Jun 172016
 

Nach lange Phase der Abstinenz (andere Prioritäten) mal wieder ein Beitrag meinerseits:

Ich rechne mit einer fulminanten Rallye an den Aktienmärkten im zweiten Halbjahr. Das Thema Brexit ist m.E. eingepreist (persönlich denke ich ohnehin, dass es nicht zum Brexit kommen wird) und die US-Konjunktur sowie auch die Wirtschaft in Europa stärker als viele glauben. Außerdem: Donald Trump hat keine wirkliche Chance. Wenn man davon ausgeht, dass Republikaner und Demokraten bei den Wählern grundsätzlich etwa gleich auf liegen, Trump aber selbst bei den Republikanern stark umstritten ist und nie und nimmer von Hispanics, Schwarzen und anderen Einwanderern gewählt werden wird, so ergibt sich schon jetzt: der nächste US-Präsident ist eine Sie, Hillary Clinton.

Insofern sind politische Themen „aufgeblasen“ und dürften keinen großen Impact mehr haben. Die Angst am Markt ist spürbar und aus meiner Sicht überzogen. Interessanter war, dass die Entscheidung der Fed, die Zinsen noch nicht anzuheben, eher negativ an den Börsen wirkte. Ergo wird die Reaktion der Börse bei steigenden Zinsen womöglich „überraschend“ positiv sein. Die US-Notenbank wird meiner Meinung nach bei der nächsten Sitzung die Zinsen um 0,15-0,25 Basispunkte anheben. Das Quantitative Easing ist an seine Grenzen gestoßen und hat eine Blase bei Anleihen geschaffen. Die US-Notenbank wird eine (sehr langsame) Wende vollziehen, was meines Erachtens zu einer Rotationswelle aus Anleihen zu Aktien führen wird.

Wenn man sich nun noch klar macht, dass Fonds weltweit laut jüngster BofA-Studie höchste Barquoten seit 2001 (!) und tiefste Aktiengewichtungen seit vier Jahren haben, Anleihen kaum noch Renditen bieten und es auch sonst an sinnvollen Investitionsalternativen ermangelt, dann ergibt sich eine Konstellation, aus der regelmäßig neue Hausse-Phasen bzw. starke Rallyes geboren werden.

Jul 152015
 
goldbarren

Der Goldpreis notiert gerade bei 1.156 USD. Angesichts der Krisen (Ukraine, China, Griechenland, Puerto Rico) hätte man intuitiv annehmen können, dass der Goldpreis signifikant zulegt. Doch nichts. Nienete. Nada. Rien. Der Goldpreis hat sogar noch leicht abgegeben in den vergangenen Wochen. Spekuliert wurde bereits, ob womöglich Griechenland sein Gold verkauft.

Wie dem auch sei, nun da sich überall Anzeichen für Entspannung zeigen (Iran, Griechenland, Ukraine, China), könnte das genaue Gegenteil der ursprünglichen Annahme eintreten: ein stärkerer Sturz. Denn dafür lassen sich einige weitere Argumente anführen. So hat z.B. Fed-Chefin Yellen vergangene Woche recht klar gesagt, dass es einen Zinsschritt geben wird. Das entspricht auch klar meiner Meinung: Die US-Zinserhöhung kommt!

Nicht unterschätzen sollte man aber auch den Deal mit Iran sowie die jüngsten Verwerfungen in China. Der Iran hat für große Transaktionen in den letzten Jahren Gold genutzt und könnte nun als Verkäufer auftreten. Ebenso chinesische Privatinvestoren, die Liquidität benötigen wegen margin calls.

Hinzu kommt die brisante charttechnische Lage. Unter 1.140 USD sieht der Goldpreis immens kritisch aus.

Gegen einen Fall des Goldpreises sprechen recht klar die CoT-Daten, welche eher sogar eine unmittelbar bevorstehende Wende nach oben andeuten.

Was recht eindeutig ist: die Volatilität des Goldpreises steht auf sehr tiefem Niveau. In den letzten Jahren kam es ausgehend von diesem Niveau in der Folge zu stärkeren Bewegungen. Und da ich wie oben beschrieben eher mit einem Einbruch reche, könnte Gold bald schnell 150 USD und mehr verlieren. Ich sehe jedenfalls derzeit kein überzeugendes Pro-Gold-Argument.

Was denken Sie? Ich freue mich auf Ihren Kommentar!

Jul 072015
 

Ob Griechenland austritt oder nicht wird sich zeigen. Persönlich denke ich, dass es nur zwei Lösungen der Euro-Krise gibt: Entweder eine vollständige Union mit EU-Finanzministerium, EU-Steuern und -Transfers analog dem Länderfinanzausgleich der Bundesländer. Oder aber Griechenland sowie alle anderen Länder, deren ökonomische Basis nicht rausreichend ist im Vergleich zu den anderen Länder der Euro-Zone, treten aus. Ich habe die Vermutung, dass die Euro-Zone längerfristig wieder deutlich kleiner werden wird… Das dürfte insbesondere Deutschland treffen. Doch noch ist es nicht so weit.

Kurzfristig denke ich, dass das Thema Griechenland bzw. „Grexit“ ausgereizt ist und fast schon „Blasen-Charakter“ annimmt. Das wird schnell deutlich bei einer Auswertung mit Google Trends:

grexit_bubble

Aus meiner Sicht sind wir gerade am Peak und ich erwarte bis spätestens Ende des Monats (wenn nicht gar bis Ende der laufenden Woche) eine „Lösung“. Ob diese die strukturellen Probleme lösen wird darf freilich bezweifelt werden, doch für ein Aufatmen an den Börsen dürfte es reichen.

Daher: Kaufen Sie die Angst (DAX bei 10.800 Punkten). Ich rechne fest damit, dass der Euro in den nächsten Monaten Richtung Parität zum US-Dollar fallen wird, was entsprechend den DAX „befeuern“ sollte. Zu meinen Favoriten gehören Bank-Aktien, denn die Banken haben längst ihren „Müll“ an die EZB entsorgt und sollten sich nun nachhaltig besser entwickeln als der allgemeine Markt. Dazu eine „nette Grafik“ von zerohedge:

bank exposure to greek

Jul 022015
 

Die heutigen US-Konjunkturdaten waren nicht besonders überzeugend und es finden sich bereits wieder zahlreiche Einschätzungen, wonach die Fed in diesem Jahr keine Zinserhöhung mehr durchführen wird. Ich bin hier explizit anderer Ansicht und wiederhole:

Die Fed MUSS JETZT die Zinsen anheben. Denn wenn sie jetzt die Zinsen anhebt, wird das den Konsum sogar beflügeln, weil viele sozusagen noch „schnell die niedrigen Zinsen nutzen“ werden wollen. Außerdem muss die Fed anheben, um auch wieder Möglichkeiten zu haben, wenn die nächste Rezession kommt (was vermutlich um 2017 der Fall sein wird). Und sie muss es tun, um ihre Glaubwürdigkeit zu erhalten. Zudem glaube ich, dass die Fed „Luft aus den Märkten nehmen“ will und tatsächlich auch möglichen Inflationsrisiken begegnen möchte.

Ich erwarte daher den ersten kleinen Zinsschritt im September.

Und jetzt kommt das, was Sie womöglich überraschen wird: Die US-Börsen werden trotzdem haussieren. Denn die US-Märkte haben die Zinserhöhung längst eingepreist. Nicht richtig eingepreist sind jedoch eine Friedensdividende (Iran) und ein Ende des Griechenland-Spektakels (egal welches es auch sein mag).

Was denken Sie?

Jun 302015
 

„Gold ist Geld“ heißt es oft und an der These ist auch einiges dran, wenn man sich z.B. klar macht, dass der Iran die Sanktionen der letzten Jahre durch Zahlungen in Gold umgehen konnte. Und auch Russland weitet nicht ohne Grund seine Goldreserven seit Jahren aus. Das Land will sich unabhängig machen vom internationalen Zahlungsverkehrssystem, welches durch die USA dominiert, wenn nicht gar kontrolliert wird.

Doch was ist mit privaten Personen? Zumindest bisher boten Edelmetalle zwar Schutz vor Systemrisiken, doch sie hatten keine wirkliche Zahlungsmittelfunktion. Mit Goldmünzen kann man faktisch nichts kaufen. Und dies war auch ein Grund dafür, warum das wie Gold ebenfalls limitierte Bitcoin einen immensen Aufschwung erfuhr. Denn Bitcoin erlaubt Online-Zahlungen.

Bitcoin plus Gold ergibt BitGold. Dabei handelt es sich um ein neues FinTech-Unternehmen, dessen Angebot mir sehr gut gefällt:

Es ist das erste Konto in echtem Gold – also Transaktionen werden wirklich in Gold ausgeführt. BitGold verdient an dem Wechsel in Gold 1% und ggf. bei physischer Lieferung. Das Konto selbst ist kostenlos. Lagerstätten sind in Zürich, Hong Kong, London, Singapur, Toronto oder Dubai – das kann man selbst auswählen. Der Goldwert ist versichert.

Hinter BitGold, ansässig im kanadischen Torono, stehen einige große finanzstarke Investoren (Sprott, Dundee, GMP, Soros, Canaccord u.a.). Das merkt man auch am professionellen und mehrsprachigen Webauftritt sowie der starken Online-Werbung.

Ich habe selbst ein BitGold-Konto eröffnet, was recht zügig ging. Denn noch erhält man als „Neukunde“ 0,5 Gramm Gold geschenkt und ich teste gerne neue Ansätze, möchte diesen Beitrag jedoch explizit nicht als Empfehlung verstehen. Dazu ist der Service zu neu und unerprobt. Ich glaube jedoch, dass BitGold eine wichtige Lücke schließt und durchaus ein Erfolg werden kann – weshalb man auch die BitGold-Aktie im Auge behalten sollte.

Hinweis: Wenn Sie über den folgenden Link ebenfalls ein Konto eröffnen, erhalten Sie und ich jeweils 0,5 Gramm Gold geschenkt:
www.BitGold.com/r/HS4OJL

Man darf gespannt sein, wie sich BitGold entwickelt. Ich halte es für durchaus denkbar, dass es mehr und mehr Anhänger finden wird – allein schon wegen der Einfachheit und der Möglichkeit, Gold in verschiedenen Lagerstätten zu „parken“.

Jun 122015
 

Die jüngsten Beiträge auf kaufkraftschutz.de trafen allesamt ins Schwarze. Wir haben einen ersten starken Anstieg der Zinsen gesehen und der Euro konnte sich deutlich von seinen Tiefs erholen. Aus meiner Sicht könnte das zweite Halbjahr durch einen sehr starken Anstieg der Börsen gekennzeichnet sein, begleitet oder vorangehend durch einen Kursrutsch bei Euro, Öl und Gold.

Die Mehrheit der Marktbeobachter geht inzwischen davon aus, dass die Fed die Zinsen erst im kommenden Jahr anheben wird – wenn überhaupt. Ich teile diese Ansicht nicht und erwarte sogar schon recht bald den ersten kleinen Zinsschritt nach oben und wie hier beschrieben eine sich verstärkende Zinswende in den kommenden beiden Jahren. Denn aus meiner Sicht muss die Fed das jetzt tun: Wenn sie jetzt die Zinsen anhebt, wird das den Konsum sogar beflügeln, weil viele sozusagen noch „schnell die niedrigen Zinsen nutzen“ werden wollen. Außerdem muss die Fed anheben, um auch wieder Möglichkeiten zu haben, wenn die nächste Rezession kommt (was vermutlich um 2017 der Fall sein wird). Und sie muss es tun, um ihre Glaubwürdigkeit zu erhalten.

Insofern glaube ich, dass sowohl der Euro als auch Gold vor einem neuerlichen Kursrutsch stehen. Bei EUR/USD könnte die Parität ins Ziel rücken, bei Gold die 1.000 USD. Und der Ölpreis wird vermutlich ebenfalls stärker fallen, weil es weiterhin ein deutliches Überangebot gibt und alle Zeichen weiterhin auf eine Einigung mit Iran und die Ablösung ölangetriebener Fahrzeuge hindeuten.

Generell denke ich, dass man Öl- und Gas-Aktien in den nächsten Jahren (!) strikt meiden sollte und empfehle dazu den Artikel von Clemens Schmale „Die CarbonBubble: Öl am Ende?“. Die Aktie von Exxon Mobil hat kürzliches ein sehr klares Chartsignal geliefert, dass eine Zeitenwende ankündigt.

Ein fallender Euro und ein fallender Ölpreis sind wiederum starke Antreiber der Börsen – genauso wie eine Entspannung an der „außenpolitischen Front“.

Ich favorisiere weiterhin Technologie-Werte und denke, dass die Themen E-Cars, Augmented Reality (z.B. Datenbrillen, 3D-Projektionen), Cyber-Security und Biotech weiter laufen werden. Euro, Öl und Gold sind hingegen für mich nun Short-Kandidaten.

Mrz 242015
 

Aufmerksamen Beobachtern wird aufgefallen sein, dass derzeit sehr gravierende Dinge geschehen. Hier eine kleine unsortierte Auflistung:

Das sind allesamt Bausteine für eine „große Überraschung“ in den nächsten vier Wochen. Denkbar sind ein US-Anleihen und/oder Aktien Flash Crash, ein „Grexit“, eine historische Annäherung an den Iran oder aber auch ein möglicher neuer Krieg. Es laufen „Tage der Entscheidung“.

Man sollte sich also auf eine hochvolatile Phase vorbereiten. Der jüngste US-Dollar Flash Crash hat einen kleinen Vorgeschmack gegeben.

In Anbetracht der Spannungen mit Russland halte ich eine Einigung mit Iran für sehr wahrscheinlich – denn dies dürfte den Ölpreis auf neue Tiefs treiben. Wie bereits beschrieben sehe ich zudem gute Chancen für eine kleine Euro-Rallye in den nächsten Monaten, wozu durchaus auch ein weiterer Schuldenschnitt mit ergänzendem, von Deutschland finanziertem „Griechenland-Aufbaufonds“ beitragen könnte.

Auch die Börsen erscheinen mir gerade reif für einen stärkeren Einbruch. In jedem Fall ist eine gewisse Vorsicht angebracht. Es häufen sich zuletzt die Anzeichen für spekulative Blase, z.B. im Biotech-Sektor. Und ich meine eine Rotation zu Versorgern und Telekom-Werten zu sehen, also eine Bewegung in defensive Sektoren. Auch das könnte ein Warnsignal sein.

Mrz 132015
 

Einer der besten Sektoren in den letzten Jahren ist der Biotech-Sektor. Insbesondere in den USA sind Biotech-Aktien extrem gut gelaufen. So gut, dass selbst die Fed schon im vergangenen Sommer von „überhöhten Bewertungen“ sprach. Ich habe selbst in den letzten Monaten mit einigen Werten aus dem Bereich gute Gewinne erzielt und meine Recherchen haben mir klar gemacht, dass sich hier eine Blase entwickelt, die dazu verdammt ist, sich selbst zu zerstören. Was meine ich damit?

Nun, fast in jeder Investorenpräsentation sehe ich Wirkstoffe in einer bestimmten Entwicklungsphase, wo dann auch das Marktpotenzial angegeben wird. Nun ist es nur so, dass inzwischen etliche Unternehmen an Präparaten gegen dieselben Krankheiten arbeiten. Der Markt wird daher in den nächsten fünf bis zehn Jahren permanent ein wachsendes Angebot an Medikamenten sehen. Diese müssen sich dann einen Markt teilen, d.h. das oft genannte Marktpotenzial mag zwar in der Summe korrekt sein, es wird jedoch womöglich nie auch nur annähernd für ein Medikament erreicht.

Denkbar wäre auch das Phänomen des „the winner takes it all“, d.h. ein Medikament ist derart überlegen, dass es tatsächlich den größten Part des Marktes einnimmt – und alle anderen Wirkstoffe kaum noch Verwendung finden. Für letztere hätte sich dann die langjährige kostenintensive Entwicklung kaum gelohnt. Und auch der Patentschutz wäre dann relativ wertlos.

Was das Marktpotenzial betrifft, so denke ich, dass hier oftmals auch viel zu optimistische Annahmen über die durchsetzbaren Preise getroffen werden. Dass die Gesundheitssysteme in weiten Teilen der Welt nicht nachhaltig ökonomisch tragfähig sind, ist allgemein bekannt. Daher muss auch immer öfter mit der Einmischung der Politik gerechnet werden. In Zeiten der Fixierung von Preisen für Treibstoffe, „Mietpreisbremsen“ und anderen staatlichen Eingriffen in Märkte sollte klar sein, dass auch der Bereche Gesundheit zunehmend „reguliert“ werden dürfte. Und wie oben beschrieben werden immer mehr Medikamente gegeneinander konkurrieren. Das dürfte auch die Preise drücken.

Was mir auch in den vielen Stunden der Recherche klar wurde: die Entwicklung neuer Wirkstoffe wird immer besser. Neue Ansätze wie z.B. die RNA-Interferenz könnten die Heilung von Krankheiten durch eine einzige Behandlung ermöglichen. Was das für Pharmaunternehmen bedeuten könnte, dürfte klar sein. Einige Unternehmen arbeiten mit einer Art „Künstliche Intelligenz“ an der Wirkstoffforschung, zunehmende Automatisierung beschleunigt Prozesse und senkt die Kosten der Entwicklung. Auch gibt es zunehmend Ansätze, die auf individuell designte Medikamente hinarbeiten. Insofern sehe ich ein nicht unwahrscheinliches Szenario, in dem auch im Biotech-Sektor Technologie letztlich deflationär wirken wird und viele frühere Forschungen und Entwicklungen obsolet werden lässt.

Neben diesen eher fundamentalen Überlegungen gibt es weitere Anzeichen dafür, dass sich im Biotech-Sektor nun eine Blase entwickelt. So gab es in den USA im vergangenen Jahr einen sprunghaften Anstieg der Biotech-Börsengänge und die meisten dieser Unternehmen befinden sich noch in einem sehr frühen Stadium der Entwicklung und werden vermutlich niemals Geld verdienen.

biotech-ipos
Die durchschnittlichen Zeichnungsgewinne lagen bei 13% am ersten Tag und 21% bis Jahresende – weitaus mehr, als in jedem anderen Segment. Doch ist es schon an der Zeit zum shorten, wie dies zuletzt immer mehr Investoren tun?

Blasenbildungen brauchen Zeit. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich die Biotech-Blase noch zwei bis drei Jahre weiter aufbläht. Das hängt sicher auch von der Entwicklung des Gesamtmarktes und der Zinsentwicklung ab. Die Kunst liegt indes dann darin, rechtzeitig den Ausstieg zu finden und den Sektor dann konsequent zu meiden. Noch ist es nicht so weit. Noch winken schnelle Gewinne. Aber bleiben Sie vorsichtig. In Blasenbildungen kann man in kurzer Zeit ein Vermögen erzielen und nicht selten werden Skeptiker, die bereits wegen überzogener Bewertung shorten, brachial wieder aus dem Markt gedrängt. Gerade die letzte Phase einer Blasenbildung ist durch extreme Preissteigerungen in kurzer Zeit geprägt. Aus meiner Sicht sind wir dort noch nicht angekommen. Doch stellen Sie sich auf hohe Volatilität ein. Und denken Sie an das alte Bonmot: Nicht alle Eier in einen Korb legen…

Mrz 052015
 

Am 24. März 2014 schrieb ich im Beitrag „Steht ein Einbruch des Euro gegen den US-Dollar bevor?“:

„In der Summe ist das ein Cocktail, der aus meiner Sicht dazu geeignet ist, einen scharfen Abwärtstrend im Euro zu initiieren. Das Kapital, das in den letzten zwei Jahren in den Euroraum floss, könnte schneller wieder abgezogen werden als viele ahnen. Sollte die Fed dann zudem noch ihre Ankündigung wahr machen und das Tapering beibehalten, dürften sich die USA als DER Zielhafen für großes Kapital herausstellen. Aus meiner Sicht ist EUR/USD ein strategischer Short. Eine Zielzone könnte zunächst bei 1,25 USD liegen – ein Abwärtspotenzial von 10%.“

Zwischenzeitlich hatte ich den Zielbereich noch deutlich nach unten korrigiert und seit Ankündigung hat der Euro gegenüber dem US-Dollar um über 20% auf aktuell 1,10 US-Dollar verloren. Doch nun ist es aus meiner Sicht an der Zeit, die Short-Gewinne zu realisieren. Das Sentiment ist meiner Beobachtung nach extrem pro US-Dollar bzw. sehr negativ hinsichtlich des Euro. Dabei ist das Thema Griechenland vorläufig vom Tisch, das große Anleihenkaufprogramm der EZB bekannt, die Ukraine-Krise „gelaufen“. Und ich sehe auch sonst keine neuen Nachrichten, die den Euro weiter belasten könnten.

Ich erwarte daher für die nächsten Monate eine Stabilisierung, wenn nicht gar eine Erholung des Euro in Richtung 1,20 USD. Die Wirtschaftsdaten lassen dies durchaus zu. Echte Probleme für den Euro erwarte ich erst wieder ab dem kommenden Jahr, wenn die avisierte Zinswende an Fahrt gewinnt und die Schuldenkrise mit voller Wucht zurückkehrt.

In den nächsten Wochen wird jedoch eher der Yen wieder Aufmerksamkeit erregen, wenn er seinen Absturz gegen nahezu alle Währungen fortsetzt. Denn Japan bleibt „Vorreiter“ auf dem Weg in den Ruin.

Feb 282015
 
blase

Im Mai 2011 schrieb ich im Beitrag „Wann kommt die Zinswende?“, dass ich für 2012 mit einem Tief rechne und die Zinsen „tendenziell ab Ende 2012 ihren Anstieg beginnen, die Anleihenmärkte dann in einen nachhaltigen Bärenmarkt übergehen“ werden. Bezogen war der Beitrag primär auf die 30-jährigen US-Bonds. Mit der Einschätzung lag ich bis Anfang dieses Jahres richtig, dann wurden sogar kurzfristig neue Tiefs erreicht. Ich sehe dies jedoch als finale Übertreibung an, die durch das Quantitative Easing (QE) der Notenbanken befeuert wurde.

Wenn Sie mich fragen, wo gerade die größte Blase schlummert, dann würde ich sagen: im Glauben an dauerhaft niedrige Zinsen und die Allmacht der Notenbanken. Beides wird noch in diesem Jahr seinen „Peak“ sehen. Ich rechne fest damit, dass wir im dritten Quartal ein „plötzliches Erwachen“ erleben werden. Irgendein Auslöser wird dazu führen, dass DIE Zinswende ihren Anfang nimmt (die Bodenbildung läuft wie beschrieben seit 2012), d.h. eine nachhaltige Wende an den globalen Bondsmärkten, die 2016 und 2017 deutlich an Momentum aufnehmen wird.

Global? Ja! Ich denke nicht, dass Europa den japanischen Weg gehen wird. Es mag sein, dass einzelne Länder hinsichtlich der demografischen Entwicklung ähnlich wie Japan in einer strukturellen Deflation stecken. Indes bedeutet das keineswegs, dass auch die Zinsen in Europa über eine Dekade lang tief bleiben müssen. Denn während Japan nur ein einzelnes Land ist, ist die Euro-Zone eine politisch motivierte Schicksalsgemeinschaft, der man immer weniger vertrauen wird. Heißt: die aktuellen Anleihenrenditen sind absurd und spiegeln in keinster Weise die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der einzelnen Länder wider. Griechenland ist nur ein Vorbeben. Das eigentliche Beben wird in Frankreich beginnen und damit einen der Grundpfeiler des Euro treffen. Die Parität zum US-Dollar könnte also noch in diesem Jahr erreicht werden, was 2013 bereits hier beschrieben wurde.

Ab 2016 rechne ich also mit global deutlich steigenden Zinsen. Da ich dann auch ein Wiedererwachen der Inflation erwarte, werden Investoren immer stärker in Aktien fliehen und dort die nächste gigantische Blase aufpumpen. Ich halte es für durchaus denkbar, dass der DAX Ende des Jahrzehnts über 20.000 Punkten notieren wird, der Dow Jones womöglich bei 35.000 Punkten.

Es ist also JETZT an der Zeit, sich auf die Zinswende vorzubereiten. Was heißt das konkret? Nun:

  1. Wenn Sie einen Kredit oder Darlehen aufnehmen wollen, dann zeitnah. Bedenken Sie jedoch: ein Kredit ist kein Selbstzweck. Überprüfen Sie sehr genau, ob Sie wirklich auf Kreditbasis etwas erwerben bzw. investieren möchten.
  2. Kaufen Sie keine Immobilien als Anlage! Dazu als Anregung auch nochmal der Beitrag: Was gegen die Immobilie als Inflationsschutz spricht
  3. Meiden Sie jegliche Anleihen, insbesondere Risikoanleihen!
  4. Shorten Sie keine Aktienindizes (auch wenn es sicher auch starke Rückschläge wie im Herbst 2014 geben könnte).
  5. Meiden Sie Aktien von Unternehmen mit hohen Schulden und niedrigem Cashflow.
  6. Legen Sie sich bei Edelmetallen auf die Lauer. Hier sollte es – nach einem weiteren starken Rutsch auf <1.000 US-Dollar – wieder nachhaltig aufwärts gehen.
  7. Suchen Sie sich einen guten Steuerberater. Wenn die Zinswende kommt, werden die Staaten noch stärker die Steuern erhöhen (müssen), weil die Finanzierung über Anleihen teurer werden wird.
  8. Überprüfen Sie Ihre privaten Finanzen langfristig im Hinblick auf die Frage: Inwiefern könnten sich stark steigende Zinsen negativ auf mich bzw. meinen Haushalt auswirken?
  9. Vertrauen Sie keinen Aussagen von Regierungen und Notenbanken! Deren Möglichkeiten sind begrenzt und häufig mehr psychologischer Natur.
  10. Vergessen Sie nicht, dass auch Bargeld eine Anlageklasse ist und Liquidität in den kommenden Jahren immer wichtiger werden wird. Zur Erinnerung: Bargeld lacht! Cash is king!

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