Feb 202014
 

Wie schon im Beitrag „Ist die Facebook-Aktie der Short der Dekade?“ geschrieben, mangelt es dem Unternehmen an einem nachhaltigen Geschäftsmodell, um die aktuelle Börsenbewertung von rund 175 Milliarden US-Dollar zu rechtfertigen. Heute erfahren wir vom jüngsten Deal, der aus meiner Sicht den Anfang vom Ende einleitet: Facebook übernimmt den Kurznachrichtendienst WhatsApp und zahlt dafür 19 Milliarden US-Dollar!

Begründet wird der Schritt mit den 450 aktiven Millionen WhatsApp-Nutzern. Doch welchen Sinn macht das? Gerade Nutzer hat Facebook doch wahrlich genug. Und wie Martin Weigert treffend in seinem Blog erklärt, kann WhatsApp nicht mit einem Lock-in-Effekt überzeugen, der eine solch astronomische Bewertung eventuell rechtfertigen könnte.

Schön bringt das auch dieses Tweet von Alex Rubalcava auf den Punkt:

tweet_whatsapp_valuation

In der Liste fehlen noch ICQ, Trillian und Windows Life Messenger…

Klar: eine solche breite Marktdurchdringung hatte noch keiner dieser Dienste. Doch ich könnte mir vorstellen, dass WhatsApp auf Sicht von ein bis zwei Jahren zu stagnieren beginnen wird. Gerade seit den Snowden-Enthüllungen gibt es doch ein größeres Bewusstsein für die eigenen Daten. Wer möchte nun Facebook auch noch Zugriff auf sein Telefonbuch und weitere Daten geben?

Unterstellen wir, dass WhatsApp werbefrei bleibt, kann man auch folgende Rechnung aufmachen: 450 Millionen User mal 1 US-Dollar jährliche Abo-Gebühr ergibt 450 Millionen US-Dollar Umsatz (ich lasse mal unberücksichtigt, dass sehr viele iPhone-Nutzer gar keine Gebühren zahlen müssen). Nehmen wir einfach mal pauschal eine exzellente Marge von 40% an, kommen wir auf einen Jahresgewinn von 180 Millionen US-Dollar – und damit bei einer Bewertung von 19 Milliarden US-Dollar für das Unternehmen auf ein KGV von 105. Günstig ist das wohl nicht.

Zuletzt muss man sich ganz generell die Frage stellen, ob dieser Schritt strategisch richtig ist. Wie oben beschrieben gab und gibt es etliche Messenger, WhatsApp hat keine nachhaltigen Alleinstellungsmerkmale.

Ich sehe diesen Schritt daher als Anfang vom Ende und bin mir recht sicher, dass Facebook schon zum Ende dieses Jahres nicht mehr auf die aktuelle Börsenbewertung kommen wird. Der Social Media Hype steht nahe am Zenit. Es ist also nun an der Zeit, sich nach Short-Möglichkeiten umzusehen.

  3 Responses to “Facebook: der Anfang vom Ende”

  1. […] kaufkraftschutz.de: Facebook: der Anfang vom Ende […]

  2. schau dir mal an, wer der geldgeber von den beiden war!
    und von instagram….
    dann weeste woher der wind weht…..somit hast du natürlich recht, dass diese ganzen social drecksbuden den bach runter gehen werden!

  3. whatsapp hat doch praktisch fast nichts gekostet. Bezahlt wurde mit Facebook-Aktien auf Allzeithoch, also im worst case mit beinahe wertlosem Papier.

    Ich persönlich bin mit meinem Facebook-Short aktuell massiv unter Wasser und fürchte, dass die Irrationalität mal wieder länger andauert, als die Laufzeit meiner Scheinchen.

    Abwarten. IMHO zieht die Meute früher oder später weiter und lässt Facebook zurück, so wie vormals myspace, studiVZ etc. Gleiches gilt für whatsapp. Dies ist in USA bei weitem nicht so verbreitet, weil dort seit Jahren SMS-Flatrates verbreitet sind. Hier in Europa haben die Netzbetreiber den Trend einfach verschlafen und versuchen nun mit joyn die Wiederbelebung.

    Ich selbst nutze diverse Messenger, da mein Freundeskreis relativ fragmentiert ist. Dabei laufen vielleicht 10 % des Traffic über whatsapp, aber 60 % über iMessage. Schön wäre, wenn Apple iMessage für Android und Windows öffnet. Dann könnte sich whatsapp bzw. nunmehr Facebook einsargen lassen.

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