Jun 302015
 

„Gold ist Geld“ heißt es oft und an der These ist auch einiges dran, wenn man sich z.B. klar macht, dass der Iran die Sanktionen der letzten Jahre durch Zahlungen in Gold umgehen konnte. Und auch Russland weitet nicht ohne Grund seine Goldreserven seit Jahren aus. Das Land will sich unabhängig machen vom internationalen Zahlungsverkehrssystem, welches durch die USA dominiert, wenn nicht gar kontrolliert wird.

Doch was ist mit privaten Personen? Zumindest bisher boten Edelmetalle zwar Schutz vor Systemrisiken, doch sie hatten keine wirkliche Zahlungsmittelfunktion. Mit Goldmünzen kann man faktisch nichts kaufen. Und dies war auch ein Grund dafür, warum das wie Gold ebenfalls limitierte Bitcoin einen immensen Aufschwung erfuhr. Denn Bitcoin erlaubt Online-Zahlungen.

Bitcoin plus Gold ergibt BitGold. Dabei handelt es sich um ein neues FinTech-Unternehmen, dessen Angebot mir sehr gut gefällt:

Es ist das erste Konto in echtem Gold – also Transaktionen werden wirklich in Gold ausgeführt. BitGold verdient an dem Wechsel in Gold 1% und ggf. bei physischer Lieferung. Das Konto selbst ist kostenlos. Lagerstätten sind in Zürich, Hong Kong, London, Singapur, Toronto oder Dubai – das kann man selbst auswählen. Der Goldwert ist versichert.

Hinter BitGold, ansässig im kanadischen Torono, stehen einige große finanzstarke Investoren (Sprott, Dundee, GMP, Soros, Canaccord u.a.). Das merkt man auch am professionellen und mehrsprachigen Webauftritt sowie der starken Online-Werbung.

Ich habe selbst ein BitGold-Konto eröffnet, was recht zügig ging. Denn noch erhält man als „Neukunde“ 0,5 Gramm Gold geschenkt und ich teste gerne neue Ansätze, möchte diesen Beitrag jedoch explizit nicht als Empfehlung verstehen. Dazu ist der Service zu neu und unerprobt. Ich glaube jedoch, dass BitGold eine wichtige Lücke schließt und durchaus ein Erfolg werden kann – weshalb man auch die BitGold-Aktie im Auge behalten sollte.

Hinweis: Wenn Sie über den folgenden Link ebenfalls ein Konto eröffnen, erhalten Sie und ich jeweils 0,5 Gramm Gold geschenkt:
www.BitGold.com/r/HS4OJL

Man darf gespannt sein, wie sich BitGold entwickelt. Ich halte es für durchaus denkbar, dass es mehr und mehr Anhänger finden wird – allein schon wegen der Einfachheit und der Möglichkeit, Gold in verschiedenen Lagerstätten zu „parken“.

Apr 022015
 

Island plant einen geradezu revolutionären Schritt: man möchte sich vom Mindestreserve-System abwenden. Das würde bedeuten, dass nicht mehr die Geschäftsbanken „Geld aus dem Nichts erschaffen“ (Fiat Money), sondern künftig nur noch die Zentralbank. Als Hintergrund lesen Sie bitte noch mal meinen Beitrag „Die absehbare Krise des Fiat Money“ aus dem Jahr 2003. Wichtig zu wissen ist, dass in unserem heutigen Kreditgeldsystem die Notenbanken tatsächlich nur die physischen Geldscheine und Münzen „erschaffen“, Kredit jedoch von den Geschäftsbanken erzeugt wird.

Nach einer Studie von vier isländischen Zentralbänkern erlebte das Land seit 1875 über 20 Finanzkrisen mit sechs wirklich ernsten Krisen alle 15 Jahre. Jedes mal entstanden die Probleme durch ausufernde Kredite in starken Wirtschaftszyklen. Dem möchte man nun begegnen und den Geschäftsbanken die Macht über die Geldschöpfung entziehen.

Stattdessen soll ein von der Regierung unabhängiger Ausschuss entscheiden, ob neues Geld geschöpft wird oder nicht. Er soll indes nicht darüber entscheiden können, was mit dem Geld geschieht. Über die Allokation soll demokratisch im Parlament entschieden werden.

Nach meiner bescheidenen Meinung ist der Vorschlag eine Sensation und könnte in den nächsten Monaten noch „einiges an Wellen schlagen“. So klein Island sein mag: „Auch der längste Marsch beginnt mit dem ersten Schritt“ (Laotse). Die Isländer wagen als erste die Systemfrage ernsthaft nicht nur zu diskutieren, sondern womöglich gar einen tatsächlichen Wechsel zu vollziehen. Daher möchte ich den Beitrag anreichern mit einem weiteren Zitat, in diesem Fall von Victor Hugo:

„Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“

Auch in den USA wird seit geraumer Zeit die Idee diskutiert, das Federal Reserve System abzuschaffen („End the Fed“). Erleben wir hier gerade den Beginn einer Revolution unseres Geldsystems?

Feb 282015
 
blase

Im Mai 2011 schrieb ich im Beitrag „Wann kommt die Zinswende?“, dass ich für 2012 mit einem Tief rechne und die Zinsen „tendenziell ab Ende 2012 ihren Anstieg beginnen, die Anleihenmärkte dann in einen nachhaltigen Bärenmarkt übergehen“ werden. Bezogen war der Beitrag primär auf die 30-jährigen US-Bonds. Mit der Einschätzung lag ich bis Anfang dieses Jahres richtig, dann wurden sogar kurzfristig neue Tiefs erreicht. Ich sehe dies jedoch als finale Übertreibung an, die durch das Quantitative Easing (QE) der Notenbanken befeuert wurde.

Wenn Sie mich fragen, wo gerade die größte Blase schlummert, dann würde ich sagen: im Glauben an dauerhaft niedrige Zinsen und die Allmacht der Notenbanken. Beides wird noch in diesem Jahr seinen „Peak“ sehen. Ich rechne fest damit, dass wir im dritten Quartal ein „plötzliches Erwachen“ erleben werden. Irgendein Auslöser wird dazu führen, dass DIE Zinswende ihren Anfang nimmt (die Bodenbildung läuft wie beschrieben seit 2012), d.h. eine nachhaltige Wende an den globalen Bondsmärkten, die 2016 und 2017 deutlich an Momentum aufnehmen wird.

Global? Ja! Ich denke nicht, dass Europa den japanischen Weg gehen wird. Es mag sein, dass einzelne Länder hinsichtlich der demografischen Entwicklung ähnlich wie Japan in einer strukturellen Deflation stecken. Indes bedeutet das keineswegs, dass auch die Zinsen in Europa über eine Dekade lang tief bleiben müssen. Denn während Japan nur ein einzelnes Land ist, ist die Euro-Zone eine politisch motivierte Schicksalsgemeinschaft, der man immer weniger vertrauen wird. Heißt: die aktuellen Anleihenrenditen sind absurd und spiegeln in keinster Weise die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der einzelnen Länder wider. Griechenland ist nur ein Vorbeben. Das eigentliche Beben wird in Frankreich beginnen und damit einen der Grundpfeiler des Euro treffen. Die Parität zum US-Dollar könnte also noch in diesem Jahr erreicht werden, was 2013 bereits hier beschrieben wurde.

Ab 2016 rechne ich also mit global deutlich steigenden Zinsen. Da ich dann auch ein Wiedererwachen der Inflation erwarte, werden Investoren immer stärker in Aktien fliehen und dort die nächste gigantische Blase aufpumpen. Ich halte es für durchaus denkbar, dass der DAX Ende des Jahrzehnts über 20.000 Punkten notieren wird, der Dow Jones womöglich bei 35.000 Punkten.

Es ist also JETZT an der Zeit, sich auf die Zinswende vorzubereiten. Was heißt das konkret? Nun:

  1. Wenn Sie einen Kredit oder Darlehen aufnehmen wollen, dann zeitnah. Bedenken Sie jedoch: ein Kredit ist kein Selbstzweck. Überprüfen Sie sehr genau, ob Sie wirklich auf Kreditbasis etwas erwerben bzw. investieren möchten.
  2. Kaufen Sie keine Immobilien als Anlage! Dazu als Anregung auch nochmal der Beitrag: Was gegen die Immobilie als Inflationsschutz spricht
  3. Meiden Sie jegliche Anleihen, insbesondere Risikoanleihen!
  4. Shorten Sie keine Aktienindizes (auch wenn es sicher auch starke Rückschläge wie im Herbst 2014 geben könnte).
  5. Meiden Sie Aktien von Unternehmen mit hohen Schulden und niedrigem Cashflow.
  6. Legen Sie sich bei Edelmetallen auf die Lauer. Hier sollte es – nach einem weiteren starken Rutsch auf <1.000 US-Dollar – wieder nachhaltig aufwärts gehen.
  7. Suchen Sie sich einen guten Steuerberater. Wenn die Zinswende kommt, werden die Staaten noch stärker die Steuern erhöhen (müssen), weil die Finanzierung über Anleihen teurer werden wird.
  8. Überprüfen Sie Ihre privaten Finanzen langfristig im Hinblick auf die Frage: Inwiefern könnten sich stark steigende Zinsen negativ auf mich bzw. meinen Haushalt auswirken?
  9. Vertrauen Sie keinen Aussagen von Regierungen und Notenbanken! Deren Möglichkeiten sind begrenzt und häufig mehr psychologischer Natur.
  10. Vergessen Sie nicht, dass auch Bargeld eine Anlageklasse ist und Liquidität in den kommenden Jahren immer wichtiger werden wird. Zur Erinnerung: Bargeld lacht! Cash is king!

Ihr Feedback ist jederzeit willkommen.

Jul 302014
 

Seit geraumer Zeit beschäftigt mich ein Gedanke. Ich verfolge sehr intensiv verschiedene Technologien und habe den Eindruck, dass in sehr vielen Bereichen „Durchbrüche“ stattfinden, die seit Jahrzehnten stabile Branchen völlig „durchrütteln“ werden. Schumpeter würde hier womöglich von „kreativer Zerstörung“ sprechen.

Per se ist das eine positive und notwendige Entwicklung. Doch wie mir scheint gehen viele dieser Entwicklungen zu schnell. Zu schnell für unsere Sozialsysteme. Zu schnell für unsere Arbeitsmärkte. Zu schnell für weite Teile der Bevölkerung, die „nicht mehr mithalten“ können. Zu schnell, dass sich vorherige Investitionen noch amortisieren könnten. Und das wird nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung einen „starken Dämpfer“, eine Gegenbewegung  hervorrufen. Es wird zu erheblich steigender Arbeitslosigkeit führen und viele Investitionen unrentabel werden lassen.

Strukturwandel hat es immer gegeben, Jobs verloren auch früher schon ihre Relevanz. Doch dies ging noch nie so schnell wie heute vor sich. Jobs werden wesentlich schneller vernichtet, als neue entstehen, es gibt Schätzungen wonach rund die Hälfte aller Jobs vor dem Aus stehen. Welche Folgen dies auf die Sozialsysteme, Staatsfinanzen und insbesondere auf die Stabilität unserer Gesellschaft hat, kann man sich leicht vorstellen. Die Folgen einer weiter steigenden Kluft zwischen Arm und Reich habe ich hier beschrieben.

Diese Erkenntnis ist in der globalen Politik leider immer noch nicht angekommen, denn überall versuchen die Regierungen eher, über Währungsabwertungen und Handelsbeschränkungen Vorteile zulasten anderer Staaten zu gewinnen um damit den eigenen Arbeitsmarkt und die eigene Wirtschaft zu stärken. Dies funktioniert jedoch nicht, da das Problem nicht primär in niedrigeren Human-Kosten, sondern in sinkenden Produktionskosten und gesättigten Märkten liegt. Und ich habe den Verdacht, dass die zunehmende Durchdringung energieeffizienter Technologien bei gleichzeitiger Erhöhung der Energieproduktion durch Solaranlagen u.a. auch die Energiekosten dauerhaft senken wird (das könnte jedoch durch einen neuerlichen „Weltkrieg“ anders kommen), womit die Produktionskosten noch weiter sinken würden. Die Ironie ist dabei, dass dadurch noch weniger Menschen zur Arbeit gebraucht werden und damit – schon rein technisch bedingt – die Arbeitslosigkeit noch weiter steigt.

Beschleunigt wird dieser Trend durch die globale Nullzinspolitik. Sie treibt Technologie voran und wertet menschliche Arbeit ab. Sie ist wie Adrenalin. Und wie wir wissen, führt zu viel Adrenalin zu Herzrasen und womöglich sogar zum Infarkt. Die Nullzinspolitik leitet Kapital aus einem „Anlagenotstand“ heraus in immer riskantere Anlagen. Die Börsen werden womöglich bald ihre Aufwärtstrend noch weiter verschärfen, wobei ich denke, dass sich das eher in den USA und Asien vollziehen und Kapital aus Europa ein wesentlicher Treiber sein wird.

Dies ist ein „Cocktail“, der binnen weniger Jahre zu dramatischen und sehr schnellen Umbrüchen führen wird. Vielleicht ist Ihnen das Phänomen der Interferenz bekannt. Aus meiner Sicht erzeugt die globale Nullzinspolitik eine gefährliche Synchronisation von wirtschaftlichen Entwicklungen. Durch die Globalisierung erscheinen alle Märkte (womöglich abgesehen von kleinen afrikanischen Märkten) immer stärker positiv korrelierend und wir sind mehr denn je anfällig für systemische Krisen. Daher wird die nächste Krise vermutlich wesentlich heftiger als jene in 2008, deren psychologische Basis meines Erachtens ohnehin nie ausreichend untersucht wurde. Die Reaktionen von Notenbanken und Politik werden dann womöglich noch extremer ausfallen. Und „mehr Adrenalin“ könnte dann den Patienten „umbringen“…

In diesem Kontext möchte ich Ihnen nochmals meinen Beitrag „Kaufkraftschutz in Zeiten von Anlagenotstand und Finanzrepression“ zur Lektüre empfehlen. Es ist Zeit für ein neues Denken. Und Handeln!

Feb 252014
 

Auf fuw.ch war kürzlich der folgende Chart zu finden:

Japan_Demografie_Deflation

Wichtig ist demnach die Erkenntnis, dass es eine sehr enge Korrelation zwischen Deflation und Bevölkerungsentwicklung gibt.

Die japanische Notenbank bzw. die Regierung haben es sich zum Ziel gesetzt, die Inflation auf etwa zwei Prozent anzuheben um damit neues Wachstum zu erreichen. Die Idee ist also, die Konsumenten aus Angst vor Geldentwertung zu Ausgaben zu animieren.

Nun, wenn wir uns die Grafik ansehen, sollte klar werden, dass dies kein leichtes Unterfangen ist. Bei wikipedia erfahren wir zudem zur Demografie Japans:

„Die Bevölkerung begann 2005 zu schrumpfen, als 1,067 Mio. Geburten 1,077 Mio. Todesfälle gegenüberstanden. Unter Annahme der derzeitigen Geburts- und Todesraten wird die Bevölkerung von 127 Millionen im Jahre 2005 auf 100 Millionen im Jahr 2050 und gar auf nur 64 Millionen im Jahr 2100 gefallen sein.“

Wenn man sich mal den typischen Ausgabenzyklus eines Menschen vorstellt, so leuchtet es ein, dass die größte „Konsumfreude“ vorherrscht, wenn eine Familie gegründet wird – also im Alter zwischen 30 und 40 Jahren. Ich kann das aus persönlicher Erfahrung (3 Kinder) voll bestätigen… :-) Konsum hat doch weniger mit „Spaß“ oder „Präferenzen“ denn mit „Notwendigkeiten“ zu tun.

Und genau hier liegt das Problem: die japanische Geld- und Fiskalpolitik kann daran nichts wesentlich ändern. Im Gegenteil: Jeder Konsum in höherem Alter belastet künftigen Konsum, ohne dass „Ersatz“ nachkäme. Die Demografie-Kurve Japans weist unerbitterlich und klar in eine einzige Richtung: abwärts.

Ich bin daher davon überzeugt, dass Quantitative Easing in Japan scheitern wird. Mehr noch: der anhaltende Versuch, Japans Wirtschaft wieder in Gang zu setzen („Abenomics“), wird einen „Infarkt“ bzw. Kollaps auslösen. Man stelle sich mal vor, man würde einem betagten 65-Jährigen ständig Anabolika spritzen, damit er wieder so schnell läuft und so stark wird wie ein 20-Jähriger. Das mag eine Zeit lang scheinbar klappen. Doch es braucht nicht viel Verstand um einzusehen, dass man damit eher ein Risiko verstärkt denn eine Chance schafft.

Wie mehrfach hier auf kaufkraftschutz.de beschrieben wird Japan im Ruin enden. Und ich glaube, es wird eine Art von Ruin sein, die wir lange Zeit nicht vergessen werden. Konkret erwarte ich, dass sich Japans Staatsverschuldung so lange weiter aufblähen wird, bis der Glaube an den Yen und die Macht von Regierung und Zentralbank vollkommen erodiert ist – insbesondere bei der eigenen Bevölkerung. Sobald dieser psychologische Wendepunkt erreicht ist, wird irgendein Auslöser – z.B. ein stärkeres Erdbeben, ein Crash in China, ein lokaler Krieg – zu einer Panik führen, den keine Notenbank und kein Staat der Welt mehr aufhalten können wird. Kapital wird aus Japan abrupt fliehen und die Wirtschaftsleistung in einer Schockstarre geradezu zum Erliegen kommen – ähnlich wie 2008, nur noch wesentlich dramatischer.

Ein Extrem-Szenario? Vielleicht. Doch genau damit rechne ich. Und zwar um das Jahr 2020. Erinnern Sie sich an mich und diese Seite, wenn es so weit ist. Niemand soll sagen, es wäre nicht vorhersehbar gewesen! Die größte Blase heute ist nicht das QE oder die Bewertungen von Wertpapieren oder Immobilien, sondern der blinde Glaube an staatliche Institutionen, staatliche Versprechen und die „Steuerbarkeit“ von Wirtschaft abseits von fundamentalen Entwicklungen wie der Demografie.

Jan 162014
 
trends

Die letzten Monate habe ich sehr viel – noch mehr als sonst – gelesen und mich bewusst mit dem Schreiben zurückgehalten. Ich musste erst mal einiges genauer recherchieren und „wirken lassen“. Nun möchte ich Sie an einigen Reflexionen dazu teilhaben lassen.

Stichworte: Technologischer Fortschritt / Weltwirtschaftssystem. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass sich der technologische Fortschritt beschleunigt und damit immense „Sprengkraft“ auf ganze Wirtschaftszweige ausübt. Mehr noch: ich sehe einen Trend zu strukturell steigender Arbeitslosigkeit, da immer mehr menschliche Arbeit – auch geistige – von Software und Maschinen übernommen wird. Dies ist wahrlich kein neuer Trend. Neu ist aber die Geschwindigkeit, in der das passiert. Dieser Trend wird aus meiner Sicht bis ca. 2020 zu einer „Welt-Depression“ führen und eine völlige Neuorientierung hinsichtlich unserer Wirtschafts- und Sozialsysteme erzwingen. Effektivität wird dann wieder mehr im Fokus stehen als Effizienz.

Stichworte: Überwachung / „Bürgerkrieg“. Es wird global zu immer größeren sozialen Unruhen und Aufbegehren gegen Staaten und Großunternehmen kommen. Daher wird immer mehr Hightech zur Kontrolle der Bevölkerung eingesetzt werden. Auch das ist kein neuer Trend, wenn man an Nackt-Scanner, Video-Überwachung, Vorratsdatenspeicherung und Waffen wie den Taser denkt. Auch die Enthüllungen zu den Aktivitäten der NSA zeigen nun ganz eindeutig und offen den Trend. Daher werden Gruppierungen wie Anonymous oder WikiLeaks wachsen, immer mehr Menschen beginnen, sich anders zu organisieren und aktiv zu werden. Überwachung wird ein Massen-Phänomen sein. Jeder wird jeden in nie gekannter Dimension überwachen (Trojaner, Mini-Kameras in „Smart Devices“ und Drohnen, etc.), Technologie immer mehr manipulativ eingesetzt werden. Wir werden in vielen Ländern „Bürgerkriege“ eines neuen Typs erleben.

Stichworte: Social Media / World Wide WebIm kommenden Umbruch wird die bisherige Skepsis gegenüber Großunternehmen in Ablehnung ihrer Produkte und Dienstleistungen übergehen. Dies wird allmählich geschehen und erst in einigen Jahren wird man die heutige Zeit als Zenit der offenen Vernetzung und der global agierenden Großunternehmen erkennen. Das World Wide Web wie wir es kennen (Browser, HTML-Seiten) wird erheblich an Bedeutung verlieren und durch Apps, Darknets und Freenet abgelöst werden. Insofern könnte 2014 ein hervorragendes Jahr sein, um Facebook & Co. zu shorten. 

Stichwort: Bitcoin. Alternative Zahlungsmittel schießen gerade wie Pilze aus dem Boden, wobei Bitcoin als „First Mover“ der unabhängigen Digitalwährungen besonderes Interesse generiert. Ich gehe davon aus, dass Bitcoin als Muster für eine neue Ordnung steht – eine Ordnung, in der das staatliche Geldmonopol und damit ein Eckpfeiler staatlicher Macht zerfällt. Das bedeutet nicht, dass Sie ihr Vermögen in Bitcoin transferieren sollen! Aus meiner Sicht hatte der Anstieg alle Charakteristika einer Blase. Doch die Idee hinter Bitcoin wird bleiben und den Zusammenbruch der derzeitigen Währungsordnung abmildern.

Stichwort: Energie. Die Zeit des Erdöls geht zu Ende. Peak Oil kommt, aber nicht angebotsinduziert, sondern nachfrageinduziert! Folglich rechne ich damit, dass der Ölpreis begonnen hat, langfristig und dauerhaft zu fallen. Dies bedeutet indes nicht, dass der Ölpreis abstürzt – es ist eher ein Prozess über viele Jahre. Die Auswirkungen werden jedoch immens sein. Damit meine ich weniger die Automobilindustrie, die gerade von Tesla „aufgemischt“ wird. Nein, ich denke an den Nahen und Mittleren Osten. Ein fallender Ölpreis wird mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit die gesamte Region in eine wirtschaftliche Depression stürzen und damit den politischen Umwälzungsprozess noch verstärken. Saudi Arabien könnte dann schnell „Geschichte“ sein. Ergo: Öl-Aktien würde ich dauerhaft meiden.

Stichwort: China. Ich habe hier bereits einige Beiträge zur kommenden Wirtschaftskrise Chinas verfasst. Nach meiner Einschätzung wird diese Krise spätestens 2016 offen ausbrechen, was weltweit zu Verwerfungen führen und sogar eine neuerliche Euro-Krise bewirken wird. Generell sehe ich eine neue Asien-Krise am Horizont, welche aber mehr politischer Natur sein wird. Erste Ausläufer davon sehen wir bereits im Konflikt zwischen China und Japan sowie den Unruhen in vielen asiatischen Ländern.

Weitere Gedanken in Kürze – Ihr Feedback ist sehr willkommen!

Mrz 112013
 

Ein Manager soll maximal 20-mal so viel verdienen wie sein am schlechtesten bezahlter Angestellter, forderte gestern Sahra Wagenknecht in der ARD-Sendung „Günther Jauch“. Per se war das für eine „Linke“ keine überraschende Forderung. Interessant war jedoch, dass sich auch das Publikum bei der Abstimmung zu dieser Forderung mehrheitlich (58%) für die Begrenzung von Manager-Gehältern aussprach. Und wenn man dem „Deutschlandtrend“ des Meinungsforschungsinstituts Dimap glauben darf, sind sogar 89% der Befragten für eine solche Regelung.

Was wir hier erleben, ist ein nicht zu unterschätzender Trend, wie auch die sehr erfolgreiche Schweizer Volksabstimmung über die „Initiative gegen die Abzockerei“ zeigt. Auch in den Vereinigten Staaten von Amerika ist die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich inzwischen ein großes Thema. Schauen Sie sich zum Beispiel die Reaktionen zu diesem YouTube-Video über Vermögensungleichheit in den USA an:

Ich bin davon überzeugt, dass – wenn sich die Politik dieses Themas nicht ernsthaft und glaubwürdig annimmt – der Weg geebnet wird für extreme Positionen bis hin zu Entwicklungen abseits des politischen Prozesses. In anderen Worten: Zunehmende soziale Spannungen, Ausschreitungen, Unruhen.

Diesen Trend verfolge ich hier schon seit 2009 und denke, dass die Kombination aus Sparzwängen überschuldeter Staaten und erheblicher Job-Verluste durch eine zunehmende nie dagewesene Automatisierung unsere Gesellschaften erheblichen Zerreiß-Tests aussetzen werden. Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker sieht gar eine Kriegsgefahr in Europa.

Ob es so weit kommt weiß ich nicht. Aber schon vor zehn Jahren schrieb ich in meiner Recherche „Die absehbare Krise des Fiat Money“:

„Unser heutiges Geldsystem ist langfristig nicht tragfähig. Der japanische Weg der völligen Überschuldung in der Hoffnung, eine globale strukturelle Veränderung aufzuhalten, wird auch in den USA und in Europa nicht funktionieren. Die „neue Weltordnung“, wie es auf jedem 1 US-Dollar-Schein heißt, hat ihren Zenit überschritten. Ich glaube, dass diese strukturelle Krise (die sie ja lediglich aus unserer Sicht ist), noch viele Jahre andauern kann. Alles Bestreben das System zu erhalten wird letztlich nichts nützen. Der Turmbau zu Babel, die gigantische Schuldenpyramide welche dieses System geschaffen hat, wird früher oder später in sich zusammen fallen. Dem Geldvermögen, das wir angehäuft haben, steht eine entsprechende Summe an Schulden gegenüber. Es ist daher durchaus denkbar, dass sich unser Wohlstand in „Luft“ auflöst. Dabei liegt es an der Ein- und Weitsicht der Politik wie auch der Wirtschaft, welche sozialen und politischen Entwicklungen mit der Krise des Fiat Money einhergehen werden. Die Basis für eine Systemkrise ist jedenfalls gelegt.“

Seit dem hat die Krise nie wirklich geendet, sondern immer „nur“ neue Etappen eröffnet. Und womöglich ist der nächste Dominostein der Staat selbst, wie Markus Gaertner es hier skizziert. Keine erfreuliche Perspektive, doch letztlich – historisch betrachtet – nichts ungewöhnliches.

Was Sie indes sehen und in proaktive Handlungen umsetzen müssen ist, dass Kaufkraftschutz nicht nur ein Anlageaspekt ist und dass wir auf eine Neuordnung zusteuern, die weitaus umfassender sein wird als „nur“ eine Währungsreform. Ich rechne fest damit, dass aus einer Phase nahe des Chaos heraus in den kommenden zehn Jahren ein neues Weltwirtschaftssystem entstehen wird, das sich insbesondere durch mehr Lokalität, Teilen und weniger Effizienz bzw. mehr Lagerhaltung und Redundanz auszeichnen wird.

Bleibt zu hoffen, dass es nicht zuvor zu einem „Untergang“ kommt, wie er hier beschrieben wird…

Feb 072013
 

Bei Spiegel Online lesen wir heute, dass der Euro zu stark sei und europäische Regierungschefs ähnlich wie in Japan und den USA die Währung abwerten wollen. Zitat „Der Befehl zum Euro-Drucken wird die Inflationsgefahr verschärfen.“

Wie jetzt? Gerade eben hatten wir noch die „Euro-Krise“ und der Euro schien mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu zerbrechen und jetzt ist er schon wieder zu stark?! Wie das?

„Der Euro steigt – weil andere Länder noch mehr Geld drucken“, so der Autor. Aha.

Die Formulierung des „Geldruckens“ kann ich inzwischen nicht mehr hören! Wo ist dann das ganze Geld, das gedruckt wird? Es dürften ja schon bald keine Bäume mehr da sein, wegen der Menge an Papier, die hierzu doch sicher gebraucht wird…

Nein, das ist Quatsch! Richtig ist, dass immer mehr Notenbanken den Staat finanzieren, in dem sie immer mehr Staatsanleihen in ihre Bücher nehmen. Doch das ist per se zunächst nur ein Buchungsvorgang. Real führt er natürlich dazu, dass wir sehr niedrige Zinsen haben, was im aktuellen Kontext einer ernsten Deflationsgefahr vermutlich richtig ist.

Doch einen echten Währungskrieg gibt es nicht! Es ist ein Mythos! Wie soll dieser auch aussehen? Wenn der Euro abwerten soll, der Yen abwerten soll, der US-Dollar abwerten soll, der brasilianische Real abwerten soll, ja sogar der Schweizer Franken abwerten soll, was bleibt denn dann noch übrig?! Wogegen soll dann noch abgewertet werden? Womöglich gegen Sachwerte, aber sicher nicht gegen die jeweils anderen Währungen. Insofern sollte man die Rhetorik der Politiker, die regelmäßig nicht gerade wirtschaftliche Experten sind, besser ignorieren.

Geht man zum Beisiel nach einem sehr simplen Indikator für Über- oder Unterbewertungen von Währungen wie dem „Big Mac Index“, kommt man zu ganz anderen Schlüssen. Demnach sind der Südafrikanische Rand und die Indische Rupie stark unterbewertet. Euro, Yen und US-Dollar geben und nehmen sich jedoch nicht viel. Insofern sind hier keine weiteren dramatischen Bewegungen zu erwarten.

Und dass eine Notenbank einfach auf Knopfdruck Inflation erzeugen kann ist ebenso ein Mythos. Wieso ist Japan sonst nicht schon viel früher auf die Idee gekommen? Wieso herrscht in dem Land schon seit fast 20 Jahren Deflation vor?

Alles hat seine Zeit. Und nun war die Zeit gekommen, wo der japanische Yen massiv abwertet. Dies haben wir hier im Blog mehrfach angekündigt, es fehlte nur ein Auslöser. Die Bank of Japan hat die Nerven verloren und einen Schwenk zu extremeren Maßnahmen vollzogen. Doch ob diese „erfolgreich“ sein werden bleibt abzuwarten.

Wie schon einmal geschrieben gilt hier das Sprichwort: „Sei vorsichtig mit dem was du dir wünschst, es könnte in Erfüllung gehen.“ Noch ist nichts wesentliches passiert und der Medienrummel um den „Währungskrieg“ nichts als irrelevantes „Rauschen“.

Und auch die Inflation wird so schnell noch nicht kommen. Alles hat seine Zeit.

Feb 072013
 
Historische Geldscheine

Wer nicht gerade aus der Finanzbranche kommt oder Wirtschaft und Börse zu seinen Hobbies zählt, wird womöglich nur eine diffuse Vorstellung davon haben, was Kaufkraftschutz oder der mehr oder weniger synonym verwendete Begriff Inflationsschutz bedeutet. Wollen wir also für etwas mehr Klarheit sorgen:

Geld ist ein Austauschmedium. Es macht den Handel leichter, denn stellen Sie sich vor, Sie müssten jedes Mal für einen Auto-Kauf einige Tonnen Weizen oder etwas anderes beischaffen. Im Falle des Weizens käme noch dazu, dass es eine verderbliche Sache ist. Insofern ist Geld ein Tauschmittel, das dem Tauschpartner seinerseits den Tausch gegen andere Güter oder Dienstleistungen ermöglicht. Nun müssen Sie jedoch den folgenden Satz Voltaires bedenken:

„Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem inneren Wert zurück – Null.“

Tatsächlich hat Bargeld keinen eigenen inneren Wert, wenn man mal vom Nutzwert des Papiers absieht. Dies gilt noch mehr für Buchgeld, also immaterielles Geld. Dieses ist nicht mal greifbar, es ist mehr oder weniger eine Idee bzw. ein Versprechen.

Nun definiert ein Meter eine bestimmte unmissverständliche und unveränderliche Länge. Doch was definiert ein Euro?

Genau da nähern wir uns dem an, was man als Kaufkraft bezeichnet. Die Kaufkraft ist der Maßstab für den Wert des Geldes. Sie gibt an, welche Güter- oder Dienstleistungsmenge mit einem bestimmten Geldbetrag gekauft werden kann. Schauen Sie sich zum Beispiel die Preisentwicklung von Brot an. Sie erkennen sofort, dass der Preis in DM und später in Euro tendenziell immer nur gestiegen ist. Mit anderen Worten: für den einen Euro konnten Sie in den zurückliegenden Jahren immer weniger Brot bekommen. Die Kaufkraft des Euro gegen Brot ist gesunken.

Die letztere Formulierung mag Sie etwas irritieren, doch es ist wichtig, das so auszudrücken. Zum Einen könnte Brot einfach teurer geworden sein, weil es mehr Nachfrage und/oder weniger Angebot gibt. In dem Fall käme der Kaufkraftverlust durch ein verändertes „Marktgleichgewicht“ zustande. Brot hat demnach dann einen höheren Wert relativ zu anderen Gütern und Dienstleistungen gewonnen.

Der Preisanstieg könnte aber auch mit der Währung selbst zusammenhängen. Das, was viele mit Inflation verbinden, ist „Gelddrucken“. Historisch haben sich Staaten so oft ihrer Schulden entledigt. Sie haben einfach die Geldmenge wesentlich stärker erhöht, als sich zur gleichen Zeit das Angebot an Gütern und Dienstleistungen erhöht hat. Konkret bedeutete das, dass der Edelmetallanteil in Münzen reduziert und die Münzmenge erhöht wurde. Oder eben hinsichtlich Papiergeld, dass mehr davon gedruckt und in Umlauf gebracht wurde.

Recht schnell klar wird Ihnen der Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisen beim Spiel „Monopoly“. Ohne das „Los-Feld“ würde die Geldmenge nicht steigen. Dann könnten aber auch die Preise der Straßen nicht wesentlich steigen. Das Spiel wäre recht schnell aus und in gewisser Hinsicht langweilig. Ironischer Weise zeigt dieses Spiel, das ein gewisses Maß an Geldmengenausweitung bzw. Inflation nötig ist, insbesondere, da in der realen Welt die „Straßen“, also Güter und Dienstleistungen zunehmen. Also sollen Staaten immer mehr Geld drucken?

Nun, das Spiel diente der Veranschaulichung, unsere Welt ist jedoch extrem viel komplexer. Wenn Sie heute etwas von „Gelddrucken“ lesen, so ist dies in der Regel nur ein Vergleich, inhaltlich jedoch meist falsch. In einem Kreditgeldsystem brauchen wir kein Papier zu drucken, es reichen simple Buchungsvorgänge. Der Wert einer Währung bzw. die Kaufkraft hängt maßgeblich vom Vertrauen seiner Nutzer ab. Es ist nicht so ohne weiteres möglich zu bestimmen, welche Geld- bzw. Kreditmenge „richtig“ ist. Daher sind auch all jene, die schon seit Jahren eine massive Inflation herbeirufen, Lügen gestraft worden. Es ist eben nicht so, dass zum Beispiel die Ausweitung einer Zentralbankbilanz unmittelbar zu steigenden Preisen führt. Das Geld „liegt ja nur auf Konten“.

Und es ist auch nicht einfach damit getan, die Verschuldung von Staaten relativ zur Wirtschaftsleistung zu betrachten. Dies ist zwar per se ein guter Indikator, aber er muss doch ebenfalls wiederum relativ zum jeweils betrachteten Staat gesehen werden. Einem Land wie Simbabwe traut man eben weniger zu, Schulden wieder zurückzuzahlen, als dem absolut gesehen weitaus stärker verschuldeten Japan. Denn letztlich zahlt der Staat gar nichts. Es sind seine Bürger, sodass deren Leistungsfähigkeit eine zentrale Rolle spielt. Dies betrifft sowohl die „Bürgermenge“ bzw. Anzahl der erwerbsmäßig arbeitenden Menschen, als auch deren Alters-Zusammensetzung – also die Demografie. Zudem – und spätestens da wird es sehr schwierig – muss man schauen, wie innovativ und produktiv die Bürger sind. Bringt ein Land ständig neue nützliche Produkte und Dienstleistungen hervor, die im In- sowie Ausland nachgefragt werden, wird selbst bei ungünstiger Demografie nicht unmittelbar eine Schulden- oder Währungskrise entstehen.

Sie sehen, das Thema ist letztlich wesentlich vielschichtiger, als es zunächst aussieht.

Um die Eingangsfrage zu beantworten: Kaufkraftschutz bzw. Inflationsschutz bedeutet, dass ihre in Geld- bzw. Buchwerten geparkte „Tauschkraft“ erhalten bleibt. Steigen die Preise allgemein („Warenkorb“), sollte ihr Vermögen prozentual mindestens genau so stark steigen.

Doch grundsätzlich fängt Kaufkraftschutz schon eine Ebene vorher an: beim Kapitalerhalt und -zugang. Es nützt Ihnen nämlich nichts, wenn Sie neun Jahre lang gute Erträge erreicht haben, im zehnten jedoch ihr Vermögen zu einem großen Teil ausgelöscht wird oder Sie beim Eintritt in eine Krise keinen Zugang dazu haben. Wenn ständig kritisiert wird, dass die Deutschen ihr Geld unklug anlegen, so wird hierbei doch übersehen, dass es in gewisser Hinsicht rational ist. Wer sein Geld unter das Kopfkissen legt hat zwar keinen Ertrag, aber eben – wenn man mal vom Diebstahl absieht – auch kein Liquiditäts- und Anlagerisiko und keinen Aufwand mit Informationsbeschaffung oder sonstige Kosten. Natürlich wird Ihnen das so kein Finanzberater sagen, denn damit verdient er kein Geld. Ich möchte auch keineswegs ein solches Verhalten als „klug“ oder „richtig“ bezeichnen, doch ein gewisser Anteil an Cash bzw. kurzfristig verfügbare Mittel sind in jedem Fall empfehlenswert.

Und wer hier argumentiert, das sei ja auch über Gold- und Silbermünzen möglich, dem möchte ich anraten, einfach mal etwas mit Gold oder Silber bezahlen zu wollen. Selbst im extremen Krisenfall glaube ich nicht, dass Gold- und Silbermünzen so sinnvoll sind: zu groß dürften Vorbehalte über die Echtheit sein – und wie soll eigentlich beim Brot-Kauf wieder was „raus gegeben“ werden? Hat Ihr Bäcker ausreichend kleine Mengen an Silber da? Persönlich denke ich, dass Edelmetalle ein legitimes Mittel zum Kaufkrafterhalt sind, jedoch mitnichten DIE Lösung für alle Szenarien darstellen. Nicht ohne Grund hatten sich Zigaretten- und eben nicht Gold oder Silber –  nach dem Zweiten Weltkrieg als ein wesentliches Tauschmedium herausgestellt. Vielleicht sind es bei der nächsten Krise Batterien oder Schokoriegel. Klar hingegen ist, dass Edelmetalle Krisen überdauern und Wert erhalten.

Kaufkraftschutz ist nach meinem Verständnis indes eine umfassendere Strategie. Es geht nicht nur um Vermögenserhalt durch sinnvolle breit gestreute Investments, sondern zum Beispiel auch um den Erhalt Ihrer Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Dazu gehört zum Beispiel ein vernünftiges Maß an Vorratshaltung, dazu gehört, dass Sie ein soziales Netzwerk pflegen, dazu gehört, dass Sie Ihre Gesundheit erhalten, dazu gehört, dass Sie sich regelmäßig fortbilden.

Im weitesten Sinne ist Kaufkraftschutz demnach nichts, was nur Menschen mit Geld- bzw. Buchvermögen betrifft. Es ist eine Denkhaltung, aus der ein bestimmtes Handeln entspringt. Nämlich die, dass es keine Garantien gibt, dass nicht der Staat sich kümmern muss, sondern man selbst. Dass man Verantwortung für sich übernimmt, Szenarien durchspielt und Gewohnheiten annimmt, die einen unabhängiger werden lassen von Einkommen, Geldwert und unserem heutigem Wirtschaftssystem generell.

Wer dies nicht tut, wird mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit „Opfer der Umstände“ werden. Also bleiben Sie dran, nutzen Sie die Ideen auf dieser Seite. Und empfehlen Sie diesen Beitrag so viel wie es geht weiter!

Jan 142013
 

Ein ganzer Rucksack voll Geld ist nötig, um in einem Supermarkt ein paar Sixpacks Bier zu bezahlen – so geschehen in Weißrussland, wo eine Hyperinflation grassiert:


Was das Video indes auch anschaulich macht: eine Hyperinflation muss nicht das Ende der Welt sein. Schaut man sich die Regale des Supermarktes im Hintergrund an, so sind diese noch immer prall gefüllt. Und die Menschen gehen noch immer ihrer Arbeit nach. Selbst die geplagte Kassiererin nimmt es mit Humor.

Sicherlich wäre es eine „Katastrophe“, wenn die Ersparnisse vieler Menschen durch eine Hyperinflation verloren gingen. Doch letztlich – so lehrt uns die Geschichte – sind solche Phasen immer nur Übergänge zu einem Neubeginn. Wichtig ist demnach, mental flexibel zu bleiben und sich nicht durch Krisen mitreißen zu lassen. Dabei helfen vor allem Freunde und Familie.

Wer also mit dem Schlimmsten rechnet und Vorräte aufbaut, sollte sich mit der gleichen Akribie auch um intakte persönliche Beziehungen kümmern. Da man solche nicht kaufen und einlagern kann, ist demnach der schwierige Weg zu gehen: regelmäßig seinen Nächsten etwas Gutes tun. Und wenn wir alle dies tun, kommt es womöglich gar nicht erst dazu, dass wir Vorräte oder gar Waffen brauchen.

Zu einfach gedacht? Was denken Sie? Was TUN Sie?