Jan 152015
 

Die Schweizer Nationalbank (SNB) hat überraschend ihren Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro aufgehoben und die Zinsen gesenkt. Das Währungspaar EUR/CHF bricht dramatisch ein – zwischenzeitlich um über 25%! Dieser Schritt wird zahlreiche Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt haben und dürfte – wie so häufig in den letzten Jahren – diverse Schieflagen erzeugen.

Damit hat die SNB meiner Einschätzung nach die Büchse der Pandora geöffnet. Wie im Beitrag „Die Schweiz steuert auf eine Finanzkrise zu“ dargestellt, ist sie ein unglaublich hohes Fremdwährungsrisiko eingegangen, das jetzt voll zum tragen kommt.

Für heute ist mit Stützungskäufen zu rechnen. Doch wie viele Marktteilnehmer dürften noch immer im Schweizer Franken Schulden halten, die im Euro-Raum investiert sind? Das gilt insbesondere auch für die SNB selbst.

Ich denke, dass die SNB den Schweizer Franken mit dem exorbitanten Quantitative Easing nachhaltig geschwächt und in geradezu unverantwortlicher Weise das Schweizer Finanzsystem einem systemischen Risiko ausgesetzt hat. Die Folgen wird man meines Erachtens in zwei bis drei Jahren erst wirklich erkennen.

Das ist das Ende des Finanzplatz Schweiz wie wir ihn über Dekaden kannten. Ich wiederhole aus meinem letzten Blog-Beitrag:

„Insofern warne ich hiermit eindringlich und meiner Kenntnis nach bisher als einziger Marktstratege explizit vor Investments jeglicher Art in der Schweiz.“

Heute fällt der Schweizer Aktienmarkt um fast 10%. Sie waren und sind gewarnt. Die Schweiz ist kein sicherer Hafen mehr – im Gegenteil.

  4 Responses to “Die SNB hat die Büchse der Pandora geöffnet”

  1. Mark Dittli von „Finanz und Wirtschaft“:

    Eigenkapital der SNB per Ende Nov 2014: 73,3 Mrd. CHF. Mark-to-Market-Verlust heute wohl rund 70 Mrd. CHF.

    Q.E.D.

  2. „Die SNB hat in der Phase der Interventionen ihre Rücklagen und ihr Kapital kaum gestärkt. Vor der Finanzkrise lagen sie bei ca. 50 Mrd. Zuletzt lagen sie bei 75 Mrd. Allein heute hat die SNB über 60 Mrd. verloren. Die Grafik zeigt den Verlauf der Assets, der Rücklagen und der Rücklagen sowie Eigenkapital als Prozentsatz der Assets. Dieser lag vor kurzem noch bei 16%. Heute ist er auf 3% geschmolzen. Vielleicht ist es sogar weniger.

    Eine normale Bank wäre jetzt bankrott. Das wird der SNB wohl nicht passieren. Die Assets werden wahrscheinlich einfach zu Buchwert bilanziert werden. Dennoch muss man wohl sagen, dass das heute wohl den größten Spekulationsverlust aller Zeiten gebracht hat. Es gab schon viele Banken und Investmenthäuser, die sich verspekuliert hatten. In den Finanzkrise waren die Löcher riesig. 60 Mrd. Verlust an einem Tag, das gab es aber wohl noch nie. Intraday waren es sogar 142 Mrd. Da bleibt einem schon die Luft weg…“

    http://www.godmode-trader.de/artikel/snb-gibt-mindestkurs-auf-und-ist-jetzt-eigentlich-pleite,4035932

    Ein wesentliches Problem wurde noch gar nicht erkannt: wenn jetzt die Euro-Krise wiederkehrt, kann die SNB ihre Euro-Anlagen gar nicht verkaufen, ohne noch mehr Verluste anzuhäufen…

  3. […] kaufkraftschutz.de: Die SNB hat die Büchse der Pandora geöffnet […]

  4. Lesenswert:

    SNB-Direktor Fritz Zurbrügg erklärt, warum die Notenbank den Stecker zog und den Mindestkurs aufhob.
    http://www.blick.ch/news/wirtschaft/fritz-zurbruegg-ist-der-mann-der-den-mindestkurs-kappte-taeglich-gingen-milliarden-raus-id3425276.html

    Ich teile diese Ansicht, wobei der eigentliche Fehler war, überhaupt die Untergrenze zu setzen:

    So verzockte SNB-Jordan unser Vermögen
    360 Milliarden weg!
    http://www.blick.ch/news/wirtschaft/so-verzockte-snb-jordan-unser-vermoegen-360-milliarden-weg-id3422771.html

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