Jan 222014
 

Social Media ist gerade „in“. „Liken Sie uns auf Facebook“ hört man beim Frisör, im Radio, im Online-Shop… Doch wozu? Was bringt es wirklich?

Ich selbst nutze Facebook privat nur höchst sporadisch und kann keinen tieferen Wert darin erkennen. Publizieren kann man auch auf Tumblr, WordPress und etlichen anderen Blogs und Foren. Mit Freunden vernetzen kann man sich ebenso auf etlichen Wegen und wesentlich spezifischer – ungeachtet dessen, dass E-Mail und Telefon noch lange nicht „tot“ sind. Facebook weist demnach – abgesehen von einer gigantischen Anzahl an Nutzern (1,2 Mrd.) – kein Alleinstellungsmerkmal auf. Und gerade die Nutzerzahl könnte kurz vor ihrem Zenit stehen. So wenden sich die Teens bereits von Facebook ab und kommunizieren stattdessen immer mehr über Apps wie WhatsApp und WeChat. Inzwischen finden sich auch immer öfter Artikel wie dieser: „11 gute Gründe, Ihren Facebook-Account zu löschen“.

Dabei möchte Facebook doch gerade jetzt mit der Kommerzialisierung so richtig starten. Es wurde mehrfach kritisiert, dass das Unternehmen kein richtiges Geschäftsmodell habe. Nun möchte Facebook den „Social Commerce“ forcieren, wozu natürlich fleißig die Nutzerdaten ausgewertet werden. In Zeiten von NSA & Co. dürfte das regelmäßig zu neuen Diskussionen führen und das Geschäftsmodell bremsen. Und die persönliche Timeline gefüllt mit Werbung und irrelevanten Beiträgen von „Freunden“ macht auch immer weniger Spaß.

Kommt also der Absturz der Nutzerzahlen, so wie es bei wer-kennt-wen.de, studiVZ und MySpace war? Wenn es nach der Princeton University geht: ja. In einem aktuellen Paper beschreiben John Cannarella und Joshua A. Spechler, dass Facebook bis zu 80 Prozent der User bis 2017 verlieren könnte.
facebook_myspace

Darüber kann man geteilter Meinung sein, doch die Möglichkeit möchte ich keineswegs ausschließen. Erinnern Sie sich an Netscape Navigator? Das war DER Browser Anfang der 1990er Jahre – heute dominieren Google Chrome, Microsoft Internet Explorer, Mozilla Firefox und Opera. Oder ist Ihnen noch ICQ ein Begriff? Dieser Messenger schien DIE Killer-Applikation zu sein. Und Yahoo galt zur Jahrtausendwende als DIE Suchmaschine und DAS Portal zum Internet… Es war immer das gleiche: einem imposanten Aufstieg folgte ein ebenso imposanter Fall.

Nun muss es Facebook nicht so ergehen und sicherlich dürften sich einige schlaue Köpfe genau damit befassen, dass es eben nicht so kommt. Aber dann ist da eben noch die Börsenbewertung. Facebook wird heute mit 142 Mrd. USD bewertet. Das ist doppelt so hoch wie die Kapitalisierung der Deutschen Telekom. Das KGV von Facebook liegt bei 150. Im Vergleich zu amazon freilich „spottbillig“ (KGV 1.460 gemäß Yahoo Finance), doch der zentrale Punkt in diesem Beitrag ist Nachhaltigkeit. Facebook hat aus meiner Sicht kein nachhaltiges Geschäftsmodell. Der Nutzen der Dienste steht in keinem Verhältnis zur aktuellen Bewertung und ich sehe auch bis auf weiteres nicht, dass die „social search“ die „normale“ Websuche ablösen wird.

Was ich indes erwarte ist, dass sich immer mehr Unternehmen wieder von Facebook verabschieden werden, weil der Return on Investment (ROI) negativ ist und wohl auch bleibt. Denn Facebook erweist sich immer mehr als B2B-Alptraum. Daher dürften die Werbeeinnahmen schneller beginnen zu stagnieren als viele denken.

Ich wage daher an dieser Stelle die Prognose, dass die Facebook-Aktie in den nächsten Monaten toppen und dann in einen immens starken Abwärtstrend übergehen wird. Wenn wir Yahoo ab dem Jahr 2000 als Blaupause nehmen, dann wird die Facebook-Aktie vom Hoch aus um 95% fallen! Damit könnte Facebook der „Short der Dekade“ werden.

Kurzfristig sind natürlich weitere Übertreibungen nach oben nicht auszuschließen. Doch aus meiner Sicht ist Facebook ein klarer Kandidat für die „Short-Watchlist“.

Was denken Sie?

  13 Responses to “Ist die Facebook-Aktie der Short der Dekade?”

  1. Facebook ist eine reine bubble…doch schlimmer und mit noch massiveren kursverlusten bis zum völligen niedergang halte ich twitter. Bricht fb mal wird twitter in noch stärkerem ausmaß folgen.

    • Hallo marc,

      Twitter nutze ich recht intensiv. Der Nutzen liegt darin, Informationen von Menschen mit ähnlichen Interessen in sehr gebündelter Form folgen zu können. Das ist ähnlich wie ein RSS-Feed und trägt dem „Information Overload“ Rechnung. Ob das Unternehmen damit 34 Mrd. USD wert ist, möchte ich natürlich ebenfalls hinterfragen…

      Mit besten Wünschen,
      Marco

  2. Anschauen:

    The Problem With Facebook
    http://www.youtube.com/watch?v=l9ZqXlHl65g

    „Facebook may have reached its peak“…

  3. […] kaufkraftschutz.de: Ist die Facebook-Aktie der Short der Dekade? […]

  4. Nun ja, das AKTUELLE Geschäftsmodell ist eben das Ansammeln von Daten. Allerdings kann sich das schnell wandeln. Die Geschichte ist voll von Unternehmen, die so groß wurden, dass sie sich leisten konnten, etwas ganz anderes zu werden (Nokia, BMW, Google etc. etc.).

  5. Hallo Marco,

    deine Überlegungen dürften wohl stimmen und ich kann dem viel abgewinnen. Short gehen würde ich aber erst, wenn es auch im Kurs ersichtlich ist, dass es abwärts geht. Ein Kandidat für die Short-WL aber auf alle Fälle!
    LG
    Günter

  6. Hier ein anderes Szenario, das eine positive Neuausrichtung beschreibt:

    Facebook, das Jahr 2017 und der Milliardenkonzern, der sich neu erfand
    http://netzwertig.com/2014/01/24/ein-blick-in-die-zukunft-facebook-das-jahr-2017-und-der-milliardenkonzern-der-sich-neu-erfand/

  7. So, mit dem heutigen Kurssprung beginnt nun die erwartete finale Übertreibungsphase. Börsenwert jetzt 152 Mrd. USD. Ich schätze, Facebook könnte bis Sommer den Bereich um 80 USD erreichen. Dann sollte die Stunde der Bären schlagen. Ich werde sehr genau auf Distribution achten (hohe Umsätze bei stagnierendem Kurs) und dann diesen Beitrag updaten. Bis dahin üben wir uns in Geduld.

  8. Hallo zusammen,

    genau das hatte ich schon im November 2012 geschrieben und skizziert:

    http://www.elliott-waves.com/freie-analysen/warum-facebook-die-bedeutungslosigkeit-droht/11060/

    Man also nicht in Princeton studiert haben, um so etwas zu erkennen. ;)

    Viele Grüße,
    Robert Schröder

  9. Hat denn jemand eine Idee, welches Zertifikat o.ä. sich gut eignen würde um an einem deutlichen Kursverlust zu partizipieren? Bin auf dem Gebiet relativ unbedarft…

  10. Auch das ist lesenswert und sicher keine gute Entwicklung für Facebook:

    Klickfarmen bringen Facebooks Anzeigensystem aus dem Gleichgewicht

    Dass es bei Facebook Klickbetrug und gefälschte Likes gibt, ist bekannt. Der Videoblogger Derek Muller beschreibt nun aber, wie vor allem legitime Seitenbetreiber, die Facebooks Anzeigenplattform nutzen, unter dieser Problematik leiden.

    http://netzwertig.com/2014/02/11/fake-likes-klickfarmen-bringen-facebooks-anzeigensystem-aus-dem-gleichgewicht/

  11. Facebook zwingt zum Messenger
    „Das ist eine Riesenschweinerei!“

    http://www.stern.de/digital/telefon/facebook-zwingt-zum-messenger-das-ist-eine-riesenschweinerei-2130119.html

    Ich bin gespannt, wie lange die Facebook-User das noch mitmachen. Facebook scheint abgehoben zu haben und sehr selbstsicher. Hochmut bekommt bekanntlich vor dem Fall. Und der Börsenwert von 180 Mrd. USD erscheint mir weit überhöht. Ich sehe in der Branche, dass Facebook immer mehr als Last denn Freude empfunden wird und sich immer mehr Geschäftstreibende wieder abwenden. Vielleicht ist es an der Zeit zu shorten.

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