Jul 072015
 

Ob Griechenland austritt oder nicht wird sich zeigen. Persönlich denke ich, dass es nur zwei Lösungen der Euro-Krise gibt: Entweder eine vollständige Union mit EU-Finanzministerium, EU-Steuern und -Transfers analog dem Länderfinanzausgleich der Bundesländer. Oder aber Griechenland sowie alle anderen Länder, deren ökonomische Basis nicht rausreichend ist im Vergleich zu den anderen Länder der Euro-Zone, treten aus. Ich habe die Vermutung, dass die Euro-Zone längerfristig wieder deutlich kleiner werden wird… Das dürfte insbesondere Deutschland treffen. Doch noch ist es nicht so weit.

Kurzfristig denke ich, dass das Thema Griechenland bzw. „Grexit“ ausgereizt ist und fast schon „Blasen-Charakter“ annimmt. Das wird schnell deutlich bei einer Auswertung mit Google Trends:

grexit_bubble

Aus meiner Sicht sind wir gerade am Peak und ich erwarte bis spätestens Ende des Monats (wenn nicht gar bis Ende der laufenden Woche) eine „Lösung“. Ob diese die strukturellen Probleme lösen wird darf freilich bezweifelt werden, doch für ein Aufatmen an den Börsen dürfte es reichen.

Daher: Kaufen Sie die Angst (DAX bei 10.800 Punkten). Ich rechne fest damit, dass der Euro in den nächsten Monaten Richtung Parität zum US-Dollar fallen wird, was entsprechend den DAX „befeuern“ sollte. Zu meinen Favoriten gehören Bank-Aktien, denn die Banken haben längst ihren „Müll“ an die EZB entsorgt und sollten sich nun nachhaltig besser entwickeln als der allgemeine Markt. Dazu eine „nette Grafik“ von zerohedge:

bank exposure to greek

Jun 302015
 

„Gold ist Geld“ heißt es oft und an der These ist auch einiges dran, wenn man sich z.B. klar macht, dass der Iran die Sanktionen der letzten Jahre durch Zahlungen in Gold umgehen konnte. Und auch Russland weitet nicht ohne Grund seine Goldreserven seit Jahren aus. Das Land will sich unabhängig machen vom internationalen Zahlungsverkehrssystem, welches durch die USA dominiert, wenn nicht gar kontrolliert wird.

Doch was ist mit privaten Personen? Zumindest bisher boten Edelmetalle zwar Schutz vor Systemrisiken, doch sie hatten keine wirkliche Zahlungsmittelfunktion. Mit Goldmünzen kann man faktisch nichts kaufen. Und dies war auch ein Grund dafür, warum das wie Gold ebenfalls limitierte Bitcoin einen immensen Aufschwung erfuhr. Denn Bitcoin erlaubt Online-Zahlungen.

Bitcoin plus Gold ergibt BitGold. Dabei handelt es sich um ein neues FinTech-Unternehmen, dessen Angebot mir sehr gut gefällt:

Es ist das erste Konto in echtem Gold – also Transaktionen werden wirklich in Gold ausgeführt. BitGold verdient an dem Wechsel in Gold 1% und ggf. bei physischer Lieferung. Das Konto selbst ist kostenlos. Lagerstätten sind in Zürich, Hong Kong, London, Singapur, Toronto oder Dubai – das kann man selbst auswählen. Der Goldwert ist versichert.

Hinter BitGold, ansässig im kanadischen Torono, stehen einige große finanzstarke Investoren (Sprott, Dundee, GMP, Soros, Canaccord u.a.). Das merkt man auch am professionellen und mehrsprachigen Webauftritt sowie der starken Online-Werbung.

Ich habe selbst ein BitGold-Konto eröffnet, was recht zügig ging. Denn noch erhält man als „Neukunde“ 0,5 Gramm Gold geschenkt und ich teste gerne neue Ansätze, möchte diesen Beitrag jedoch explizit nicht als Empfehlung verstehen. Dazu ist der Service zu neu und unerprobt. Ich glaube jedoch, dass BitGold eine wichtige Lücke schließt und durchaus ein Erfolg werden kann – weshalb man auch die BitGold-Aktie im Auge behalten sollte.

Hinweis: Wenn Sie über den folgenden Link ebenfalls ein Konto eröffnen, erhalten Sie und ich jeweils 0,5 Gramm Gold geschenkt:
www.BitGold.com/r/HS4OJL

Man darf gespannt sein, wie sich BitGold entwickelt. Ich halte es für durchaus denkbar, dass es mehr und mehr Anhänger finden wird – allein schon wegen der Einfachheit und der Möglichkeit, Gold in verschiedenen Lagerstätten zu „parken“.

Jun 122015
 

Die jüngsten Beiträge auf kaufkraftschutz.de trafen allesamt ins Schwarze. Wir haben einen ersten starken Anstieg der Zinsen gesehen und der Euro konnte sich deutlich von seinen Tiefs erholen. Aus meiner Sicht könnte das zweite Halbjahr durch einen sehr starken Anstieg der Börsen gekennzeichnet sein, begleitet oder vorangehend durch einen Kursrutsch bei Euro, Öl und Gold.

Die Mehrheit der Marktbeobachter geht inzwischen davon aus, dass die Fed die Zinsen erst im kommenden Jahr anheben wird – wenn überhaupt. Ich teile diese Ansicht nicht und erwarte sogar schon recht bald den ersten kleinen Zinsschritt nach oben und wie hier beschrieben eine sich verstärkende Zinswende in den kommenden beiden Jahren. Denn aus meiner Sicht muss die Fed das jetzt tun: Wenn sie jetzt die Zinsen anhebt, wird das den Konsum sogar beflügeln, weil viele sozusagen noch „schnell die niedrigen Zinsen nutzen“ werden wollen. Außerdem muss die Fed anheben, um auch wieder Möglichkeiten zu haben, wenn die nächste Rezession kommt (was vermutlich um 2017 der Fall sein wird). Und sie muss es tun, um ihre Glaubwürdigkeit zu erhalten.

Insofern glaube ich, dass sowohl der Euro als auch Gold vor einem neuerlichen Kursrutsch stehen. Bei EUR/USD könnte die Parität ins Ziel rücken, bei Gold die 1.000 USD. Und der Ölpreis wird vermutlich ebenfalls stärker fallen, weil es weiterhin ein deutliches Überangebot gibt und alle Zeichen weiterhin auf eine Einigung mit Iran und die Ablösung ölangetriebener Fahrzeuge hindeuten.

Generell denke ich, dass man Öl- und Gas-Aktien in den nächsten Jahren (!) strikt meiden sollte und empfehle dazu den Artikel von Clemens Schmale „Die CarbonBubble: Öl am Ende?“. Die Aktie von Exxon Mobil hat kürzliches ein sehr klares Chartsignal geliefert, dass eine Zeitenwende ankündigt.

Ein fallender Euro und ein fallender Ölpreis sind wiederum starke Antreiber der Börsen – genauso wie eine Entspannung an der „außenpolitischen Front“.

Ich favorisiere weiterhin Technologie-Werte und denke, dass die Themen E-Cars, Augmented Reality (z.B. Datenbrillen, 3D-Projektionen), Cyber-Security und Biotech weiter laufen werden. Euro, Öl und Gold sind hingegen für mich nun Short-Kandidaten.

Mrz 242015
 

Aufmerksamen Beobachtern wird aufgefallen sein, dass derzeit sehr gravierende Dinge geschehen. Hier eine kleine unsortierte Auflistung:

Das sind allesamt Bausteine für eine „große Überraschung“ in den nächsten vier Wochen. Denkbar sind ein US-Anleihen und/oder Aktien Flash Crash, ein „Grexit“, eine historische Annäherung an den Iran oder aber auch ein möglicher neuer Krieg. Es laufen „Tage der Entscheidung“.

Man sollte sich also auf eine hochvolatile Phase vorbereiten. Der jüngste US-Dollar Flash Crash hat einen kleinen Vorgeschmack gegeben.

In Anbetracht der Spannungen mit Russland halte ich eine Einigung mit Iran für sehr wahrscheinlich – denn dies dürfte den Ölpreis auf neue Tiefs treiben. Wie bereits beschrieben sehe ich zudem gute Chancen für eine kleine Euro-Rallye in den nächsten Monaten, wozu durchaus auch ein weiterer Schuldenschnitt mit ergänzendem, von Deutschland finanziertem „Griechenland-Aufbaufonds“ beitragen könnte.

Auch die Börsen erscheinen mir gerade reif für einen stärkeren Einbruch. In jedem Fall ist eine gewisse Vorsicht angebracht. Es häufen sich zuletzt die Anzeichen für spekulative Blase, z.B. im Biotech-Sektor. Und ich meine eine Rotation zu Versorgern und Telekom-Werten zu sehen, also eine Bewegung in defensive Sektoren. Auch das könnte ein Warnsignal sein.

Mrz 052015
 

Am 24. März 2014 schrieb ich im Beitrag „Steht ein Einbruch des Euro gegen den US-Dollar bevor?“:

„In der Summe ist das ein Cocktail, der aus meiner Sicht dazu geeignet ist, einen scharfen Abwärtstrend im Euro zu initiieren. Das Kapital, das in den letzten zwei Jahren in den Euroraum floss, könnte schneller wieder abgezogen werden als viele ahnen. Sollte die Fed dann zudem noch ihre Ankündigung wahr machen und das Tapering beibehalten, dürften sich die USA als DER Zielhafen für großes Kapital herausstellen. Aus meiner Sicht ist EUR/USD ein strategischer Short. Eine Zielzone könnte zunächst bei 1,25 USD liegen – ein Abwärtspotenzial von 10%.“

Zwischenzeitlich hatte ich den Zielbereich noch deutlich nach unten korrigiert und seit Ankündigung hat der Euro gegenüber dem US-Dollar um über 20% auf aktuell 1,10 US-Dollar verloren. Doch nun ist es aus meiner Sicht an der Zeit, die Short-Gewinne zu realisieren. Das Sentiment ist meiner Beobachtung nach extrem pro US-Dollar bzw. sehr negativ hinsichtlich des Euro. Dabei ist das Thema Griechenland vorläufig vom Tisch, das große Anleihenkaufprogramm der EZB bekannt, die Ukraine-Krise „gelaufen“. Und ich sehe auch sonst keine neuen Nachrichten, die den Euro weiter belasten könnten.

Ich erwarte daher für die nächsten Monate eine Stabilisierung, wenn nicht gar eine Erholung des Euro in Richtung 1,20 USD. Die Wirtschaftsdaten lassen dies durchaus zu. Echte Probleme für den Euro erwarte ich erst wieder ab dem kommenden Jahr, wenn die avisierte Zinswende an Fahrt gewinnt und die Schuldenkrise mit voller Wucht zurückkehrt.

In den nächsten Wochen wird jedoch eher der Yen wieder Aufmerksamkeit erregen, wenn er seinen Absturz gegen nahezu alle Währungen fortsetzt. Denn Japan bleibt „Vorreiter“ auf dem Weg in den Ruin.

Feb 282015
 
blase

Im Mai 2011 schrieb ich im Beitrag „Wann kommt die Zinswende?“, dass ich für 2012 mit einem Tief rechne und die Zinsen „tendenziell ab Ende 2012 ihren Anstieg beginnen, die Anleihenmärkte dann in einen nachhaltigen Bärenmarkt übergehen“ werden. Bezogen war der Beitrag primär auf die 30-jährigen US-Bonds. Mit der Einschätzung lag ich bis Anfang dieses Jahres richtig, dann wurden sogar kurzfristig neue Tiefs erreicht. Ich sehe dies jedoch als finale Übertreibung an, die durch das Quantitative Easing (QE) der Notenbanken befeuert wurde.

Wenn Sie mich fragen, wo gerade die größte Blase schlummert, dann würde ich sagen: im Glauben an dauerhaft niedrige Zinsen und die Allmacht der Notenbanken. Beides wird noch in diesem Jahr seinen „Peak“ sehen. Ich rechne fest damit, dass wir im dritten Quartal ein „plötzliches Erwachen“ erleben werden. Irgendein Auslöser wird dazu führen, dass DIE Zinswende ihren Anfang nimmt (die Bodenbildung läuft wie beschrieben seit 2012), d.h. eine nachhaltige Wende an den globalen Bondsmärkten, die 2016 und 2017 deutlich an Momentum aufnehmen wird.

Global? Ja! Ich denke nicht, dass Europa den japanischen Weg gehen wird. Es mag sein, dass einzelne Länder hinsichtlich der demografischen Entwicklung ähnlich wie Japan in einer strukturellen Deflation stecken. Indes bedeutet das keineswegs, dass auch die Zinsen in Europa über eine Dekade lang tief bleiben müssen. Denn während Japan nur ein einzelnes Land ist, ist die Euro-Zone eine politisch motivierte Schicksalsgemeinschaft, der man immer weniger vertrauen wird. Heißt: die aktuellen Anleihenrenditen sind absurd und spiegeln in keinster Weise die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der einzelnen Länder wider. Griechenland ist nur ein Vorbeben. Das eigentliche Beben wird in Frankreich beginnen und damit einen der Grundpfeiler des Euro treffen. Die Parität zum US-Dollar könnte also noch in diesem Jahr erreicht werden, was 2013 bereits hier beschrieben wurde.

Ab 2016 rechne ich also mit global deutlich steigenden Zinsen. Da ich dann auch ein Wiedererwachen der Inflation erwarte, werden Investoren immer stärker in Aktien fliehen und dort die nächste gigantische Blase aufpumpen. Ich halte es für durchaus denkbar, dass der DAX Ende des Jahrzehnts über 20.000 Punkten notieren wird, der Dow Jones womöglich bei 35.000 Punkten.

Es ist also JETZT an der Zeit, sich auf die Zinswende vorzubereiten. Was heißt das konkret? Nun:

  1. Wenn Sie einen Kredit oder Darlehen aufnehmen wollen, dann zeitnah. Bedenken Sie jedoch: ein Kredit ist kein Selbstzweck. Überprüfen Sie sehr genau, ob Sie wirklich auf Kreditbasis etwas erwerben bzw. investieren möchten.
  2. Kaufen Sie keine Immobilien als Anlage! Dazu als Anregung auch nochmal der Beitrag: Was gegen die Immobilie als Inflationsschutz spricht
  3. Meiden Sie jegliche Anleihen, insbesondere Risikoanleihen!
  4. Shorten Sie keine Aktienindizes (auch wenn es sicher auch starke Rückschläge wie im Herbst 2014 geben könnte).
  5. Meiden Sie Aktien von Unternehmen mit hohen Schulden und niedrigem Cashflow.
  6. Legen Sie sich bei Edelmetallen auf die Lauer. Hier sollte es – nach einem weiteren starken Rutsch auf <1.000 US-Dollar – wieder nachhaltig aufwärts gehen.
  7. Suchen Sie sich einen guten Steuerberater. Wenn die Zinswende kommt, werden die Staaten noch stärker die Steuern erhöhen (müssen), weil die Finanzierung über Anleihen teurer werden wird.
  8. Überprüfen Sie Ihre privaten Finanzen langfristig im Hinblick auf die Frage: Inwiefern könnten sich stark steigende Zinsen negativ auf mich bzw. meinen Haushalt auswirken?
  9. Vertrauen Sie keinen Aussagen von Regierungen und Notenbanken! Deren Möglichkeiten sind begrenzt und häufig mehr psychologischer Natur.
  10. Vergessen Sie nicht, dass auch Bargeld eine Anlageklasse ist und Liquidität in den kommenden Jahren immer wichtiger werden wird. Zur Erinnerung: Bargeld lacht! Cash is king!

Ihr Feedback ist jederzeit willkommen.

Jan 152015
 

Die Schweizer Nationalbank (SNB) hat überraschend ihren Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro aufgehoben und die Zinsen gesenkt. Das Währungspaar EUR/CHF bricht dramatisch ein – zwischenzeitlich um über 25%! Dieser Schritt wird zahlreiche Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt haben und dürfte – wie so häufig in den letzten Jahren – diverse Schieflagen erzeugen.

Damit hat die SNB meiner Einschätzung nach die Büchse der Pandora geöffnet. Wie im Beitrag „Die Schweiz steuert auf eine Finanzkrise zu“ dargestellt, ist sie ein unglaublich hohes Fremdwährungsrisiko eingegangen, das jetzt voll zum tragen kommt.

Für heute ist mit Stützungskäufen zu rechnen. Doch wie viele Marktteilnehmer dürften noch immer im Schweizer Franken Schulden halten, die im Euro-Raum investiert sind? Das gilt insbesondere auch für die SNB selbst.

Ich denke, dass die SNB den Schweizer Franken mit dem exorbitanten Quantitative Easing nachhaltig geschwächt und in geradezu unverantwortlicher Weise das Schweizer Finanzsystem einem systemischen Risiko ausgesetzt hat. Die Folgen wird man meines Erachtens in zwei bis drei Jahren erst wirklich erkennen.

Das ist das Ende des Finanzplatz Schweiz wie wir ihn über Dekaden kannten. Ich wiederhole aus meinem letzten Blog-Beitrag:

„Insofern warne ich hiermit eindringlich und meiner Kenntnis nach bisher als einziger Marktstratege explizit vor Investments jeglicher Art in der Schweiz.“

Heute fällt der Schweizer Aktienmarkt um fast 10%. Sie waren und sind gewarnt. Die Schweiz ist kein sicherer Hafen mehr – im Gegenteil.

Mrz 242014
 

Der Euroraum erwirtschaftete im Januar einen Überschuss von 0,9 Mrd. Euro. Demnach ist der Euro fundamental relativ gut untermauert und inzwischen wächst die Zahl der Optimisten, die einen deutlichen Anstieg des Euro gegen den US-Dollar erwarten. Doch während die „Euro-Krise“ während des Zenits der Austrittsspekulationen hinsichtlich „PIIGS“ aus meiner Sicht übertrieben inszeniert wurde, ergeben sich nun Kräfte, die dem Euro tatsächlich den Boden entziehen können: eine die europäischen Nationalstaaten übergreifende Allianz der Rechten, die stetig wachsende Anzahl an Konfliktherden in und um Europa sowie eine wirtschaftliche Abschwächung bei vielen Handelspartnern.

Die Rechtsextremen sind auf dem Weg, sich als dritte politische Kraft Frankreichs zu etablieren – einem Kernland des Euroraums. Auch in anderen Ländern sind die Rechten auf der Vormarsch, teilweise sogar deutlich (z.B. in Ungarn) und insbesondere bei der jüngeren Generation. Und die Rechten Bewegungen arbeiten immer öfter supranational zusammen (was schon fast eine Ironie an sich ist). Es ist daher nicht abwegig anzunehmen, dass sie bei der Wahl zum Europaparlament am 22. bis 25. Mai deutliche Zugewinne verzeichnen werden. Das könnte eine Krise der EU aus dem Inneren heraus hervorbringen.

Zudem nehmen die Konfliktfelder in bzw. um Europa stetig zu. Separationsbewegungen in Spanien, Italien, Belgien und Großbritannien rütteln an der politischen Ordnung. Die gesamte Mittelmeerregion hat sich zu einem Pulverfass entwickelt. Zahlreiche Konflikte – religiös oder ethnisch getragen – scheinen eine Tendenz zu Aktion im Sinne physischer Gewalt zu entwickeln.

Auch die Unruhen in Nordafrika, im Nahen Osten sowie nun in der Krim wirken wie eine gewaltige Sturmfront. Die Energieversorgung Europas scheint durchaus gefährdet für temporäre Schocks. Und dies trifft zusammen mit Wirtschafts- und Währungskrisen in wichtigen Abnehmerländern wie China, Brasilien, Indien, Japan und die Türkei, was insbesondere die Exportländer wie Deutschland treffen wird.

In der Summe ist das ein Cocktail, der aus meiner Sicht dazu geeignet ist, einen scharfen Abwärtstrend im Euro zu initiieren. Das Kapital, das in den letzten zwei Jahren in den Euroraum floss, könnte schneller wieder abgezogen werden als viele ahnen. Sollte die Fed dann zudem noch ihre Ankündigung wahr machen und das Tapering beibehalten, dürften sich die USA als DER Zielhafen für großes Kapital herausstellen.

Aus meiner Sicht ist EUR/USD ein strategischer Short. Eine Zielzone könnte zunächst bei 1,25 USD liegen – ein Abwärtspotenzial von 10%.

Jun 132013
 

Damit es nicht untergeht, nochmals der explizite Hinweis, dass ich die hier beschriebenen Shorts auf DAX und EUR/JPY mit ansehnlichen Gewinnen veräußert habe. Ich denke, kurzfristig besteht eine gewisse Chance auf Stabilisierung/Gegenbewegung. Zudem steigen für die Shorties die Risiken, dass die Fed bei ihrer Sitzung kommende Woche zurückrudert hinsichtlich der Reduzierung des Quantitative Easing. Ich sehe sogar die Möglichkeit, dass die US-Indizes nochmals auf neue Hochs gepusht werden, wenn die US-Notenbank ein Festhalten an QE signalisiert.

Indes glaube ich, dass der Grund der Kursrückgänge NICHT primär die Angst vor einem Ende der expansiven Notenbankpolitik ist, sondern eine Antizipation einer nahenden globalen Rezession. Auch das habe ich hier schon frühzeitig angedeutet und nun hat auch die Weltbank ihre Prognose gekürzt.

In jedem Fall zeigen die jüngsten Tage, wie fragil die „Hausse“ ist und wie schnell der Wind drehen kann. Ich nehme an, die nächste „Überraschung“ wird ein neuerliches Abtauchen des Euro gegen den US-Dollar (aktuell 1,33) in den nächsten Wochen sein, denn der Euro profitierte am stärksten durch Carry Trades. Durch die global nun anziehenden Zinsen und schwächer werdende Weltwirtschaft werden die Schuldenstaaten in Euroland wieder mehr unter Druck geraten. Kommt es zudem zu der von mir erwarteten Rezession in Deutschland, werden die Märkte berechtigerweise fragen, wer die „schwachen Euro-Länder“ noch stützen soll. Der Euro wird entsprechend nachgeben.

Insofern könnte man in Erwägung ziehen, jetzt US-Anleihen zu kaufen. Ich sehe mich nach einem adäquaten Investment um und werde ggf. informieren, was ich gekauft habe.

Jun 072013
 

Am 15. Mai 2013 schrieb ich im Beitrag „DAX: Zeit zu shorten“: „Und denken Sie daran, dass gerade “die ganze Welt” mit weiterer Yen-Schwäche rechnet. Ein derart hoher Konsens führt regelmäßig zum genauen Gegenteil, wie hier beschrieben. Ich bin jedenfalls nun auch short EUR/JPY (aktuell 132,15).“

Gestern konnte der Yen gegen nahezu alle Währungen erheblich zugewinnen und hat damit  – kurzfristig – eine Wende eingeleitet. Ich rechne nun wie bereits via Twitter kommuniziert mit einer recht schnellen Aufwertung des Yen, da nun wie hier beschrieben in durchaus beträchtlichem Maße Carry Trades geschlossen werden dürften.

Für einen schnellen „Konter“ von ca. 5-10% gegen Euro und US-Dollar spricht auch die Divergenz, die sich zum Nikkei aufgebaut hat. Diese hat Robert Schröder von elliott-waves.com hier schön dargestellt.

Es zeigt sich mal wieder, dass die Notenbanken die Märkte nicht wirklich kontrollieren, sondern sie eher psychologisch beeinflussen. Dass der Yen dennoch längerfristig weiter abwerten dürfte, liegt weniger an der Notenbankpolitik (Auslöser) und mehr an den strukturellen Ungleichgewichten Japans (Ursache).

Was die niedrigen Zinsen indes bewirken ist, wie auch in meinem Beitrag „Kaufkraftschutz in Zeiten von Anlagenotstand und Finanzrepression“ dargestellt, dass immer mehr Investoren (zu) hohe Risiken eingehen und kreditbasierte Spekulationen zunehmen. Dies verdeutlicht im Falle Japans auch die folgende Grafik, die das Marging Trading im Verhältnis zum TOPIX zeigt.

topix-margin_debt

Von 2001 bis 2006 hatte Japan es schon einmal mit Quantitative Easing versucht, was jedoch letztlich wieder in einem Absturz endete. Daraus dürfte auch die derzeitige Angst vor einem Ende des QE in den USA herrühren. Früher, also bevor sich „kapitalistische Länder“ der Planwirtschaft verschrieben, waren die Treiber der Börsenkurse noch Unternehmensgewinne. Nun ja, die Zeiten ändern sich…

Interessant ist, dass japanische Staatsanleihen von den – hier frühzeitig angekündigten – Nikkei-Turbulenzen zuletzt überhaupt nicht profitieren konnten. Demnach scheint der Druck dort auszusteigen immens groß zu sein, was zwar per se auch dem Willen der japanischen Notenbank entspricht, sicherlich jedoch nicht zu schnell und zu stark geschehen darf. Denn sonst könnte die Banc of Japan sehr schnell in eine Situation geraten, wo sie nicht nur alle neu ausgegebenen sondern auch die bereits bestehenden Staatsanleihen in ihre Bücher nehmen muss. Mit anderen Worten: sie müsste den gesamten Markt für japanische Staatsanleihen aufkaufen. Es bedarf nicht viel Fantasie um zu verstehen, dass damit das Vertrauen in den Yen völlig erodieren und eine „Katastrophenhausse“ mit immenser Kapitalflucht aus Japan einsetzen würde.

Kurzfristig erwarte ich dennoch einen schnellen und relativ starken Anstieg des Yen. Und womöglich wird genau dieser dazu führen, dass die Banc of Japan dann noch radikaler agieren wird. Entsprechend muss man jederzeit mit Interventionen rechnen und damit möglicherweise recht abrupten Trendwechseln. Daher werde ich den Gewinn aus dem „Yen-Konter-Trade“ auch eher früher als später absichern bzw. realisieren.