Aug 142017
 

In meinem Beitrag vom 20.06. „Der Bär lauert – Aktienmärkte vor Rückschlag (oder mehr)!“ hatte ich Ihnen diverse Gründe dargelegt, warum Sie vorsichtiger werden und Gewinne sichern sollten. Der DAX hat vom Hoch 10% verloren, die US-Märkte sind NOCH stabil nahe der historischen Hochs. Doch ich erwarte in Kürze auch dort erhebliche Kursverluste.

Nach meiner Einschätzung sind viele Investoren im Markt, die „dem Braten“ nicht trauen und sehr schnell auf die Verkäufer-Seite wechseln werden, sobald sich ein relevanter nachhaltiger Anlass dazu findet. Einen Vorgeschmack hatten wir vergangene Woche, als die Volatilität bei relativ geringen Kursverlusten gleich erheblich nach oben sprang.

NOCH herrscht ein großer Glaube an die Allmacht der Notenbanken, wie dieser Kommentar in einer Diskussion zeigt:


Doch was wäre, wenn es wirklich zu einem Krieg gegen Nordkorea käme? Oder einem Krieg zwischen Indien und China? Oder einer unerwarteten Naturkatastrophe (in Kalifornien gab es in diesem Jahr auffällig viele kleine Beben und es gibt ernsthafte Sorgen wegen den Folgen der totalen Sonnenfinsternis am 21.08.)? Die Notenbanken können sicher Makro-Daten beeinflussen, aber nicht die Welt als solche lenken. Und aus meiner Sicht werden insbesondere politische Risiken weiter völlig unterschätzt.

Das gilt auch nach wie vor für Syrien. Der IS mag weitestgehend militärisch geschlagen sein, aber die USA und Russland sind weiter dort präsent (weil beide eine andere Agenda verfolgen) und es gibt nach wie vor die ausgesprochene „rote Linie“ (Giftgaseinsätze). Sehr schnell kann es auch dort zu neuen Eskalationen kommen und plötzlich könnten sich die USA und Russland feindlich gegenüberstehen. Wer das für weit hergeholt hält, dem sei dieser Video-Beitrag von „Anonymous“ nahe gelegt. In gewisser Hinsicht läuft bereits ein Krieg – noch eher versteckt in Syrien und der Ukraine sowie ökonomisch. Doch es braucht nicht viel um daraus einen handfesten militärischen Konflikt entstehen zu lassen.

Neben den politischen Risiken sind auch die Makro-Daten zunehmend schwach. Dazu empfiehlt es sich die sehr gelungene Chart-Galerie von northmantrader.com anzusehen. Auch ein Blick auf global agierende Konzerne wie Siemens (Auftragseingang jüngst deutlich unter den Erwartungen) oder General Electric (Gewinneinbruch im zweiten Quartal) zeigt, dass sich die globale Konjunktur-Lage eintrübt – und das schon bevor die Notenbanken überhaupt mit dem Abbau der Bilanzen richtig begonnen haben und just vor einer neuerlichen Diskussion um die US-Schuldenobergrenze.

Da wundert es auch nicht, dass einer der wesentlichen Treiber der Hausse ebenfalls allmählich ein Ende findet: US-Aktienrückkäufe gehen derzeit so schnell zurück wie zuletzt während der Finanzkrise 2008.

Das alles ist wahrlich keine gute Basis um auf weiter steigende Kurse zu setzen – im Gegenteil. Ich denke, es ist nicht nur an der Zeit für Gewinnmitnahmen, sondern erstmals seit 2009 sehe ich wieder sehr gute Chancen auf der Short-Seite. Persönlich halte ich nun Puts auf den S&P 500 sowie den Nasdaq 100. Ich halte es für durchaus wahrscheinlich, dass aus „Buy the dip“ schon bald ein „Sell the rally“ werden könnte und die US-Börsen in einen erheblichen Sell-Off übergehen. Dazu sei auch nochmals an den Artikel „Führen Algo-Trading, Quants und ETFs bald zu einer Kernschmelze an den Märkten?“ erinnert.

Jun 282017
 

Der kürzliche Abverkauf der FANG-Aktien (siehe dazu auch der Beitrag „Der Bär lauert – Aktienmärkte vor Rückschlag (oder mehr)!“) hat eine wichtige Botschaft an Investoren gesendet: Durch das inzwischen erheblich verbreitete passive Investieren wird immer mehr Kapital gleichgewichtet auf wenige Aktien gestreut – ungeachtet dessen, ob einzelne Titel bereits erkennbar überbewertet sind oder nicht. Dreht der Trend, stehen dann kaum Käufer bereit und die Kursverluste fallen heftig aus. Dass daraus sogar eine Art „Kernschmelze“ an den Märkten hervorgehen kann, soll folgend erläutert werden.

Über Jahre zeigte sich immer wieder, dass die meisten aktiv gemanagten Fonds ihren Benchmark-Index nicht schlagen. Auf Basis dieser Kernerkenntnis entwickelte sich die Idee des passiven Investierens über kostengünstige Indexfonds zu einem Dauerbrenner. Immer mehr Kapital floss somit in den vergangenen Jahren in ETFs und NOCH ist der Trend ungebrochen:

Auch der Trend zu „Robo Advisory“ bzw. „digitaler Vermögensverwaltung“ begünstigt den Siegeszug der ETFs. In US-Aktien haben Indexfonds und ETFs kumuliert einen Marktanteil von 45%. Problematisch daran ist, dass wegen dieser immensen Größe nun Marktverzerrungen auftreten. Der Indexfonds macht eben genau das nicht, was ein aktiver Fondsmanager getan hätte: er wägt nicht ab, er verteilt nur Kapital. Dies führt jedoch dazu, dass sich Trends zu „Selbstläufern“ entwickeln – je mehr Kapital zufließt, desto mehr steigen die Preise. Genau das haben wir bei den „FANG-Aktien“ erlebt und dieser Trend hat zu sehr fragwürdigen Bewertungen geführt – hier schön aufgezeigt am Beispiel der Amazon-Aktie.

Um dem Argument des reinen Abbildens den Wind aus den Segeln zu nehmen, hat die ETF-Branche „Smart Beta Fonds“ kreiert. Diese „intelligenten ETFs“ versprechen gewissermaßen die „bester aller Welten“, da sie weiterhin die Vorteile klassischer ETFs (wie z.B. niedrige Kosten) bieten sollen, jedoch zusätzlich ein gewisses automatisiertes Management beinhaltet ist. Bei Smart Beta wird ein vom Marktindex abgewandelter Index geschaffen, der regelbasiert nur die Unternehmen auswählt, die bestimmten Kriterien entsprechen. Diese Kriterien werden auch „Faktoren“ genannt. Der Ansatz überzeugt in den vergangenen Jahren immer mehr Investoren:

Smart Beta Fonds sind wiederum ein markantes Beispiel für einen weiteren noch umfassenderen Trend: der Anteil von Handelsprogrammen bzw. „Algos“ hat in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. Das sind Programme, die bisher erfolgreiche Handelsansätze – basierend auf quantitativen Daten – automatisch handeln. Diese „Quants“ sollen bereits 70% des Handelsvolumens ausmachen! Eine nicht ganz unwesentliche Frage hierbei ist, in wie weit diese Systeme die bisher funktionierenden Signale durch die immanente Reflexivität obsolet werden lassen. Denn alle Quant-Fonds arbeiten mehr oder weniger mit den gleichen historischen Daten und sollten somit zu ähnlichen Modellen bzw. Ergebnissen kommen. In gewisser Hinsicht wird somit – trotz ausgefeilter Computer-Technik – doch wieder „Herdenverhalten“ begünstigt.

Und hierin liegt nun das oben bezeichnete „Kernschmelzen“-Risiko. Die Finanzkrise 2008 wäre womöglich niemals so gravierend ausgefallen, wenn nicht mehr oder weniger alle Banken mit demselben Risikomodell gearbeitet hätten. Nun haben wir ein ähnliches Phänomen auf der Anlage-Seite, denn riesige Investmentbeträge wurden in klassische und „intelligente“ ETFs investiert allein aus Kosten- und Performance-Gründen. Die Ironie dabei liegt darin, dass genau damit die Signalfunktion von Preisen außer Kraft gesetzt und auch die Liquidität völlig überzeichnet wird. Der ETF-Flash-Crash am 24. August 2015 zeigte das Risiko deutlich auf. Zudem laufen viele Investoren mehr oder weniger unbewusst „in der gleichen Herde und in die gleiche Richtung“.

Nun stellen Sie sich ein Szenario vor, das ein plötzliches Umdenken vieler Investoren erzeugt, z.B. eine unerwartete Eskalation des Nordkorea-Konfliktes mit Einsatz von Nuklearwaffen oder eine globale Cyber-Attacke mit längerfristiger Auswirkung. Plötzlich fangen die Quants bzw. Algos an zu verkaufen, denn das ist es, was die Modelle nun errechnen. Und auch einige Investoren in ETFs kommen zu der Ansicht, dass es vielleicht besser ist, etwas Kapital rauszunehmen. Doch wer soll die von den ETFs gehaltenen Aktien nun kaufen (zumal ETFs keine Kasse halten)? Panik entsteht, da die ETFs für einzelne Werte gar keine ausreichende Liquidität finden. Die Market Maker stellen immer tiefere Kurse, mit der Folge dass immer mehr Quants/Algos verkaufen und auch immer mehr ETF-Anleger „kalte Füße“ bekommen – zumal die ersten ETF-Anbieter über „Probleme bei der Preisermittlung“ berichten und den Handel aussetzen. In einem solchen Szenario können selbst etablierte Indizes wie der Nasdaq 100 dramatischste Verluste in kürzester Zeit erfahren. Der oben beschriebene Selbstläufer-Prozess dreht sich somit nun um ins Gegenteil – die Kernschmelze an den Märkten ist da.

In einem solchen Szenario ist es denkbar, dass am Ende die Notenbanken beginnen, in exorbitanten Ausmaß ETFs zu kaufen um den Markt zu stabilisieren – die japanische Notenbank tut dies ja bereits seit längerem. Und schon finden wir uns im neuen Quantitative Easing Zyklus wieder… Nur dass das Vertrauen „ins System“ wieder weiteren Schaden genommen hat und die Zentralbanken final an Glaubwürdigkeit verlieren könnten – insbesondere, nach dem Janet Yellen sich gestern zu der gewagten Aussage hinreißen ließ, dass es „zu Lebzeiten keine weitere Finanzkrise mehr geben wird“.

Relativierend: In der Überschrift habe ich das Wort „bald“ verwendet, tatsächlich weiß ich jedoch weder ob geschweige denn wann ein solches Szenario jemals eintreten wird. Ich glaube jedoch, dass sich hier Systemrisiken entwickeln, welche die einzelnen Marktakteure und Aufsichtsbehörden nicht einschätzen können, da eine übergeordnete Intelligenz fehlt. Mir scheint, wir erleben gerade ein riesiges unüberschaubares Anlage-Experiment – und das zu einer Zeit, wo das Finanzsystem und im weiteren Sinne das gesamte Weltwirtschaftssystem vor dramatischen Umwälzungen steht (politische Faktoren mal ganz außer Acht gelassen). Seien Sie also auf der Hut. Die global niedrige Volatilität könnte sich als das größte technische Fehlsignal aller Zeiten herausstellen – ironischer Weise erzeugt durch „intelligente Fonds“ und hoch professionelle Computersysteme (die von Menschen geschaffen wurden und denen massenhaft Vermögen anvertraut wird)…

Jun 262017
 

Derzeit noch weitestgehend unbeachtet kündigt sich ein neues Drama um die US-Schuldenobergrenze („debt ceiling“) an, das die Märkte im Spätsommer und Herbst noch erheblich belasten könnte. Seit dem 16. März gilt wieder die offizielle Schuldengrenze von derzeit 19,808 Billionen US-Dollar – diese hatte Trumps Vorgänger Barack Obama im November 2015 nach zähem Ringen mit dem Kongress ausgesetzt.

US-Finanzminister Steven Mnuchin hat in den zurückliegenden Wochen mehrfach betont, dass die US-Schuldenobergrenze möglichst noch vor August angehoben werden solle, denn die Steuereinnahmen liegen hinter den Erwartungen und täglich verpulvert „Uncle Sam“ weitere 3,2 Milliarden US-Dollar. Schon seit Monaten agiert das US-Finanzministerium, in dem Schulden vorübergehend als „außergewöhnliche Maßnahme“ deklariert und somit legitimiert werden. Nun droht im September final das Geld auszugehen.

Doch jahrelang haben die republikanischen Hardliner im Kongress eine Anhebung des Schuldenlimits verhindert, um Obamas Politik zu blockieren. Gerade der ideologische Dauerkrieg hat sie mächtig gemacht und noch immer stellen sie die Mehrheit in der Partei: Zwei Drittel der Republikaner stimmten 2013 gegen den „Waffenstillstand“ mit Obama im Schuldenkrieg – und damit gegen ihre eigene Parteiführung. Obama bezeichnete diese Phase als die beängstigende während seiner Zeit als Präsident – er bereitete bereits eine Erklärung zum Zahlungsausfall vor. Nun dürfte Trump etwas ähnliches bevorstehen und die möglichen Folgen könnten verheerend sein.

Gibt es keine politische Einigung, darf das US-Finanzministerium keine neuen Anleihen mehr verkaufen. Dann müsste die Regierung mit dem Geld aus den laufenden Einnahmen auskommen und Ausgaben priorisieren. Etwaige Steuersenkungen oder gar Konjunkturprogramme (wie sie Trump versprochen hat) wären dann nicht mehr möglich. Und auch eine weitere Abstufung der US-Kreditwürdigkeit – wie schon 2011 – wäre denkbar.

Dass es durchaus so weit kommen könnte liegt auch daran, dass einer jüngeren Umfrage zufolge 64% der republikanischen Wähler eine weitere Erhöhung der Schuldenobergrenze ablehnen. Einige Marktbeobachter sehen daher schon die „Mutter aller Schuldengrenzen-Krisen“ kommen und erwarten eine wochenlange Phase der Handlungsunfähigkeit der US-Regierung.

Wie in einer solchen Phase der für seine reißerischen Tweets bekannte Trump reagiert ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor. Trump war als Geschäftsmann selbst mehrfach nahe der Pleite und wird diesen Vorgang womöglich in seiner ganz eigenen Art interpretieren. Schon vor der Wahl verkündete er, mit den US-Gläubigern gegebenenfalls einen „Haircut“ zu vereinbaren. Was im Geschäftsleben denkbar ist, wäre jedoch für die USA und das globale Finanzsystem ein Super-GAU. Das dürften ihm auch seine Berater vermitteln können. Nichtsdestotrotz muss eine voreilige Aussage von Trump als Risiko berücksichtigt werden.

Während der Diskussionen über die US-Schuldenobergrenze im Jahr 2011 verlor der S&P 500 übrigens 17% an Wert…

Jun 202017
 

In meinem letzten Beitrag, der nun ziemlich genau ein Jahr zurückliegt, wies ich auf die Chancen einer Rally hin: „Wenn man sich nun noch klar macht, dass Fonds weltweit laut jüngster BofA-Studie höchste Barquoten seit 2001 (!) und tiefste Aktiengewichtungen seit vier Jahren haben, Anleihen kaum noch Renditen bieten und es auch sonst an sinnvollen Investitionsalternativen ermangelt, dann ergibt sich eine Konstellation, aus der regelmäßig neue Hausse-Phasen bzw. starke Rallyes geboren werden.“

Seit dem ist der DAX um rund 30% gestiegen auch auch andere Börsen konnten satte Gewinne verzeichnen. Nun ist es an der Zeit, „Geld vom Tisch zu nehmen“. Ich erwarte zumindest einen satten Rückschlag (wenn nicht gar mehr) an den Aktienmärkten in den nächsten Monaten. Einen „Vorgeschmack“ lieferte der Nasdaq 100 kürzlich, als die „FANG-Aktien“ durch einen Goldman-Report unter Druck gerieten. Hierzu wichtig zu wissen ist, dass die FANG-Aktien 55% des Nasdaq-Anstieges im laufenden Jahr ausgemacht haben:

Mit der jüngsten zweiten Zinsanhebung und dem Ausblick, dass noch eine weitere folgen wird, hat die US-Notenbank das Ende von QE – zumindest vorläufig – eingeleitet. Für eine seit 2009 laufende, stark liquiditätsgetriebene Börsenhausse ist das eine nicht unwesentliche Nachricht. Die Impulse durch die Notenbanken sinken gerade in den negativen Bereich ab:

Quelle: nzz.ch

Was zudem bedenklich stimmt ist, dass es kaum noch Bären zu geben scheint und die Märkte aus meiner Sicht einige weitere wichtige Entwicklungen völlig sorglos ignorieren:

  1. Die US-Wirtschaftsdaten waren zuletzt überraschend schwach.
  2. Wenngleich es keine erkennbare Euphorie an den Börsen gibt – bei den Digitalwährungen Bitcoin & Co ist sie unverkennbar und damit Ausdruck einer hohen Risikoneigung. Und auch die zuletzt exorbitant hohen Kapitalströme in den Tech-Sektor bzw. generell sprechen eine deutliche Sprache.
  3. Bei eher unbeachteten Vorlauf-Indikatoren wie der Preisentwicklung von Oldtimern zeigt sich eine Wende.
  4. Aktien sind nach den jüngsten Kursavancen so teuer geworden wie wenige Monate vor dem Beginn der letzten großen Baissephase.
  5. Wertpapierkäufe über Kredite stehen auf absolutem Rekordniveau. Das kann sich zwar noch weiter ausdehnen, aber das Niveau als solches sollte schon bedenklich stimmen. Kommt es zu einer Wende, werden diese Kredite – wieder einmal – deutlich abgebaut werden müssen – mit der Folge weiterer Verkäufe und nachlassender Nachfrage.
  6. Aktienrückkäufe von Unternehmen lassen allmählich nach.
  7. Der Anteil der Fondsmanager, die die Märkte für überteuert halten, steht auf einem 17-Jahreshoch. M.E. ist das kein Kontraindikator, sondern es bedeutet, dass diese Investoren eher zu Verkäufen geneigt sind und bei einem Fall nicht gleich zugreifen werden. Es ist somit für mich eher ein Signal für zunehmende „inhärente Fragilität“.
  8. Durch den Boom der ETFs steckt dort inzwischen sehr viel Kapital – wird dieses recht abrupt abgerufen (z.B. in einer Panik), kann es zu einem schwer zu stoppenden Schneeballeffekt kommen.
  9. Der Effekt dürfte durch Algo-Tradingsysteme noch verstärkt werden (dazu auch: „BofA: With Rise of Quants Comes Meltdown Risk„).
  10. Das größte Risiko erscheint mir politischer Natur, sei es eine offene Konfrontation zwischen Russland und den USA in Syrien, ein Krieg zwischen Iran und Saudi-Arabien oder ein Anschlag auf einen führenden Politiker.
  11. Hinsichtlich letzterem überlegen Sie selbst, welche möglichen Auswirkungen ein Anschlag auf Erdogan, Putin oder gar Trump haben könnte.
  12. Die USA erscheinen mir inzwischen nicht mehr nur politisch gespalten. Ich habe den Eindruck, dass das Land generell instabil werden könnte. Eine mögliche Amtsenthebung Trumps dürfte zu landesweiten Unruhen führen, welche in diesem Land mit einem „Volk unter Waffen“ sogar teils blutig werden könnte. Das mag unwahrscheinlich erscheinen, aber die Trump-Wahl selbst hat schon gezeigt, wie viel Misstrauen und Unzufriedenheit in der US-Bevölkerung herrscht. Es könnten sich durchaus bewaffnete Verbände bilden, wie dies 2006 schon der Fall war.

Wenngleich einige der oben genannten Aspekte eher perspektivisch denn kurzfristig bedenklich erscheinen, so sollten sie doch in eine strategische Anlageentscheidung einfließen. Womöglich muss in Bälde bei dieser Skizze („stock market cycle chart for this new era“) das Wort „buy“ durch „sell“ ausgetauscht werden…

Quelle: Tweet

Mir ist bewusst, dass es auch zahlreiche Bullen-Argumente gibt. Aber das ist an Hochs typischerweise der Fall, so wie es in Tiefs fast ausnahmslos überzeugende Bären-Argumente gibt. Alles hat seine Zeit. Und meines Erachtens „lauert der Bär“ und könnte in den Sommer- und Herbstmonaten einen unerwarteten Angriff starten. Sichern Sie Positionen ab!

Jun 172016
 

Nach lange Phase der Abstinenz (andere Prioritäten) mal wieder ein Beitrag meinerseits:

Ich rechne mit einer fulminanten Rallye an den Aktienmärkten im zweiten Halbjahr. Das Thema Brexit ist m.E. eingepreist (persönlich denke ich ohnehin, dass es nicht zum Brexit kommen wird) und die US-Konjunktur sowie auch die Wirtschaft in Europa stärker als viele glauben. Außerdem: Donald Trump hat keine wirkliche Chance. Wenn man davon ausgeht, dass Republikaner und Demokraten bei den Wählern grundsätzlich etwa gleich auf liegen, Trump aber selbst bei den Republikanern stark umstritten ist und nie und nimmer von Hispanics, Schwarzen und anderen Einwanderern gewählt werden wird, so ergibt sich schon jetzt: der nächste US-Präsident ist eine Sie, Hillary Clinton.

Insofern sind politische Themen „aufgeblasen“ und dürften keinen großen Impact mehr haben. Die Angst am Markt ist spürbar und aus meiner Sicht überzogen. Interessanter war, dass die Entscheidung der Fed, die Zinsen noch nicht anzuheben, eher negativ an den Börsen wirkte. Ergo wird die Reaktion der Börse bei steigenden Zinsen womöglich „überraschend“ positiv sein. Die US-Notenbank wird meiner Meinung nach bei der nächsten Sitzung die Zinsen um 0,15-0,25 Basispunkte anheben. Das Quantitative Easing ist an seine Grenzen gestoßen und hat eine Blase bei Anleihen geschaffen. Die US-Notenbank wird eine (sehr langsame) Wende vollziehen, was meines Erachtens zu einer Rotationswelle aus Anleihen zu Aktien führen wird.

Wenn man sich nun noch klar macht, dass Fonds weltweit laut jüngster BofA-Studie höchste Barquoten seit 2001 (!) und tiefste Aktiengewichtungen seit vier Jahren haben, Anleihen kaum noch Renditen bieten und es auch sonst an sinnvollen Investitionsalternativen ermangelt, dann ergibt sich eine Konstellation, aus der regelmäßig neue Hausse-Phasen bzw. starke Rallyes geboren werden.

Jul 152015
 

Der Goldpreis notiert gerade bei 1.156 USD. Angesichts der Krisen (Ukraine, China, Griechenland, Puerto Rico) hätte man intuitiv annehmen können, dass der Goldpreis signifikant zulegt. Doch nichts. Nienete. Nada. Rien. Der Goldpreis hat sogar noch leicht abgegeben in den vergangenen Wochen. Spekuliert wurde bereits, ob womöglich Griechenland sein Gold verkauft.

Wie dem auch sei, nun da sich überall Anzeichen für Entspannung zeigen (Iran, Griechenland, Ukraine, China), könnte das genaue Gegenteil der ursprünglichen Annahme eintreten: ein stärkerer Sturz. Denn dafür lassen sich einige weitere Argumente anführen. So hat z.B. Fed-Chefin Yellen vergangene Woche recht klar gesagt, dass es einen Zinsschritt geben wird. Das entspricht auch klar meiner Meinung: Die US-Zinserhöhung kommt!

Nicht unterschätzen sollte man aber auch den Deal mit Iran sowie die jüngsten Verwerfungen in China. Der Iran hat für große Transaktionen in den letzten Jahren Gold genutzt und könnte nun als Verkäufer auftreten. Ebenso chinesische Privatinvestoren, die Liquidität benötigen wegen margin calls.

Hinzu kommt die brisante charttechnische Lage. Unter 1.140 USD sieht der Goldpreis immens kritisch aus.

Gegen einen Fall des Goldpreises sprechen recht klar die CoT-Daten, welche eher sogar eine unmittelbar bevorstehende Wende nach oben andeuten.

Was recht eindeutig ist: die Volatilität des Goldpreises steht auf sehr tiefem Niveau. In den letzten Jahren kam es ausgehend von diesem Niveau in der Folge zu stärkeren Bewegungen. Und da ich wie oben beschrieben eher mit einem Einbruch reche, könnte Gold bald schnell 150 USD und mehr verlieren. Ich sehe jedenfalls derzeit kein überzeugendes Pro-Gold-Argument.

Was denken Sie? Ich freue mich auf Ihren Kommentar!

Jul 072015
 

Ob Griechenland austritt oder nicht wird sich zeigen. Persönlich denke ich, dass es nur zwei Lösungen der Euro-Krise gibt: Entweder eine vollständige Union mit EU-Finanzministerium, EU-Steuern und -Transfers analog dem Länderfinanzausgleich der Bundesländer. Oder aber Griechenland sowie alle anderen Länder, deren ökonomische Basis nicht rausreichend ist im Vergleich zu den anderen Länder der Euro-Zone, treten aus. Ich habe die Vermutung, dass die Euro-Zone längerfristig wieder deutlich kleiner werden wird… Das dürfte insbesondere Deutschland treffen. Doch noch ist es nicht so weit.

Kurzfristig denke ich, dass das Thema Griechenland bzw. „Grexit“ ausgereizt ist und fast schon „Blasen-Charakter“ annimmt. Das wird schnell deutlich bei einer Auswertung mit Google Trends:

grexit_bubble

Aus meiner Sicht sind wir gerade am Peak und ich erwarte bis spätestens Ende des Monats (wenn nicht gar bis Ende der laufenden Woche) eine „Lösung“. Ob diese die strukturellen Probleme lösen wird darf freilich bezweifelt werden, doch für ein Aufatmen an den Börsen dürfte es reichen.

Daher: Kaufen Sie die Angst (DAX bei 10.800 Punkten). Ich rechne fest damit, dass der Euro in den nächsten Monaten Richtung Parität zum US-Dollar fallen wird, was entsprechend den DAX „befeuern“ sollte. Zu meinen Favoriten gehören Bank-Aktien, denn die Banken haben längst ihren „Müll“ an die EZB entsorgt und sollten sich nun nachhaltig besser entwickeln als der allgemeine Markt. Dazu eine „nette Grafik“ von zerohedge:

bank exposure to greek

Jul 022015
 

Die heutigen US-Konjunkturdaten waren nicht besonders überzeugend und es finden sich bereits wieder zahlreiche Einschätzungen, wonach die Fed in diesem Jahr keine Zinserhöhung mehr durchführen wird. Ich bin hier explizit anderer Ansicht und wiederhole:

Die Fed MUSS JETZT die Zinsen anheben. Denn wenn sie jetzt die Zinsen anhebt, wird das den Konsum sogar beflügeln, weil viele sozusagen noch „schnell die niedrigen Zinsen nutzen“ werden wollen. Außerdem muss die Fed anheben, um auch wieder Möglichkeiten zu haben, wenn die nächste Rezession kommt (was vermutlich um 2017 der Fall sein wird). Und sie muss es tun, um ihre Glaubwürdigkeit zu erhalten. Zudem glaube ich, dass die Fed „Luft aus den Märkten nehmen“ will und tatsächlich auch möglichen Inflationsrisiken begegnen möchte.

Ich erwarte daher den ersten kleinen Zinsschritt im September.

Und jetzt kommt das, was Sie womöglich überraschen wird: Die US-Börsen werden trotzdem haussieren. Denn die US-Märkte haben die Zinserhöhung längst eingepreist. Nicht richtig eingepreist sind jedoch eine Friedensdividende (Iran) und ein Ende des Griechenland-Spektakels (egal welches es auch sein mag).

Was denken Sie?

Jun 122015
 

Die jüngsten Beiträge auf kaufkraftschutz.de trafen allesamt ins Schwarze. Wir haben einen ersten starken Anstieg der Zinsen gesehen und der Euro konnte sich deutlich von seinen Tiefs erholen. Aus meiner Sicht könnte das zweite Halbjahr durch einen sehr starken Anstieg der Börsen gekennzeichnet sein, begleitet oder vorangehend durch einen Kursrutsch bei Euro, Öl und Gold.

Die Mehrheit der Marktbeobachter geht inzwischen davon aus, dass die Fed die Zinsen erst im kommenden Jahr anheben wird – wenn überhaupt. Ich teile diese Ansicht nicht und erwarte sogar schon recht bald den ersten kleinen Zinsschritt nach oben und wie hier beschrieben eine sich verstärkende Zinswende in den kommenden beiden Jahren. Denn aus meiner Sicht muss die Fed das jetzt tun: Wenn sie jetzt die Zinsen anhebt, wird das den Konsum sogar beflügeln, weil viele sozusagen noch „schnell die niedrigen Zinsen nutzen“ werden wollen. Außerdem muss die Fed anheben, um auch wieder Möglichkeiten zu haben, wenn die nächste Rezession kommt (was vermutlich um 2017 der Fall sein wird). Und sie muss es tun, um ihre Glaubwürdigkeit zu erhalten.

Insofern glaube ich, dass sowohl der Euro als auch Gold vor einem neuerlichen Kursrutsch stehen. Bei EUR/USD könnte die Parität ins Ziel rücken, bei Gold die 1.000 USD. Und der Ölpreis wird vermutlich ebenfalls stärker fallen, weil es weiterhin ein deutliches Überangebot gibt und alle Zeichen weiterhin auf eine Einigung mit Iran und die Ablösung ölangetriebener Fahrzeuge hindeuten.

Generell denke ich, dass man Öl- und Gas-Aktien in den nächsten Jahren (!) strikt meiden sollte und empfehle dazu den Artikel von Clemens Schmale „Die CarbonBubble: Öl am Ende?“. Die Aktie von Exxon Mobil hat kürzliches ein sehr klares Chartsignal geliefert, dass eine Zeitenwende ankündigt.

Ein fallender Euro und ein fallender Ölpreis sind wiederum starke Antreiber der Börsen – genauso wie eine Entspannung an der „außenpolitischen Front“.

Ich favorisiere weiterhin Technologie-Werte und denke, dass die Themen E-Cars, Augmented Reality (z.B. Datenbrillen, 3D-Projektionen), Cyber-Security und Biotech weiter laufen werden. Euro, Öl und Gold sind hingegen für mich nun Short-Kandidaten.

Mrz 242015
 

Aufmerksamen Beobachtern wird aufgefallen sein, dass derzeit sehr gravierende Dinge geschehen. Hier eine kleine unsortierte Auflistung:

Das sind allesamt Bausteine für eine „große Überraschung“ in den nächsten vier Wochen. Denkbar sind ein US-Anleihen und/oder Aktien Flash Crash, ein „Grexit“, eine historische Annäherung an den Iran oder aber auch ein möglicher neuer Krieg. Es laufen „Tage der Entscheidung“.

Man sollte sich also auf eine hochvolatile Phase vorbereiten. Der jüngste US-Dollar Flash Crash hat einen kleinen Vorgeschmack gegeben.

In Anbetracht der Spannungen mit Russland halte ich eine Einigung mit Iran für sehr wahrscheinlich – denn dies dürfte den Ölpreis auf neue Tiefs treiben. Wie bereits beschrieben sehe ich zudem gute Chancen für eine kleine Euro-Rallye in den nächsten Monaten, wozu durchaus auch ein weiterer Schuldenschnitt mit ergänzendem, von Deutschland finanziertem „Griechenland-Aufbaufonds“ beitragen könnte.

Auch die Börsen erscheinen mir gerade reif für einen stärkeren Einbruch. In jedem Fall ist eine gewisse Vorsicht angebracht. Es häufen sich zuletzt die Anzeichen für spekulative Blase, z.B. im Biotech-Sektor. Und ich meine eine Rotation zu Versorgern und Telekom-Werten zu sehen, also eine Bewegung in defensive Sektoren. Auch das könnte ein Warnsignal sein.