Jun 112013
 
china_flagge

Am 21.07.2011 schrieb ich im Kontext der Euro-Krise: „Es könnte jedoch sein, dass sich nun der „Sorgen-Fokus“ nach Asien und Australien verschieben wird. Womöglich kommt das Thema Schuldenkrise in Japan zu neuer Blüte. Oder aber China mit seinem Schatten-Banken-System und seiner immensen Fehl-Allokation im Bau-Sektor rückt näher in den Fokus. Eng mit der Entwicklung Chinas verknüpft ist auch das Schicksal Australiens, wo sich ebenfalls eine gewaltige Immobilien-Blase gebildet hat.“

Genau dies ist geschehen. Die Wirtschaft Australiens schwächelt, die Immobilienpreise haben gedreht. Und auch das hier bereits frühzeitig behandelte Thema Schuldenkrise in Japan beherrscht inzwischen die Schlagzeilen und ich denke, dass Japan nach einer kurzen Scheinblüte im Ruin enden wird. Als wäre das nicht genug, wird die eigentliche Krise jedoch jene Chinas sein, welche die globale Wirtschaft in die Depression mitreißen wird.

In meinen Beiträgen „So sehen Blasen aus! China vor einer Krise“, „Ein erschütterndes Video aus China“ und „Die chinesische Immobilienblase wird zur Depression führen“ habe ich Ihnen bereits einige markante sozioökonomische Entwicklungen vorgestellt. Nun findet sich weiteres Indiz:

„Wellenreiter Invest“ hatte in einem Beitrag auf einen interessanten Zusammenhang zwischen dem Bau gewaltiger Wolkenkratzer und der Wirtschaftslage hingewiesen: „Die Jagd nach Höhenweltrekorden folgt einem Normalschema. Baubeginn ist in der Regel in einer bullischen oder gar euphorischen Aktienmarktphase, die Fertigstellung erfolgt fast ausschließlich in einer Phase wirtschaftlicher Rezession oder gar Depression.“ Zu einem ähnlichen Schluss kam die Barclays Bank: Wo Gebäude immer höher in den Himmel wachsen, folge meist der finanzielle Crash.

In China wurde nun die Genehmigung für den Bau des größten Gebäudes der Welt „Sky City“ erteilt. Besonders bemerkenswert hierbei ist, dass der Bau binnen 90 Tagen (!) erfolgen soll. Man fühlt sich schon ein wenig an den Turmbau zu Babel und menschlichen Übermut erinnert. Das aktuell höchste Gebäude („Burj Khalifa“) findet sich übrigens in Dubai und konnte Anfang 2010 nur fertigstellt werden, weil Abu Dhabi eine finanzielle Notunterstützung leistete…

Nun befindet sich China schon seit Monaten in einem „Wachstumsabwärtstrend“ und gab auch gestern wieder schwache Wirtschaftsdaten bekannt. Es ist also nicht so, dass der Bau dieses Gebäudes aus überschwänglicher Euphorie heraus geboren wird. Dennoch denke ich, dass dieses Vorhaben etwas über China und das Denken dort aussagt, was sich auch generell im exorbitanten Bau-Boom der vergangenen Jahre zeigt. Es gelingt der chinesischen Staatsführung indes weiterhin nicht, die Preisblasen einzudämmen, die sich im Immobiliensektor in vielen Regionen gebildet haben.

Unterschwellig braut sich hier ein Sturm zusammen, der meiner Einschätzung nach binnen zwei bis drei Jahren offen ausbrechen wird: eine gewaltige Wirtschafts- und Finanzkrise, die auch das globale Finanzsystem erschüttern und womöglich sogar den Zusammenbruch der Euro-Zone begleiten könnte.

Wie komme ich zu dieser extrem pessimistischen Einschätzung?

Nun, es ist ein Zusammenspiel zahlreicher Faktoren. So liegen inzwischen die Löhne im Süden Chinas in etwa auf dem Niveau Mexikos, was bedeutet, dass für viele US-Unternehmen die Produktion in China nicht mehr so rentabel ist. Hinzu kommt, dass die Masse der Chinesen weiterhin Arbeiten ausführt, die „anfällig“ dafür sind, durch Roboter ersetzt zu werden. Foxconn, der Hersteller des iPhone & Co., hatte zum Beispiel Endes des vergangenen Jahres angekündigt, bis zu eine Millionen Arbeiter durch Roboter zu ersetzen. Das sind also durchaus relevante Zahlen und ich nehme an, dass auch China immer mehr Probleme bekommen wird, seine Menschen in Beschäftigung zu halten. Und dies, obwohl sich auch in China ab 2015 der demografische Wandel bemerkbar machen wird.

Genau in der Demografie liegt das nächste große Problem. Da es einen klaren Zusammenhang zwischen Lebensabschnitt und Konsumfreude gibt, sollte die Binnenwirtschaft – die China gerade versucht zu stärken – strukturell bedingt in den nächsten Jahren eher sogar schwächer werden. Auch eine Untersuchung des US-Ökonom Barry Eichengreen spricht dafür, dass sich das Wachstum in China ab 2014 dauerhaft verringern wird, denn dann erreicht das Land ein Niveau beim Pro-Kopf-Einkommen, ab dem in anderen wirtschaftlich aufstrebenden Ländern regelmäßig schwächeres Wachstum folgte.

Ein weiterer neuer Aspekt ist die Abwertung des Yen, wodurch Japan gewissermaßen Deflation in andere Länder exportiert. Da jüngst zudem der chinesische Yuan gegen den US-Dollar aufwertet, sollten die chinesischen Unternehmen auch diesen Währungseffekt schon bald deutlich negativ spüren. Und dies zu einer Zeit, wo ohnehin wichtige Absatzmärkte Chinas schwächeln.

Der zentrale Aspekt ist jedoch die immense Kreditblase, die sich in Chinas Schattenbankensystem (Treuhandfonds, „Vermögensverwaltungen“, Finanzierungsvehikel kommunaler Regierungen) gebildet hat und womöglich schon in wenigen Monaten ihre ersten Opfer finden wird. Denn „viele Produkte die gegenwärtig angeboten werden, gleichen den forderungsbesicherten Schuldverschreibungen (CDO), die in den USA vor der Finanzkrise angeboten wurden – wenngleich ohne Aufsicht und Überwachung“ schrieb die Crédit Suisse in einer Analyse.

Genau letzteres macht die Situation besonders kritisch, da selbst die chinesischen Behörden nicht wissen, wie groß die Schieflagen im Schattenbankensystem sind. Die Crédit Suisse schätzt den Umfang der informellen Kreditvergabe im vergangenen Jahr auf gigantische 22,8 Billionen Yuan, umgerechnet 2,8 Billionen Euro, oder 44% der Wirtschaftsleistung Chinas!

Die gesamte Kreditvergabe in China lag nach Schätzung von Charlene Chu von Fitch Ratings im vergangenen Jahr bei 198% des BIP nach 126% im Jahr 2011. Chinesische Banken steigern ihre Assets binnen 5 Jahren um die Größe des gesamten US-Bankensystems! Sie können sich demnach vorstellen, dass hier etwas nicht stimmen kann und die Assets in nicht allzuferner Zukunft neu bewertet werden müssen – mit der wahrscheinlichen Folge, dass das chinesische Bankensystem in eine Situation geraten wird, wie wir sie 2008/2009 in den USA gesehen haben.

Wie Chu weiter ausführt, gibt es keinen Ausweg, da das Kreditvolumen doppelt so hoch ist wie die Wirtschaftsleistung und doppelt so schnell wächst. Und ein schneller Sprung der Verschuldung relativ zum BIP ging regelmäßig Finanzkrisen voraus. Wenn Sie dann die oben beschriebenen Aspekte bedenken und sich klar machen, dass ein BIP, das zu fast 70% durch Bau- und Infrastrukturprojekte getragen ist, ohnehin niemals nachhaltig sein kann, so dürften Sie verstehen, warum ich eine ernste Wirtschafts- und Finanzkrise in China erwarte.

Wir werden in den nächsten Monaten immer öfter von Kredit- und Anleihenausfällen sowie Unternehmenspleiten in China hören. Ich vermute jedoch, dass vieles sich zunächst noch weiter unterschwellig verschlimmern und erst in zwei bis drei Jahren offen ausbrechen wird. Dann jedoch wird es global zu einem Schock und heftigen Turbulenzen kommen. Wie oben schon angedeutet wird eine Krise in China z.B. auch erheblich auf Deutschland und damit auf den Euro rückwirken, die Rohstoffpreise könnten dramatisch einbrechen, was wiederum Australien weiter in die Krise treiben wird. Die zu erwartenden Folgen werde ich hier auf kaufkraftschutz.de in einem weiteren Beitrag beleuchten.

  10 Responses to “China vor Wirtschafts- und Finanzkrise”

  1. […] kaufkraftschutz.de: China vor Wirtschafts- und Finanzkrise […]

  2. Ergänzung:

    „Banks are likely to be on the hook for bailing out non-banks in trouble, because the only efficient way to deal with shadow bank exposures is to transfer the risks to the formal banking sector, Chu said.

    The country was already seeing defaults in trust and wealth management products that could be an early sign of trouble.

    „Stress will appear in the weakest parts of the financial sector, which tend to be non-bank financial institutions on the fringe of the system – and gradually work its way inward,“ she predicted.“

    http://www.reuters.com/article/2013/06/10/us-china-lending-idUSBRE9590UN20130610

  3. Hallo,

    bei einem Szenario ähnlich 2008/09 dürften dann ja nicht nur die Rohstoffe einbrechen, sondern auch Aktien, Unternehmensanleihen, etc. Was wäre denn eine sinnvolle Anlageform, um auf ein solches Szenario angemessen zu reagieren? Wenn Sie ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone nicht ausschließen, wären vermeintlich sichere europäische Staatsanleihen dann ein Mittel, die Verluste in den anderen Anlageklassen auszugleichen? Oder wären die in diesem Falle auch zu riskant weil durch Ausfall bedroht?

    Viele Grüße
    Marina

    • Hallo Marina,

      ich werde dazu einen gesonderten Beitrag verfassen. Ganz grundsätzlich glaube ich aber, dass es in einem Extrem-Szenario keinen Hort der Sicherheit geben wird.

      Mit besten Wünschen,

      Marco

  4. Doch, es gibt einen Schutz: zwar nicht auf Subebene des einzelnen Investments, aber für die gesamte Vermögensstruktur: maximale Diversifikation!

  5. China’s short-term rates spike to multi-year highs; SHIBOR and repo curves become inverted

    http://soberlook.com/2013/06/chinas-short-term-rates-spike-to-multi.html

    Es brodelt gewaltig…

  6. Hier eine positive Meinung zu China von Legg Mason:

    China: looking beyond the data

    David Lazenby, deputy chief investment officer of Batterymarch’s emerging markets team, on why China may be in a stronger position than some are reporting.

    Recent financial headlines suggest that Chinese macroeconomic data is unreliable. However, the same data is being interpreted differently by the analysts reporting it, depending on their bullish or bearish perspectives.

    Export data for April, for example, led some analysts to accuse China of faking up to US $50 billion of exports year-to-date – implicitly suggesting an intentional plot to dupe or defraud international investors. In our view, the importance of recent export numbers is not only insignificant in the bigger China picture, but may well reflect the fact that the Chinese currency is strengthening and Chinese businesses are trying to benefit by over-invoicing.

    Economic confidence is growing

    A strengthening currency is a sign of rising confidence in the underlying economy and a positive influence on future growth. From this perspective, the export data, corroborated by continued strengthening in the renminbi, highlights a return of domestic confidence in China. Money is steadily making its way back to China because local investors and entrepreneurs are now more confident in the new government and its policies.

    Largely overlooked by the international press, but a key issue for domestic investors, has been the progress made on reforms. As a consequence, investor confidence within China is improving, and the currency is appreciating. Monthly customs data is volatile and subject to revision, and while there will be continued distrust of China macroeconomic data in general, the new leadership is starting to implement market reforms, including opening up currency and financial markets. Although we need to keep a realistic expectation of the reform timetable, market-oriented reform historically drives the longer-term re-rating of emerging markets.

    A meeting of the State Council recently concluded with the implementation of market-oriented reforms that, over the medium term, should help rationalize the structure of the economy and enhance growth potential. Among the reforms are some that have clear positive implications for sectors such as Utilities, Transportation, Property and Financials.

    Earnings, expectations and valuations matter

    What may be even more important in driving this market in the shorter term is not top-down policy improvement, but company-level earnings trends and expectations. Stock analysis that looks at company-specific earnings, estimate changes and valuations shows that Chinese companies, in aggregate, are delivering better-than-expected earnings. The key is that earnings are recovering, expectations are positive and valuations remain attractive.

    In terms of risk, while valuations remain compelling, analysts still expect slower growth versus the rest of emerging markets with another potential concern being the continued drop in relative margins.

    The market is the ultimate arbiter, but we are confident this is an environment in which stock-pickers can thrive.

  7. […] deswegen nur logisch, dass die jetzige Situation nicht ganz überraschend kommt – Experten haben ähnliche Szenarien schon 2011 vermutet und sehen sich jetzt bestätigt. Die Staatsverschuldung ist verglichen mit anderen Ländern zwar […]

  8. Felix Zulauf beim Barron’s Roundtable:

    „[…] I have great respect for China’s achievements, but its credit and investment boom, which started 10 years ago, is overdone. Many have predicted its demise through the years, but they were early. Now it is more obvious that it’s in a terminal stage. China became the world’s second-largest economy in a short time. It went into overdrive after the 2008 financial crisis. In-the past five years, total credit outstanding more than doubled, growing by $14 trillion, to $24 trillion. That growth is equivalent to the size of the U.S. commercial-banking sector. The balance sheet of China’s central bank has expanded more than any other since 2000. This is the biggest monetary expansion and credit boom in modern history.

    The classic signs of an end are now visible. They include an acceleration and expansion of credit not matched by GDP growth; the aggressive expansion of a shadow-banking system, in China’s case, via wealth-management products; massive investments in property, and weak risk management at financial institutions. Sixty peer-to-peer lenders went bust in recent weeks. Finally, at the end of a credit boom, you see a heavily state-directed financial and corporate sector. In the U.S., Fannie Mae and Freddie Mac had government oversight. In China, the banks are partially or totally government-owned. In December, the seven-day repo [repurchase agreement] rate shot up to 9% from 4%. A credit boom needs more capital to keep growing, but it isn’t available any longer. That’s why borrowers are bidding up rates in the money market. […]“

    http://online.barrons.com/article/barrons_cover.html#articleTabs_article%3D9

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