und welche Rolle Gefühle dabei spielen)
    http://petranovskaja.com/facebook/

    Get your loved ones off Facebook
    http://saintsal.com/facebook/

    Solche Berichte nehmen zu. Auch Google Trends zeigt ein nachlassendes Interesse:
    https://www.google.com/trends/explore#q=facebook

  9. Peak FaceBook?

    „But the reason one can’t help but wonder just how much of FB’s „users“ are merely robotic autoclicks and/or originate at various clickfarms somewhere in Asia, is that taking the Google Trends chart posted above, and refreshing it as of today, reveals something troubling.

    That something is whether, despite the company’s loud protests to the contrary, that Facebook’s peak has come and gone, and what remains is the MySpace/Friendster inevitable supernova as Facebook’s easily distracted users go on to cooler, newer venues.“

    http://www.zerohedge.com/news/2015-04-22/peak-facebook

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