Jun 282017
 

Der kürzliche Abverkauf der FANG-Aktien (siehe dazu auch der Beitrag „Der Bär lauert – Aktienmärkte vor Rückschlag (oder mehr)!“) hat eine wichtige Botschaft an Investoren gesendet: Durch das inzwischen erheblich verbreitete passive Investieren wird immer mehr Kapital gleichgewichtet auf wenige Aktien gestreut – ungeachtet dessen, ob einzelne Titel bereits erkennbar überbewertet sind oder nicht. Dreht der Trend, stehen dann kaum Käufer bereit und die Kursverluste fallen heftig aus. Dass daraus sogar eine Art „Kernschmelze“ an den Märkten hervorgehen kann, soll folgend erläutert werden.

Über Jahre zeigte sich immer wieder, dass die meisten aktiv gemanagten Fonds ihren Benchmark-Index nicht schlagen. Auf Basis dieser Kernerkenntnis entwickelte sich die Idee des passiven Investierens über kostengünstige Indexfonds zu einem Dauerbrenner. Immer mehr Kapital floss somit in den vergangenen Jahren in ETFs und NOCH ist der Trend ungebrochen:

Auch der Trend zu „Robo Advisory“ bzw. „digitaler Vermögensverwaltung“ begünstigt den Siegeszug der ETFs. In US-Aktien haben Indexfonds und ETFs kumuliert einen Marktanteil von 45%. Problematisch daran ist, dass wegen dieser immensen Größe nun Marktverzerrungen auftreten. Der Indexfonds macht eben genau das nicht, was ein aktiver Fondsmanager getan hätte: er wägt nicht ab, er verteilt nur Kapital. Dies führt jedoch dazu, dass sich Trends zu „Selbstläufern“ entwickeln – je mehr Kapital zufließt, desto mehr steigen die Preise. Genau das haben wir bei den „FANG-Aktien“ erlebt und dieser Trend hat zu sehr fragwürdigen Bewertungen geführt – hier schön aufgezeigt am Beispiel der Amazon-Aktie.

Um dem Argument des reinen Abbildens den Wind aus den Segeln zu nehmen, hat die ETF-Branche „Smart Beta Fonds“ kreiert. Diese „intelligenten ETFs“ versprechen gewissermaßen die „bester aller Welten“, da sie weiterhin die Vorteile klassischer ETFs (wie z.B. niedrige Kosten) bieten sollen, jedoch zusätzlich ein gewisses automatisiertes Management beinhaltet ist. Bei Smart Beta wird ein vom Marktindex abgewandelter Index geschaffen, der regelbasiert nur die Unternehmen auswählt, die bestimmten Kriterien entsprechen. Diese Kriterien werden auch „Faktoren“ genannt. Der Ansatz überzeugt in den vergangenen Jahren immer mehr Investoren:

Smart Beta Fonds sind wiederum ein markantes Beispiel für einen weiteren noch umfassenderen Trend: der Anteil von Handelsprogrammen bzw. „Algos“ hat in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. Das sind Programme, die bisher erfolgreiche Handelsansätze – basierend auf quantitativen Daten – automatisch handeln. Diese „Quants“ sollen bereits 70% des Handelsvolumens ausmachen! Eine nicht ganz unwesentliche Frage hierbei ist, in wie weit diese Systeme die bisher funktionierenden Signale durch die immanente Reflexivität obsolet werden lassen. Denn alle Quant-Fonds arbeiten mehr oder weniger mit den gleichen historischen Daten und sollten somit zu ähnlichen Modellen bzw. Ergebnissen kommen. In gewisser Hinsicht wird somit – trotz ausgefeilter Computer-Technik – doch wieder „Herdenverhalten“ begünstigt.

Und hierin liegt nun das oben bezeichnete „Kernschmelzen“-Risiko. Die Finanzkrise 2008 wäre womöglich niemals so gravierend ausgefallen, wenn nicht mehr oder weniger alle Banken mit demselben Risikomodell gearbeitet hätten. Nun haben wir ein ähnliches Phänomen auf der Anlage-Seite, denn riesige Investmentbeträge wurden in klassische und „intelligente“ ETFs investiert allein aus Kosten- und Performance-Gründen. Die Ironie dabei liegt darin, dass genau damit die Signalfunktion von Preisen außer Kraft gesetzt und auch die Liquidität völlig überzeichnet wird. Der ETF-Flash-Crash am 24. August 2015 zeigte das Risiko deutlich auf. Zudem laufen viele Investoren mehr oder weniger unbewusst „in der gleichen Herde und in die gleiche Richtung“.

Nun stellen Sie sich ein Szenario vor, das ein plötzliches Umdenken vieler Investoren erzeugt, z.B. eine unerwartete Eskalation des Nordkorea-Konfliktes mit Einsatz von Nuklearwaffen oder eine globale Cyber-Attacke mit längerfristiger Auswirkung. Plötzlich fangen die Quants bzw. Algos an zu verkaufen, denn das ist es, was die Modelle nun errechnen. Und auch einige Investoren in ETFs kommen zu der Ansicht, dass es vielleicht besser ist, etwas Kapital rauszunehmen. Doch wer soll die von den ETFs gehaltenen Aktien nun kaufen (zumal ETFs keine Kasse halten)? Panik entsteht, da die ETFs für einzelne Werte gar keine ausreichende Liquidität finden. Die Market Maker stellen immer tiefere Kurse, mit der Folge dass immer mehr Quants/Algos verkaufen und auch immer mehr ETF-Anleger „kalte Füße“ bekommen – zumal die ersten ETF-Anbieter über „Probleme bei der Preisermittlung“ berichten und den Handel aussetzen. In einem solchen Szenario können selbst etablierte Indizes wie der Nasdaq 100 dramatischste Verluste in kürzester Zeit erfahren. Der oben beschriebene Selbstläufer-Prozess dreht sich somit nun um ins Gegenteil – die Kernschmelze an den Märkten ist da.

In einem solchen Szenario ist es denkbar, dass am Ende die Notenbanken beginnen, in exorbitanten Ausmaß ETFs zu kaufen um den Markt zu stabilisieren – die japanische Notenbank tut dies ja bereits seit längerem. Und schon finden wir uns im neuen Quantitative Easing Zyklus wieder… Nur dass das Vertrauen „ins System“ wieder weiteren Schaden genommen hat und die Zentralbanken final an Glaubwürdigkeit verlieren könnten – insbesondere, nach dem Janet Yellen sich gestern zu der gewagten Aussage hinreißen ließ, dass es „zu Lebzeiten keine weitere Finanzkrise mehr geben wird“.

Relativierend: In der Überschrift habe ich das Wort „bald“ verwendet, tatsächlich weiß ich jedoch weder ob geschweige denn wann ein solches Szenario jemals eintreten wird. Ich glaube jedoch, dass sich hier Systemrisiken entwickeln, welche die einzelnen Marktakteure und Aufsichtsbehörden nicht einschätzen können, da eine übergeordnete Intelligenz fehlt. Mir scheint, wir erleben gerade ein riesiges unüberschaubares Anlage-Experiment – und das zu einer Zeit, wo das Finanzsystem und im weiteren Sinne das gesamte Weltwirtschaftssystem vor dramatischen Umwälzungen steht (politische Faktoren mal ganz außer Acht gelassen). Seien Sie also auf der Hut. Die global niedrige Volatilität könnte sich als das größte technische Fehlsignal aller Zeiten herausstellen – ironischer Weise erzeugt durch „intelligente Fonds“ und hoch professionelle Computersysteme (die von Menschen geschaffen wurden und denen massenhaft Vermögen anvertraut wird)…

Jun 262017
 

Derzeit noch weitestgehend unbeachtet kündigt sich ein neues Drama um die US-Schuldenobergrenze („debt ceiling“) an, das die Märkte im Spätsommer und Herbst noch erheblich belasten könnte. Seit dem 16. März gilt wieder die offizielle Schuldengrenze von derzeit 19,808 Billionen US-Dollar – diese hatte Trumps Vorgänger Barack Obama im November 2015 nach zähem Ringen mit dem Kongress ausgesetzt.

US-Finanzminister Steven Mnuchin hat in den zurückliegenden Wochen mehrfach betont, dass die US-Schuldenobergrenze möglichst noch vor August angehoben werden solle, denn die Steuereinnahmen liegen hinter den Erwartungen und täglich verpulvert „Uncle Sam“ weitere 3,2 Milliarden US-Dollar. Schon seit Monaten agiert das US-Finanzministerium, in dem Schulden vorübergehend als „außergewöhnliche Maßnahme“ deklariert und somit legitimiert werden. Nun droht im September final das Geld auszugehen.

Doch jahrelang haben die republikanischen Hardliner im Kongress eine Anhebung des Schuldenlimits verhindert, um Obamas Politik zu blockieren. Gerade der ideologische Dauerkrieg hat sie mächtig gemacht und noch immer stellen sie die Mehrheit in der Partei: Zwei Drittel der Republikaner stimmten 2013 gegen den „Waffenstillstand“ mit Obama im Schuldenkrieg – und damit gegen ihre eigene Parteiführung. Obama bezeichnete diese Phase als die beängstigende während seiner Zeit als Präsident – er bereitete bereits eine Erklärung zum Zahlungsausfall vor. Nun dürfte Trump etwas ähnliches bevorstehen und die möglichen Folgen könnten verheerend sein.

Gibt es keine politische Einigung, darf das US-Finanzministerium keine neuen Anleihen mehr verkaufen. Dann müsste die Regierung mit dem Geld aus den laufenden Einnahmen auskommen und Ausgaben priorisieren. Etwaige Steuersenkungen oder gar Konjunkturprogramme (wie sie Trump versprochen hat) wären dann nicht mehr möglich. Und auch eine weitere Abstufung der US-Kreditwürdigkeit – wie schon 2011 – wäre denkbar.

Dass es durchaus so weit kommen könnte liegt auch daran, dass einer jüngeren Umfrage zufolge 64% der republikanischen Wähler eine weitere Erhöhung der Schuldenobergrenze ablehnen. Einige Marktbeobachter sehen daher schon die „Mutter aller Schuldengrenzen-Krisen“ kommen und erwarten eine wochenlange Phase der Handlungsunfähigkeit der US-Regierung.

Wie in einer solchen Phase der für seine reißerischen Tweets bekannte Trump reagiert ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor. Trump war als Geschäftsmann selbst mehrfach nahe der Pleite und wird diesen Vorgang womöglich in seiner ganz eigenen Art interpretieren. Schon vor der Wahl verkündete er, mit den US-Gläubigern gegebenenfalls einen „Haircut“ zu vereinbaren. Was im Geschäftsleben denkbar ist, wäre jedoch für die USA und das globale Finanzsystem ein Super-GAU. Das dürften ihm auch seine Berater vermitteln können. Nichtsdestotrotz muss eine voreilige Aussage von Trump als Risiko berücksichtigt werden.

Während der Diskussionen über die US-Schuldenobergrenze im Jahr 2011 verlor der S&P 500 übrigens 17% an Wert…

Jul 072015
 

Ob Griechenland austritt oder nicht wird sich zeigen. Persönlich denke ich, dass es nur zwei Lösungen der Euro-Krise gibt: Entweder eine vollständige Union mit EU-Finanzministerium, EU-Steuern und -Transfers analog dem Länderfinanzausgleich der Bundesländer. Oder aber Griechenland sowie alle anderen Länder, deren ökonomische Basis nicht rausreichend ist im Vergleich zu den anderen Länder der Euro-Zone, treten aus. Ich habe die Vermutung, dass die Euro-Zone längerfristig wieder deutlich kleiner werden wird… Das dürfte insbesondere Deutschland treffen. Doch noch ist es nicht so weit.

Kurzfristig denke ich, dass das Thema Griechenland bzw. „Grexit“ ausgereizt ist und fast schon „Blasen-Charakter“ annimmt. Das wird schnell deutlich bei einer Auswertung mit Google Trends:

grexit_bubble

Aus meiner Sicht sind wir gerade am Peak und ich erwarte bis spätestens Ende des Monats (wenn nicht gar bis Ende der laufenden Woche) eine „Lösung“. Ob diese die strukturellen Probleme lösen wird darf freilich bezweifelt werden, doch für ein Aufatmen an den Börsen dürfte es reichen.

Daher: Kaufen Sie die Angst (DAX bei 10.800 Punkten). Ich rechne fest damit, dass der Euro in den nächsten Monaten Richtung Parität zum US-Dollar fallen wird, was entsprechend den DAX „befeuern“ sollte. Zu meinen Favoriten gehören Bank-Aktien, denn die Banken haben längst ihren „Müll“ an die EZB entsorgt und sollten sich nun nachhaltig besser entwickeln als der allgemeine Markt. Dazu eine „nette Grafik“ von zerohedge:

bank exposure to greek

Jun 302015
 

„Gold ist Geld“ heißt es oft und an der These ist auch einiges dran, wenn man sich z.B. klar macht, dass der Iran die Sanktionen der letzten Jahre durch Zahlungen in Gold umgehen konnte. Und auch Russland weitet nicht ohne Grund seine Goldreserven seit Jahren aus. Das Land will sich unabhängig machen vom internationalen Zahlungsverkehrssystem, welches durch die USA dominiert, wenn nicht gar kontrolliert wird.

Doch was ist mit privaten Personen? Zumindest bisher boten Edelmetalle zwar Schutz vor Systemrisiken, doch sie hatten keine wirkliche Zahlungsmittelfunktion. Mit Goldmünzen kann man faktisch nichts kaufen. Und dies war auch ein Grund dafür, warum das wie Gold ebenfalls limitierte Bitcoin einen immensen Aufschwung erfuhr. Denn Bitcoin erlaubt Online-Zahlungen.

Bitcoin plus Gold ergibt BitGold. Dabei handelt es sich um ein neues FinTech-Unternehmen, dessen Angebot mir sehr gut gefällt:

Es ist das erste Konto in echtem Gold – also Transaktionen werden wirklich in Gold ausgeführt. BitGold verdient an dem Wechsel in Gold 1% und ggf. bei physischer Lieferung. Das Konto selbst ist kostenlos. Lagerstätten sind in Zürich, Hong Kong, London, Singapur, Toronto oder Dubai – das kann man selbst auswählen. Der Goldwert ist versichert.

Hinter BitGold, ansässig im kanadischen Torono, stehen einige große finanzstarke Investoren (Sprott, Dundee, GMP, Soros, Canaccord u.a.). Das merkt man auch am professionellen und mehrsprachigen Webauftritt sowie der starken Online-Werbung.

Ich habe selbst ein BitGold-Konto eröffnet, was recht zügig ging. Denn noch erhält man als „Neukunde“ 0,5 Gramm Gold geschenkt und ich teste gerne neue Ansätze, möchte diesen Beitrag jedoch explizit nicht als Empfehlung verstehen. Dazu ist der Service zu neu und unerprobt. Ich glaube jedoch, dass BitGold eine wichtige Lücke schließt und durchaus ein Erfolg werden kann – weshalb man auch die BitGold-Aktie im Auge behalten sollte.

Hinweis: Wenn Sie über den folgenden Link ebenfalls ein Konto eröffnen, erhalten Sie und ich jeweils 0,5 Gramm Gold geschenkt:
www.BitGold.com/r/HS4OJL

Man darf gespannt sein, wie sich BitGold entwickelt. Ich halte es für durchaus denkbar, dass es mehr und mehr Anhänger finden wird – allein schon wegen der Einfachheit und der Möglichkeit, Gold in verschiedenen Lagerstätten zu „parken“.

Jun 122015
 

Die jüngsten Beiträge auf kaufkraftschutz.de trafen allesamt ins Schwarze. Wir haben einen ersten starken Anstieg der Zinsen gesehen und der Euro konnte sich deutlich von seinen Tiefs erholen. Aus meiner Sicht könnte das zweite Halbjahr durch einen sehr starken Anstieg der Börsen gekennzeichnet sein, begleitet oder vorangehend durch einen Kursrutsch bei Euro, Öl und Gold.

Die Mehrheit der Marktbeobachter geht inzwischen davon aus, dass die Fed die Zinsen erst im kommenden Jahr anheben wird – wenn überhaupt. Ich teile diese Ansicht nicht und erwarte sogar schon recht bald den ersten kleinen Zinsschritt nach oben und wie hier beschrieben eine sich verstärkende Zinswende in den kommenden beiden Jahren. Denn aus meiner Sicht muss die Fed das jetzt tun: Wenn sie jetzt die Zinsen anhebt, wird das den Konsum sogar beflügeln, weil viele sozusagen noch „schnell die niedrigen Zinsen nutzen“ werden wollen. Außerdem muss die Fed anheben, um auch wieder Möglichkeiten zu haben, wenn die nächste Rezession kommt (was vermutlich um 2017 der Fall sein wird). Und sie muss es tun, um ihre Glaubwürdigkeit zu erhalten.

Insofern glaube ich, dass sowohl der Euro als auch Gold vor einem neuerlichen Kursrutsch stehen. Bei EUR/USD könnte die Parität ins Ziel rücken, bei Gold die 1.000 USD. Und der Ölpreis wird vermutlich ebenfalls stärker fallen, weil es weiterhin ein deutliches Überangebot gibt und alle Zeichen weiterhin auf eine Einigung mit Iran und die Ablösung ölangetriebener Fahrzeuge hindeuten.

Generell denke ich, dass man Öl- und Gas-Aktien in den nächsten Jahren (!) strikt meiden sollte und empfehle dazu den Artikel von Clemens Schmale „Die CarbonBubble: Öl am Ende?“. Die Aktie von Exxon Mobil hat kürzliches ein sehr klares Chartsignal geliefert, dass eine Zeitenwende ankündigt.

Ein fallender Euro und ein fallender Ölpreis sind wiederum starke Antreiber der Börsen – genauso wie eine Entspannung an der „außenpolitischen Front“.

Ich favorisiere weiterhin Technologie-Werte und denke, dass die Themen E-Cars, Augmented Reality (z.B. Datenbrillen, 3D-Projektionen), Cyber-Security und Biotech weiter laufen werden. Euro, Öl und Gold sind hingegen für mich nun Short-Kandidaten.

Mrz 242015
 

Aufmerksamen Beobachtern wird aufgefallen sein, dass derzeit sehr gravierende Dinge geschehen. Hier eine kleine unsortierte Auflistung:

Das sind allesamt Bausteine für eine „große Überraschung“ in den nächsten vier Wochen. Denkbar sind ein US-Anleihen und/oder Aktien Flash Crash, ein „Grexit“, eine historische Annäherung an den Iran oder aber auch ein möglicher neuer Krieg. Es laufen „Tage der Entscheidung“.

Man sollte sich also auf eine hochvolatile Phase vorbereiten. Der jüngste US-Dollar Flash Crash hat einen kleinen Vorgeschmack gegeben.

In Anbetracht der Spannungen mit Russland halte ich eine Einigung mit Iran für sehr wahrscheinlich – denn dies dürfte den Ölpreis auf neue Tiefs treiben. Wie bereits beschrieben sehe ich zudem gute Chancen für eine kleine Euro-Rallye in den nächsten Monaten, wozu durchaus auch ein weiterer Schuldenschnitt mit ergänzendem, von Deutschland finanziertem „Griechenland-Aufbaufonds“ beitragen könnte.

Auch die Börsen erscheinen mir gerade reif für einen stärkeren Einbruch. In jedem Fall ist eine gewisse Vorsicht angebracht. Es häufen sich zuletzt die Anzeichen für spekulative Blase, z.B. im Biotech-Sektor. Und ich meine eine Rotation zu Versorgern und Telekom-Werten zu sehen, also eine Bewegung in defensive Sektoren. Auch das könnte ein Warnsignal sein.

Mrz 052015
 

Am 24. März 2014 schrieb ich im Beitrag „Steht ein Einbruch des Euro gegen den US-Dollar bevor?“:

„In der Summe ist das ein Cocktail, der aus meiner Sicht dazu geeignet ist, einen scharfen Abwärtstrend im Euro zu initiieren. Das Kapital, das in den letzten zwei Jahren in den Euroraum floss, könnte schneller wieder abgezogen werden als viele ahnen. Sollte die Fed dann zudem noch ihre Ankündigung wahr machen und das Tapering beibehalten, dürften sich die USA als DER Zielhafen für großes Kapital herausstellen. Aus meiner Sicht ist EUR/USD ein strategischer Short. Eine Zielzone könnte zunächst bei 1,25 USD liegen – ein Abwärtspotenzial von 10%.“

Zwischenzeitlich hatte ich den Zielbereich noch deutlich nach unten korrigiert und seit Ankündigung hat der Euro gegenüber dem US-Dollar um über 20% auf aktuell 1,10 US-Dollar verloren. Doch nun ist es aus meiner Sicht an der Zeit, die Short-Gewinne zu realisieren. Das Sentiment ist meiner Beobachtung nach extrem pro US-Dollar bzw. sehr negativ hinsichtlich des Euro. Dabei ist das Thema Griechenland vorläufig vom Tisch, das große Anleihenkaufprogramm der EZB bekannt, die Ukraine-Krise „gelaufen“. Und ich sehe auch sonst keine neuen Nachrichten, die den Euro weiter belasten könnten.

Ich erwarte daher für die nächsten Monate eine Stabilisierung, wenn nicht gar eine Erholung des Euro in Richtung 1,20 USD. Die Wirtschaftsdaten lassen dies durchaus zu. Echte Probleme für den Euro erwarte ich erst wieder ab dem kommenden Jahr, wenn die avisierte Zinswende an Fahrt gewinnt und die Schuldenkrise mit voller Wucht zurückkehrt.

In den nächsten Wochen wird jedoch eher der Yen wieder Aufmerksamkeit erregen, wenn er seinen Absturz gegen nahezu alle Währungen fortsetzt. Denn Japan bleibt „Vorreiter“ auf dem Weg in den Ruin.

Feb 282015
 

Im Mai 2011 schrieb ich im Beitrag „Wann kommt die Zinswende?“, dass ich für 2012 mit einem Tief rechne und die Zinsen „tendenziell ab Ende 2012 ihren Anstieg beginnen, die Anleihenmärkte dann in einen nachhaltigen Bärenmarkt übergehen“ werden. Bezogen war der Beitrag primär auf die 30-jährigen US-Bonds. Mit der Einschätzung lag ich bis Anfang dieses Jahres richtig, dann wurden sogar kurzfristig neue Tiefs erreicht. Ich sehe dies jedoch als finale Übertreibung an, die durch das Quantitative Easing (QE) der Notenbanken befeuert wurde.

Wenn Sie mich fragen, wo gerade die größte Blase schlummert, dann würde ich sagen: im Glauben an dauerhaft niedrige Zinsen und die Allmacht der Notenbanken. Beides wird noch in diesem Jahr seinen „Peak“ sehen. Ich rechne fest damit, dass wir im dritten Quartal ein „plötzliches Erwachen“ erleben werden. Irgendein Auslöser wird dazu führen, dass DIE Zinswende ihren Anfang nimmt (die Bodenbildung läuft wie beschrieben seit 2012), d.h. eine nachhaltige Wende an den globalen Bondsmärkten, die 2016 und 2017 deutlich an Momentum aufnehmen wird.

Global? Ja! Ich denke nicht, dass Europa den japanischen Weg gehen wird. Es mag sein, dass einzelne Länder hinsichtlich der demografischen Entwicklung ähnlich wie Japan in einer strukturellen Deflation stecken. Indes bedeutet das keineswegs, dass auch die Zinsen in Europa über eine Dekade lang tief bleiben müssen. Denn während Japan nur ein einzelnes Land ist, ist die Euro-Zone eine politisch motivierte Schicksalsgemeinschaft, der man immer weniger vertrauen wird. Heißt: die aktuellen Anleihenrenditen sind absurd und spiegeln in keinster Weise die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der einzelnen Länder wider. Griechenland ist nur ein Vorbeben. Das eigentliche Beben wird in Frankreich beginnen und damit einen der Grundpfeiler des Euro treffen. Die Parität zum US-Dollar könnte also noch in diesem Jahr erreicht werden, was 2013 bereits hier beschrieben wurde.

Ab 2016 rechne ich also mit global deutlich steigenden Zinsen. Da ich dann auch ein Wiedererwachen der Inflation erwarte, werden Investoren immer stärker in Aktien fliehen und dort die nächste gigantische Blase aufpumpen. Ich halte es für durchaus denkbar, dass der DAX Ende des Jahrzehnts über 20.000 Punkten notieren wird, der Dow Jones womöglich bei 35.000 Punkten.

Es ist also JETZT an der Zeit, sich auf die Zinswende vorzubereiten. Was heißt das konkret? Nun:

  1. Wenn Sie einen Kredit oder Darlehen aufnehmen wollen, dann zeitnah. Bedenken Sie jedoch: ein Kredit ist kein Selbstzweck. Überprüfen Sie sehr genau, ob Sie wirklich auf Kreditbasis etwas erwerben bzw. investieren möchten.
  2. Kaufen Sie keine Immobilien als Anlage! Dazu als Anregung auch nochmal der Beitrag: Was gegen die Immobilie als Inflationsschutz spricht
  3. Meiden Sie jegliche Anleihen, insbesondere Risikoanleihen!
  4. Shorten Sie keine Aktienindizes (auch wenn es sicher auch starke Rückschläge wie im Herbst 2014 geben könnte).
  5. Meiden Sie Aktien von Unternehmen mit hohen Schulden und niedrigem Cashflow.
  6. Legen Sie sich bei Edelmetallen auf die Lauer. Hier sollte es – nach einem weiteren starken Rutsch auf <1.000 US-Dollar – wieder nachhaltig aufwärts gehen.
  7. Suchen Sie sich einen guten Steuerberater. Wenn die Zinswende kommt, werden die Staaten noch stärker die Steuern erhöhen (müssen), weil die Finanzierung über Anleihen teurer werden wird.
  8. Überprüfen Sie Ihre privaten Finanzen langfristig im Hinblick auf die Frage: Inwiefern könnten sich stark steigende Zinsen negativ auf mich bzw. meinen Haushalt auswirken?
  9. Vertrauen Sie keinen Aussagen von Regierungen und Notenbanken! Deren Möglichkeiten sind begrenzt und häufig mehr psychologischer Natur.
  10. Vergessen Sie nicht, dass auch Bargeld eine Anlageklasse ist und Liquidität in den kommenden Jahren immer wichtiger werden wird. Zur Erinnerung: Bargeld lacht! Cash is king!

Ihr Feedback ist jederzeit willkommen.

Jan 152015
 

Die Schweizer Nationalbank (SNB) hat überraschend ihren Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro aufgehoben und die Zinsen gesenkt. Das Währungspaar EUR/CHF bricht dramatisch ein – zwischenzeitlich um über 25%! Dieser Schritt wird zahlreiche Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt haben und dürfte – wie so häufig in den letzten Jahren – diverse Schieflagen erzeugen.

Damit hat die SNB meiner Einschätzung nach die Büchse der Pandora geöffnet. Wie im Beitrag „Die Schweiz steuert auf eine Finanzkrise zu“ dargestellt, ist sie ein unglaublich hohes Fremdwährungsrisiko eingegangen, das jetzt voll zum tragen kommt.

Für heute ist mit Stützungskäufen zu rechnen. Doch wie viele Marktteilnehmer dürften noch immer im Schweizer Franken Schulden halten, die im Euro-Raum investiert sind? Das gilt insbesondere auch für die SNB selbst.

Ich denke, dass die SNB den Schweizer Franken mit dem exorbitanten Quantitative Easing nachhaltig geschwächt und in geradezu unverantwortlicher Weise das Schweizer Finanzsystem einem systemischen Risiko ausgesetzt hat. Die Folgen wird man meines Erachtens in zwei bis drei Jahren erst wirklich erkennen.

Das ist das Ende des Finanzplatz Schweiz wie wir ihn über Dekaden kannten. Ich wiederhole aus meinem letzten Blog-Beitrag:

„Insofern warne ich hiermit eindringlich und meiner Kenntnis nach bisher als einziger Marktstratege explizit vor Investments jeglicher Art in der Schweiz.“

Heute fällt der Schweizer Aktienmarkt um fast 10%. Sie waren und sind gewarnt. Die Schweiz ist kein sicherer Hafen mehr – im Gegenteil.

Mrz 242014
 

Der Euroraum erwirtschaftete im Januar einen Überschuss von 0,9 Mrd. Euro. Demnach ist der Euro fundamental relativ gut untermauert und inzwischen wächst die Zahl der Optimisten, die einen deutlichen Anstieg des Euro gegen den US-Dollar erwarten. Doch während die „Euro-Krise“ während des Zenits der Austrittsspekulationen hinsichtlich „PIIGS“ aus meiner Sicht übertrieben inszeniert wurde, ergeben sich nun Kräfte, die dem Euro tatsächlich den Boden entziehen können: eine die europäischen Nationalstaaten übergreifende Allianz der Rechten, die stetig wachsende Anzahl an Konfliktherden in und um Europa sowie eine wirtschaftliche Abschwächung bei vielen Handelspartnern.

Die Rechtsextremen sind auf dem Weg, sich als dritte politische Kraft Frankreichs zu etablieren – einem Kernland des Euroraums. Auch in anderen Ländern sind die Rechten auf der Vormarsch, teilweise sogar deutlich (z.B. in Ungarn) und insbesondere bei der jüngeren Generation. Und die Rechten Bewegungen arbeiten immer öfter supranational zusammen (was schon fast eine Ironie an sich ist). Es ist daher nicht abwegig anzunehmen, dass sie bei der Wahl zum Europaparlament am 22. bis 25. Mai deutliche Zugewinne verzeichnen werden. Das könnte eine Krise der EU aus dem Inneren heraus hervorbringen.

Zudem nehmen die Konfliktfelder in bzw. um Europa stetig zu. Separationsbewegungen in Spanien, Italien, Belgien und Großbritannien rütteln an der politischen Ordnung. Die gesamte Mittelmeerregion hat sich zu einem Pulverfass entwickelt. Zahlreiche Konflikte – religiös oder ethnisch getragen – scheinen eine Tendenz zu Aktion im Sinne physischer Gewalt zu entwickeln.

Auch die Unruhen in Nordafrika, im Nahen Osten sowie nun in der Krim wirken wie eine gewaltige Sturmfront. Die Energieversorgung Europas scheint durchaus gefährdet für temporäre Schocks. Und dies trifft zusammen mit Wirtschafts- und Währungskrisen in wichtigen Abnehmerländern wie China, Brasilien, Indien, Japan und die Türkei, was insbesondere die Exportländer wie Deutschland treffen wird.

In der Summe ist das ein Cocktail, der aus meiner Sicht dazu geeignet ist, einen scharfen Abwärtstrend im Euro zu initiieren. Das Kapital, das in den letzten zwei Jahren in den Euroraum floss, könnte schneller wieder abgezogen werden als viele ahnen. Sollte die Fed dann zudem noch ihre Ankündigung wahr machen und das Tapering beibehalten, dürften sich die USA als DER Zielhafen für großes Kapital herausstellen.

Aus meiner Sicht ist EUR/USD ein strategischer Short. Eine Zielzone könnte zunächst bei 1,25 USD liegen – ein Abwärtspotenzial von 10%.